Romkerhalle

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Hotel und Restaurant: Königreich Romkerhall
Verlobungsinsel mit Verlobungsbrücke im Okertal bei Romkerhalle
Wasserkraftwerk Romkerhalle
Okertal
Romkerhall mit Kraftwerk und Wasserfall (Blick von Westen in Richtung Tal der Romke)

Romkerhalle (häufig auch Romkerhall genannt) ist ein Wohnplatz im Gebiet der Stadt Goslar des niedersächsischen Landkreises Goslar (Deutschland).

Auf dem Gebiet befindet sich ein aus Hotel und Restaurant bestehendes Anwesen im Okertal des Mittelgebirges Harz. Auch aufgrund des Romkerhaller Wasserfalls ist es beliebtes Ausflugsziel, das als Königreich Romkerhall − das kleinste Königreich der Welt!“[1] vermarktet wird.

Geographische Lage

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Romkerhalle liegt im Oberharz im Naturpark Harz rund 5 km südlich des Goslarer Stadtteils Oker und etwa 1,5 km (jeweils Luftlinie) nordöstlich des Okerstausees an der Bundesstraße 498 auf etwa 335 m ü. NHN.[2] Etwa 200 m südlich steht das Wasserkraftwerk Romkerhalle, das mit Stauseewasser betrieben wird. Die Gaststätte gehört zur Stadt Goslar, das Elektrizitätswerk allerdings zum südlich davon gelegenen Ortsteil Schulenberg der Stadt Clausthal-Zellerfeld. Zwischen dem Kraftwerk und Romkerhalle münden aus östlichen Richtungen kommend erst die Große Romke und dann die Kleine Romke in die Oker.

Um den Verkehr zu fördern und zu erleichtern, begann man zu Anfang des 19. Jahrhunderts auch im Okertal mit dem Ausbau von Wegen. 1817 wurde nach einer Planung des Kammersekretärs von Eschwege der erste Fahrweg im Okertal gebaut – er verlief unter dem Ziegenrücken entlang über die Studentenklippe und Kästenecke. Auch die Holzabfuhr war nun erleichtert und die Händler konnten bequem den Oberharz erreichen. Dieser schmale und romantische Weg ist noch auf der östlichen Talseite in der unteren Hanghöhe vorhanden und begehbar. Er senkt sich nach Romkerhalle hinunter, wo ehemals eine große, gewölbte Steinbrücke die Oker überquerte.[3][4]

Unter der Leitung des Oberbergmeisters Ahrend wurde dann die Anlage einer neuen, „bequemen Straße“ durch das Okertal bis nach den Birkentälern unternommen. Sie wurde von 1856 bis 1861 unter großen Schwierigkeiten, welche die Sprengungen der großen, bis an das Uferbett reichenden Felsmassen verursachten, für die Summe von 28.945 Talern angelegt. 1865 wurde unter Leitung des Oberhüttenmeisters zum letzten Mal Holz geflößt und das 1542 errichtete Rechenwehr unterhalb der Kirche in Oker abgebrochen. Danach konnten mehrere Holzschleifwerke im unteren Okertal eingerichtet werden.[3][5]

Die Felsen des Romkerhaller Wasserfalls zogen schon vor dessen Anlage die Aufmerksamkeit auf sich. Ab 1861 erfolgte durch die Direktion der Forsten und Jagden in Braunschweig die Verpachtung einer 40 Quadratruten und einer zwei Morgen großen Fläche vom Forstort Käste Nr. 3, Revier Oker an den Gastwirt Lüer aus Oker behuf Anlage eines Restaurationsgebäudes.[6] Dessen feierliche Einweihung durch den Besitzer und gleichzeitigen Betreiber H. Lüer fand am 1. Mai 1863 statt.

Zur besseren Erreichbarkeit des Anwesens ließ der Harzburger Badekommissar Hermann Dommes 1863 einen Promenadenweg von Harzburg über die Kästeklippen (Käste) nach Romkerhalle anlegen.[7]

Hotel Romkerhalle um 1900

Erste Grundbuchaufzeichnungen gibt es erst seit der Übernahme des Anwesens durch die Familie Hulsch (1890). 1903 erfolgte der Bau der Villa Helene als Pensionshaus und 1928 wurde ein Saal über die Oker angebaut. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sprengte man die Okerbrücken der heutigen B 498 beim Waldhaus und unmittelbar südlich von Romkerhalle, was jedoch den Einmarsch der US Army nicht aufhielt. Zudem wurde das Anwesen schwer beschädigt, der Wiederaufbau dauerte bis 1948.[3][5][4]

Am 27. August 1983 brannte es in der Villa Helene.[8] Seit 1988 bewerben die wechselnden Betreiber der dortigen Gaststätte den Ort mit Königreich Romkerhall. Sie begründen dies damit, dass die Liegenschaften keiner Gemeinde zugeordnet sind, sondern sich im gemeindefreien Gebiet befinden.[9]

Am 20. Oktober 2023 brannte eines der Gebäude („Villa Helene“) in Romkerhalle aus bislang ungeklärter Ursache nieder.[10]

Romkerhaller Wasserfall (2009)
Der Zufluss zum Wasserfall

Romkerhaller Wasserfall

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Der Wasserfall im Jahr 2024

Bei Romkerhalle stürzt an der felsigen Ostflanke des Okertals unterhalb des Huthberg-Ausläufers Kleiner Romke (441,7 m ü. NHN)[11] der etwa 64 m[12] hohe Romkerhaller Wasserfall als mit Abstand höchster Kunstwasserfall im Harz an der Romke-Klippe (zeitgenössisch auch Rohmkerklippe oder Marmorklippe genannt) hinab. Dorthin wird ein Teil vom Wasser des Oker-Zuflusses Kleine Romke über einen etwa 350 m[11] langen Graben geleitet.

Die heutige Ortsbezeichnung Romkerhalle (zunächst Rohmker-Halle) wird erst seit Eröffnung von Restauration und Logirhaus von H. Lüer im Jahre 1863 verwendet.[13] Zur romantischen Attraktivierung des neueröffneten Anwesens wurde im gleichen Jahr der künstliche Wasserfall angelegt.[14] Dieser wurde zunächst nur nachmittags in Betrieb genommen und bildete eine Schleierkaskade, die an den Staubbachfall im Schweizer Lauterbrunnental im Berner Oberland erinnerte und Tausende von Besuchern anlockte.

Die Gesteine des Romkerhaller Wasserfalls bestehen im Wesentlichen aus Kalken. Im Oberdevon vor etwa 370 Millionen Jahren befand sich hier ein Meer. Es war in Becken und Schwellen gegliedert. Auf den Schwellen, die näher an der Wasseroberfläche lagen, wurden Kalke abgelagert (karbonatische Schwellenfazies des Oberharzer Oberdevons). Das Gesteinspaket wurde vor etwa 300 Millionen Jahren gefaltet, versenkt, von eindringenden Graniten verändert, später wieder gehoben und dann durch die Erosion freigelegt. So kommt es, dass wir heute am Wasserfall-Felsen und der westlich davon gelegenen Rabenklippe diese alten Kalke aufgeschlossen finden. Im dazwischen liegenden Okertal stehen Kulmtonschiefer an. Der Aufstieg zum Wasserfall-Felsen erfolgt auf einem Hangweg nördlich des Felsens. Am Fuß sind einige Meter dunkle Tonschiefer-Hornfelse des Unterkarbon aufgeschlossen. Der Wasserfall-Felsen bis zur Aussichtsplattform besteht aus oberdevonischen Kalken, die tektonisch stark gestört sind. Durch den nahen, seinerzeit glutflüssigen Okergranit wurden vor etwa 290 Millionen Jahren alle Nebengesteine kontaktmetamorph verhärtet und überprägt.[15][16][17]

Romkerhalle ist Aus- und Durchgangspunkt vieler Wanderwege. Flussabwärts führt ein durch rote Dreiecke gekennzeichneter Weg entlang der von steilen Felsen umgebenen Oker. Einige der markanten Felsformationen auf dem Weg nach Oker sind die Forellenkanzel, der Froschfelsen und die Adlerklippe, die ihre Namen der markanten Form verdanken. Viele Felsen im Okertal werden besonders an Wochenenden von Kletterern genutzt. Im Fluss liegen zahlreiche große Felsblöcke, zwischen denen sich aus Schwemmmaterialien mitunter kleine Inseln gebildet haben, darunter die über eine Holzbrücke erreichbare Verlobungsinsel, die als Nr. 116[18] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen ist. Der Weg endet am Ortseingang von Oker beim Hotel Waldhaus.

Von Romkerhalle führen steile Wege hinauf zu den südlich befindlichen Ahrendsberger Klippen sowie zur im Nordosten am Huthberg gelegenen Mausefalle und von dort weiter zu den Kästeklippen, die als Nr. 118[18] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen ist. Von den Ahrendsberger Klippen fällt der Blick auf die Ansiedlung und zum Wasserfall.

Etwas westlich von Romkerhalle liegt die Rabowklippe, die im Jahr 2013 eine gewisse Bekanntheit wegen der Gefahr eines Felssturzes erlangte.

  • Hans Joachim Franzke, Irene Joss: Granitfelsen und Romkerhaller Wasserfall im Okertal, Technische Universität Clausthal, auf dgg.de, ohne Jahresangabe (PDF; 362,4 kB)
  • Hans-Joachim Franzke, Rainer Müller: Exkursion in einem geologischen Profil durch den West- und Mittelharz. In: Heinz-Gerd Röhling (Hrsg.): GeoHannover 2012 – GeoRohstoffe für das 21. Jahrhundert. Exkursionsführer und Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 248, Hannover, 2012
  • Das Okertal im Harz mit Hotel Romkerhalle. Offizieller Führer des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs im Okertal, Sitz Romkerhalle, Mitglied des Harzer Verkehrs-Verbandes, Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs im Okertal, Hulsch, Romkerhalle bei Oker (ca. 1932).
Commons: Romkerhalle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Königreich Romkerhall − das kleinste Königreich der Welt!, auf koenigreich-romkerhall.eu (Titel in Startseite)
  2. Topographische Karte Romkerhalle (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive), auf natur-erleben.niedersachsen.de
  3. a b c K. B. Fischer: Chronik des Amtes Harzburg…, 1912
  4. a b R. Wieries: Geschichte des Amtes Harzburg nach seinen Forst-, Flur- und Straßennamen, 1937
  5. a b A. Saft: Oker. Eine Chronik 1883–2007…, 2008
  6. Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel 50 Neu 5, Nr. 4817
  7. H. Schucht: Chronik und Heimatskunde des Hüttenortes Oker, 1888
  8. Festschrift 100 Jahre Feuerwehr Altenau, 2001, Seite 56
  9. Das Königreich Romkerhall und seine Geschichte. In: www.koenigreich-romkerhall.eu. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  10. Braunschweiger Zeitung: Verheerender Brand in Goslar
  11. a b Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  12. Das Königreich Romkerhall und seine Geschichte, auf koenigreich-romkerhall.eu
  13. Die vormals kaiserliche freie Reichsstadt Goslar am Harz, 1863, S. 153.
  14. H. Schucht: Chronik und Heimatskunde des Hüttenortes Oker, Harzburg, 1888, S. 150.
  15. F. Behme: Geologischer Harzführer…, 1922
  16. H.-J. Franzke & I. Joss: Granitfelsen und Romkerhaller Wasserfall im Okertal…, ohne Jahr
  17. H.-J. Franzke & R. Müller: Exkursion in einem geologischen Profil durch den West- und Mittelharz, 2012
  18. a b Harzer Wandernadel: Stempelstelle 116 / Verlobungsinsel in der Oker, auf harzer-wandernadel.de

Koordinaten: 51° 51′ 34″ N, 10° 28′ 17″ O