Ägyptische Hieroglyphen

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Die Bezeichnung „Hieroglyphen“ in Hieroglyphen

Y3 n
nTr S43
Z3

zẖ3 n.j mdw.w nṯr
„Schrift der Gottesworte“

Die altägyptischen Hieroglyphen [hi̯eroˈglyːfən] sind die Zeichen des ältesten bekannten ägyptischen Schriftsystems. Ägyptische Hieroglyphen sind keine reine Bilderschrift, sondern eine auf Bildern basierende Kombination aus Konsonanten- und Sinnzeichen, die etwa von 3200 v. Chr. bis 300 n. Chr. in Ägypten und Nubien für die früh-, alt-, mittel- und neuägyptische Sprache sowie das an das Mittelägyptische angelehnte sog. ptolemäische Ägyptisch benutzt wurde. Sie setzt sich aus Lautzeichen (Phonogramme), Deutzeichen (Determinative) und Bildzeichen (Ideogramme) zusammen. Mit ursprünglich etwa 700 und in der griechisch-römischen Zeit etwa 7000 Zeichen gehören die ägyptischen Hieroglyphen zu den umfangreicheren Schriftsystemen.[1] Eine Reihenfolge ähnlich einem Alphabet existierte ursprünglich nicht, erst in der Spätzeit wurden Einkonsonantenzeichen vermutlich in einer alphabetischen Reihenfolge, die große Ähnlichkeiten mit den südsemitischen Alphabeten zeigt, angeordnet.[2]

Ptolemäischer Hieroglyphentext am Tempel von Kom Ombo
Ptolemäischer Hieroglyphentext am Tempel von Kom Ombo

Inhaltsverzeichnis

Name

Die Bezeichnung „Hieroglyphen“ ist die eingedeutschte Form des altgriechischen ἱερογλυφικὰ γράμματα hieroglyphikà grámmata „heilige Schriftzeichen“ oder „heilige Eingrabungen“, das aus ἱερός hierós „heilig“ und γλύφω glýphō „(in Stein) gravieren/ritzen“ zusammengesetzt ist. Diese Bezeichnung ist die Übersetzung des ägyptischen zẖ3 n.j mdw.w nṯr „Schrift der Gottesworte“, das die göttliche Herkunft der Hieroglyphenschrift andeutet.

Entzifferung

Nachdem die Hieroglyphen seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. in Vergessenheit geraten waren, keimte das Interesse an den Hieroglyphen in der Renaissance in Europa wieder auf, jedoch standen den Gelehrten nur spätantike griechische Texte zur Verfügung, etwa die Hieroglyphica des Horapollo, die eine Mischung aus richtigen und falschen Informationen zur Bedeutung der Hieroglyphen enthält, indem sie auch phonetische Zeichen als Logogramme auffasst und durch sachliche Übereinstimmungen zwischen Bild und Wort erklärt. Dazu kamen die arabischen Grammatiken des Koptischen, der letzten Sprachstufe des Ägyptischen. Dies reichte zur Entzifferung dieser Schrift nicht aus. Die Angaben Horapollos führten die Bemühungen des deutschen Jesuiten und Universalgelehrten Athanasius Kircher und einiger anderer Gelehrten in die Irre. Nachdem Kirchers Entzifferungsversuche bald als falsch erkannt worden waren, wurden wesentliche Fortschritte, die schließlich zum Durchbruch führten, durch den während Napoleons Ägyptenfeldzug bei Schanzarbeiten nahe der Stadt Rosetta gefundenen Stein von Rosetta möglich. Er enthält ein griechisch, hieroglyphisch-ägyptisch und demotisch geschriebenes Dekret aus der Ptolemäerzeit, wodurch er einen idealen Anknüpfpunkt für weitere Untersuchungen darstellte. 1802 gelang dem Schweden Åkerblad die Entzifferung einzelner demotischer Wörter auf dem Stein von Rosetta, 1814 erreichte der englische Physiker Thomas Young weitere Fortschritte beim Verständnis des demotischen Textes, außerdem erkannte er die Verwandtschaft des Demotischen mit den Hieroglyphen. Zwei Jahre später entdeckte er für viele hieratische Zeichen ihre hieroglyphischen Gegenstücke. Jean-François Champollion zeigte anhand der Namen „Ptolemäus“ und „Kleopatra“, dass auch die Hieroglyphen phonetische Zeichen besaßen. Durch den Vergleich mit weiteren bekannten Königsnamen, besonders Namen römischer Kaiser, gewann Champollion die Lautwerte vieler Hieroglyphen, zunächst Ein-, dann auch Mehrkonsonantenzeichen. Auf diesen Entdeckungen aufbauend konnte Champollion durch den Vergleich ägyptischer Texte mit dem Koptischen zahlreiche weitere Zeichen entziffern und damit Grammatik und Wortschatz des Ägyptischen erschließen.

Geschichte und Entwicklung

Dieses Bild ist ein gutes Beispiel für die starke Bildhaftigkeit, mit der Hieroglyphen oft geschrieben wurden.
Dieses Bild ist ein gutes Beispiel für die starke Bildhaftigkeit, mit der Hieroglyphen oft geschrieben wurden.

Frühzeit und Entstehung

Nach der altägyptischen Überlieferung hat Thot, der Gott der Weisheit, die Hieroglyphen geschaffen. Die Ägypter nannten sie daher „Schrift der Gottesworte“.

Die Anfänge dieser Schrift lassen sich bis in die prädynastische Zeit zurückverfolgen. Die früher gewöhnlich zugunsten der Keilschrift entschiedene Frage, ob die sumerische Keilschrift oder die ägyptischen Hieroglyphen die früheste menschliche Schrift darstellen, muss wieder als offen gelten, seit die bislang ältesten bekannten Hieroglyphenfunde aus der Zeit um 3500 v. Chr. (Naqada III) in Abydos aus dem prädynastischen Fürstengrab U-j zum Vorschein gekommen sind[3]. Die schon voll ausgebildeten Hieroglyphen befanden sich auf kleinen Täfelchen, die − an Gefäßen befestigt − deren Herkunft bezeichneten. Einige der frühen Zeichen ähneln sumerischen Schriftzeichen. Daher ist eine Abhängigkeit nicht ganz auszuschließen, aber auch in umgekehrter Richtung möglich. Diese Frage wird kontrovers diskutiert.

Die Hieroglyphenschrift begann offenbar als Notationssystem für Abrechnungen und zur Überlieferung wichtiger Ereignisse. Sie wurde rasch mit den zu kommunizierenden Inhalten weiterentwickelt und tritt bereits in den ältesten Zeugnissen als fertiges System auf.

Verbreitung

Die ägyptischen Hieroglyphen wurden zunächst überwiegend in der Verwaltung, später für alle Belange in ganz Ägypten benutzt. Außerhalb Ägyptens wurde diese Schrift regelmäßig nur im nubischen Raum verwendet, zunächst zur Zeit der ägyptischen Herrschaft, später auch, als dieses Gebiet eigenständig war. Um 300 v. Chr. wurden die ägyptischen Hieroglyphen hier von einer eigenen Schrift der Nubier, der meroitischen Schrift abgelöst, deren einzelne Zeichen jedoch ihren Ursprung in den Hieroglyphen haben. Die althebräische Schrift des 9. bis 7. Jahrhunderts v. Chr. benutzte die hieratischen Zahlzeichen, war ansonsten aber ein von der phönizischen Schrift abgeleitetes Konsonantenalphabet. Mit den Staaten des Vorderen Orients wurde vorwiegend in akkadischer Keilschrift kommuniziert. Es ist anzunehmen, dass sich die Hieroglyphen wesentlich schlechter zur Wiedergabe fremder Begriffe oder Sprachen eigneten als die Keilschrift. Wie groß der Anteil der Schriftkundigen an der Bevölkerung Ägyptens war, ist unklar, es dürfte sich nur um wenige Prozent gehandelt haben: Die Bezeichnung „Schreiber“ war lange synonym mit „Beamter“. Außerdem gab es in griechischer Zeit in den Städten nachweislich viele hauptberufliche Schreiber, die Urkunden für Analphabeten ausstellten.

Tradition

Von 323 bis 30 v. Chr. beherrschten die Ptolemäer (makedonische Griechen) und nach ihnen das römische und byzantinische Reich Ägypten, die Verwaltungssprache war deshalb Altgriechisch. Das Ägyptische wurde nur noch als Umgangssprache der eingesessenen Bevölkerung benutzt. Trotzdem wurde die Hieroglyphenschrift für sakrale Texte und das Demotische im Alltag verwendet. Die Kenntnis der Hieroglyphen wurde auf einen immer enger werdenden Kreis beschränkt, dennoch wurden ptolemäische Dekrete oft in Hieroglyphen geschrieben. So enthalten ptolemäische Dekrete die Bestimmung, dass sie „in Hieroglyphen, der Schrift der Briefe (d. h. Demotisch) und in griechischer Sprache“ veröffentlicht werden sollten. Gleichzeitig wurden die Zeichen auf mehrere Tausend vervielfacht, ohne dass das Schriftsystem als solches geändert wurde. In dieser Form begegneten interessierte Griechen und Römer dieser Schrift in der Spätantike. Sie übernahmen bruchstückhaft Anekdoten und Erklärungen für Lautwert und Bedeutung dieser geheimen Zeichen und gaben sie an ihre Landsleute weiter. Mit der Einführung des Christentums gerieten die Hieroglyphen endgültig in Vergessenheit, die letzte datierte Inschrift stammt von 394 n. Chr.

Schrift

Schriftsysteme

Je nach Schreibmaterial und Verwendungszweck lassen sich verschiedene Untersysteme der ägyptischen Hieroglyphen unterscheiden, hauptsächlich die Hieroglyphen selbst und das Hieratische. Obwohl die Zeichen in ihnen unterschiedliche Formen annahmen, blieb das Funktionsprinzip der Hieroglyphenschrift gewahrt.

Hieroglyphen

Hieroglyphen sind eine auf die Verwendung an Tempel- und Grabwänden ausgerichtete Monumentalschrift. Das Schriftsystem enthält neben orthographischen Aspekten viele Eigenheiten, die sich ausschließlich mit der ornamentalen Wirkung, der Platzausnutzung oder magischen Sichtweisen erklären lassen. Wie einige besonders gut erhaltene Beispiele noch zeigen, so etwa die Inschriften in den Gräbern im Tal der Könige, wurden die Hieroglyphen ursprünglich vielfach farbig geschrieben. Die Farbe entsprach teils der Naturfarbe des dargestellten Gegenstandes, teils war sie rein konventionell festgelegt. In Einzelfällen konnte allein die Farbe zwei ansonsten formgleiche Schriftzeichen unterscheiden; dies gilt besonders für mehrere Hieroglyphen mit rundem Umriss.

Ägyptische Wörter werden auch innerhalb eines Textes durchaus variabel geschrieben. Die Hieroglyphenschrift ist trotz der starken Bildhaftigkeit (derer sich die Ägypter bewusst waren), kaum eine Bilderschrift.

Kursive Schriftformen

Hieratische Schrift
Papyrus Prisse
Papyrus Prisse

Hauptartikel: Hieratische Schrift

Die hieratische Schrift ist ebenso alt wie die Hieroglyphenschrift. Sie ist eine kursive Variante der Hieroglyphenschrift, die zum Schreiben mit einer Binse auf Papyrus oder ähnlich geeignetem Material (wie Ostraka aus Kalkstein oder Ton) konzipiert war. Zunächst war sie nicht auf religiöse Texte beschränkt, die im Mittleren Reich teilweise auf Papyrus in Hieroglyphen geschrieben wurden, erst mit der Einführung des Demotischen als Alltagsschrift wurde sie auf die Niederschrift religiöser Texte beschränkt. Daher rührt auch ihr von Herodot überlieferter griechischer Name. Das Hieratische bildet die gleichen Elemente wie die Hieroglyphen ab. Dadurch, dass sie schnell geschrieben wurden, flossen die Zeichen häufiger ineinander und abstrahierten im Laufe der Zeit immer stärker von den bildhaften Hieroglyphen; dennoch blieben die Prinzipien des Schriftsystems die gleichen. Die folgende Tabelle stellt einigen Hieroglyphen ihre hieratischen Entsprechungen gegenüber:

Hieroglyphen Hieratisch Zeichennummer
A1
A1
D4
D4
F4
F4
N35
Bild:hieratic-sign-N35.svg N35
V31
V31
Z2
Z2

Kursivhieroglyphen
In Kursivhieroglyphen geschriebene Passage aus dem Totenbuch
In Kursivhieroglyphen geschriebene Passage aus dem Totenbuch

Am Ende des Alten Reiches spaltete sich aus dem frühen Hieratisch eine Schriftform ab, die auf Särgen und Papyri geschrieben wurde und sich im Gegensatz zum Hieratischen zwar an das Schreibmaterial anpasste, aber den hieroglyphischen Formen nahe blieb. Bis zur 20. Dynastie wurden religiöse Texte in dieser Schrift geschrieben, danach wurde sie weitgehend vom Hieratischen abgelöst.

Demotisch

Um 650 v. Chr. wurde eine noch flüssigere und stärker von den Hieroglyphen abstrahierende Kursivschrift entwickelt, das Demotische, auch Volksschrift genannt. Sie entstand als Kanzleischrift und wurde zur Gebrauchsschrift in Ägypten, bis sie im 4./5. Jahrhundert n. Chr. von der koptischen Schrift, einer um einige demotische Zeichen ergänzte Form der griechischen Schrift, abgelöst wurde. Auch wenn die demotische Schrift ihre Grundprinzipien mit den Hieroglyphen teilt, kann sie aufgrund größerer Abweichungen kaum noch als Subsystem der Hieroglyphen verstanden werden.

Schriftrichtung

Die Stele des Ankh-f-n-Khonsu mit verschiedenen Schriftrichtungen: Rechts oben: links nach rechts, Links oben: rechts nach links; unten: rechts nach links
Die Stele des Ankh-f-n-Khonsu mit verschiedenen Schriftrichtungen: Rechts oben: links nach rechts, Links oben: rechts nach links; unten: rechts nach links

Ursprünglich wurden die Hieroglyphen meist in Spalten (Kolumnen) von oben nach unten und von rechts nach links geschrieben, aus graphischen Gründen konnte die Schreibrichtung jedoch sehr stark variieren, in seltenen Fällen wurden sie als Bustrophedon geschrieben. Die Schriftrichtung ist sehr leicht festzustellen, da die Zeichen immer in Richtung Textanfang gewandt sind, also dem Leser „entgegenblicken“. Am deutlichsten wird dies bei der Darstellung von Tierformen oder Menschen. In einzelnen Fällen wie beispielsweise auf den Innenseiten von Särgen liegt jedoch eine retrograde Schrift vor, in der also die Zeichen gerade dem Textende zugewandt sind; dies gilt etwa für viele Totenbuchmanuskripte und könnte spezielle religiöse Gründe haben (Totenbuch als Texte aus einer „Gegenwelt“ o. Ä.).

Die Worttrennung wurde in der Regel nicht angegeben, jedoch lässt sich das Ende eines Wortes häufig an dem das Wort abschließenden Determinativ erkennen.

Funktion der Hieroglyphen

Ägyptische Hieroglyphen können die Funktion von Phonogrammen, Ideogrammen oder Determinativen übernehmen. Die meisten Hieroglyphen können eine oder maximal zwei dieser Funktionen übernehmen, einzelne auch alle drei. Welche Funktion ein Zeichen hat, zeigt der Kontext, in vielen Fällen lassen sich die Verwendungen kaum abgrenzen. So ist das Zeichen
ra
Ideogramm in
ra
Z1
rˁ(w) (Sonnengott) „Re“, in der vollständigeren Schreibung des gleichen Wortes als
r
a
ra
Z1
dient es nur als Determinativ; das Zeichen
pr
wird im Wort
pr
r
D54
pr(j) „herausgehen“ als Phonogramm pr aufgefasst, während es in
pr
Z1
pr(w) „Haus“ als Logogramm fungiert. Aufschluss darüber, ob und wie ein Zeichen gelesen werden kann, gibt im Allgemeinen die Zeichenliste der Egyptian Grammar von Alan Gardiner[4], die jedoch nicht vollständig und in Einzelfällen überholt ist.
Glyphe Funktion Lesung Bedeutung
pr
in
pr
r
D54
Phonogramm pr (/p/+/r/) keine
pr
in
pr
Z1
Ideogramm pr(w) „Haus“
pr
in
a
t
pr
Determinativ - keine - {eine Behausung, Lokalität}

Phonogramme

Als Phonogramme werden im Hieroglyphisch-Ägyptischen solche Zeichen bezeichnet, die unabhängig von dem Wort, in dem sie auftauchen, einen bestimmten festgelegten Lautwert wiedergeben. Grundsätzlich gibt es wie im traditionellen Arabisch oder Hebräisch ursprünglich keine Zeichen für Vokale, sondern nur Zeichen für Konsonanten. Dabei verfügt das Hieroglyphisch-Ägyptische über Zeichen für einzelne Konsonanten (sog. Einkonsonantenzeichen) und Zeichen für Folgen von Konsonanten (Mehrkonsonantenzeichen), wie z. B. das Zweikonsonantenzeichen
wn
/w/+/n/ wn oder das Dreikonsonantenzeichen
Htp
//+/t/+/p/ ḥtp. Für die Verwendung eines Mehrkonsonantenzeichens war es unerheblich, ob in der Aussprache des Wortes zwischen den Konsonanten ein Vokal vorhanden war oder nicht.[5]
Der Lautwert der Phonogramme hängt in vielen, aber nicht in allen Fällen historisch mit dem ägyptischen Wort für das Objekt zusammen, das das jeweilige Zeichen darstellt: z. B. steht
r
für den IPA-Lautwert /r/ (Transkription: r ) und stellt einen Mund, ägyptisch
r
Z1
dar. Ebenso steht
tp
für den Lautwert dp und stellt einen Kopf, ägyptisch
tp
Z1
dp[6] dar.

Einkonsonantenzeichen

Die grundlegendsten Zeichen des hieroglyphischen Schriftsystems bilden gut zwei Dutzend Zeichen, die jeweils einen einzelnen Konsonanten wiedergeben, also eine Art „konsonantisches Alphabet“ darstellen. Obwohl schon mit den Einkonsonantenzeichen die Wiedergabe des Ägyptischen möglich gewesen wäre, wurden die Hieroglyphen nie zu einer Alphabetschrift. Die Einkonsonantenzeichen werden heute gerne zur Wiedergabe moderner Eigennamen verwendet, wobei hier die moderne wissenschaftliche Behelfsaussprache der Zeichen zugrunde gelegt wird, die in vielen Fällen nicht mit der ursprünglichen, ägyptischen Lautung identisch ist. Aus wissenschaftshistorischen Gründen werden nämlich in der ägyptologischen Behelfsaussprache fünf bzw. sechs Konsonanten als Vokale ausgesprochen, obwohl sie in der klassischen ägyptischen Sprache Konsonanten bezeichnet hatten.

Einkonsonantenzeichen
Zeichen Nr. in der
Gardiner-Liste
Transkriptionen
(vgl. unten)
hochdeutsche
ägyptologische
Behelfsaussprachen
gängige
ägyptologische
Rufnamen
dargestelltes Objekt
A
G1 Ägyptologisches Alef a wie in Land Alef ägyptischer Geier
i
M17 j ie wie in sie
fallweise j wie in ja
Jod Schilfrohr
y
Z4 j ie wie in sie Doppelstrich zwei Striche
i i
2× M17 y ie wie in sie Doppelschilfblatt zwei Schilfrohre
a
D36 Ägyptologisches Ajin a wie in Hase Ajin Arm
w
oder
W
G43 bzw. Z7 w u wie in Hut,
fallweise w wie in engl. waw!
Waw Wachtelküken
bzw. Adaption der hieratischen Abkürzung
b
D58 b b wie in Band b Bein
p
Q3 p p wie in Hupe p Hocker oder Matte aus Schilf
f
I9 f f wie in Feld f Hornviper
m
G17 m m wie in Mutter m Eule
n
N35 n n wie in nein n gekräuseltes Wasser
r
D21 r r wie in rufen r Mund
h
O4 h h wie in Hose h Hof
H
V28 h wie in Hose h-mit-Punkt,
emphatisches h
Docht
x
Aa1 ch wie in Dach h-mit-Bogen Schirm(?)
X
F32 ch wie in ich h-mit-Strich Tierbauch mit Schwanz
z
O34 z s wie in Sand Riegel-s Türriegel.
s
S29 s ß wie in Fuß s gefalteter Stoff
S
N39 š sch wie in schießen Schin Teich
q
N29 q k wie in Kind Qaf,
emphatisches k
Abhang
k
V31 k k wie in Kind k Korb mit Henkel
g
W11 g g wie in gut g Krugständer
V33
V32 g (g2[7]) g wie in gut Leinensack
t
X1 t t wie in Tante t Brotlaib
T
V13 tsch wie in Quatsch tsch Strick
d
D46 d d wie in du d Hand
D
I10 dsch wie in Dschungel dsch Kobra

Mehrkonsonantenzeichen
Die meisten Mehrkonsonantenzeichen sind Zweikonsonantenzeichen, z. B.
D2
ḥr,
D4
jr und
nw
nw
Einige wenige Mehrkonsonantenzeichen können mehrere verschiedene Lautbestände darstellen, so z. B.
Ab
, das - je nach Wort - für 3b oder mr [8] stehen kann. Der gemeinte Lautbestand wird im Regelfall durch sogenannte Phonetische Komplemente vereindeutigt, die jedoch auch in eindeutigen Fällen gerne benutzt werden: so wird 3b gewöhnlich
Ab b
3b-b geschrieben, die Transkription lautet jedoch nur 3b; mḥr jedoch
m Ab r
m-mḥr-r oder ästhetischer
Ab m&r
mḥr-m-r, die Transkription lautet ebenfalls nur mḥr. Aber auch das unzweideutige
mn
mn wird fast immer
mn
n
mn-n (mn) geschrieben. Wird das mehrdeutige Mehrkonsonantenzeichen nicht durch solche Einkonsonantenzeichen vereindeutigt, ergibt sich die Lesung im Regelfall aus dem Kontext.
Zeichen für mehr als zwei Konsonanten sind in einigen Fällen schwer von den Logogrammen (siehe unten) abzugrenzen, z. B. kommt das Zeichen
sxm
, das der Konsonantenfolge sḫm entspricht, nur in Wörtern vor, die mit den Begriffen „Macht“/„mächtig“/„mächtig werden“ (ägypt. sḫm) etymologisch zusammenhängen. Es kann daher ebenso gut als Logogramm aufgefasst werden.

Logogramme, Ideogramme

Ideogramme (Wortzeichen) stehen für ein bestimmtes Wort oder einen Wortstamm. Häufig wird auf die Funktion eines Zeichens als Logogramm/Ideogramm mittels eines sog. Ideogrammstrichs
Z1
explizit hingewiesen. Häufig, aber nicht immer besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem abgebildeten Objekt und dem mit dem Logogramm bezeichneten Wort. So steht das Zeichen
pr
, das einen Hausgrundriss darstellt, in der Schreibung
pr
Z1
für "Haus" (ägyptisch prw) und das Zeichen
N5
, das die Sonne darstellt, in der Schreibung
N5
Z1
für das Wort für den Sonnengott, Re (rˁw). Die Zahl der Wörter, die mit solchen Zeichen geschrieben wurden, ist jedoch gering, die Mehrzahl der Wörter wurden mit Phonogrammen geschrieben; dabei nimmt die logographische Schreibung vom Alten Reich an immer mehr ab und wird häufig durch phonetische Schreibungen mit Determinativ ersetzt. Der Logogrammstrich wird vor allem seit dem Neuen Reich im Hieratischen auch hinter Zeichen anderer Funktionen (insbesondere bei Determinativen) gesetzt.

Determinative

Da mit Hieroglyphen nur die Konsonanten, nicht die Vokale, bezeichnet wurden, ergaben sich viele Wörter unterschiedlicher Bedeutung, die gleich geschrieben wurden, da sie den gleichen Konsonantenbestand hatten. Um dieses Problem zu beheben, wurden den meisten Wörtern sogenannte Determinative (auch Klassifikatoren oder Deutzeichen) zugesetzt, die die Bedeutung näher erklären. So bedeutet die Hieroglyphe „Haus“ mit dem Konsonantenbestand pr ohne Determinativ das Wort „Haus“ (ägyptisch pr(w)), mit zwei laufenden Beinen als Determinativ bedeutet es „herausgehen“ (ägyptisch pr(j)). Auch Namen wurden determiniert, ebenso Pronomina. Königs- oder Götternamen wurden durch die Kartusche, einer Schleife um das Wort, hervorgehoben.

Die folgende Tabelle nennt einige Wörter, die alle den Konsonantenbestand wn aufweisen und nur durch ihre Determinative unterschieden werden können:

Determinative
hieroglyphische
Schreibung
moderne
ägyptologische
Transkription
Wortbedeutung vom Determinativ
dargestelltes Objekt
Bedeutung des
Determinativs
wn
n
O31
wn öffnen Türflügel Tor/Tür/Pforte u. Ä.;
öffnen
wn
n
D54
wn(j) eilen Beinpaar Bewegung
wn
n
G37
wn Fehler; Schuld; Tadel Sperling, Spatz, o. Ä. schlecht, übel, unzureichend, u. Ä.;
Schlechtes, Übles, Unzureichendes
wn
n
D3
wn kahl (werden) Haarbüschel Haar, haarig;
Trauer, traurig

Dazu ist jedoch anzumerken, dass sich das System der Determinative im Lauf der ägyptischen Sprachgeschichte erst im Mittleren Reich voll stabilisiert hatte, während das Ägyptische des Alten Reiches noch mehr spezielle oder ad hoc gebildete Determinative verwendete. Im Neuen Reich nahm der Gebrauch weniger, besonders generischer Determinative weiter zu; teilweise konnte ein Wort hier mit mehreren Determinativen gleichzeitig geschrieben werden.

Weitere Beispiele für Determinative sind:

Frau, weiblich Kind Mann König Kraft erfordernd Bewegung Dinge aus Holz
B1
A17
A1
A42
D40
D54
M3

Phonetische Determinative

Gelegentlich wurden Determinative und die vorangehenden Phonogramme offenbar als Einheit empfunden, so dass Determinative in seltenen Fällen zusammen mit Phonogrammen in andere Wörter gleichen Lautbestandes verschleppt wurden, so beispielsweise
E8
, das aus
i b E8
jb „Bock“ stammte, im Wort
i b E8 mw A2
jb(j) „durstig sein“. Aus solchen Schreibungen konnten auch neue Phonogramme entstehen, wie
M5
, das aus
X1
r
M5
tr „Zeit“ stammte, unter anderem in die Partikel
X1
r
M5
tr verschleppt und schließlich zu einem selbstständigen Phonogramm tr wurde. Als eine Art „phonetisches Ideogramm“ wurde das Logogramm
niwt
in
niwt
t Z1
nˀ.t[9] „Stadt“ zum Beispiel in
H Hn n
t
niwt
Z1
oder
H niwt
t Z1
G38
[10] n.t (möglicherweise daher ḥnˀ.t zu lesen) „Pelikan“ verwendet.

Kalligraphische Besonderheiten

Anordnung

In hieroglyphischen Inschriften wurden die Zeichen meist nicht einfach aneinandergereiht, sondern zu rechteckigen Gruppen zusammengefasst. So wurde das Wort stp.n=f „er stellte zufrieden“ im Mittleren Reich folgendermaßen geschrieben:

s Htp
t p
A2 n
f

Dies wird von oben nach unten und von links nach rechts in folgender Reihenfolge gelesen:

Manche Zeichen wurden vertauscht, damit es zu keiner Lücke kam; in anderen Fällen wurden zwei Zeichen vertauscht, um den Platz optimal auszunutzen und keine irritierenden Lücken entstehen zu lassen:
s H a
statt
s a H
. Insbesondere lassen Zeichen mit einem freien Raum hinter sich das ihnen folgende Zeichen vor sich treten:
H A t
N21
statt des sehr seltenen
A H t
N21
3.t „Acker“. Aus Ehrfurcht wurden bestimmte Wörter in der Schrift stets vorangestellt:
N5 N28
I9
Ḫˁj=f-RˁChafre“, wo das Zeichen
N5
, das für den Sonnengott Re steht, vorangestellt ist, obwohl es in der gesprochenen Form erst am Ende des Namens stand.

Unterdrückung und Verstümmelung von Zeichen

Vor allem in religiösen Texten wurden Hieroglyphen, die Lebewesen darstellen, oft weggelassen oder verstümmelt [11], vgl.
H q
r
in den Pyramidentexten (Pyr. § 382 b) statt sonstigem
H q
r
A2
qr „hungern“. Oft wurde von Menschen nur der Oberkörper mit Kopf geschrieben, Tiere wurden dagegen gerne durchgestrichen; eine weitere Möglichkeit bestand darin, Determinative, die ein Lebewesen darstellten, durch ein Ersatzzeichen, meist
Z5
, das später im Hieratischen für alle schwer zu zeichnenden Determinative eintrat, zu ersetzen.

Zahlen

Die Ägypter benutzten ein Zahlensystem auf dezimaler Basis, das dem antiken (nicht dem mittelalterlichen) System der römischen Zahlen ähnelt. Für die Zehnerpotenzen (1, 10, 100, etc.) gab es jeweils ein bestimmtes Zeichen. Andere Zahlen wurden durch Addition von Zehnerpotenzen geschrieben.

1 2 3 9 10 20 30 100 1.000 10.000 100.000 1.000.000