Ämter und Harden in Schleswig
Ämter und Harden in Schleswig waren landesherrliche Verwaltungs- und Gerichtsbezirke im Herzogtum Schleswig.[1]
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[Bearbeiten] Geschichte
Die administrativen Strukturen lassen sich auf zwei Ursprünge zurückführen, die übergeordnete zentrale Verwaltung der Landesherren einerseits und die traditionellen lokalen Gemeinschaften andererseits.[2] Die frühneuzeitliche Verwaltung Schleswigs gliederte sich vereinfacht gesprochen in vier Stufen. Erstens die Zentralverwaltung des dänischen Königs, die alle Territorien der Krone beaufsichtigte. Ihre Machtbefugnisse gegen angestammte Privilegien durchzusetzen war ein langfristiger Prozess und musste auch Rückschritte hinnehmen. Zweitens die Provinzialverwaltung: Ihre Befugnisse erstreckten sich entweder auf das gesamte Schleswig oder beide Herzogtümer Schleswig und Holstein (und ab 1815 Lauenburg) oder nur auf Teile von Schleswig, sofern es in mehrere gleichberechtigte Fürstentümer aufgeteilt war.
Die dritte Ebene bildete die Regionalverwaltung. Schleswig war in Ämter[3] eingeteilt, doch diese Gliederung war keineswegs flächendeckend. Adel und Geistlichkeit konnten ihre Besitztümer abseits der landesherrlichen Regionalverwaltung leiten. Ausgenommen blieben auch oktroyierte Köge und die sogenannten Landschaften. Auch Orte mit Stadtrecht standen außerhalb der Ämtergliederung. Ämter und Landschaften waren zusätzlich in Harden gegliedert; geistliche Gebiete bestanden aus Vogteien mit einem variierenden Maß an Selbständigkeit. Kirchspiele übernahmen viele Aufgaben, ihre Grenzen deckten sich jedoch häufig nicht mit den übergeordneten Einheiten. Das galt auch für die gewachsenen Dorfstrukturen. Weil diese vierte, lokale Ebene die Grundlage des gesamten Systems bildete, blieben die Grenzen der lokalen Einheiten weitgehend unverändert. Im Extremfall fiel ein Dorf so in sieben unterschiedliche Jurisdiktionen, die die örtliche Zuständigkeit besaßen.[4]
[Bearbeiten] Ämter
Die Konzeption des Amtes stammt aus dem deutschen Raum. In Holstein und Schleswig fand sie früher Verwendung als im Königreich Dänemark, wo sie erst nach 1661/62 eingeführt wurde (siehe auch Verwaltungsgliederung Dänemarks).[5] Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert bildeten die Ämter die wichtigsten Größen der regionalen Verwaltung.
Ihre Vorläufer waren die Lehen, die um landesherrliche Burgen herum entstanden. In früherer Zeit existierten Syssel. Sie entwickelten sich jedoch nie zu festen administrativen und rechtlichen Einheiten und können nicht als Vorstufe der Lehen angesehen werden. Die Syssel entstanden vermutlich im 9. bis 10. Jahrhundert und verschwanden noch im Mittelalter wieder.[6] Die Ursachen dafür sind nicht abschließend zu klären, vermutlich wurden sie im 14. Jahrhundert von den Lehen verdrängt, weil deren militärische Funktion für den Landesherrn von großem Interesse war. Der Übergang zwischen Lehns- und Amtsstruktur erfolgte in Schleswig fließend. Bis 1850 machten die Ämter schließlich rund zwei Drittel des Herzogtums aus. Aber Kritiker wie Otto von Blome forderten bereits ihre Abschaffung und eine regionale Verwaltungsreform nach dem Vorbild der Landschaften.[7]
[Bearbeiten] Harden
Harden (dänisch herred) waren kleine Verwaltungs- und Gerichtsbezirke. Sie entstanden nach Ende der Wikingerzeit und umrissen ursprünglich nur ein Siedlungsgebiet.[8] Nach dem Waldemar-Erdbuch von 1231 war Nordfriesland in 13 Hundertschaften aufgeteilt, die den Namen Harde trugen. Jede Harde wurde mit 100 Bonden (Freie Bauern) gerechnet.[9]
Mehrere Harden waren einem Amt unterstellt. Sie verloren ihre Gerichtsbarkeit im Zuge der Entflechtung von Justiz und Verwaltung nach der Annexion Schleswigs durch Preußen 1867. An ihre Stelle traten die Hardesvogteibezirke, 1888 wurden sie endgültig aufgelöst und durch kleinere Bezirke ersetzt. Die Bezeichnung „Harde” existiert bis heute in den nordfriesischen Landschaftbezeichnungen wie Wiedingharde, Karrharde und Goesharde fort.
[Bearbeiten] Güterdistrikte
Im Jahr 1853 fand eine Verwaltungsreform statt, die die noch verbliebenen Güterdistrikte abschaffte. Nach der Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein im Jahr 1867 endete diese Verwaltungsstruktur.
[Bearbeiten] Auflistung
Liste der deutschen und − kursiv − dänischen Namen entsprechend der Karte zum Stand 1836:
Amt Hadersleben Haderslev Amt
- 1a Tyrstrupharde Tyrstrup Herred
- 1b Haderslebener Harde Haderslev Herred
- 1c Grammharde Gram Herred
- 1d Hvidingharde Hviding Herred
- 1e Norderrangstrupharde Nørre Rangstrup Herred
- 1f Frösharde Frøs Herred
- 1g Kalslundharde Kalvslund Herred
- 1h Gramm und Nybel Güter Gram og Nybøl godser
- Stadt Hadersleben Købstaden Haderslev
Ämter Apenrade und Lügumkloster Aabenraa og Løgumkloster Amter
- 2a Süderrangstrupharde Sønder Rangstrup Herred
- 2b Riesharde Rise Herred
- 2c Warnitz Birk Varnæs Birk
- 2d Lügumkloster Birk Løgumkloster Birk mit Flecken Lügumkloster Løgumkloster
- Stadt Apenrade Købstaden Aabenraa
Amt Tondern Tønder Amt
- 3a Tonderharde Tønder Herred
- 3b Hoyerharde Højer Herred mit Flecken Hoyer Højer
- 3c Schluxharde Slogs Herred
- 3d Karrharde Kær Herred
- 3e Lundtoftharde Lundtoft Herred
- 3f Wiedingharde Vidding Herred Wiringhiird
- 3g Bökingharde Bøking Herred Böökinghiird
- 3h Landschaft Sylt Landskabet Sild
- 3i Landschaft Osterland-Föhr Landskabet Østerland Før mit Flecken Wyk Vyk
- Stadt Tondern Købstaden Tønder
Ämter Norburg und Sonderburg Nordborg og Sønderborg Amter
- 4a Alsener Norderharde Als Nørre Herred mit Flecken Norburg Nordborg
- 4b Ærø Harde Ærø Herred mit Flecken Marstal
- 4c Alsener Süderharde Als Sønder Herred
- 4d Nübelharde Nybøl Herred
- 4e Augustenborger Güter Augustenborgske godser
- Städte Sonderburg und Ærøskøbing Købstæderne Sønderborg og Ærøskøbing
Amt Flensburg Flensborg Amt
- 5a Wiesharde Vis Herred
- 5b Uggelharde Ugle Herred
- 5c Husbyharde Husby Herred
- 5d Munkbrarupharde Munkbrarup Herred
- 5e Nieharde Ny Herred
- 5f Angeliter Güterdistrikt Angler Godsdistrikt (nach 1853 Kappelner Harde Kappel Herred)
- Stadt Flensburg Købstaden Flensborg
Amt Gottorf Gottorp Amt
- 6a Struxdorfharde Strukstrup Herred
- 6b Satrupharde Satrup Herred
- 6c Mohrkirchharde Mårkær Herred
- 6d Schliesharde und Füsingharde Slis og Fysing Herred
- 6e Treiaharde Treja Herred
- 6f Arensharde Arns Herred
- 6g Kroppharde Krop Herred
- 6h Vogtei Bollingstedt Fogderiet Bollingsted
- 6i Schwansens Güterdistrikt Svans Adelige Distrikt (im Mittelalter Riesebyharde Risby Herred)
- 6j Johannis Klosterdistrikt Johannis Klosters Distrikt
- Angeliter Güterdistrikt Angler Godsdistrikt (nach 1853 Kappelner Harde Kappel Herred)
- Stadt Schleswig Købstaden Slesvig
Ämter Husum und Bredstedt Husum og Bredsted Amter
- 7a Norderharde Husum Nørre Herred (im Mittelalter Südergoesharde Sønder Gøs Herred)
- 7b Süderharde Husum Sønder Herred (im Mittelalter Südergoesharde Sønder Gøs Herred)
- 7c Vogtei Schwabstedt und Rödemis Fogderiet Svavsted og Rødemis mit Flecken Schwabstedt
- 7d Landschaft Nordstrand Landskabet Nordstrand
- 7e Landschaft Bredstedt Landskabet Bredsted mit Flecken Bredstedt (im Mittelalter Nordergoesharde Nørre Gøs Herred)
- 7f Landschaft Eiderstedt östlicher Teil Landskabet Ejdersted
- 7g Landschaft Eiderstedt westlicher Teil Landskabet Ejdersted
- 7h Landschaft Pellworm Landskabet Pelvorm
- Städte Husum, Tönning und Garding Købstæderne Husum, Tønning og Garding
Ämter Hütten und Stapelholm Hytten Amt og Stabelholm Amter
- 8a Hüttener Harde Hytten Herred
- 8b Hohner Harde (auch Sorgeharde oder Kampharde) Hohn Herred, Sorg Herred eller Kamp Herred
- 8c Landschaft Stapelholm Landskabet Stabelholm
- 8d 1. Güterdistrikt Dänischer Wohld Godsdistrikt Jernved
- 8e 2. Güterdistrikt Dänischer Wohld Godsdistrikt Jernved
- Städte Friedrichstadt und Eckernförde Købstæderne Frederiksstad og Egernførde
Amt Fehmarn Femern Amt
- 9a Landschaft Fehmarn mit Flecken Petersdorf
- Stadt Burg.
[Bearbeiten] Siehe auch
Flecken, Oktroy, Birk (Bezirk)
[Bearbeiten] Literatur
- Gerret Liebing Schlaber: Hertugdømmet Slesvigs forvaltning. Administrative strukturer og retspleje mellem Ejderen og Kongeåen ca. 1460-1864, hrsg. von der Studienabteilung der Dänischen Zentralbibliothek für Südschleswig, Flensburg 2007. ISBN 978-87-89178-65-3
- Otto von Blohme: Ueber Gemeindewesen. Mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig und Holstein. Perthes & Besser, Hamburg 1832
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Lemmata Amt u. Harde. In: Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Schleswig-Holstein Lexikon. 2. Aufl., Wachholtz, Neumünster, 2006.
- ↑ Gerret Liebing Schlaber: Hertugdømmet Slesvigs forvaltning. Administrative strukturer og retspleje mellem Ejderen og Kongeåen ca. 1460-1864, Flensburg 2007, S. 18 f.
- ↑ Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 143-179
- ↑ Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 19
- ↑ Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 147
- ↑ Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 143
- ↑ Otto von Blohme: Ueber Gemeindewesen. Mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig und Holstein. Perthes & Besser, Hamburg 1832
- ↑ Lorenzen-Schmidt/Pelc, Schleswig-Holstein Lexikon
- ↑ Helmut Hess: Chronik von Uelvesbüll. Gemeinde Uelvesbüll, 1985, S. 13f.