Äquatorium

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Äquatorium aus Papier zur Darstellung der Planetenbahn des Saturn von Johannes Schöner (1551)

Das Äquatorium (lat.:Gleichungsgerät) ist ein Gerät zur mechanisch-geometrischen Bestimmung der Planetenstände im Tierkreis auf der Grundlage des geozentrischen Planetensystems des Ptolemäus.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Mathematisches Modell des Zweischeiben-Äquatoriums
Theoricae novae planetarum (1473)
Darstellung der Planetenbewegungen von Georg von Peuerbach

Die alte Astronomie unterschied zwischen Fixsternen und Wandelsternen (Planeten): Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Während die Fixsterne ihre Stellung untereinander nicht verändern, führen die Planeten komplizierte Bewegungen vor dem Hintergrund des Sternenhimmels aus. Die Berechnung der Bewegungen von Sonne und Mond war vor allem für die Zeitrechnung und für die Erstellung eines Kalenders wichtig. Die Konstellation der anderen Planeten war für die Erstellung des Horoskopes unentbehrlich.

Claudius Ptolemäus fasste gegen 150 n. Chr. das antike Wissen über die Planetenbewegungen zusammen und entwickelte eine Methode, ihre Stellungen für einen beliebigen Zeitraum zu berechnen. Die bis in die frühe Neuzeit gültigen Voraussetzungen seines Systems waren die Annahmen, dass sich die Erde unbeweglich im Mittelpunkt des Weltalls befinde, und dass sich jede Bewegung am Himmel auf kreisförmige Bewegungen mit gleichmäßiger Geschwindigkeit zurückführen ließe.

Da Ptolemäus die Bewegung eines Planeten nur aus der gleichmäßigen Kreisbewegung ableitete (Epizykeltheorie), und zwar mit seiner Bewegung auf einem Aufkreis, dem Epizykel, der nicht im Raum feststeht, sondern auf einem zweiten Kreis, dem Trägerkreis oder Deferenten wandert (Bild links), ist die Berechnung sehr kompliziert.

Um diese äußerst komplizierten und fehleranfälligen Berechnungen mit mehreren Variablen zu umgehen, schlug Campanus von Novara in der Mitte des 13. Jahrhunderts ein Gerät vor, das die ptolemäische Planetentheorie in zweidimensionalen Modellen aus beweglichen Scheiben darstellt. Solche Geräte sind aus dem 14. bis 16. Jahrhundert als Pergament-[1], Papier-[2], Holz- oder Metallinstrumente [3][4] bekannt, letztere auch in Verbindung mit Uhrwerken.

Die Geräte zur Darstellung der Planetenbewegungen mit kleinen Scheiben auf großen Scheiben waren sehr beliebt. Zahlreich sind die Vorschriften für ihre Herstellung; dabei wurden auch die nötigen Ausgangswinkel für einen bestimmten Tag angegeben. Solche Arbeiten sind seit dem 14. Jahrhundert überliefert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Petrus Apian: Astronomicum caesareum; Bibliothek, Universität Wien
  • Henry C. King, John R. Millburn: Geared to the stars. Toronto 1978, ISBN 0-80202-312-6 und ISBN 0-85274-399-8, S.15f.
  • Henry Michel: Messen über Zeit und Raum. Chr. Belser Verlag Stuttgart 1965, S.130f.
  • Ernst Zinner: Deutsche und niederländische astronomische Instrumente des 11. – 18. Jahrhunderts.. C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1956, S.31f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Reinhard Glasemann: Erde, Sonne, Mond & Sterne; in Schriften des Historischen Museums Frankfurt/M 1999, Nr. 20; ISBN 3-7829-0504-0.
  2. Georg-August-Universität Göttingen: Schöner, Johann
  3. Museum of the History of Science: Astrolabe and Equatorium, Southern France or Northern Italy, Late 15th Century
  4. Franz Adrian Dreier: Winkelmessinstrumente, Kunstgewerbemuseum Berlin 1979, S.90f