Äquivalenzrelation
Unter einer Äquivalenzrelation versteht man in der Mathematik eine Relation, die reflexiv, symmetrisch und transitiv ist. Äquivalenzrelationen sind für die Logik und die Mathematik von großer Bedeutung.
- Eine Äquivalenzrelation teilt eine Menge restlos in disjunkte (elementfremde) Untermengen, Äquivalenzklassen genannt.
- Die Klassenbildung mit Hilfe des Äquivalenzbegriffes ermöglicht eine mathematische Begriffsbildung.
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[Bearbeiten] Äquivalenz – mathematische Gleichwertigkeit
In der Mathematik möchte man in vielen Zusammenhängen Objekte, die sich in gewissen Aspekten ähneln, als gleichwertig ansehen. Eine Formalisierung der Mindestanforderungen an einen solchen Gleichwertigkeitsbegriff ist der Begriff der Äquivalenzrelation.
So ist jeder Begriff, der als die Gleichheit gewisser Eigenschaften definiert werden kann, eine Äquivalenzrelation. Beispiele:
- Gleichmächtigkeit endlicher Mengen
- Zwei endliche Mengen heißen gleichmächtig, wenn sie dieselbe Anzahl von Elementen haben.
- Kongruenz in der Geometrie
- Zwei Dreiecke sind kongruent, wenn sie dieselben Seitenlängen haben.
- Ähnlichkeit in der Geometrie
- Zwei Dreiecke sind ähnlich, wenn sie dieselben Innenwinkel haben.
- Kongruenz in der elementaren Zahlentheorie
- Zwei ganze Zahlen heißen kongruent modulo
, wenn sie bei ganzzahliger Division durch
denselben Rest lassen.
Und letztlich gehört auch die Gleichheit selbst dazu.
[Bearbeiten] Definition einer Äquivalenzrelation
Das Wort „äquivalent“ stehe im Folgenden für eine dieser Beziehungen zwischen zwei Objekten; dass zwei Objekte
und
äquivalent sind, sei durch
symbolisiert.
Alle diese Begriffe haben die folgenden drei Eigenschaften:
-
- Jedes Objekt ist zu sich selbst äquivalent.
-
- Wenn
zu
äquivalent ist, dann ist auch
äquivalent zu
(und umgekehrt).
- Wenn
-
- Wenn
zu
äquivalent und
zu
äquivalent ist, dann ist
äquivalent zu
.
- Wenn
Jede Beziehung (zwischen Objekten), die diese Eigenschaften hat, heißt Äquivalenzrelation.
[Bearbeiten] Formale Definition
Eine Äquivalenzrelation auf einer Menge
ist eine Teilmenge
, welche folgende Bedingungen erfüllt:
- Reflexivität
- Für alle
ist
. - Symmetrie
- Für alle
, für die
gilt, ist auch
. - Transitivität
- Für alle
mit
und
gilt, dass auch
.
Üblicherweise schreibt man
oder einfach
statt 
und dann nehmen diese Forderungen genau die in der Einleitung genannte Form an.
(Hinweis: Eine Relation auf einer Menge
ist nach obiger Definition gleich der Menge der in dieser Relation stehenden Paare. Danach ist eine Relation auf
einfach eine Menge solcher Paare, das heißt eine Teilmenge des kartesischen Produktes von
mit sich selbst.)
[Bearbeiten] Anschauliches Beispiel
Ein Beispiel aus der Landwirtschaft soll die eingeführten Begriffe verdeutlichen. Betrachtet sei eine Menge M von Nutztieren in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Wir definieren die folgende zweistellige Relation
auf M:
- Für je zwei Nutztiere
und
aus M soll
genau dann gelten, wenn
und
Tiere derselben Art sind.
Für die Kuh
und den Ochsen
gilt
Für das Huhn
gilt aber nicht
Die Relation
erfüllt die drei Forderungen für Äquivalenzrelationen:
- Reflexivität
- Jedes Tier ist von derselben Art wie es selbst.
- Symmetrie
- Ist ein Tier von derselben Art wie ein zweites, dann ist das zweite auch von derselben Art wie das erste.
- Transitivität
- Wenn
und
Tiere derselben Art sind und ebenso
und
von derselben Art sind, dann sind auch
und
von derselben Art (nämlich von der Art, zu der dann jedes der drei Tiere gehört).
Eine Äquivalenzklasse besteht hier aus den Tieren einer Art. Die Rinder bilden eine und die Hühner eine andere Äquivalenzklasse.
Keine Äquivalenzrelation ist die Beziehung »ist Bruder von« auf der Menge aller Menschen. Diese Relation ist zwar transitiv, aber weder reflexiv (weil ich nicht mein eigener Bruder bin) noch symmetrisch (weil meine Schwester nicht mein Bruder ist, obwohl ich ihr Bruder bin).
[Bearbeiten] Äquivalenzklassen
Die Äquivalenzklasse eines Objektes
ist die Klasse der Objekte, die äquivalent zu
sind.
Formal: Ist
eine Äquivalenzrelation auf einer Menge
, so nennt man für ein
die Teilmenge
die
-Äquivalenzklasse von
. Ist aus dem Kontext klar, dass Äquivalenzklassen bezüglich
gebildet werden, lässt man den Zusatz
weg. Andere Schreibweisen sind
Elemente einer Äquivalenzklasse werden ihre Vertreter oder Repräsentanten genannt. Jedes Element von
ist in genau einer Äquivalenzklasse enthalten. Die Äquivalenzklassen bilden somit eine Partition von
. Die Äquivalenzklassen zu zwei Elementen sind entweder gleich oder disjunkt, ersteres genau dann, wenn die Elemente äquivalent sind:
Hat man für jede Äquivalenzklasse
genau ein
mit
, dann nennt man die Teilmenge
ein (vollständiges) Vertreter- oder Repräsentantensystem für
.
[Bearbeiten] Menge der Äquivalenzklassen und Index
Die Menge der Äquivalenzklassen (manchmal auch Faktormenge oder Quotientenmenge genannt) ist
In dieser Menge werden die Äquivalenzklassen nun nicht mehr als Untermengen von
, sondern als eigen- und selbstständige Elemente betrachtet. Die Menge der Äquivalenzklassen entsteht, wenn man äquivalente Elemente „gleich macht“. Sie formalisiert (mathematisch) den kognitiven Prozess der Identifizierungsabstraktion (siehe auch den Begriff der Teilidentität bei Löringhoff).
Die Mächtigkeit (Kardinalität)
wird manchmal auch als der Index der Äquivalenzrelation
bezeichnet. (Ein Spezialfall ist der Index einer Untergruppe.)
Es gibt eine kanonische surjektive Abbildung
die jedem Element seine Äquivalenzklasse zuordnet. Sie ist nur dann injektiv, wenn die Äquivalenzrelation die identische Abbildung ist.
[Bearbeiten] Weitere Beispiele
- Schulklassen
- Die zugrundeliegende Menge
ist die Menge aller Schüler auf einer Schule; zwei Schüler seien äquivalent, wenn sie in dieselbe Klasse gehen.
- Äquivalenzklasse eines Schülers ist die Menge aller seiner Mitschüler der gleichen Schulklasse. (Ihn selbst mit eingeschlossen → Reflexivität)
- Die Menge der Äquivalenzklassen ist die Menge der Schulklassen.
- Gleichheit
- Auf einer beliebigen Menge
seien zwei Elemente äquivalent, wenn sie gleich sind:
- Äquivalenzklasse eines Elementes
ist die einelementige Menge
. - Die Menge der Äquivalenzklassen ist die Menge der einelementigen Teilmengen von
; die Abbildung
ist eine Bijektion.
- Kongruenz in der Zahlentheorie
- Die zugrundeliegende Menge ist die Menge
der ganzen Zahlen; zwei Zahlen sind äquivalent, wenn sie denselben Rest bei Division durch 5 haben. Eine gleichwertige Formulierung ist: wenn ihre Differenz durch 5 teilbar ist.
- Äquivalenzklasse einer ganzen Zahl
ist die so genannte Restklasse
- Die Menge der Äquivalenzklassen ist der Restklassenring
- Äquivalenzklasse einer ganzen Zahl
- Brüche
- Es sei
die Menge der Paare ganzer Zahlen, deren zweiter Eintrag von Null verschieden ist. Zwei Paare
und
sollen äquivalent heißen, wenn gilt:
- Die Äquivalenzklasse eines Paares
besteht aus allen Paaren (Zähler, Nenner) für Bruchdarstellungen der rationalen Zahl
. - Die Menge der Äquivalenzklassen wird durch
-
- bijektiv auf die Menge der rationalen Zahlen abgebildet. Ein wichtiger Punkt ist hier die Wohldefiniertheit: wenn
gilt, dann ist das Bild nach der obigen Vorschrift
- einerseits
, andererseits
.
- einerseits
- Die Äquivalenzrelation war aber gerade so gewählt, dass diese beiden rationalen Zahlen gleich sind.
-Raum- Auf dem Raum der
-fach integrierbaren Funktionen
kann eine Äquivalenzrelation wie folgt definiert werden: Seien
, dann gilt
genau dann, wenn
bis auf eine Nullmenge gilt. Die Menge aller Äquivalenzklassen bezeichnet man als
-Raum. Es gilt also
.
[Bearbeiten] Universelle Eigenschaft
Ist
eine Menge,
eine Äquivalenzrelation auf
und
eine weitere Menge, so vermittelt die Abbildung
eine Bijektion zwischen folgenden Mengen:
- Abbildungen
, bei denen
-äquivalente Elemente dasselbe Bild haben
und
- Abbildungen

[Bearbeiten] Modulo
Besondere Bedeutung kommt Äquivalenzrelationen zu, die mit einer algebraischen Struktur auf einer Menge vergleichbar sind. In allen diesen Fällen gibt es einen „Modul“
(von lat. modulus Maß), d. h. eine mit einer algebraischen Verknüpfung
in der Ausgangsmenge
kompatible Unterstruktur
, die die Äquivalenz
vermittelt:
(ggf. auch
),
man nehme nur
mit
als dem neutralen Element von
. Ist stets
, dann schreibt man auch
und sagt „
(ist) kongruent
modulo [ˈmoːduloː]
“ (von lat. modulō Ablativ zu modulus Maß). Grammatikalisch wird modulo im Deutschen verwendet wie eine Präposition, die den Genitiv regiert.
Ist der Modul
einfach erzeugt in
, bspw.
mit einem
, dann notiert man auch
.
Diese Sprechweise ist die fast ausschließliche im Ring der ganzen Zahlen
.
Auch bei den Äquivalenzklassen oder Nebenklassen spricht man von Äquivalenzklassen modulo
und bei der Faktormenge
von
modulo
oder auch
modulo
und
modulo
.
Die Faktormenge kann algebraische Struktur von der Ausgangsmenge „erben“. Basiert das Definieren dieses Rechnens modulo auf den Elementen der Ausgangsmenge
, also den sog. „Repräsentanten“ der Äquivalenzklassen, muss immer auch die Wohldefiniertheit dieses Rechnens sichergestellt werden. Gelingt dieses und ist
die Unterstruktur, die die Äquivalenz vermittelt, so spricht man vom Rechnen modulo
.
- Beispiel
Sei
die symmetrische Gruppe vom Grad 3 und
in Zyklenschreibweise eine der 3 Untergruppen der Ordnung 2. Man kann zwar die 3 Nebenklassen
,
und 
bilden (Reihenfolge der Komposition der Zyklen wie im Artikel symmetrische Gruppe). Die geerbte Verknüpfung ist aber nicht von der Wahl des Repräsentanten unabhängig (s. Beispiel
im Artikel Wohldefiniertheit).
Wäre
jedoch nicht nur Untergruppe, sondern Normalteiler von
, ließe sich die geerbte Gruppenoperation auf der Faktorgruppe
wohldefinieren.
[Bearbeiten] Weitere Äquivalenzbegriffe
Beispiele für Faktormengen:
- Faktorraum (für Vektorräume)
- Faktorgruppe (für Gruppen)
- Faktorring (für Ringe)
- Kongruenzrelation (für allgemeine algebraische Strukturen)
Die folgenden Äquivalenzbegriffe entstehen aus der Forderung, dass ein Paar von Abbildungen mit gewissen Eigenschaften zwischen zwei Objekten existiert, die „mehr oder weniger“ invers zueinander sind:
Weitere Beispiele für Äquivalenzrelationen:
- Vervollständigung durch Äquivalenzklassen von Cauchy-Folgen
[Bearbeiten] Literatur
- Albrecht Beutelspacher: Lineare Algebra. Eine Einführung in die Wissenschaft der Vektoren, Abbildungen und Matrizen. Mit liebevollen Erklärungen, einleuchtenden Beispielen und lohnenden Übungsaufgaben, nicht ohne lustige Sprüche, launigen Ton und leichte Ironie, dargestellt zu Nutzen der Studierenden der ersten Semester. (Jetzt mit Tipps zur Lösung der Übungsaufgaben).6. durchgesehene und ergänzte Auflage. Vieweg-Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-528-56508-X.
- Gerd Fischer: Lineare Algebra. (Eine Einführung für Studienanfänger). 14. durchgesehene Auflage. Vieweg-Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-528-03217-0.
- Bruno von Freytag gen. Löringhoff: Logik. Ihr System und ihr Verhältnis zur Logistik.W. Europa-Verlag, Zürich u. a. 1955.
- Matthias Schubert: Mathematik für Informatiker. Ausführlich erklärt mit vielen Programmbeispielen und Aufgaben. Vieweg-Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8351-0157-9.



äquivalent ist, dann ist
.
, für die
gilt, ist auch
.
mit
gilt, dass auch
.
oder einfach 
genau dann gelten, wenn
von derselben Art sind, dann sind auch ![[a]_R = \{x\in M\mid x\sim_R a\} \subseteq M](http://upload.wikimedia.org/math/9/8/f/98f41bff702f5a8afdbbf95f7957f818.png)
![[a],\quad[a]_\sim,\quad\bar a,\quad a/R,\quad a/{\sim_R}.](http://upload.wikimedia.org/math/0/6/0/0607b056a2210f4a498bfd40cc9e2884.png)
![[a]=[b]\quad\iff\quad a\sim b\quad\iff\quad a\in[b]\quad\iff\quad b\in[a].](http://upload.wikimedia.org/math/d/8/5/d855e5f1e53592daa4c4a9e130ca9449.png)
![M/{\sim} := \{[a] \mid a \in M\}.](http://upload.wikimedia.org/math/7/9/c/79c589453d766f62bd857dd4052ee56e.png)
![M\to M/{\sim},\quad m\mapsto[m],](http://upload.wikimedia.org/math/d/b/4/db4113895f236194517faf8aa02dcb59.png)

ist die einelementige Menge
.
ist eine
der
ist die so genannte ![[k] = \bar k=k+5\mathbb Z=\{k+5z\mid z\in\mathbb Z\}=\{\dotsc,k-10,k-5,k,k+5,k+10,\dotsc\}.](http://upload.wikimedia.org/math/7/d/9/7d9b60a74186d9b57a81b2d04626540f.png)
![\mathbb Z/5\mathbb Z = \mathbb Z/_{(5)} =\{\bar0,\bar1,\bar2,\bar3,\bar4\} = \{[0], [1], [2], [3], [4]\}.](http://upload.wikimedia.org/math/7/f/9/7f90f3eb7dde603589c5b5761fe825b3.png)
die Menge der
und
sollen äquivalent heißen, wenn gilt:

besteht aus allen Paaren (Zähler, Nenner) für Bruchdarstellungen der rationalen Zahl
.![M/{\sim}\to\mathbb Q,\quad [(z,n)]\mapsto\frac zn](http://upload.wikimedia.org/math/6/c/d/6cd4baf8aed23ef8886e38d5f3d6e508.png)
gilt, dann ist das Bild nach der obigen Vorschrift
, andererseits
.
-Raum
-fach
kann eine Äquivalenzrelation wie folgt definiert werden: Seien
, dann gilt
genau dann, wenn
bis auf eine
.
, bei denen 
(ggf. auch
),
.
,
und 