Ärztlicher Notdienst

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Ärztlicher Notdienst (ÄND), auch Allgemeinmedizinischer Bereitschaftsdienst, Ärztlicher Bereitschaftsdienst, Ärztenotdienst, in Deutschland auch Kassenärztlicher Notdienst oder Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst, in Österreich Ärztefunkdienst (ÄFD), im internationalen Sprachgebrauch standby duty genannt, ist eine Vertretung des behandelnden Arztes oder des Hausarztes außerhalb der üblichen Sprechzeiten und ist für Erkrankungen gedacht, deren Behandlung nicht bis zum nächsten Werktag warten kann.

Grundlagen[Bearbeiten]

Die Aufgaben von Notdienstzentralen sind:

  • Vermittlung von Vertretungsärzten des Hausarztes
  • Telefonische Beratungen
  • Koordination der Vertretungsärzte, die Hausbesuche machen, Bekanntgabe von offenen Arztpraxen sowie Notfallpraxen zu bestimmten Zeiten.

Notdienste halten auch Kontakt zum Rettungsdienst und zu den Notaufnahmen der Krankenhäuser, und verweisen Fälle der Medikamentierung an Nacht- und Bereitschaftsapotheken.

Abgrenzung zum Notarzt[Bearbeiten]

Auf Grund der Namensähnlichkeit wird der ärztliche Notdienst häufig mit dem Notarzt, der Teil des Rettungsdienstes ist, verwechselt.

Der ärztliche Notdienst wird durch niedergelassene Ärzte fast aller Fachrichtungen gestellt. Er stellt die Vertretung der Hausärzte außerhalb ihrer regulären Öffnungszeiten dar. Dementsprechend ist der ärztliche Notdienst Ansprechpartner in dringlichen, aber nicht akut lebensbedrohlichen Fällen. Die Versorgung erfolgt je nach Erfordernis in den Räumlichkeiten des ärztlichen Notdienstes oder als Hausbesuch. In Abhängigkeit von örtlicher Organisation und Patientenaufkommen erfolgt ein Hausbesuch meist innerhalb von einer bis drei Stunden.

Die Versorgung akut lebensbedrohlicher Erkrankungen hingegen obliegt dem Notarzt in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienstpersonal. Notärzte sind im Gegensatz zum ärztlichen Notdienst speziell in Notfallmedizin ausgebildet und müssen je nach Bundesland den Fachkundenachweis Rettungsdienst oder die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin erworben haben. Der Notarzt ist rund um die Uhr erreichbar und muss den Einsatzort innerhalb weniger Minuten nach Eingehen des Notrufs, der sogenannten Hilfsfrist, erreichen können.

Bis auf wenige Ausnahmen ist der ärztliche Notdienst vom Rettungsdienst organisatorisch getrennt.

Abgrenzung zur Notaufnahme[Bearbeiten]

Die meisten Krankenhäuser haben eine Notaufnahme als durchgehend geöffneter Ambulanzdienst. Unter Ärztlicher Notdienst versteht man aber speziell den extramuralen Sektor, also außerhalb der Krankenhäuser. Hierbei geht es um allgemeinmedizinische Diagnostik, aber natürlich werden schwere Notfälle an den Rettungsdienst weitergeleitet, der dann die Überstellung in die Notaufnahme übernimmt. Der ärztliche Notdienst soll insbesondere auch die Ambulanzen der Krankenhäuser von leichteren Fällen entlasten, also solchen, die nicht zur Kernkompetenz des Krankenhauses (nämlich stationäre Behandlung) gehören.

Nationales[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Jeder niedergelassene Arzt hat in Deutschland die Pflicht, am ärztlichen Notdienst teilzunehmen. Rechtsgrundlage sind die Heilberufsgesetze der Bundesländer, die diese öffentliche Dienstpflicht begründen. Die näheren Details sind in den Berufsordnungen der Ärztekammern und in Notfalldienstordnungen geregelt. Der ärztliche Notdienst ist in Deutschland auch Teil des Sicherstellungsauftrags der Kassenärztlichen Vereinigungen nach Paragraf 75 Absatz 1 SGB V. (Daher spricht man in Deutschland oft auch vom sog. Kassenärztlichen Notdienst oder Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst).

Andere Ausdrücke dafür sind: Allgemeinärztlicher Notfall- oder Not- oder Bereitschaftsdienst oder Kollegialer hausärztlicher Vertretungsdienst außerhalb der werktäglichen üblichen Praxisöffnungszeiten. In der DDR hieß der Dienst Dringlicher Hausbesuchsdienst - DHD. Er war eine Abteilung der Schnellen Medizinischen Hilfe - SMH.

Wegen der Verwechslungsgefahr mit dem Rettungs- oder Notarztdienst ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung dazu übergegangen, vom ärztlichen „Bereitschaftsdienst“ zu sprechen. In den Gesetzestexten steht weiterhin „Notdienst“.

Telefonische Erreichbarkeit[Bearbeiten]

In einigen Bundesländern gibt es landesweite Arztrufzentralen. Die örtlich gültigen Nummern sind per Telefonbuch und Auskunft, meist auch per Anrufbeantworter des Hausarztes und aus der Lokalpresse in Erfahrung zu bringen. Seit April 2012 gibt es die bundesweit einheitliche Rufnummer 116 117.[1] Alle lokalen Rufnummern bleiben zunächst parallel bestehen.

Unter der bundeseinheitlichen Rufnummer 116 117 können sich Anrufer in dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Fällen außerhalb der normalen Praxiszeiten an einen allgemeinmedizinischen Bereitschaftsarzt in ihrer Umgebung vermitteln lassen. Die Rufnummer ist sowohl aus den Fest- als auch aus den Mobilfunknetzen entgeltfrei.

Die Rufnummer 116 117 wurde 2009 von der Europäischen Kommission EU-weit für den Bereitschaftsdienst für ärztliche Hilfe in nicht lebensbedrohlichen Situationen reserviert.[2] Die Initiative ging von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg aus.[3] In Deutschland wurde diese Nummer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zugeteilt. Deutschland ist das erste Land in der EU, das die Nummer eingeführt hat.

Am 16. April 2012 erfolgte der bundesweite Start der Rufnummer. In Baden-Württemberg, im Saarland und in Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen wird die Nummer jedoch mit einigen Monaten Verzögerung freigeschaltet werden, vorübergehend ist dort eine Bandansage zu hören.[4]

Ärztliche Hilfe[Bearbeiten]

Der Ärztliche Notdienst macht erforderlichenfalls auch Hausbesuche; die Entscheidung über die tatsächliche Notwendigkeit obliegt der Einschätzung des Arztes. In der Regel werden gehfähige Patienten in die Praxis bestellt. Die Notfallpraxen können während der Öffnungszeiten ohne Anmeldung aufgesucht werden. Ausnahmen sind fachärztliche Notfallsprechstunden; diese Fachärzte (zum Beispiel Kinder-, Augen- und HNO-Ärzte) vereinbaren den Behandlungstermin meistens telefonisch mit dem Patienten.

Bundesweit ist es in den letzten Jahren zur Gründung zahlreicher zentral gelegener Notfallpraxen gekommen, bei denen mindestens zwei Ärzte im Dienst sind, einer für die in der Praxis erscheinenden Patienten, einer für Hausbesuchsfahrten. Die Notfallpraxen können in der Regel ohne vorherige Terminvereinbarung aufgesucht werden.

Der Ärztliche Notdienst ist für Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherungen kostenlos.

Österreich[Bearbeiten]

Neben dem eigentlichen Rettungsdienst (mit Notärzten) existiert in Österreich seit 1968[5] der Ärztefunkdienst (ÄFD) mit der Notrufnummer 141, der von der österreichischen Ärztekammer bzw. dem Österreichischen Roten Kreuz, aber nicht bundeseinheitlich, betrieben wird. In Tirol wird die entsprechende Einrichtung als allgemeinmedizinischer Bereitschaftsdienst bezeichnet.

In Wien und Graz wird man via Notrufnummer 141 telefonisch von praktischen Ärzten betreut, die gemeldete Beschwerden und Erkrankungen vorab klären bzw. die Patienten beraten. Bei Bedarf erfolgt ein Hausbesuch, wobei jene praktischen Ärzte meist von einem Sanitäter (zugleich Fahrer) bei ihrer Tätigkeit unterstützt werden.[6]

In Niederösterreich wurden die Notrufe 141 und 144 nach Vorwürfen von Diagnosefehlern im Jahr 2010 zusammengelegt, so dass beide Notrufnummern gleichwertig durch die 144 Notruf Niederösterreich abgewickelt werden.[7] Seit 1. April 2013 ist auch der europaweite Notruf 116 117 zu Notruf Niederösterreich freigeschaltet.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Infoseite der Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung
  2. Entscheidung der EU-Kommission 2009/884/EG, abgerufen am 16. April 2012
  3. http://www.kbv.de/presse/41202.html
  4. tagesschau.de, abgerufen am 10. April 2012
  5. http://www.aeiou.at/aeiou.stamp.1993.930219a
  6. Wiener Ärztefunkdienst, aekwien.at
  7. Notrufnummer 141 und 144 zusammengelegt auf ORF Niederösterreich vom 29. Juni 2010 abgerufen am 10. April 2012
  8. Einführung der EU-einheitlichen Rufnummer 116 117 auf Notruf Niederösterreich abgerufen am 6. Oktober 2013


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