Äskulapstab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Äskulapstab

Der Äskulapstab oder Asklepiosstab ist ein von einer Schlange umwundener Stab. Er ist heute das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes.

Ähnliche Symbole sind der Hermesstab in der griechischen Mythologie oder die eherne Schlange Moses im Alten Testament.

Das Unicodesymbol des Äskulapstabes ist u+2695 STAFF OF AESCULAPIUS.

Ikonographie[Bearbeiten]

Asklepios[Bearbeiten]

Asklepios mit Stab, Epidauros
Asklepios mit Stab, Vatikan

Der Äskulapstab erhält seinen Namen von Asklepios oder Äskulap, dem Gott der Heilkunde in der griechischen Mythologie. Als Sohn von Apollon, Gott des Lichts und der Heilung, und der thessalischen Fürstentochter Koronis wurde er vom heilkundigen Kentauren Cheiron erzogen und ebenso in der Heilkunde ausgebildet. Weil er als Arzt einen Toten wieder zum Leben auferweckte, erzürnte er Hades, den Herrscher des Totenreiches. Auf dessen Drängen wurde er von Zeus mit einem Blitz erschlagen, weil er sich erdreistet hatte, dem Willen der Götter entgegenzuwirken.

Dargestellt wurde Asklepios meist als bärtiger Mann, der sich auf einen Stab stützt, der von einer Schlange (Natter) umwunden wird.

Die Schlange[Bearbeiten]

Asklepios soll zu seinen Lebzeiten, bei Wanderungen oder auf dem Weg zu Kranken, immer eine Äskulapnatter dabei gehabt haben, die sich um seinen Wanderstab ringelte. Einige Darstellungen zeigen sogar die Verehrung von Asklepios selbst in Schlangenform. Bereits auf sprachlicher Ebene (im Altthrakischen) verbinden sich „as“ (die Schlange) und „klepi“ (etwas umwinden) zu „Asklepios“. Tatsache ist, dass in den griechischen Heiltempeln, die dem Gott Asklepios geweiht waren, Schlangen gehalten wurden. Seit Menschengedenken gilt die Schlange als ein bedeutendes mystisches Wesen; so entwendet etwa der Gottkönig Gilgamesch im gleichnamigen Epos einer Schlange das lebensspendende Zauberkraut. Im Altertum wurde sie schließlich zum Symbol der Heilkunde. Ihre Charakteristika „Verjüngung durch Häutung“, „Scharfsichtigkeit/Wachsamkeit“ sowie „Heilkraft“ (aus Schlangenfleisch wurden Pharmaka hergestellt) machten sie zum Sinnbild ärztlicher Tugenden und zeigten so die Vorzüge der Medizin.

Der Stab[Bearbeiten]

Auch zur Bedeutung des Stabes gibt es viele Theorien. Einerseits wird der Stab als Zepter oder Herrschaftssymbol verstanden, andere Forscher vertreten die Ansicht, er wäre ein einfacher Wanderstab, den Asklepios stets bei sich trug. Da er als Verbindung zwischen Himmel und Erde betrachtet wurde, hatte schon der Stab allein magische Kräfte.

Von klassischen Archäologen wird darauf hingewiesen, dass Asklepios (A) sich in der gleichen Haltung auf seinen Stab stützt, wie der freie Bürger der Polis, der sich aufs Verweilen in der Agora einrichtet. Solche Darstellungen findet man vielfach auf antiken Grabstelen. Hierin und in der Art wie er sich abbildungstechnisch den Menschen zuwendet, unterscheidet sich Asklepios grundsätzlich von den Darstellungen der Olympischen Götter.

Doch schon Jahrhunderte bevor die Asklepios-Kulte beschrieben sind, wird von Heilungen berichtet in Verbindung mit einer Schlange an einem Stab: Die eherne Schlange aus dem 4. Buch Mose kommt als Ursprung des Symbols in Betracht.

Theorie des Medinawurmes[Bearbeiten]

Eine These zur Bedeutung des Äskulapstabes, die von dem deutschen Hygieniker Reiner Müller stammt,[1] gründet sich auf eine im Altertum und heute noch gebräuchliche Praxis zur Entfernung des Medinawurmes (Dracunculus medinensis).[2] Dieser zwischen 30 bis 120 cm lange Wurm befindet sich im letzten Stadium seines Lebenszyklus unter der Haut des Menschen und bohrt sich von dort eine Öffnung nach außen, über die er seine Larven abgibt. Zur Entfernung des Wurmes wird dieser dann auf ein gespaltenes Holzstäbchen gewickelt, wobei täglich maximal 10 cm aufgewickelt werden dürfen.

Allerdings wurde auch Hygieia, die Tochter des Asklepios, mit einer Schlange dargestellt – ohne Stab. Zudem gibt es Abbildungen des Asklepiosrituales mit Schlangen ohne Stab.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Asklepiosritual[Bearbeiten]

Das Asklepiosritual etablierte sich ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ausgang der Antike zu einem der erfolgreichsten Kulte. Die Patienten legten sich im meist außerhalb der Stadt gelegenen Asklepiostempel zum Heilschlaf (siehe Enkoimesis) nieder. Im Traum erschien ihnen dann der Arzt und empfahl Diäten und andere Behandlungsmethoden zur Heilung. Manchmal wurde der Patient im Traum auch von einer Schlange besucht oder gebissen und dadurch geheilt. Die sibyllinischen Bücher empfahlen anlässlich einer Seuche 291 v. Chr. die Kultübertragung von Epidaurus nach Rom, wobei die Schlange als Begleittier, Helferin und Wahrzeichen dargestellt wurde. Hier bekam Asklepios dann auch den Namen "Äskulap".

Askleipios und Apoll als Götter der Heilung[Bearbeiten]

Asklepios unterscheidet sich von seinem Vater, dem Apoll, als Heilgott. In den Kulten der Antike durften sich die Kranken dem heiligen Bezirk des Apoll nicht nähern, dem des Asklepios schon. Dadurch wurde Apoll, der Gott des Lichts, zunehmend Konzepten der göttlichen Fernheilung, Asklepios denen der tätigen therapeutischen Praxis zugeordnet. Noch zu römischen Zeiten standen die beiden Kulte nicht in Konkurrenz, Asklepios und Apollo wie auch die Salus wurden auf der dem Asklepios geweihten Tiberinsel verehrt – bei der Pestepidemie von 180 v. Chr. in Rom etwa stellte man Statuen aller drei Heilgötter miteinander auf. Später (ab dem 2. Jh.) wird dem Asklepios der Telesphorus, der Genius der Genesung, beigestellt.[3]

Während aber die Verehrung der beiden anderen Gottheiten schon um die Zeitenwende verschwand, erhielt sich der Kult des Asklepios – in seiner Symbolik bis heute. Wiederaufgegriffen wurde der apollinische Aspekt der Heilkunst etwa wieder von Paracelsus, bei ihm aber in negativer Deutung der mystischen Heilung („appolinische pfaffen“)[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Äskulapstab – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Äskulapstab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Meyers großes Taschenlexikon
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch
  1. Werner E. Gerabek (Hrsg.): Enzyklopädie der Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-110-15714-4, S. 15 (Online).
  2. Gholamreza Darai, Michaela Handermann, Hans-Günther Sonntag, Lothar Zöller (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Erreger, Symptome, Diagnose, Therapie und Prophylaxe. Springer, Berlin, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-17157-4, S. 238.
  3. Aesculapius. In: imperiumromanum.com → Antike Religion. Abgerufen am 10. November 2010.
  4. Sudhoff: Paracelsus. 9, 269, 25 (1531/35), zitiert nach Karl-Heinz Weimann: Paracelsus und der deutsche Wortschatz. In: Deutsche Wortforschung in europäischen Bezügen. 1963, S. 386.