Ästiger Affodill

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Ästiger Affodill
Ästiger Affodill (Asphodelus ramosus)

Ästiger Affodill (Asphodelus ramosus)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae)
Unterfamilie: Affodillgewächse (Asphodeloideae)
Gattung: Affodill (Asphodelus)
Art: Ästiger Affodill
Wissenschaftlicher Name
Asphodelus ramosus
L.
Habitus

Der Ästige Affodill (Asphodelus ramosus), der auch oft Kleinfrüchtiger Affodill genannt wird, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Affodill (Asphodelus) aus der Unterfamilie der Affodillgewächse (Asphodeloideae) in der Familie der Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Ästige Affodill ist ein kahler, ausdauernder Rhizom-Geophyt, der Wuchshöhen von 1 bis 1,5 (selten 2) Meter erreicht. Das Rhizom ist kurz und dick und mit Fasern vertrockneter Blätter reichlich bedeckt. Die Wurzeln sind mehr oder weniger weit vom Rhizom entfernt zu spindelförmigen Knollen verdickt.[1]

Die bis zu 1 Meter langen und 1 bis 4 Zentimeter breiten Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet, aufrecht, steif und gekielt. Der Stängel ist blattlos, massiv und trägt einen Blütenstand mit 3 bis 10 (bis 13) aufrecht-abstehenden, 10 bis 30 (bis 45) Zentimeter langen, unverzweigten Seitenästen.[1]

Die Tragblätter der Blüten sind trockenhäutig oder weißlich oder bräunlich. Die Blütenstiele sind in der Mitte gegliedert und zur Fruchtzeit schräg spreizend und 0,8 bis 1 (bis 1,3) Millimeter dick. Die Blütenhüllblätter haben eine Länge von (10 bis) 11 bis 18 (bis 21) Millimeter und sind weiß mit einem rosafarbenen oder bräunlichen Mittelnerv[2]. Die Staubfäden sind vom verbreiterten Grund plötzlich in die Spitze verschmälert.

Die Kapseln sind 5 bis 13 Millimeter lang, 3,5 bis 10 (bis 11) Millimeter breit, eiförmig und von den vertrockneten Blütenhüllblättern dicht eingehüllt. Die Samen messen 5 bis 8,5 × 2,5 bis 4 Millimeter und sind grau.[1]

Die Blütezeit dauert von März bis Juni.[2]

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Ästige Affodill ist eine charakteristische, weit verbreitete und häufige Pflanze des Mittelmeergebietes, die bis zu den Kanarischen Inseln reicht.

Er kommt in verlichteten Wäldern und Macchien, in Garrigues und in Steppen vor und bevorzugt basenreiche, felsige, lehmige oder sandige, ausreichend tiefgründige Böden. Er besiedelt Höhenlagen von etwa 0 bis 1000 Meter, in den nordafrikanischen Hochgebirgen bis 2150 Meter. Besonders bei intensiver Beweidung bildet er dichte Bestände, weil er wegen seiner giftigen Inhaltsstoffe vom Weidevieh nicht gefressen wird.[1]

Systematik[Bearbeiten]

Der Ästige Affodill gliedert sich in zwei Unterarten.

  • Asphodelus ramosus subsp. distalis Z.Díaz & Valdés: Die Wurzeln sind erst in einem Abstand vom Rhizom von meist 8 bis 12 Zentimeter zu Knollen verdickt und sind in dem Stück vor den Knollen etwa gleich dick wie hinter den Knollen. Die Blätter sind frischgrün. Der Grund der Staubfäden ist blassrosa. Die Blütenhüllblätter sind (13 bis) 14 bis 21 Millimeter lang, die Kapseln 7,5 bis 13 mm, die Samen 6 bis 7,5 mm. Diese Sippe ersetzt die nominotypische Unterart im Südwesten der Iberischen Halbinsel und auf den Kanarischen Inseln. Sie ist hexaploid mit 2n = 84 Chromosomen.
  • Asphodelus ramosus L. subsp. ramosus: Die Wurzeln sind in einem sehr kurzen Abstand vom Rhizom zu Knollen verdickt und sind in dem Stück vor den Knollen viel dicker als hinter den Knollen. Die Blätter sind blaugrün. Der Grund der Staubfäden ist bräunlichrosa.
Es gibt in dieser Unterart drei verschiedene Zytotypen, die sich auch morphologisch trennen lassen:
  • var. ramosus: Die Kapseln messen nur 5,5 bis 7,5 × 4 bis 7 Millimeter und sind ellipsoid bis eiförmig. Die Samen messen 5 bis 6 × 1,8 bis 2,5 Millimeter. Die Größe der Blütenhüllblätter liegt im unteren Teil der Variationsbreite der Art. Diese Varietät ist allgemein verbreitet; sie ist die fast ausschließlich vorkommende Sippe auf der Nordseite des Mittelmeeres mit Ausnahme der wärmsten Regionen wie Malta, Sizilien oder Süd-Sardinien. Die Varietät ist diploid mit 2n = 28 Chromosomen.
  • var. africanus (Jordan) Z.Díaz & Valdés: Die Kapseln messen 7 bis 9,5 × 5 bis 8 Millimeter und sind eiförmig-ellipsoid bis eiförmig. Die Samen messen 5,5 bis 6,5 × 2,5 bis 3 Millimeter. Die Größe der Blütenhüllblätter liegt im mittleren Teil der Variationsbreite der Art. Diese Varietät ist im mediterranen Nordafrika und Vorderasien weit verbreitet. Sie erreicht Europa auf Malta, Lampedusa, Sizilien, Süd-Sardinien und in Süd-Italien. Die Varietät ist tetraploid mit 2n = 56 Chromosomen.
  • var. nervosus (Pomel) Z.Díaz & Valdés: Die Kapseln messen 9 bis 12 × 7 bis 9,5 Millimeter und sind eiförmig bis fast kugelig. Die Samen messen 6,5 bis 8,5 × 3 bis 4 Millimeter. Die Größe der Blütenhüllblätter liegt im oberen Teil der Variationsbreite der Art. Diese Varietät kommt von Nordafrika von Marokko (dort die häufigste bis fast ausschließlich vorkommende Sippe) bis Libyen vor; sie erreicht Europa auf Lampedusa und an der Südküste des Peloponnes. Die Varietät ist hexaploid mit 2n = 84 Chromosomen.[1]

Botanische Geschichte[Bearbeiten]

Asphodelus ramosus wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstbeschrieben.[3] Von den sechs Phrasen, aus denen der Protolog besteht, ist nachweislich nur die erste (ein Zitat aus der Materia medica) durch Herbarmaterial gestützt. Diesen Beleg legten Díaz Lifante & Valdés 1994 als Lectotypus fest. Es lässt sich eindeutig als die häufige mediterrane, kleinfrüchtige Sippe identifizieren. Daher hat dieser Name Priorität gegenüber dem erst 1824 eingeführten Namen Asphodelus microcarpus Viv.

Diesem Namen wurde trotzdem in der Folge meist der Vorzug gegeben, weil der Name Asphodelus ramosus als nicht eindeutig angesehen wurde und auch von Folgeautoren nicht in einheitlichem Sinn verwendet wurde. Ein etwas älterer Name, Asphodelus aestivus Brot. (1804) wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Synonym zu Asphodelus microcarpus gestellt und später aus Prioritätsgründen stattdessen verwendet. Brotero verstand jedoch unter Asphodelus aestivus eine andere, spätblühende Art mit kugeligen Kapseln, deren Rhizom außerdem keine Hülle aus vertrockneten Blattresten aufweist[1].[4]

Die Fassung von "Asphodelus ramosus" in der Flora Europaea (1980),[5] in der dieses Taxon von Asphodelus aestivus (im Sinne von A. ramosus L.) vor allem durch die größeren Kapseln getrennt wurde, beinhaltet nach der Monographie von Díaz Lifante & Valdés tetra- und hexaploide Pflanzen von Asphodelus ramosus und als eigene Arten angesehene Taxa wie Asphodelus cerasiferus und Asphodelus lusitanicus.[1]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für den Ästigen Affodill und den Weißen Affodill (Asphodelus albus), die nicht unterschieden wurden, zum Teil nur regional, auch die folgenden weiteren Trivialnamen verwandt: Affodillen (mittelhochdeutsch), Afholzerwurz (mittelhochdeutsch), Aphrodillenwurz (mittelhochdeutsch), Colder (mittelhochdeutsch), Gelwurz, Golde (althochdeutsch), Goldgilgen, Goldhilgen (mittelhochdeutsch), Goldkruyt (mittelhochdeutsch), Goldwurz (mittelhochdeutsch), Golteck (mittelhochdeutsch), Königsscepter, Peitschenstock, Wickol (mittelhochdeutsch), Wijswurtz (mittelhochdeutsch) und Witlock (mittelhochdeutsch).[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Zoila Díaz Lifante, Benito Valdés: Revisión del género Asphodelus L. (Asphodelaceae) en el Mediterráneo Occidental. In: Boissiera. Band 52, 1996, 189 S.
  2. a b  Ehrentraud Bayer, Karl Peter Buttler, Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Pflanzen des Mittelmeerraums (= Steinbachs Naturführer. 17). Mosaik, München 1987, ISBN 3-570-01347-2, S. 240.
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 310, Digitalisat.
  4. Zoila Díaz Lifante, Benito Valdés: Lectotypification of Asphodelus ramosus (Asphodelaceae), a misunderstood Linnaean name. In: Taxon. Band 43, Nr. 2, 1994, S. 247–251, JSTOR 1222883.
  5. I. B. K. Richardson, B. E. Smythies: Asphodelus L. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 5: Alismataceae to Orchidaceae (Monocotyledones), Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20108-X, S. 17 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 48, online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Asphodelus ramosus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Asphodelus aestivus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien