Äthiopischer Bürgerkrieg

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Äthiopischer Bürgerkrieg
Teil von: Kalter Krieg
Außer Gefecht gesetzter T-62-Panzer in Addis Abeba 1991
Außer Gefecht gesetzter T-62-Panzer in Addis Abeba 1991
Datum 1974 bis Mai 1991
Ort Äthiopien
Casus Belli Militärputsch des Derg
Ausgang Sturz des Derg, Installation der Übergangsregierung Äthiopiens
Konfliktparteien
Et oromo-ruling party.png Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker, Tigray Volksbefreiungsfront
Gesamtäthiopische Sozialistische Bewegung
Flag of the EPLF.png Eritreische Volksbefreiungsfront
Flag of the Oromo Liberation Front.svg Oromo-Befreiungsfront
Westsomalische Befreiungsfront
Eritreische Befreiungsfront
Afar-Befreiungsfront
Äthiopische Revolutionäre Volkspartei
Äthiopische Demokratische Union;
Flag of Ogaden National Liberation Front(2).svg Ogaden Nationale Befreiungsfront[1]
(nicht verbündet)
Athiopien Demokratische VolksrepublikÄthiopien Äthiopische Regierung
KubaKuba Kuba
(1987-1991)
Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion[2][3][4][5]

Logistische Unterstützung:
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik[6]
Jemen SudVolksdemokratische Republik Jemen Südjemen[6]
Korea NordNordkorea Nordkorea

Befehlshaber
Meles Zenawi
Isayas Afewerki
Athiopien Demokratische VolksrepublikÄthiopien Mengistu Haile Mariam
Verluste
1 Mio. Tote[7]

Der Äthiopische Bürgerkrieg war zwischen 1974 und 1991 ein Krieg innerhalb von Äthiopien, bei der zahlreiche Rebellen- und Befreiungsbewegungen gegen die kommunistische Zentralregierung des Landes kämpften. Die Befreiungsbewegungen waren ideologisch oft selber marxistisch-leninistisch ausgerichtet, die meisten jedoch waren zudem separatistische sowie ethnisch definierte politische Parteien und verlangten eine Abspaltung ihrer eigenen Landesteile bzw. Provinzen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Im Jahr 1974 fand ein blutiger Militärputsch statt, bei dem der äthiopische Kaiser Haile Selassie des Kaiserreiches Abessinien gestürzt wurde. Die revolutionären Streitkräfte DERGUE, welche den Staatsstreich durchgeführt hatten, schafften im März 1974 die Monarchie ab. Kronprinz Asfaw Wossen siedelte nun permanent in der britischen Hauptstadt London, wo zahlreiche andere Mitglieder der Kaiserdynastie Zuflucht gefunden haben. Die anderen in Äthiopien verbliebenen Mitglieder der Kaiserfamilie wurden während der Revolution eingesperrt, einschließlich Amha Selassies Vater der Kaiser, seiner Tochter aus erster Ehe, Prinzessin Ijigayehu, seiner Schwester Prinzessin Tenagnework und vieler Neffen, Nichten, Verwandte und Schwäger. Im Jahr 1975 starb zuerst der Kaiser Haile Selassie selbst, dann 1977 seine Tochter Prinzessin Ijigayehu in Gefangenschaft. Mitglieder der Kaiserfamilie blieben inhaftiert bis 1988 (für Frauen) und 1989 (für die Männer).

Die meisten Industriebetriebe und privaten urbanen Real estate Holdings wurden vom Derg im Jahre 1975 nationalisiert. Äthiopien unter dem Derg-Regime wurde zum engsten Verbündeten des weltweiten sozialistischen Ostblocks in Afrika. Im Jahre 1977 führte Äthiopien einen Krieg gegen das ebenfalls kommunistisch regierte Somalia, welches versuchte, die östlichen, hauptsächlich vom Volk der Somali bevölkerten Gebiete zu annektieren. Die äthiopische Armee war fähig, die somalische Armee, unterstützt von der Westsomalischen Befreiungsfront, zu besiegen - jedoch nur mit militärischer Assistenz der Sowjetunion und Kuba. Das äthiopische Militär wurde zum bestausgerüsteten der Region, das Land selbst zur Regionalmacht - als Folge von massiver militärischer und wirtschaftlicher Unterstützung seitens der Sowjetunion, der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), Nordkoreas und Kubas.[8]

Ausbruch des Konflikts[Bearbeiten]

Der Derg eliminierte sämtliche politischen Opponenten zwischen 1975 und 1977 als Antwort auf die Deklaration und Instigation eines äthiopischen Weißen Terrors gegen den Derg, ausgehend von mehreren verschiedenen Oppositionsgruppen, vor allem der Äthiopischen Revolutionären Volkspartei (IHAPA), welcher ebenso wie der Derg marxistisch ausgerichtet war. Brutale Taktiken wurden von beiden Seiten angewandt, einschließlich Exekutionen, Attentate, Folter und Entführungen von zehntausenden Unschuldigen z. T. ohne Urteil, viele von ihnen waren unschuldig.[9] Auch Kindersoldaten kamen zunehmend zum Einsatz.[10]

Der äthiopische Rote/Weiße Terror war das Urbanes Guerilla-Kapitel des brutalen Krieges, welches die Regierung gegen die Guerilla führte, einerseits gegen die Unabhängigkeitsbewegungen der Provinz Eritrea (Eritreische Volksbefreiungsfront und Eritreische Befreiungsfront) und der Provinz Tigray (Volksbefreiungsfront von Tigray), andererseits auch gegen konservative und pro-monarchistische wie die Äthiopische Demokratische Union und gegen linksextreme Rebellengruppen wie die Gesamtäthiopische Sozialistische Bewegung. Die Volksbefreiungsfront von Tigray wurde zu dem Zeitpunkt jedoch noch als nicht ernstzunehmende, kleine Gruppierung betrachtet, gegen welches der Derg bis zum Semiem Zemecha keine große Kampagne startete.

Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Während der gleichen Periode erfüllte der Derg sein wichtigstes Versprechen unter dem Motto Land dem Ackerbauer, indem sie das gesamte Land, welches einst dem feudalen Landesherren gehörte, durch eine Landreform unter den Bauern neu verteilte. Missmanagement, Korruption und allgemeine Feindseligkeit zur gewalttätigen Herrschaft des Derg jedoch war verbunden mit dem zehrenden Effekt der konstanten Kriegsführung gegen die separatistischen Guerillabewegungen in Eritrea und Tigray, was wiederum zum drastischen Fall in der allgemeinen Produktivität von Nahrungsmitteln und Cash Crops. Hunderttausende flohen vor der ökonomischen Misere, vor der Wehrpflicht und der politischen Repression und begannen das Land zu verlassen in Richtung Nachbarländer - oder in die reichen Länder der Welt. Sie bildeten somit zum ersten Mal die Äthiopische Diaspora.[8]

1984 führte der Derg eine marxistische Einheitspartei ein, die Arbeiterpartei Äthiopiens als machtpolitische Gegenkraft zu den Rebellenorganisationen. Im gleichen Jahr führte eine Hungersnot (die Provinzen Wällo und Tigray waren besonders schwer betroffen) nicht zur Schwächung jener, sondern im Gegenteil zur Unterstützung durch die Bevölkerung. Die Volksbefreiungsfront von Tigray hingegen gab das ausländische Geld für die Entwicklungshilfe zu 95 Prozent für Waffen aus. Im Jahre 1987 wurde der gesamte äthiopische Staat erneut modernisiert und der Provisorische Militärverwaltungsrat Derg wurde offiziell abgeschafft. Auch die Verwaltungsgliederung wurde neu organisiert und den einzelnen Bevölkerungsgruppen gewisse Autonomie zugestanden, um den politischen Konflikt mit den Gruppierungen zu entschärfen.

Der Derg setzte seine Ziele, die Rebellionen zu beenden, auch mit militärischer Härte fort. Es wurden zahlreiche Kampagnen initiiert, welche sowohl die inneren Rebellen als auch die sezessionistischen Organisationen Eritreische Volksbefreiungsfront und Volksbefreiungsfront von Tigray zum Schweigen bringen sollten. Die wichtigsten Operationen waren die Operation Shiraro, die Operation Lash, die Operation Roter Stern und die Operation Adwa, welche zu ihrem entscheidenden Sieg in der Schlacht von Shire vom 15. bis zum 19. Januar 1989 führten.

Einnahme der Hauptstadt Addis Abeba durch Panzer am 9. Juli 1991

Ausgang[Bearbeiten]

1990 gab Mengistu bekannt, dass sich die Arbeiterpartei Äthiopiens allen gesellschaftlichen Kräften öffnen wolle und benannte diese Partei in Demokratische Einheitspartei Äthiopiens um.[11] Die Befreiungsbewegungen, welche inzwischen weite Teile des Staates unter ihre Kontrolle brachten, zeigten sich davon unbeeindruckt und führten ihren Kampf fort. Die äthiopische Regierung unter Mengistu Haile Mariam wurde schließlich von einer Koalition aus drei verschiedenen Rebellengruppen - der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker - und den staatseigenen Funktionären gestürzt. Im Mai 1991 nahm die Revolutionäre Demokratische Front erfolgreich die Hauptstadt Addis Abeba ein. Es gab Befürchtungen, dass Mengistu Haile Mariam bis zum bitteren Ende für die Hauptstadt kämpft, aber nach einer diplomatischen Intervention der Vereinigten Staaten floh Mengistu und fand Asyl in Simbabwe, wo er bis heute weiterhin residiert.

Die Revolutionäre Demokratische Front verbot die Demokratische Einheitspartei Äthiopiens sofort und inhaftierte nahezu alle der prominenten Derg-Funktionäre kurze Zeit später.[12] Im Dezember 2006 wurden 72 Offizielle des Derg wegen des Vorwurfs des Völkermords schuldig gesprochen. 34 Leute wurden vor Gericht gestellt, 14 starben noch während des Prozesses und 25, einschließlich Mengistu, wurden in Abwesenheit angeklagt.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Ethiopia: Crackdown in East Punishes Civilians (Human Rights Watch, 4-7-2007)
  2. Dan Connell: Building a New Nation: Collected Articles on the Eritrean Revolution (1983–2002). Red Sea Press, March 2005, ISBN 1569021996.
  3. Communism, African-Style. In: Time, 4. Juli 1983. Abgerufen am 6. September 2007. 
  4. Ethiopia Red Star Over the Horn of Africa. In: Time, 4. August 1986. Abgerufen am 6. September 2007. 
  5. Ethiopia a Forgotten War Rages On. In: Time, 23. Dezember 1985. Abgerufen am 6. September 2007. 
  6. a b In Eritrea. In: The New York Times, 27. September 1987. Abgerufen am 14. August 2009. 
  7. Las guerras y los genocidios del siglo 201974-1991.Guerra civil de Etiopía.
  8. a b Brockhaus Enzyklopädie 2003, EIT-ISK, Seite 1210
  9. A. Valentino, Benjamin. Final Solutions: Mass Killing and Genocide in the Twentieth Century, 2004. Seite 196.
  10. Berliner Zeitung online: Ist Wahrheit das, wozu sich die Mehrheit bekennt?, abgerufen am 14. Juni 2010
  11. Der Spiegel, Ausgabe 16/1990, S. 206
  12. "Ethiopia: Uncle Sam Steps In", Time 27. Mai 1991. (letzter Zugriff am 14. Mai 2009)
  13. A. Valentino, Benjamin. Final Solutions: Mass Killing and Genocide in the Twentieth Century, 2004. Seite 196.