ça ira Verlag

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ça ira Verlag ist ein 1985 von der Initiative Sozialistisches Forum (ISF) gegründeter Buchverlag in Freiburg. Der Name des Verlages geht auf das französische Revolutionslied Ah! Ça ira zurück.

Der mit der ISF eng verbundene Verlag möchte einen Beitrag zur Weiterentwicklung materialistischer Kritik und Aufklärung in der Tradition der Kritischen Theorie Adornos leisten, um „die Etablierung der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft zu befördern, d.h. die Intentionen der Kritischen Theorie verwirklichen zu helfen, auch und gerade gegen Deutschland.“[1] Im Zentrum stehen dabei ideologiekritische Arbeiten von Autoren, die seit den 1990er Jahren zunehmend dem antideutschen Diskurs zugerechnet werden können, darunter Veröffentlichungen von Joachim Bruhn, Stephan Grigat und Gerhard Scheit.

Dessen ungeachtet verlegt ça ira Autoren aus einem breiten Spektrum materialistischer Autoren, bis hin zu ausgesprochenen Kritikern antideutscher Positionen. So gehören neben dem mehrbändige Gesamtwerk des radikaldemokratischen 68er-Vordenkers Johannes Agnoli Werke so unterschiedlicher Autoren wie Hans-Georg Backhaus, Matthias Küntzel, Anton Pannekoek, Moishe Postone und Gerhard Stapelfeldt zu den bei ça ira veröffentlichten Schriften.

Erste Veröffentlichung unter eigenem Verlagstitel war Stefan Breuers Aspekte totaler Vergesellschaftung (1985). Daneben vertreibt ça ira Schriften der ISF sowie Bücher der Kleinverlage R. Matzker Verlag DiA, Tende und Medusa, insbesondere von Autoren wie Ilse Bindseil und Ulrich Enderwitz, die später in das eigene Verlagsprogramm übernommen wurden.

Seit Oktober 2012 verlegt ça ira die neugegründete, von Manfred Dahlmann und Gerhard Scheit herausgegebene „Zeitschrift für Ideologiekritik“ Sans phrase.

Agnoli-Streit[Bearbeiten]

Die Gesammelten Werke von Johannes Agnoli wurden ab 1990 mit dem Einverständnis von Johannes Agnoli und auch aufgrund des persönlichen Kontaktes zu Joachim Bruhn im ça ira Verlag herausgegeben. Der ça ira Verlag veröffentlichte (2003) nach Agnolis Tod ein Buch mit einem Beitrag von Johannes Agnoli. Mit der Veröffentlichung des Beitrages war seine Witwe Barbara Görres-Agnoli, die nun die Rechte am Werk Agnolis hat, nicht einverstanden und klagte auf den Rückzug des posthum erschienenen Bandes.[2] In einem offenen Brief monierte sie, der posthum darin erschienene Beitrag Agnolis sei verändert worden und nicht autorisiert gewesen und erscheine in einem Kontext, der „nicht Agnolis politischem Denken und Handeln“ entspreche.[3]

Die Kosten der gerichtlichen Auseinandersetzung brachten den ça ira-Verlag, der die Vorwürfe von sich wies,[1] an den Rand des Konkurses, auch wenn die Klage 2006 abgewiesen wurde und eine weitere Klage Görres-Agnolis auf Einsicht in die Umsätze des Verlages mit Agnolis Werken in einem Vergleich endete.[4] Nach dem Entzug der Nachdruckrechte für Die Transformation der Demokratie durch Görres-Agnoli erschien die Neuauflage Agnolis Hauptwerks 2004 im Konkret Literatur Verlag.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b ça ira Verlag: Erklärung zu der Auseinandersetzung mit der Erbengemeinschaft Johannes Agnoli
  2. literaturkritik.de: „Die Witwe gegen den Verlag“
  3. Barbara Agnoli: Barbara Agnoli zu Grigat über Johannes Agnoli, offener Brief, 7. April 2004
  4. ça ira Verlag: „Barbara Agnoli verliert Prozeß gegen Stephan Grigat und den ça ira-Verlag“
  5. Joachim Bruhn: Auch Bücher haben ihr Schicksal, insbesondere dieses

Weblinks[Bearbeiten]