Éliane Radigue

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Éliane Radigue (* 24. Januar 1932 in Quartier des Halles, Paris) ist eine zeitgenössische französische Komponistin und eine Wegbereiterin der elektronischen Musik. Sie war verheiratet mit dem französischen Künstler Arman, mit dem sie bis 1967 in Nizza die gemeinsamen drei Kinder aufzog, bevor sie wieder nach Paris zog.

Musikalische Entwicklung[Bearbeiten]

Éliane Radigues musikalisches Schaffen begann in den 1950er Jahren, die ersten Veröffentlichungen erschienen gegen Ende der 1960er Jahre. Als Klavierstudentin hatte sie bereits erste Erfahrungen mit Komposition, bevor sie Pierre Schaeffer Anfang der 1950er Jahre begegnete. Zuerst studierte sie sporadisch, 1957 - 58 dann intensiver bei Pierre Schaeffer und Pierre Henry am Studio d'Essai des RTF in Paris und lernte dort elektroakustische Komposition. Zu Beginn der 1960er Jahre war sie Assistentin von Pierre Schaeffer und entwarf zu dieser Zeit einige der Sounds, die in Schaeffers Werk Verwendung fanden, 1967 - 68 war sie Assistentin von Pierre Henry im Studio Apsome. Mit der Zeit löste sie sich von Schaeffer und Henry, die ihre Verwendung von Mikrofonrückkopplungen und Tapeloops kritisierten.

Anfang der 1970er Jahre teilte sie sich gemeinsam mit Laurie Spiegel an der New York University ein Studio mit einem Buchla Synthesizer, den Morton Subotnick dort eingerichtet hatte. Zu dieser Zeit fühlte sie sich den New Yorker Minimalisten bereits näher als der Musique concrète Pierre Schaeffers und Pierre Henrys. Mitte der 1970er Jahre konvertierte sie (nach der Aufführung von Adnos I) zum tibetischen Buddhismus und lernte beim 10. Pawo Rinpoche, der sie immer wieder zu ihrer eigentlichen Arbeit motivierte. Nach drei Jahren intensiver Praxis begann sie mit Adnos II, das 1979 fertiggestellt wurde (Adnos III dann 1980).

Ihre Serie um den Patriarchen Milarepa (seit Anfang der 1980er) wurde durch Kompositionsstipendien des französischen Kultusministeriums finanziert. Seit Beginn der 1990er Jahre beschäftigte sich Radigue bis 1998 mit der dreistündigen Trilogie de la Mort, die im Andenken an ihren Sohn Yves Armand (1954 - 1989) und ihren Lehrer Pawlo Rinpoche Tsuglag Mawey Wangchuk (1912 - 1991) entstand. Der erste Teil erschien auf Phill Niblocks Label XI Records.

Seit dem Jahrhundertwechsel arbeitete Radigue hauptsächlich an Kompositionen für Interpreten akustischer (oder halbakustischer) Instrumente. Ihr erstes Werk Elemente II wurde vom Bassisten Kasper T. Toeplitz in Auftrag gegeben und von diesem auf dem von ihm selbst entwickelten BassComputer aufgeführt. Später wurde es auch von der Laptop - Improvisationsgruppe The Lappetites[1] aufgeführt, bei der sie selbst anfänglich mitwirkte. 2006 erhielt Éliane Radigue beim Festival Ars Electronica in Linz die Goldene Nica in der Kategorie Digital Musics für ihr letztes elektronisches Stück L’îIe re-sonante (2000). Danach erarbeitete sie mit dem Amerikanischen Cellisten Charles Curtis Naldjorlak I, dann mit den Bassethornisten Carole Robinson und Bruno Martinez Naldjorlak II und schließlich im Ensemble Naldjorlak III; die Aufführung dieser kompletten Trilogie erfolgte 2009. Im Juni 2011 wurde die Komposition für Soloharfe Occam I, die für den Harfisten Rhodri Davies geschrieben wurde, uraufgeführt.

Musik[Bearbeiten]

Ihr musikalisches Schaffen kann als langsam und sorgfältig bezeichnet werden, im Durchschnitt veröffentlichte Éliane Radigue alle drei Jahre ein größeres Werk. Für ihre elektronischen Kompositionen arbeitet sie ausschließlich mit einem ARP 2500 Modularsystem und Bandmaschinen. Der ARP Synthesizer wurde zu ihrem Markenzeichen, wobei insbesondere ihre „sensitive und gesprenkelte reine“ Klangflächengestaltung Anerkennung fand.[2] Trilogie de la Mort ist zu weiten Teilen als Grundton- (bzw. Grundklang-) bearbeitung von singulären Schwingungen in außerordentlich langsamen Schwingungsbereichen zu hören, Resonanzen werden durchgehend niedrig gehalten. Die tonhaften Qualitäten der durchweg de- oder unfrakturierten Frequenzen stehen dabei gegenüber den geräuschhaften Frequenzanteilen im Vordergrund. Die so geschaffene Textur wird durch eine gleichmäßig wiederholte Folge von einzelnen Anschlägen einer Klangschale kontrastiert. Mit konsequentem Athematizismus und affirmativer Derythmisierung rückt ihre Musik in die Nähe der Punktuellen Musik. Für Vice Versa, etc. (2009) gibt Éliane Radigue als Längenangabe „ad libitum“ an – die Stücke sollen gegebenenfalls auf zwei Abspielgeräten gleichzeitig gehört werden.[3]

Zurzeit lebt Éliane Radigue in Frankreich, wo sie weiterhin sowohl komponiert, als auch den tibetischen Buddhismus praktiziert. Ihre Kompositionen stellt sie regelmäßig bei Besuchen in den Vereinigten Staaten vor.

Diskografie[Bearbeiten]

  • Jouet Electronique / Elemental I, Alma Marghen, 2010
  • Vice Versa, etc., Important, 2009
  • Tryptych, Important, 2009
  • Naldjorlak for Charles Curtis, Shiiin, 2008
  • Chry-ptus, Schoolmap, 2007
  • Jetsun Mila, Lovely Music, 2007 (Wiederveröffentlichung von 1987)
  • L'île re-sonante, Shiin, 2005
  • Before the Libretto (mit The Lappetites), Quecksilber, 2005
  • Elemental II, Records of Sleaze Art, 2004
  • Geelriandre / Arthesis, Fringes Archive, 2003
  • Adnos I-III, Table of the Elements, 2002
  • E = A = B = A + B (2 x 7"), Povertech Industries, 2000
  • Songs of Milarepa, Lovely Music, 1998
  • Trilogie de la Mort, Experimental Intermedia, 1998
  • Biogenesis, Metamkine, 1996
  • Kyema-Intermediate States, Experimental Intermedia, 1992
  • Mila's Journey Inspired by a Dream, Lovely Music, 1987
  • Songs of Milarepa, Lovely Music, 1983
  • Ψ 847, Oral, 2013

Aufführungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Aufführungen ihrer Stücke gab es in verschiedenen Museen und Galerien, sowie auf Festivals:

  • Salon des Artistes Decorateurs (Paris)
  • Foundation Maeght (St. Paul de Vence)
  • Albany Museum of the Arts (New York)
  • Galerie Rive Droite (Paris)
  • Gallery Sonnabend (New York)
  • Galerie Yvon Lambert (Paris)
  • Galerie Shandar (Paris)
  • Festival de Como (Italy)
  • Festival d'Automne (Paris)
  • Festival Estival (Paris)
  • International Festival of Music (Bourges, France)
  • New York Cultural Center
  • Experimental Intermedia Foundation (New York)
  • The Kitchen (New York)
  • Columbia University (New York)
  • Vanguard Theatre (Los Angeles)
  • LACE (Los Angeles)
  • Mills College (Oakland)
  • University of Iowa
  • Bennington School of Music
  • San Francisco Art Institute
  • NEMO Festival (Chicago)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://lappetites.com/
  2. http://www.lovely.com/
  3. http://www.discogs.com/Eliane-Radigue-Vice-Versa-Etc/release/1913494

Weblinks[Bearbeiten]