Émile Bernard

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Portrait de Émile Bernard von Henri de Toulouse-Lautrec, 1886
Portrait de Émile Bernard von Henri de Toulouse-Lautrec, 1886

Émile Bernard (* 28. April 1868 in Lille; † 16. April 1941 in Paris) war ein französischer Maler, Grafiker, Kunsttheoretiker und Romanautor. Er gehört zu den schillerndsten Figuren am Beginn der modernen Malerei. Als Mitbegründer des Cloisonismus und des Synthetismus war er in den 1880er Jahren an dem Umbruch beteiligt, den die Kunst in der damaligen Zeit erlebte.

Seine Schriften und seine Korrespondenz mit Vincent Van Gogh (1853-1890), Paul Gauguin (1848-1903) und Paul Cézanne (1839-1906) zählen zu den kunstgeschichtlichen Hauptquellen des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Émile Bernard wurde als Sohn eines Unternehmers der Textilindustrie geboren und zog im Alter von 10 Jahren mit seinen Eltern nach Paris. Dort trat er 1884 im Alter von 16 Jahren in das Atelier des akademischen Malers Fernand Cormon (1845-1924) ein, wo er Bekanntschaft mit Louis Anquetin (1861-1932) und Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) schloß. 1886 aus Cormons Atelier ausgeschlossen, begab er sich auf eine Wanderung durch die Normandie und die Bretagne, während der er in Concarneau auf Émile Schuffenecker (1851-1934) traf. Von diesem mit einem Empfehlungsschreiben an Paul Gauguin versehen, reiste er weiter nach Pont-Aven, wo er jedoch in diesem Jahr zunächst wenig Kontakt mit diesem Künstler hatte.

Nachdem er im Winter 1886/87 in Paris Van Gogh kennengelernt hatte, ging er - gemeinsam mit Louis Anquetin - im Laufe des Jahre 1887 auf eine zweite Reise in die Bretagne und hielt sich auch 1888 erneut in Pont-Aven auf, wo sich nun eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Gauguin entwickelte, welche die beiden Künstler 1889 in Paris fortsetzten.

Bernards kühne Theorien und seine doktrinären Aussagen erregten rasch Aufsehen unter Kollegen. Gemeinsam mit Louis Anquetin entwickelte er neue Bildstrategien, die sowohl Van Gogh als auch Gauguin aufhören ließen und für welche Eduard Dujardin, Herausgeber und Kunstkritiker der Revue indépendante den Begriff Cloisonismus prägte. In den kurzen Wochen ihrer ebenso frucht- wie konfliktreichen Zusammenarbeit formulierten und verbreiteten Bernard und Gauguin die Prinzipien des Synthetismus und schrieben damit Kunstgeschichte. Des Weiteren unterwies Bernard Gauguin im Zinkdruck und schmiedete gemeinsam mit ihm Pläne für das von Gauguin ersonnene atelier des tropiques (Tropenatelier).

Im Jahr 1889 nahm er an der von Gauguin anlässlich der Pariser Weltausstellung im Café Volpini organisierten Ausstellung teil. Im Anschluss daran durchlief er eine persönliche Krise, während der es nach Van Goghs dramatischen Tod (1890) schließlich auch zu einer Konfrontation und dem Bruch mit Gauguin kam (1891). Die Ursache war nicht zuletzt begründet in Bernards Enttäuschung über einen anlässlich eines Banquets vorgebrachten Toast auf Paul Gauguin als Begründer des Symbolismus. Er warf Gauguin vor, sämtliche Errungenschaften der Künstlergruppe von Pont-Aven für sich zu beanspruchen und fühlte sich von Stund an übervorteilt, ausgeschlossen, hintergangen, verraten und missbraucht.

Inzwischen hatte sich auch seine persönliche Situation zugespitzt. 1888 war „das Los“ auf ihn gefallen. Er musste also mit seiner Einziehung zum Militär rechnen. Wohlwollende ärztliche Gutachten entzogen ihn zeitweilig der Dienstpflicht, 1893 half aber offenbar nur noch die Flucht ins Ausland. So begab er sich auf eine Reise nach Italien und in den Nahen Osten und ließ sich schließlich dank der Unterstützung von Mäzenen wie Antoine de la Rochefoucauld und Van Goghs Schwager Andries Bonger in Ägypten nieder, seinerzeit unter britischer Kuratel. Dort lebte er von 1893 bis 1904 und verehelichte sich.

Nach seiner Rückkehr begegnete er Paul Cézanne in Aix-en-Provence.

Émile Bernard starb im Jahr 1941 im Alter von 72 Jahren in seinem Pariser Atelier auf der Île Saint-Louis (15 Quai Bourbon).

Toulouse-Lautrec porträtierte den Künstler in jungen Jahren. Das Gemälde hängt in der National Gallery in London.

[Bearbeiten] Werk

Der im Jahr 1886 aufgrund seiner individualistischen Auffassung der Kunst aus Cormons Atelier ausgeschlossene Künstler experimentierte, so wie Vincent van Gogh, mit neuen Maltechniken und interessierte sich zunächst für den Pointillismus, begeisterte sich aber wie Jener sehr bald für die damals im Umlauf befindlichen japanischen Farbholzschnitte. Diese regten ihn zu einer starken Vereinfachung und Abgrenzung der Farbflächen an. Aus diesem Prinzip entwickelte er im Jahr 1887 gemeinsam mit Louis-Anquetin, dessen Aufmerksamkeit ebenfalls den Japonaiserien galt, den Cloisonismus: nicht die Entgrenzung des Gegenstands im lockeren Duktus des Impressionismus, sondern Abgrenzung und präzisierende Charakterisierung war ihr Anliegen.

Eine Weiterentwicklung des Cloisonismus durch die Zusammenarbeit von Gauguin und Bernard (1888/89) sowie seine Vereinigung mit dem Symbolismus begründeten die neue Kunstrichtung des Synthetismus, der Bernard mit Unterbrechungen treu blieb, bis er Frankreich den Rücken kehrte. Repräsentativ für diese Schaffensperiode sind beispielsweise die Bretonnes aux Ombrelles (1892).

Unter anderem minderte ab 1889 eine sentimentale und religiöse Krise seine schöpferische Kraft. In dieser Zeit suchte er wechselweise Inspiration in den Werken Cézannes und jenen der italienischen Meister, deren Einfluss in der Kreuzabnahme (1890) zu verspüren ist. Abgesehen davon beschäftigte Bernard sich auch mit den Werken und der Technik der mittelalterlichen Xylografie.

Schließlich wandte er sich während seines Aufenthaltes in Ägypten einem mystischen oder orientalisierenden Traditionalismus zu, den er durch Beiträge in den Zeitschriften Mercure de France und La Rénovation esthétique verteidigte.

[Bearbeiten] Werksauswahl

Gemälde

  • 1887: Pot de grès et pommes, Paris, Musée d'Orsay
  • 1888: Madeleine au bois d'amour, Öl auf Leinwand, Paris, Musée d'Orsay
  • 1888/92: Illustration der Cantilènes von Jean Moréas
  • 1889: Bretonneries, Mannheim, Museum
  • 1889: Nus dans un paysage, Öl auf Leinwand, Valenciennes, Musée des Beaux-Arts
  • 1894: Crucifixion, Bremen, Kunsthalle
  • 1892: Bretonnes aux ombrelles, Paris, Musée d'Orsay
  • 1901: Autoportrait, Lille, Palais des Beaux-Arts

Schriften

[Bearbeiten] Literatur

  • Jean-Jacques Luthi und Armand Israël: Émile Bernard 1868-1941, Editions de l'Amateur, ISBN 2-85917-387-0

[Bearbeiten] Sonstiges

Bekannt wurde Émile Bernards Beschreibung der Beerdigung van Goghs im Jahre 1890: Der Sarg war bereits geschlossen. Ich kam zu spät, um nochmals den Mann zu sehen, der mich vor vier Jahren voller Hoffnung verschiedenster Art verlassen hatte . . . .

An den Wänden des Raums, in dem sein Leichnam aufgebahrt wurde, waren all seine letzten Bilder aufgehängt worden, die so gleichsam einen Glorienschein für ihn bildeten, und das Aufblitzen des Genies , das sie ausstrahlten, machte diesen Tod umso schmerzlicher für die Künstler. Der Sarg war mit einem schlichten weißen Tuch bedeckt und von Blumen in großer Zahl eingerahmt, die Sonnenblumen, die er so sehr liebte, gelbe Dahlien, gelbe Blumen überall. Dies war, wie Sie sich wohl erinnern, seine Lieblingsfarbe, das Symbol des Lichts, das er in die Herzen ebenso wie in die Kunstwerke träumte.

Ebenfalls in seiner Nähe, vor seinem Sarg, standen seine Staffelei, sein Klappstuhl und seine Pinsel..... (Vollständiger Text auf der Diskussionsseite des Artikels)

Persönliche Werkzeuge