Émile Bravo

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Bravo im Jahr 2009

Émile Bravo (* 18. September 1964 in Paris) ist ein französischer Comiczeichner, Autor und Illustrator. Es ist ihm besonders wichtig, mit seinen Werken auch Kinder anzusprechen und er hält es für falsch, wenn nur Comics für Erwachsene als niveau- und anspruchsvoll gelten[1].

Biographie[Bearbeiten]

Bravo wurde 1964 als Kind spanischer Exilanten geboren. Sein Vater musste vor Franco fliehen und lernte in Frankreich die Mutter kennen.[2] Als Kind war er begeisterter Leser des frankobelgischen Comic-Kanon mit Werken von Goscinny, Hergé, Peyo und Morris, als Jugendlicher von Hugo Pratt, allen voran dessen Corto Maltese. Später wurden auch Yves Chaland, der Szenarist Yann und Franquin wichtige Vorbilder.

Stilprägend wirkte sich neben Hergé aber vor allem die Zusammenarbeit mit Joann Sfar und Christophe Blain auf ihn aus. 1992[3] trat er in Paris dem Atelier Nawak (44 rue de Quincampoix) bei, in dem beide arbeiteten. Hier lernte er auch die L’Association-Künstler Jean-Christophe Menu, Lewis Trondheim und David B. kennen. Sein ersten beiden veröffentlichen Comicbände hat er zu dem Zeitpunkt bereits veröffentlicht: Fighters und Ivoire, letzterer immerhin in der Reihe Atomium ’58 erschienen, allerdings nicht auf Deutsch. Sie blieben auch in Frankreich und Belgien noch weitgehend unbemerkt. Im Atelier Nawak begann er seine erste längere Reihe. Die Titelfigur der dreibändigen Serie, Aleksis Strogonov, spielt auf Michael Strogoff, dem Helden aus Der Kurier des Zaren an.

Allgemein schätzt Bravo die gemeinsame Arbeit in einem Studio mit Freunden. Nach der Zeit im Atelier Nawak gehört er zum Atelier des Vosges (dt. „Atelier der Vogesen“), aktuell, gemeinsam etwa mit Nine Antico zum Studio La Piscine („Das Schwimmbecken“).[1]

In seinen Anfängen als Zeichner bestritt er seinen Lebensunterhalt zu einem guten Teil durch Auftragsillustrationen. Er bevorzugt es aber in Comics eigene Universen zu schaffen, mittlerweile ist dies auch wirtschaftlich interessant. Bisweilen ist er aber nach wie vor als Illustrator für französische Kinder- und Jugendzeitschriften sowie Zeichner und Autor von Kinderbüchern tätig. Mit seiner erste selbstverfasste Serie, Une épatante aventure de Jules gewann er 2002 den Prix René Goscinny. Der weltraumfahrende Jules ist ein Kind, entsprechend sollen mit diesem Comic bewusst jugendliche Leser angesprochen werden. Seine Reihe um Die Sieben Zwergbären vermengt zahlreiche Sagen und Märchen. Laut Volker Hamann ist ihr absurder Witz ein wenig mit Shrek (dem Film von 2001) vergleichbar, „aber ungleich stiller und freundlicher.

Als endgültiger Durchbruch in seiner Karriere kann Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen gelten. Der graphische Roman für Kinder erlangte zahlreiche Preise, darunter einen 2008 in Angoulême[3] sowie den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 in der Kategorie Kinderbuch[4]. Infolge dessen konnte er auch einen „Spezial-Band“ zu Spirou und Fantasio umsetzten: Porträt eines Helden als junger Tor. Die Kolorierung dieses Werkes stammen, wie schon beim zweiten bis fünften Band von Jules, von La Piscine-Kollegin[1] Delphine Chédru.

Werke[Bearbeiten]

Als Comiczeichner[Bearbeiten]

  • mit Jacques Sorg: Fighters, 1988
  • mit Jean Regnaud: Ivoire, 1990

Werke der Reihe Aleksis Strogonov (mit Jean Regnaud)[Bearbeiten]

  1. Bielo, 1993
  2. Kino, 1995
  3. Tarmo, 1998

Werke der Reihe Une épatante aventure de Jules[Bearbeiten]

  1. L'imparfait du futur, 1999
  2. La réplique inattendue, 2001
  3. Presque enterrés, 2002
  4. Un départ précipité, 2003
  5. La question du père, 2006
  • mit Jean Regnaud: Ma maman est en Amérique, elle a rencontré Buffalo Bill, 2007
  • Une aventure de Spirou et Fantasio: Le Journal d'un ingénu, 2008

Als Illustrator von Kinderbüchern[Bearbeiten]

  • C'était la Guerre Mondiale, 2003

Werke der Reihe Boucle d'or et les sept ours nains (dt. Die sieben Zwergbären)[Bearbeiten]

  1. Boucle d'or et les sept ours nains, 2004
  2. La faim des sept ours nains, 2005
  3. La belle aux ours nains, 2009
  4. Mais qui veut la peau des ours nains ?, 2012
  1. deutsch: Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären, Carlsen Verlag, Hamburg 2011 ISBN 978-3-551-72881-4
  2. deutsch: Die sieben Zwergbären und der grosse Hunger, Carlsen Verlag, Hamburg 2012 ISBN 978-3-551-72882-1
  3. deutsch: Die Schöne und die sieben Zwergbären, Carlsen Verlag, Hamburg 2012 ISBN 978-3-551-72883-8

Literatur[Bearbeiten]

Volker Hamann: E. Bravo. In: Reddition 57: L’Association, Edition Alfons, Barmstedt 2012, S. 54–58.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Oscar en entretien avec Emile Bravo. 14. Januar 2009, abgerufen am 20. November 2013 (französisch, Interview für die Buchhandlung Oscar Hibou).
  2. Nachwort von Volker Hamann in: Spirou und Fantasio Spezial: Porträt eines Helden als junger Tor, Carlsen Verlag, Hamburg 2009, S. 69.
  3. a b Émile Bravo (France). international literaturfestival berlin, 2009, abgerufen am 20. November 2013 (englisch).
  4. Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen. Jurybegründung. Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V., 2010, abgerufen am 22. November 2013.