Île d’Oléron

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Île d’Oléron
NASA-Satellitenbild der Île d’Oléron
NASA-Satellitenbild der Île d’Oléron
Gewässer Golf von Biskaya
Geographische Lage 45° 56′ N, 1° 17′ W45.938888888889-1.290277777777834Koordinaten: 45° 56′ N, 1° 17′ W
Île d’Oléron (Frankreich)
Île d’Oléron
Länge 34 km
Breite 12 km
Fläche 174 km²
Höchste Erhebung 34 m
Einwohner 21.889 (1. Januar 2011)
126 Einw./km²
Hauptort Saint-Pierre-d’Oléron
Luftbild, Blick von Nordwesten
Luftbild, Blick von Nordwesten

Die Île d’Oléron ist die zweitgrößte französische Insel in Europa und liegt im Atlantischen Ozean. Sie gehört zum Departement Charente-Maritime und zur Region Poitou-Charentes. Sie wird auch die „Mimoseninsel“ genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Die Île d’Oléron liegt an der französischen Westküste am Atlantik bzw. am Golf von Biskaya nördlich der Gironde-Mündung in der Nähe der Hafenstadt Rochefort. Oléron und die Nachbarinsel Île de Ré schließen mitsamt dem Festland den Pertuis d’Antioche ein, einen Meeresabschnitt, der als Paradies zum Segeln gilt. Dessen südlicher Bereich ist weitenteils verschlickt und bietet so ein Idealterrain zur Muscheln- und Austernzucht. Aufgrund der guten Voraussetzungen zum Anbau von Austern und dem kontinuierlichen Zufluss von Süßwasser ist die Insel zu einer der bedeutendsten Regionen der Austernzucht in Europa geworden.

Die Insel ist 34 km lang und an der breitesten Stelle 12 km breit. Sie ist – lässt man die Überseedepartements außer Betracht – mit einer Grundfläche von 175 km² nach Korsika die zweitgrößte französische Insel und an der Atlantikküste die größte vor der Île de Noirmoutier und der Île de Ré.

Nennenswerte Erhebungen gibt es nicht.

Verkehr[Bearbeiten]

Wie auch die Île de Ré ist die Île d’Oléron durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Die Viaduc d’Oléron genannte Brücke ist 2862 m lang und verbindet Bourcefranc-Le-Chapus mit der Südspitze der Insel und war zu ihrer Eröffnung 1966 die längste Brücke Frankreichs. 1991 wurde die Maut für den Viaduc abgeschafft. Vor dem Bau der Brücke gab es an derselben Stelle eine Fähre. Als Überbleibsel des Fährverkehrs kann man heute noch die für die Öffentlichkeit gesperrten beiden langen Fähranleger zur tidenunabhängigen Fahrwasserrinne sehen.

Auf der Insel selbst gibt es nur Landstraßen. Die Hauptverbindungen, aber auch immer mehr Nebenstrecken, sind meist gut ausgebaut. Auf der überwiegend ebenen Insel gibt es mittlerweile ein gut ausgebautes Netz an Radwegen.

Die verschiedenen Häfen werden nur noch für private und touristische Fahrten verwendet. Linienschiffe verkehren in der Saison zur Nachbarinsel Île-d’Aix, La Rochelle, Fort Boyard und Île de Ré. In La Cotinière befindet sich einer der bedeutendsten Fischereihäfen an der französischen Atlantikküste.

Panoramabild: Viaduc d’Oléron
Panoramabild: Viaduc d’Oléron bei Nacht

Verwaltung[Bearbeiten]

Die Insel gehört zur Region Poitou-Charentes, zum Département Charente-Maritime und zum Arrondissement Rochefort. Auf der Île d’Oléron leben ständig 21.889 Einwohner (Stand 1. Januar 2011), als Hauptstadt gilt Saint-Pierre-d’Oléron.

Die Insel besteht aus zwei Kantonen (Saint-Pierre-d’Oléron und Le Château-d’Oléron) und ist aufgeteilt in acht Gemeinden:

Tourismus[Bearbeiten]

Aufgrund ihres milden Klimas ist die Île d’Oléron spätestens ab April bis Mitte September bei Touristen sehr beliebt. Ausflugsziele sind unter anderem der in den Jahren 1834 bis 1836 erbaute Leuchtturm Phare de Chassiron, das durch Fernsehsendungen bekannte, bei Boyardville vorgelagerte Fort Boyard und die unter Vauban errichtete Citadelle du Château d’Oléron. In der dortigen Bastion de la Brèche befindet sich ein militärhistorisches Museum über die französische Kolonialisierung Nordamerikas und die Kulturen der First Nations.

Im Freiluftmuseum Port des Salines in Petit-Village, einem Ortsteil von Le Grand Village Plage, wird die Meersalzgewinnung vorgestellt.

Das Sumpfgebiet Marais aux Oiseaux beherbergt etwa 60 Tierarten, die man sonst in der Natur nur selten zu sehen bekommt.

Reine Sandstrände finden sich im Nord- und Südwesten der Insel; in der Mitte wechseln an der Brandungslinie steinige Passagen mit Einsprengseln Sand ab. Diese Strände werden während der Saison von Rettungsschwimmern bewacht. Auf der Ostseite, dem Festland zugewandt, erstreckt sich ab Boyardville bis zum Hafen von La Brée ebenfalls ein ca. 15 Kilometer langer Sandstrand.

Der Wald- und Dünenbereich bei Grand-Village und Saint-Trojan ist Naturschutzgebiet.

In einigen Ortschaften finden regelmäßig Wochen- und Trödelmärkte statt. Insbesondere Saint-Pierre und La Cotinière bieten auf ihren Wochenmärkten Spezialitäten der Insel an.

Panoramabild: Hafen von La Cotinière

Geschichte[Bearbeiten]

Die Île d'Oléron im Jahre 1634. Ein kolorierter Kupferstich von Christophe Tassin

Unter dem Namen Ularius war die Insel schon zur Römerzeit bekannt und diente laut Plinius als Erholungsort im Sommer. In späteren Jahrhunderten war sie, wie viele der anderen Atlantikinseln, ein Streitpunkt zwischen Frankreich und England. Auf Oléron verbrachte die mächtige Herzogin des Mittelalters und Königin zweier Länder Eleonore von Aquitanien 16 Jahre ihres Lebens in Gefangenschaft ihres Mannes Heinrich II., weil sie die Rebellionen ihrer ältesten Söhne gegen ihren Mann unterstützt hatte. Während dieser Zeit wurde der nach der Insel benannte und dort verwahrte Seerechtskodex Rôles d'Oléron niedergeschrieben. Im 16. Jahrhundert war die Inselbevölkerung überwiegend hugenottischen Glaubens. 1623 nahm Ludwig XIII. die Insel in Besitz. Carl Constantin von Hessen-Rheinfels-Rotenburg war hier auf der Insel nach dem Attentat mit der sogenannten Höllenmaschine auf Napoléon Bonaparte von 1800 bis 1803 verbannt. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg war die Insel ein Teil des Atlantikwalls, noch heute finden sich an einigen Stränden und in den Dünen alte Bunker- und Verteidigungsanlagen. Auf der Insel verbrachte der in der Hafenstadt Rochefort gegenüber geborene Schriftsteller Pierre Loti große Teile seines Lebens. Er hob den besonderen Charakter des hellen Lichtes auf Oléron hervor und beschrieb sie in Teilen seiner Werke.

Weblinks[Bearbeiten]