Bayerische PtL 2/2

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Bayerische PtL 2/2 ohne Blindwelle

Die Lokomotiven der Gattung PtL 2/2 der Bayerischen Staatsbahn waren leichte und kompakte Heißdampflokomotiven für den Betrieb auf Lokalbahnen. Insgesamt gab es drei Bauarten, von denen zwei als Baureihe 98.3 noch zur Deutschen Reichsbahn und sogar zur Deutschen Bundesbahn gelangten.

Allen Bauarten gemeinsam war die Achsfolge B, die halbselbsttätige Schüttfeuerung, die einen Einmann-Betrieb zuließ, und Umläufe mit Geländern, die vorne und hinten einen gefahrlosen Zugang zum Wagenzug ermöglichten. Die Lokomotiven hatten ein großes Führerhaus mit je drei Fenstern auf jeder Seite, das bis auf die Rauchkammer den gesamten Kessel umschloss. Diese Eigenart brachte den Lokomotiven in Südbayern den Beinamen Glaskasten ein, in Franken wurden sie als Glas-Chaise bezeichnet.[1]

Bauart 1905[Bearbeiten]

Bayerische PtL 2/2 (Bauart 1905)
Nummerierung: 4501–4506
Anzahl: 6
Hersteller: Krauss
Baujahr(e): 1905–1906
Ausmusterung: 1923
Bauart: B h2t
Länge über Puffer: 7.004 mm
Dienstmasse: 21,3 t
Reibungsmasse: 21,3 t
Radsatzfahrmasse: 10,6 t
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Treibraddurchmesser: 1.006 mm
ND-Zylinderdurchmesser: 305 mm
HD-Zylinderdurchmesser: 365 mm
Kolbenhub: 400 mm
Kesselüberdruck: 12 bar
Rostfläche: 0,60 m²
Verdampfungsheizfläche: 37,00 m³
Bremse: Druckluftbremse

1905 und 1906 lieferte Krauss je drei Lokomotiven (Bahnnummer 4501–4506) mit einem innerhalb des Rahmens und zwischen den Achsen angeordneten Innentriebwerk. Die Maschinen von 1906 hatten einen von 285 auf 305 mm vergrößerten Zylinderdurchmesser. Über eine Blindwelle und außenliegende Kuppelstangen wurden die beiden Achsen angetrieben. Anders als bei der bekannteren späteren Ausführung waren die Wasserkästen dieser „Ur-Glaskästen“ oberhalb des Umlaufs angeordnet, aber so, dass dennoch beidseitig ein Übergang zum Wagenzug möglich war.

Ein Gegenentwurf zu dieser Lokomotive war die Gattung ML 2/2, die von Maffei gebaut wurde.

Im vorläufigen Umzeichnungsplan der Reichsbahn waren 1923 noch alle sechs Lokomotiven als 98 301 – 98 306 enthalten; sie wurden jedoch noch im gleichen Jahr ausgemustert. Der Grund dafür war das bei Wartungsarbeiten schlecht zugängliche Innentriebwerk.


Bauarten 1908 und 1911[Bearbeiten]

PtL 2/2 (Bayern) (Bauart 1908–1914)
DR-Baureihe 98.3
ÖBB 688.01
DB 98 307 in Bochum-Dahlhausen (1985)
DB 98 307 in Bochum-Dahlhausen (1985)
Nummerierung: 4507–4535
DR 98 301–322
Anzahl: 42
Hersteller: Krauss
Baujahr(e): 1908–1914
Ausmusterung: 1963
Bauart: B h2t
Länge über Puffer: 7.004/6.800 mm
Fester Radstand: 3.200 mm / 2.700 mm
Dienstmasse: 22,7/22,1 t
Reibungsmasse: 22,7/22,1 t
Radsatzfahrmasse: 13,5/11,0 t
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Indizierte Leistung: 155 kW
Treibraddurchmesser: 1.006 mm
Zylinderdurchmesser: 320 mm
Kolbenhub: 400 mm
Kesselüberdruck: 12 bar
Rostfläche: 0,60 m²
Verdampfungsheizfläche: 28,90 m²
Bremse: Druckluftbremse

1908 und 1909 lieferte Krauss 29 Lokomotiven, die jetzt ein konventionelles Außentriebwerk hatten, das allerdings auf eine zwischen den Achsen angeordnete Blindwelle arbeitete. Sie erhielten die Bahnnummern 4507 – 4535. Dieses Triebwerk ermöglichte es, den Wasserkasten unterhalb des Kessels im Rahmen anzuordnen, so dass die Umläufe geräumiger gestaltet werden konnten.

Drei weitere Lokomotiven dieser Bauart wurden im Jahre 1910 von den Preußischen Staatseisenbahnen beschafft und in die gesonderte Gattung T 2 als Altona 6081 und 6082 sowie Elberfeld 6041 eingeordnet (in der Datentabelle nicht berücksichtigt).

1911 und 1914 erfolgten zwei weitere Lieferungen von neun bzw. vier Lokomotiven (Nummer 4536–4548) an die Bayerische Staatsbahn. Bei diesen verzichtete man auf die Blindwelle und verkürzte den Achsstand von 3.200 mm auf 2.700 mm. Diese Lokomotiven waren auch insgesamt etwas kürzer und leichter als die bis 1909 gebauten Modelle.

Die Deutsche Reichsbahn übernahm noch 22 Lokomotiven mit den Nummern 98 301 – 98 322. Neun davon stammten aus der ersten Serie mit Blindwelle.

Verbleib[Bearbeiten]

Zwei Lokomotiven sind 1942 an Industriebetriebe verkauft worden, eine wurde Opfer des Zweiten Weltkriegs und die 98 304 blieb nach dem Krieg in Österreich. Sie wurde von den Österreichischen Bundesbahnen als ÖBB 688.01 eingeordnet. Das Einzelstück wurde 1959 ausgemustert.

Bayerische PtL 2/2 des DB Museums Koblenz Lützel


Die übrigen Lokomotiven kamen zur Deutschen Bundesbahn, wo die meisten im Laufe der 1950er Jahre ausgemustert wurden. Die 98 307 wurde noch bis 1963 zwischen Spalt und Georgensgmünd eingesetzt und war als Spalter Bockerl bekannt. Sie blieb erhalten und steht als Leihgabe des Verkehrsmuseums Nürnberg im Deutschen Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt-Wirsberg, ist allerdings nicht mehr betriebsfähig. Die PtL 2/2 mit der Betriebsnummer 4515 gehört seit 1925 dem Verkehrsmuseum Nürnberg. Die aufgeschnittene Lokomotive fiel dem großen Feuer vom Oktober 2005 im Bw Nürnberg Hbf zum Opfer und steht nach erfolgreicher Wiederaufarbeitung nun im DB Museum Koblenz[2].

98 321[Bearbeiten]

Die 98 321 gelangte 1938 über einen Lokhändler und das Niedersächsische Landeseisenbahnamt an die Verden-Walsroder Eisenbahn. Dafür war sie 1947 bei Krupp umgebaut worden: Die Armaturen wurden an die Stehkesselrückseite verlegt und in einem normalen Führerhaus untergebracht, die Schüttkohlenfeuerung wurde auf eine normale Befeuerung durch eine Feuertür umgestellt. Bis 1950 dauerte die Fertigstellung in Verden, bevor sie als Lok 298 in Betrieb ging. Auf dem Umlauf wurden zwei ehemalige Luftbehälter als zusätzliche Wassertanks montiert. Die Einsatzzeit war allerdings nur kurz, bereits Anfang 1956 wurde die Lok abgestellt und an einen Schrotthändler verkauft.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christoph Meyer: VWE 298 - Lebensweg einer kleinen Lok. In: Die Museums-Eisenbahn. Nr. 2 / 2009, ISSN 0936-4609, S. 7.
  •  Steffen Lüdecke: Die Baureihe 98. Band 1: Die bayerischen Lokalbahnlokomotiven der Baureihen 983, 984-5, 986 und 987. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1999, ISBN 3-88255-135-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Zintl: Das Thurnauer Bockela, Verlag E.C. Baumann, Kulmbach 1980, ISBN 3-922091-15-6, S. 80
  2. DB-Museum Koblenz, abgerufen am 28. Januar 2014