Oeko-Tex

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Öko-Tex)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Oeko-Tex-Standard ist ein unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Produkte aller Verarbeitungsstufen (Fasern, Garne, Gewebe, konfektionierte Endprodukte, inklusive Zubehör) entlang der textilen Wertschöpfungskette.

Neben dem Label "Textiles Vertrauen" des produktbezogenen Oeko-Tex-Standards 100 (schadstoffgeprüfte Textilien) gibt es darüber hinaus die Zertifizierung von umweltfreundlichen Betriebsstätten nach Oeko-Tex-Standard 1000 sowie das Produktlabel Oeko-Tex-Standard 100plus für schadstoffgeprüfte Produkte aus umweltfreundlicher Produktion.

Organisation[Bearbeiten]

Herausgeber des weltweit einheitlichen Standards ist die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie (Oeko-Tex) mit Sitz in Zürich (Schweiz). Aktuell gehören ihr 15 neutrale Prüf- und Forschungsinstitute in Europa und Japan mit Kontaktbüros in über 60 Ländern rund um den Globus an.

Der international einheitliche Kriterienkatalog zur Schadstoffprüfung wird regelmäßig modifiziert und erweitert.

Oeko-Tex-Standard 100[Bearbeiten]

OEKO-TEX_Standard_100 Logo 2010

Zielsetzung[Bearbeiten]

Der Oeko-Tex-Standard 100 wurde 1992 gemeinsam von den Hohenstein Instituten und dem Institut für Ökologie, Technik und Innovation ÖTI (Wien/Österreich) eingeführt. Ziel war es, die im Rahmen von Labortests überprüfte gesundheitliche Unbedenklichkeit von Textilprodukten aus konventioneller Produktion mit Hilfe eines Labels ("Textiles Vertrauen") für den Verbraucher kenntlich zu machen. Mit dem Label versehene Textilien unterschreiten nachweislich die aufgestellten Grenzwerte für bestimmte gesundheitsgefährdende Schadstoffe.

Gleichzeitig wurde mit Einführung des Standards ein weltweit einheitliches Qualitätssicherungssystem für Hersteller und den Handel etabliert, das der abnehmenden Fertigungstiefe in den einzelnen Betrieben der Textil- und Bekleidungsindustrie Rechnung trägt und regional unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe für das Risikopotenzial von Schadstoffen ausgleicht. Mit Hilfe des Oeko-Tex Zertifikats wird also die Einhaltung von humanökologischen Qualitätsstandards gegenüber nachgelagerten Produktionsebenen sowie dem Endverbraucher dokumentiert.

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Textilprodukte können nur dann nach Oeko-Tex-Standard 100 zertifiziert werden, wenn sämtliche Bestandteile den geforderten Kriterien entsprechen – bei einem Kleidungsstück also beispielsweise neben dem Oberstoff auch die Nähgarne, Drucke, Knöpfe/Reißverschlüsse/Nieten oder sonstige Zubehörteile etc.

Umfang und Anforderungen der Oeko-Tex-Schadstoffprüfungen richten sich nach dem bestimmungsgemäßen Gebrauch eines Textilprodukts – je intensiver der Hautkontakt, desto strengere Grenzwerte müssen unterschritten werden.

Entsprechend werden vier Produktklassen unterschieden:

  1. I – Artikel für Babys und Kleinkinder (bis zu einem Alter von 36 Monaten)
  2. II – Artikel mit direktem, lang andauerndem bzw. großflächigen Hautkontakt
  3. III – Textilien ohne bzw. nur geringem Hautkontakt
  4. IV – Ausstattungsmaterialien (für dekorative Zwecke)

Nach erfolgreicher Laborprüfung und Unterzeichnung einer Konformitätserklärung erhält der Hersteller für sein Produkt das für ein Jahr gültige Oeko-Tex-Zertifikat. Nach erneuter Überprüfung können bestehende Zertifikate jeweils um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Prüfkriterien[Bearbeiten]

Die Prüfkriterien und Grenzwerte, welche den Oeko-Tex-Schadstoffprüfungen zugrunde liegen, sind weltweit verbindlich und werden jährlich modifiziert und erweitert.

Die Prüfparameter umfassen:

  1. gesetzlich verbotene Substanzen
  2. gesetzlich reglementierte Substanzen
  3. bekanntermaßen gesundheitsgefährdende Substanzen, die vom Gesetzgeber jedoch noch nicht explizit erfasst sind
  4. Parameter zur Gesundheitsvorsorge

Textilprodukte werden beispielsweise auf Formaldehyd, Pestizide, extrahierbare Schwermetalle, chlororganische Carrier sowie Konservierungsmittel wie Tetra- und Pentachlorphenol getestet. Außerdem werden die Textilien auf (gesetzlich verbotene) krebserregende MAK-Amine spezieller Azo-Farbstoffe sowie auf Farbstoffe überprüft, deren allergisierend wirkendes Potenzial wissenschaftlich belegt ist. Darüber hinaus müssen alle überprüften Artikel einen hautfreundlichen pH-Wert und gute Farbechtheiten aufweisen.

Der jeweils aktuelle Stand der Prüfkriterien ist unter www.oeko-tex.com/grenzwerte einsehbar.

Kontrollprüfungen[Bearbeiten]

Um die Einhaltung der geforderten Grenzwerte zu überprüfen, führt die Oeko-Tex-Gemeinschaft jedes Jahr Produktkontrollen in einem Umfang von mindestens 15% aller ausgestellten Oeko-Tex-Zertifikate durch.

Die Kontrollprüfungen beinhalten

  1. die Überprüfung von eingereichten Dokumenten
  2. Laborprüfungen von eingereichten Mustermaterialien
  3. Laborprüfungen im Handel erhältlicher Artikel mit Oeko-Tex Label
  4. Laborprüfungen von Waren-Stichproben, die unangekündigt bei zertifizierten Unternehmen gezogen werden

Darüber hinaus kontrollieren unabhängige Auditoren im Rahmen von Betriebsbegehungen vor Ort die Produktionsbedingungen von Unternehmen mit Zertifikat.

Verbreitung und Bekanntheit[Bearbeiten]

Der Oeko-Tex-Standard 100 ist das Produktlabel für schadstoffgeprüfte Textilien mit der größten Verbreitung weltweit. Aktuell beteiligen sich über 8.500 Hersteller in mehr als 80 Ländern an der Oeko-Tex-Zertifizierung (Stand 12/2009). Insgesamt hat die Oeko-Tex-Gemeinschaft bis heute über 100.000 Zertifikate für Textilprodukte aller Verarbeitungsstufen ausgestellt (Stand 12/2009).

In Deutschland verfügt das Label "Textiles Vertrauen" laut einer Konsumenten-Befragung der GfK aus dem Jahr 2006 über eine gestützte Bekanntheit von mehr als 46%. Eine Verbraucherbefragung von BBE Retail Experts in sieben europäischen Ländern (Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Niederlande) aus dem Jahr 2008 bescheinigt dem Oeko-Tex-Label eine Bekanntheit von durchschnittlich 42%.

Oeko-Tex-Standard 1000[Bearbeiten]

OEKO-TEX_Standard_1000_2010

Als Ergänzung zur Produktzertifizierung nach Oeko-Tex-Standard 100 handelt es sich beim 1995 eingeführten Oeko-Tex-Standard 1000 um ein Zertifizierungssystem für umweltfreundliche Betriebsstätten der Textil- und Bekleidungsindustrie. Hier werden also die Produktionsbedingungen an einem bestimmten Standort der Textilherstellung geprüft und zertifiziert. Die Überprüfung erfolgt durch unabhängige Auditoren eines der 14 Mitgliedsinstitute von "Oeko-Tex-International – Prüfgemeinschaft umweltfreundliche Textilien". Das Zertifikat gilt für drei Jahre und muss regelmäßig erneuert werden.

Zielsetzung[Bearbeiten]

Leitgedanke einer Zertifizierung nach Oeko-Tex-Standard 1000 ist nicht die einmalige Optimierung der Umweltmaßnahmen, sondern vielmehr die permanente Verbesserung der gesamten Umweltleistungen in einem Unternehmen.

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Voraussetzung für die Zertifizierung einer Betriebsstätte ist zudem die Einführung eines Umweltmanagement-Systems, wobei bereits vorhandene Systeme wie ISO 14001 oder EMAS bei der Zertifizierung nach Oeko-Tex Standard-1000 voll angerechnet werden.

Prüfkriterien[Bearbeiten]

Die Prüfkriterien des Oeko-Tex-Standards 1000 umfassen u. a.:

  1. den Ausschluss von umweltschädlichen Technologien, Chemikalien und Hilfsmitteln(z.B. Verbot von Chlorbleiche)
  2. die Einhaltung von Richtwerten für Abwasser- und Abluftreinigung
  3. den sparsamen Einsatz von Energieressourcen
  4. Lärm- und Staubvermeidung

Darüber hinaus schreibt der Standard die Einhaltung von sozialen Kriterien vor, wie z. B. bestimmte Mindestanforderungen zur Sicherheit am Arbeitsplatz, das Verbot von Kinderarbeit/Diskriminierung/Zwangsarbeit, oder angemessene Arbeitszeiten/Ferien/Entlohnung.

Oeko-Tex Standard 100plus[Bearbeiten]

OEKO-TEX_Standart_100plus_2010

Erfüllt ein Unternehmen die Anforderungen des Oeko-Tex Standards 1000, stammen also aus einer auditierten umweltfreundlichen Betriebsstätte, und sind seine Produkte erfolgreich nach Oeko-Tex Standard 100 schadstoffgeprüft, dann können diese Erzeugnisse mit dem Label Oeko-Tex Standard 100plus gekennzeichnet werden. Diese sind dann sowohl schadstoffgeprüft als auch umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellt. Eine weitere Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die gesamte Produktionskette – also alle an der Herstellung eines Produkts beteiligten Betriebsstätten – nach Oeko-Tex Standard 1000 als umweltfreundlich zertifiziert sind.

Kritik[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Das Oeko-Tex-Label verwendet das Wort "Vertrauen", Kritiker monieren, dass - wenn auch in stark begrenztem Umfang - Schadstoffe im gekennzeichneten Erzeugnis explizit erlaubt sind.

Dieser Kritik sind mehrere Aspekte entgegenzuhalten:

  1. die heutigen Ansprüche des Verbrauchers: Die Mehrheit der Konsumenten möchte auf die funktionellen Vorzüge moderner Textilprodukte (z. B. "bügelfrei", "waschbar", kein Einlaufen) nicht verzichten. Auch modische Farben sind für die meisten Verbraucher ein Muss beim Textilkauf.
  2. Konventionell hergestellte, modische und funktionelle Textilprodukte machen nun einmal den Großteil der im Handel erhältlichen Waren aus. Ein unabhängiges Prüfsystem zum Schutz des Verbrauchers erscheint sinnvoll bzw. nützlich, das eine objektive Beurteilung bezüglich des Risikopotenzials von möglicherweise enthaltenen Schadstoffen erlaubt. Das ist der Anspruch des Oeko-Tex-Standards 100: wissenschaftlich fundierte und realistische Bewertungskriterien zu schaffen, die weltweit einheitlich Gültigkeit haben und auf alle verfügbaren textilen Produkte anwendbar sind.
  3. Maßgebliche Faktoren für das Risikopotenzial von Schadstoffen in Textilien sind zudem die Bioverfügbarkeit der Substanzen, die Dosis, in welcher Chemikalien im Produkt tatsächlich enthalten sind, sowie der bestimmungsgemäße Gebrauch eines Produkts. Der Oeko-Tex-Standard 100 berücksichtigt alle drei Faktoren und unterzieht sie einer wissenschaftlichen Bewertung durch die Forschungsinstitute der Oeko-Tex Gemeinschaft. Das Ergebnis ist ein laufend aktualisierter Katalog mit aussagefähigen Prüfkriterien und Testmethoden (z. B. Simulationstests), die alle denkbaren Aufnahmewege von Schadstoffen in den menschlichen Körper umfassen – durch Hautkontakt, über die Atmung sowie durch Verschlucken.

Am Oeko-Tex-Standard 100 wird kritisiert, dass die Prüfung ausschließlich am fertigen Produkt stattfindet. Herstellung, Arbeitsbedingungen und das ökologische Umfeld, unter dem die Produktion passiert, finden keine Berücksichtigung. Der Oeko-Tex-Standard 100 erhebt nicht den Anspruch, Aussagen über die Produktion der Rohwaren oder die Bedingungen bei der Textilproduktion zu machen. Der Standard ist als reine Produktprüfung konzipiert, weil der Konsument in erster Linie eine verlässliche Beurteilung für den konkret vorliegenden Artikel benötigt. Ein Beispiel: Auch Kleidung aus kontrolliert biologischer Baumwolle muss nicht zwangsläufig unbedenklich sein – wenn beispielsweise beim Färben, Bedrucken oder anderen Stoffbehandlungen unerwünschte Schadstoffe in das Textil gelangen. Auch hier kann nur eine Prüfung des fertigen Produkts eine zuverlässige Aussage über die Hautfreundlichkeit liefern. Zur Überprüfung der Produktionsbedingungen gibt es mit dem Oeko-Tex-Standard 1000 eine Zertifikat für umweltfreundliche und sozialverträgliche Betriebe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kaiser, Andreas: Ökologiebezogene Produktkennzeichnung. Entstehung, Hintergrund, Anforderungen. Dargestellt am Markenzeichen "Textiles Vertrauen - Schadstoffgeprüfte Textilien nach Öko-Tex-Standard 100" als umweltbezogenes Informationsinstrument. Dissertation, Kassel 1996

Weblinks[Bearbeiten]