Ökonomische Nachhaltigkeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Crystal Clear app package settings.png

Dieser Artikel wurde aufgrund inhaltlicher und/oder formaler Mängel auf der Qualitätssicherungsseite des Portals Wirtschaft eingetragen.
Du kannst helfen, indem Du die dort genannten Mängel beseitigst oder Dich an der Diskussion beteiligst.

Ökonomische Nachhaltigkeit bezeichnet eine Dimension der Nachhaltigkeitswissenschaft und befasst sich mit den ökonomischen Aspekten von Nachhaltigkeit. In der Wissenschaft wird diese meist als "Nachhaltige Ökonomie" oder "Nachhaltige Wirtschaftslehre" bezeichnet.

Gründungsgeschichte[Bearbeiten]

Seit Ende der 1990er Jahre wird an der Entwicklung der Nachhaltigen Ökonomie (anfangs „Neue Umweltökonomie“ genannt) geforscht. Seit 2002 unterstützt die gemeinnützige „Gesellschaft für Nachhaltigkeit e.V.“ (GfN) diesen Prozess. Nach einigen vorbereitenden Büchern veröffentlichte Holger Rogall, Hochschullehrer für Nachhaltige Ökonomie sowie Gründer und Vorsitzender der GfN, 2009 das Lehrbuch „Nachhaltige Ökonomie“, das die Grundlagen dieser neuen Wirtschaftsschule aus den Erkenntnissen der Sustainable Science zusammenfasst. Parallel zur Erstellung des Buches initiierte die GfN das „Netzwerk Nachhaltige Ökonomie“. Neben den zahlreichen Artikeln und Büchern ist heute das Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie die wichtigste Publikationsreihe, das die Einzelaspekte der Nachhaltigen Ökonomie behandelt (s. Institutionen). Heute unterstützen über 300 Menschen und Organisationen, davon mehr als 120 Dozenten und Wissenschaftler die Kernaussagen der Nachhaltigen Ökonomie.

Hintergrund[Bearbeiten]

In den vergangenen fast 250 Jahren stand die maximale Steigerung der Gewinne und der Güterproduktion im Mittelpunkt der Ökonomie. Das eklatante Marktversagen in den drei Dimensionen einer Nachhaltigen Entwicklung (ökologische, ökonomische, sozial-kulturelle) wurde ausgeklammert oder systematisch unterschätzt. Angesichts der globalen Probleme zu Beginn des 21. Jh. (wie z. B. Klimawandel, Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Armut und Verteilungsungerechtigkeit) wird sich diese Kurzfristökonomie in Richtung einer Langfristökonomie wandeln müssen, die die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit und die ethischen Prinzipien der Nachhaltigkeit zu respektieren und aufzunehmen hat. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie sich ausreichend hohe ökonomische, ökologische und sozial-kulturelle Standards in den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit erreichen sowie die ethischen Prinzipien der Nachhaltigkeit verwirklichen lassen.

Seit den 1970er Jahren sind zahlreiche Schulen und Forschungsansätze entstanden, die sich mit der Übernutzung der natürlichen Ressourcen und den Bedingungen einer Nachhaltigen Entwicklung beschäftigen (Sustainable Science genannt). Die bekanntesten sind: (0) Die neoklassische Umweltökonomie (entstanden in den 1970er Jahren), die nur bedingt als Teil der Sustainable Science bezeichnet werden kann, aber ein wichtiger Vorläufer ist, (1) die Ökologische Ökonomie (1980er Jahre), (2) die Neue Umweltökonomie (Ende 1990er Jahre, Holger Rogall, 2000), (3) den Greifswalder Ansatz (GA, Konrad Ott, Ralf Döring, 2004), (4) das integrierte Nachhaltigkeitskonzept der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF-Ansatz; Kopfmüller u. a. 2001; Kopfmüller 2006), (5) die Industrial Ecology (1990er Jahre, Isenmann, Michael von Hauff, 2007), (6) die Postautistische Ökonomie (Dürmeier u. a. 2006), (7) die Gemeinwohl-Ökonomie (Christian Felber, 2010). Diese Ansätze werden durch die Nachhaltige Ökonomie zusammengefasst.

Die Nachhaltige Ökonomie baut auf den Erkenntnissen der Ökologischen Ökonomie auf, entwickelt sie aber an zentralen Stellen weiter. Die Ökologische Ökonomie konzentriert ihr Erkenntnisinteresse auf die Frage, wie die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit eingehalten werden können. Um die ethischen Grundprinzipien einer Nachhaltigen Entwicklung intra- und intergenerativer Gerechtigkeit sowie Verantwortung und Dauerhaftigkeit einzuhalten, muss eine Nachhaltige Ökonomie aber weitergehen und sich damit beschäftigen, wie ausreichend hohe Standards in allen drei Dimensionen im Rahmen der natürlichen Tragfähigkeit erreicht werden können (Definition der Nachhaltigen Entwicklung). Insofern wird die Nachhaltige Ökonomie als eine konsequente Weiterentwicklung der Ökologischen Ökonomie angesehen.

Institutionen[Bearbeiten]

Als wesentlichste Institutionen der Nachhaltigen Ökonomie können angesehen werden:

1. Lehre: Die Nachhaltige Ökonomie wird heute in zahlreichen Hochschulen weltweit gelehrt (vgl. Hauptvertreter).

2. Forschung: Zu den Inhalten der Nachhaltigen Ökonomie wird heute an verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen geforscht (vgl. Hauptvertreter). Im „Institut für Nachhaltigkeit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin“ werden die Arbeiten koordiniert. Hier werden Projekte zu den Themenbereichen Nachhaltige Ökonomie, Nachhaltigkeitsmanagement, Corporate Social Responsibility (CSR), Wirtschaftsethik und Umweltrecht durchgeführt. Das Institut steht in regelmäßiger Kooperation mit der „Gesellschaft für Nachhaltigkeit e.V.“ und „SUSTAINUM“, dem Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften in Berlin.

3. Publikationen: Die Inhalte der Nachhaltigen Ökonomie wurden in zahlreichen Artikeln und Büchern erläutert (s. Literaturliste). Als wichtigste können angesehen werden:

  • Rogall (2013): Volkswirtschaftslehre für Sozialwissenschaftler - Einführung in eine zukunftsfähige Wirtschaftslehre
  • Rogall (2012): Nachhaltige Ökonomie – Ökonomische Theorie und Praxis der Nachhaltigen Entwicklung
  • Nutzinger, H.; Rogall, H. (2012): Was bleibt von der Neoklassik, in: Rogall, H. u. a. (Hrsg., Rogall, H. (2012)): Nachhaltige Ökonomie: Ökonomische Theorie und Praxis der Nachhaltigen Entwicklung
  • Herr, H.; Rogall, H. (2011): Von der traditionellen zur Nachhaltigen Ökonomie, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“
  • Umbach, E.; Rogall, H. (2011): Nachhaltigkeit – Konkretisierung eines kontroversen Begriffs, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“
  • Jänicke, M. (2011) Green Growth - Vom Wachstum der Ökoindustrie zum nachhaltigen Wirtschaften in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“
  • Ekardt, F. (2011) Ethische Fragen einer Nachhaltigen Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“
  • Rogall, H. (2011): Grundlagen einer nachhaltigen Wirtschaftslehre - Volkswirtschaftslehre für Studierende des 21. Jahrhunderts

Die vom „Netzwerk Nachhaltige Ökonomie“ 2010 initiierte Reihe „Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie” untersucht den Einfluss der Ökonomie auf eine Nachhaltige Entwicklung und ihre sozial-kulturellen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen. Es setzt sich mit dem Lehrgebäude und den politischen Konsequenzen der traditionellen Ökonomie auseinander und entwickelt auf der Grundlage der Kernaussagen der Nachhaltigen Ökonomie alternative Ansätze. Hierbei werden neben den theoretischen Grundlagen Strategieansätze in den Handlungsfeldern nachhaltige Energie-, Mobilitäts-, Ressourcen- und Ernährungspolitik sowie dem Nachhaltigkeitsmanagement und der Verbraucherpolitik entwickelt. Damit leistet das Jahrbuch einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensweise nach dem Prinzip der starken Nachhaltigkeit.


4. Unterstützende Organisationen:

4a) Gesellschaft für Nachhaltigkeit (GfN e.V., gegründet 2002 in Berlin): Die beim Fachpublikum bekannte NGO mit ca. 200 Mitgliedern veranstaltet regelmäßig Kongresse und Diskussionsforen, nimmt Stellung zu Themen der Nachhaltigen Entwicklung und pflegt eine Reihe von Kooperationen zu anderen Organisationen. Der gemeinnützige Verein bietet Menschen aus allen gesellschaftlichen Akteursgruppen und Disziplinen, die einen Beitrag für eine Nachhaltige Entwicklung leisten wollen, ein Diskussions- und Aktionsforum.

4b) „Netzwerk Nachhaltige Ökonomie“ (gegründet 2009 in Berlin). Das Netzwerk will auf der Grundlage der Kernaussagen die traditionelle Ökonomie in eine nachhaltige Wirtschaftslehre umwandeln und damit einen Beitrag für den gesellschaftlichen Transformationsprozess hin zu einer Nachhaltige Entwicklung leisten. Mitglieder sind heute etwa 120 Hochschulprofessoren und renommierte Wissenschaftler, die sich dazu bereit erklärt haben eine neue Wirtschaftsschule mit aufzubauen, die neben der Neoklassik, dem Keynesianismus und der traditionellen Betriebswirtschaftslehre steht, sowie über 180 weitere Fördermitglieder und Partnerinstitutionen.

Kernaussagen der Nachhaltigen Ökonomie[Bearbeiten]

Das „Netzwerk Nachhaltige Ökonomie“ hat sich auf die folgenden Kernaussagen verständigt (Kurzfassung):

Erstens: Starke Nachhaltigkeit: Die derzeitige Entwicklung der Menschheit wird als nicht zukunftsfähig betrachtet, die Nachhaltige Ökonomie sieht daher die Notwendigkeit eines neuen Leitbilds und bekennt sich zu einer Position der starken Nachhaltigkeit. Damit wird die Wirtschaft als ein Subsystem der Natur und die natürlichen Ressourcen größtenteils als nicht substituierbar angesehen. Das Drei-Säulen-Modell, das von einer Gleichwertigkeit der Zieldimensionen ausgeht (ohne absolute Naturgrenzen), wird somit abgelehnt und stattdessen werden die absoluten Grenzen der Natur anerkannt. Im Mittelpunkt steht die dauerhafte Erhaltung und nicht der optimale Verbrauch der natürlichen Ressourcen.

Zweitens: Pluralistischer Ansatz, Abgrenzung bei Aufnahme einzelner Aspekte der neoklassischen Umweltökonomie: Die Nachhaltige Ökonomie fühlt sich einem Methodenpluralismus verpflichtet. So erkennt sie bestimmte Erkenntnisse der traditionellen Umweltökonomie an (z. B. die sozial-ökonomischen Erklärungsansätze der Übernutzung der natürlichen Ressourcen und die daraus abgeleitete Diskussion um die Notwendigkeit politischrechtlicher Instrumente).

Drittens: Weiterentwicklung der traditionellen Ökonomie und Ökologischen Ökonomie zur Nachhaltigen Ökonomie: Die Nachhaltige Ökonomie fordert eine grundlegende Änderung der Lehrinhalte der traditionellen Ökonomie. Das beginnt bei den Grundlagen (zum Beispiel dem Menschenbild) und setzt sich bei den Aussagen zur nationalen Wirtschaftspolitik bis zu den globalen Bedingungen für eine gerechte Weltgesellschaft fort. Im Bereich der Umweltökonomie und Umweltpolitik sollen vor allem die absolut gesetzte Konsumentensouveränität, die Diskontierung künftiger Kosten und Erträge von Umweltschutzmaßnahmen, die beliebige Substituierbarkeit aller, auch sämtlicher natürlichen Ressourcen, die Position der schwachen Nachhaltigkeit u.v.a.m. hinterfragt werden. Dagegen soll der Aspekt der Gerechtigkeit eine stärkere Berücksichtigung erfahren. Die Kernaussagen der Nachhaltigen Ökonomie beruhen auf den Erkenntnissen der Nachhaltigkeitswissenschaft (Sustainable Science). Im Zentrum steht die Auseinandersetzung, wie sich ausreichende ökologische, ökonomische und sozial-kulturelle Standards in den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit erreichen sowie das intra- und intergenerative Gerechtigkeitsprinzip verwirklichen lassen.

Viertens: Kontroversen der Nachhaltigen Ökonomie, Wachstumsfrage: Die Nachhaltige Ökonomie ist keine statische Theorie, sondern sieht die Notwendigkeit weiterer Diskussionsprozesse und die Ausweitung des Erkenntnisinteresses entsprechend der globalen Entwicklung. Hierbei existiert eine Reihe von Kontroversen, die noch geklärt werden muss. Eine zentrale Kontroverse behandelt die Frage, wie das traditionelle Wachstumsparadigma durch ein Nachhaltigkeitsparadigma ersetzt werden kann. Da ein exponentielles Wachstum mit einer zunehmenden Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen über Jahrtausende nicht möglich ist, wird die Ersetzung des heutigen Wachstumsparadigmas durch ein Nachhaltigkeitsparadigma zur notwendigen Voraussetzung einer zukunftsfähigen Entwicklung. Über die mittelfristige Ausgestaltung existieren allerdings unterschiedliche Meinungen (Steady-State-Ansatz mit konstantem BIP versus selektives Wachstum, das den Ressourcenverbrauch trotz wirtschaftlicher Entwicklung senkt). Ein selektives Wachstum soll durch die konsequente Umsetzung der Effizienz-, Konsistenz- und Suffizienzstrategie erreicht werden.

Fünftens: Ethische Prinzipien: Im Mittelpunkt stehen die Grundwerte der intra- und intergenerativen Gerechtigkeit und Verantwortung. Hieraus folgt z. B. das Recht auf gleiche Ressourcenansprüche, u. a. auf gleiche Emissionsrechte pro Kopf. Hinzu kommt die Anerkennung weiterer wichtiger Prinzipien: u. a. des Vorsorgeprinzips, der Prinzipien der Dauerhaftigkeit und Angemessenheit einer partizipativen und solidarischen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, aus der die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Diskurs- und Partizipationsprozesses sowie die Aufnahme genderspezifischer Aspekte abgeleitet werden. Damit einher geht die Forderung, dass das in der traditionellen Ökonomie verwendete, aber durch zahlreiche Untersuchungen der Verhaltensökonomie und der Gehirnforschung als unrealistisch erkannte Menschenbild des homo oeconomicus zu hinterfragen ist. Stattdessen sollte ein realistischeres Menschenbild verwendet werden, das dem kooperativen Potenzial des menschlichen Handelns (homo cooperativus) und seiner Heterogenität stärker Rechnung trägt. Weiterhin sollen die Potenziale für einen kulturellen Wandel ausgelotet werden, wobei im Mittelpunkt ein nachhaltiger Konsum steht, der zu einer nachhaltigen Produktions- und Lebensweise beitragen soll.

Sechstens: Inter- und transdisziplinärer Ansatz: Die Nachhaltige Ökonomie will über die rein ökonomische Betrachtungsweise hinausgehen und die ökonomischen Prozesse im Rahmen eines sozialökologischen Zusammenhanges analysieren. Hierbei spielen die Nutzung der Erkenntnisse sowie eine enge Kooperation mit den anderen Sozialwissenschaften und mit den Geistes-, Natur- und Ingenieurwissenschaften eine besonders wichtige Rolle.

Siebtens: Notwendigkeit der Änderung der Rahmenbedingungen mittels politisch-rechtlicher Instrumente: Mit Hilfe politisch-rechtlicher Instrumente sollen die Rahmenbedingungen so verändert werden, dass die weitere wirtschaftliche Entwicklung die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit einhält. Hierzu werden der Standard-Preis-Ansatz und der Ansatz der meritorischen Güter verwendet.

Achtens: Notwendigkeit der Operationalisierung des Nachhaltigkeitsbegriffs, neue Messsysteme: Eine Sinnentleerung des Nachhaltigkeitsbegriffs soll durch die Formulierung von Prinzipien, Managementregeln und neuen Messsystemen für den Nachhaltigkeitsgrad und die Lebensqualität verhindert werden. Anders als die traditionelle Ökonomie, die Lebensqualität und Wohlstand (gemessen am BIP pro Kopf) gleichsetzt, benötigt eine Nachhaltige Ökonomie geeignete Ziel- und Indikatorensysteme.

Neuntens: Globale Verantwortung: Als zentrale Bedingungen für eine Nachhaltige Entwicklung werden u. a. anerkannt: Einführung eines globalen Ordnungsrahmens (mit Regulierung der Finanzmärkte, Abgaben auf die globalen Umweltgüter und Finanztransaktionen sowie sozial-ökologische Mindeststandards u.v.a.m.). Senkung des globalen Ressourcenverbrauchs um 50 % bis 2050 akzeptiert wird, dass die Industrieländer aufgrund der historischen Entwicklung und der größeren Leistungsfähigkeit eine Vorreiterrolle für die Verwirklichung der intra- und intergenerativen Gerechtigkeit, globalen Nachhaltigkeit und fairen Handelsbeziehungen einnehmen müssen und daher ihren Ressourcenverbrauch um 80-95% bis 2050 senken müssen. Diese Verantwortung muss sich in entsprechender finanzieller und technologischer Unterstützung niederschlagen.

Zehntens: Nachhaltige (sozial-ökologische) Markt- oder Gemischtwirtschaft: Vertreter der Nachhaltigen Ökonomie lehnen eine kapitalistische Marktwirtschaft ebenso ab wie eine zentrale Verwaltungswirtschaft. Sie sind davon überzeugt, dass nur marktwirtschaftliche Systeme mit einem nachhaltigen Ordnungsrahmen zukunftsfähig sind. Danach muss die Politik aktiv eingreifen, um eine Nachhaltige Entwicklung sicherzustellen und die Folgen von Marktversagen zu vermindern. Hierzu werden die bekannten Ziele des Deutschen Stabilitätsgesetzes um eine Reihe weiterer Ziele ergänzt und ein nachhaltiger Umbau der globalen Volkswirtschaften (Transformation) gefordert. Darüber hinaus werden institutionelle und eigentumsrechtliche Änderungen angemahnt und diskutiert. Eine Reihe von Vertretern der Nachhaltigen Ökonomie fordert die Stärkung von genossenschaftlichen und kommunalen Unternehmen und spricht sich für eine grundlegende Reform des Aktienrechts aus, um so den Wachstumszwang und das Gewinnmaximierungsprinzip zu mindern. Langfristig wird von einigen die (Wieder-)Aufteilung der Aktiven in Namensaktien und Inhaberaktien (Binswanger 2009) oder die Umwandlung von Aktiengesellschaften in Stiftungen gefordert (Binswanger2009; Hauchler 2009). Weiterhin sprechen sie sich für die Rekommunalisierung der Unternehmen der Daseinsvorsorge aus (z. B. den Rückkauf der Stromnetze). Eine weitere zentrale Fragestellung beschäftigt sich damit, wie die wirtschaftliche Machtkonzentration verringert werden kann und die Transparenz und Lobby-Kontrolle sich erhöhen lassen (Lacher 2009).

Handlungsfelder: Um die Transformation der Industriegesellschaft in eine nachhaltige Wirtschaft zu beschleunigen, werden zentrale Handlungsfelder ausgewählt, in denen dieser Transformationsprozess mit Hilfe der Effizienz-, Konsistenz- und Suffizienzstrategie exemplarisch vorangetrieben wird (nachhaltige Energie-, Mobilitäts-, Ressourcenschonungs-, Produktgestaltungs-, Landwirtschaftspolitik). Als weitere zentrale Handlungsfelder werden das Nachhaltigkeitsmanagement und die Verbraucherpolitik angesehen. Die Notwendigkeit institutioneller und eigentumsrechtlicher Änderungen wird akzeptiert, über die Reform des Geld- und Währungssystems wird diskutiert.

Hauptvertreter[Bearbeiten]

Herausgeber und Beiratsmitglieder des Jahrbuchs Nachhaltige Ökonomie sind: Holger Rogall (GF, Berlin), Hans Christoph Binswanger (Sankt Gallen), Felix Ekardt (Greifswald), Anja Grothe (Berlin), Wolf-Dieter Hasenclever (Hildesheim), Ingomar Hauchler (Bremen), Martin Jänicke (Berlin), Karl Kollmann (Wien), Nina V. Michaelis (Münster), Hans Nutzinger (Kassel), F. J. Rademacher (Ulm), Gerhard Scherhorn (Wuppertal), Viviane Scherenberg (Bremen), Ernst Ulrich von Weizsäcker

Weitere Professoren des Netzwerks sind: Ottmar Edenhofer (Potsdam), Gerd Michelsen (Lüneburg), Rolf Kreibich (Berlin), Malte Faber (Heidelberg), Armin Grunwald (Karlsruhe), Ulrich Hampicke (Greifswald), Niko Paech (Oldenburg), Armin Müller (Ingolstadt), Gisela Kubon-Gilke (Darmstadt), Jerzy Sleszynski (Warschau), apl. Eberhard Umbach (Osnabrück), Michael Wörz (Karlsruhe), Bernd Reef (Kassel), Wolfgang Buchholz (Regensburg), Thomas Ziesemer (Maastricht), Helge Peukert (Erfurt), Utz Reich (Mainz), Harald Hagemann (Hohenheim), Ing. Robert Holländer (Leipzig), Torsten Graap (Ingolstadt), Alexander Thumfart (Erfurt), Lorenz Jarass (Stanford), Bernd Meyer, Angelika Zahrnt, Silke Bustamante (Berlin), Ulrich Förstner (Hamburg), Thomas Sauer (Jena), Andreas Lenel (RheinMain), Karlheinz Ruckriegel (Nürnberg), Christian Felber (Wien), Cleber Dutra (Fortaleza), Felix Fuders (Chile), Maike Sippel (Konstanz), Tobias Popovic (Stuttgart), Dirk Oesselmann (Freiburg), Martin Müller (Ulm), Jens Pape (Eberswalde), Kora Kristof (Dessau), Therese Kirsch (Münster), Jörg Sommer (Berlin), Ulrich Hemel (Tübingen), Claus Dierksmeier (Dir. Global Ethik Inst.), Markus Wissen (Berlin), Claudia Kemfert (Berlin), Jürgen Grahl (Würzburg), Andrea Pelzeter (Berlin), Ingo Balderjahn (Potsdam), Jürgen Freimann (Kassel), Jan Jarre (Münster), Frank Stolze (Detmold), Ulrich Wicher (Detmold).

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Rogall, H. (2013): Volkswirtschaftslehre für Sozialwissenschaftler: Einführung in eine zukunftsfähige Wirtschaftslehre, Springer VS, 2. erweiterte Auflage, ISBN 978-3-658-01979-2.
  • Rogall, H.; u. a. (2013): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, Im Brennpunkt: Wachstum, Metropolis Verlag, Marburg, 2. korrigierte Auflage, ISBN 978-389518-957-9.
  • Rogall, H. (2012): Nachhaltige Ökonomie: Ökonomische Theorie und Nachhaltige Entwicklung, in: Sauer, Th. (Hrsg.): Ökonomie der Nachhaltigkeit, Marburg, ISBN 978-3-89518-882-4.
  • Rogall, H. u. a. (2012): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2012/13, Im Brennpunkt: Green Economy, Metropolis Verlag, Marburg, ISBN 978-3-89518-977-7.
  • Rogall, H. (2011): Grundlagen einer nachhaltigen Wirtschaftslehre: Volkswirtschaftslehre für Studierende des 21. Jahrhunderts. Metropolis, Marburg, ISBN 978-3-89518-765-0.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Nutzinger, H.; Rogall, H. (2012): Was bleibt von der Neoklassik, in: ROGALL, H. u. a. (Hrsg., Rogall, H. 2012): Nachhaltige Ökonomie: Ökonomische Theorie und Praxis der Nachhaltigkeit. Metropolis, Marburg, stark überarbeitete und erweiterte zweite Auflage, ISBN 978-3-89518-865-7.
  • Fraire, L.A.; Bessing, C.; Michaelis, N. (2012): Renewable Energie Strategies in Germany and Mexiko- as a contribution to sustainable economy in: Rogall, H. u. a. (Hrsg., 2012): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2012/13, im Brennpunkt „Green Economy“, Marburg, ISBN 978-3-89518-977-7
  • Rogall, H., Scherhorn (2012): Brennpunkt Green Economy, in: Rogall, H. u. a. (Hrsg., 2012): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2012/13, im Brennpunkt „Green Economy“, Marburg, ISBN 978-3-89518-977-7
  • Nina V. Michaelis (2012): Reform der Wohlstandsmessung als Grundlage für eine Nachhaltige Ökonomie – Bewertung alternativer Ansätze und Umsetzung. – In: Thomas Sauer (Hrsg.): Ökonomie der Nachhaltigkeit – Grundlagen, Indikatoren, Strategien. Marburg, Metropolis 2012, S. 15-40, ISBN 978-3-89518-882-4.
  • Binswanger, H. Ch. (2011) Die Wachstumsspirale: Geld, Energie, Imagination in der Dynamik des Marktprozesses in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Binswanger, H. Ch.; Hauchler, I.; Rogall, H. (2011): Ende des Wachstumsparadigmas, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Herr, H.; Rogall, H. (2011): Von der traditionellen zur Nachhaltigen Ökonomie, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Umbach, E.; Rogall, H. (2011): Nachhaltigkeit – Konkretisierung eines kontroversen Begriffs, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Jänicke, M. (2011) Green Growth - Vom Wachstum der Ökoindustrie zum nachhaltigen Wirtschaften in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Ekardt, F. (2011) Ethische Fragen einer Nachhaltigen Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Hasenclever, W.D. (2011): Ökologischer Humanismus- zur Grundlage einer Ethik der nachhaltigen Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Hauchler, I. (2011): Institutionelle Reformen für eine nachhaltige Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Scherhorn, G. (2011): Die Marktwirtschaft passt noch nicht zur nachhaltigen Entwicklung in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Müller, M. (2011): Essentials einer nachhaltigen Marktwirtschaft in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Rogall, H. (2011) Kinh té hoc bén vúng, Nachhaltige Ökononomie in vietnamesischer Übersetzung durch Prof. Dr. Nguyen Trung Dzung von der Water Resources University Hanoi.
  • Rogall, H. (2010) Ekonomia zrownowazonego rozwoju, Nachhaltige Ökonomie in polnischer Übersetzung, Poznan, ISBN 978-83-7506-551-0.
  • Ott, Konrad & Döring, R.: Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit, 3. Auflage, Metropolis Verlag 2008, ISBN 978-3895186950.
  • Linne, G. & Schwarz, M. (Hrsg.): Handbuch nachhaltige Entwicklung. Wie ist nachhaltiges Wirtschaften machbar? Leske & Budrich, Opladen 2003.