Ökonomische Nachhaltigkeit

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Ökonomische Nachhaltigkeit bezeichnet eine Dimension der Nachhaltigkeitswissenschaft und befasst sich mit den ökonomischen Aspekten von Nachhaltigkeit. In der Wissenschaft wird diese meist als "Nachhaltige Ökonomie" oder "Nachhaltige Wirtschaftslehre" bezeichnet.

Gründungsgeschichte[Bearbeiten]

Seit Ende der 1990er Jahre wird an der Entwicklung der Nachhaltigen Ökonomie (anfangs „Neue Umweltökonomie“ genannt) geforscht. Seit 2002 unterstützt die gemeinnützige „Gesellschaft für Nachhaltigkeit e.V.“ (GfN) diesen Prozess.

Hintergrund[Bearbeiten]

In den vergangenen fast 250 Jahren stand die maximale Steigerung der Gewinne und der Güterproduktion im Mittelpunkt der Ökonomie. Das eklatante Marktversagen in den drei Dimensionen einer Nachhaltigen Entwicklung (ökologische, ökonomische, sozial-kulturelle) wurde ausgeklammert oder systematisch unterschätzt. Angesichts der globalen Probleme zu Beginn des 21. Jh. (wie z. B. Klimawandel, Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Armut und Verteilungsungerechtigkeit) wird sich diese Kurzfristökonomie in Richtung einer Langfristökonomie wandeln müssen, die die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit und die ethischen Prinzipien der Nachhaltigkeit zu respektieren und aufzunehmen hat. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie sich ausreichend hohe ökonomische, ökologische und sozial-kulturelle Standards in den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit erreichen sowie die ethischen Prinzipien der Nachhaltigkeit verwirklichen lassen.

Seit den 1970er Jahren sind zahlreiche Schulen und Forschungsansätze entstanden, die sich mit der Übernutzung der natürlichen Ressourcen und den Bedingungen einer Nachhaltigen Entwicklung beschäftigen (Sustainable Science genannt). Die bekanntesten sind: (0) Die neoklassische Umweltökonomie (entstanden in den 1970er Jahren), die nur bedingt als Teil der Sustainable Science bezeichnet werden kann, aber ein wichtiger Vorläufer ist, (1) die Ökologische Ökonomie (1980er Jahre), (2) die Neue Umweltökonomie (Ende 1990er Jahre, Holger Rogall, 2000), (3) den Greifswalder Ansatz (GA, Konrad Ott, Ralf Döring, 2004), (4) das integrierte Nachhaltigkeitskonzept der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF-Ansatz; Kopfmüller u. a. 2001; Kopfmüller 2006), (5) die Industrial Ecology (1990er Jahre, Isenmann, Michael von Hauff, 2007), (6) die Postautistische Ökonomie (Dürmeier u. a. 2006), (7) die Gemeinwohl-Ökonomie (Christian Felber, 2010). Diese Ansätze werden durch die Nachhaltige Ökonomie zusammengefasst.

Die Nachhaltige Ökonomie baut auf den Erkenntnissen der Ökologischen Ökonomie auf, entwickelt sie aber an zentralen Stellen weiter. Die Ökologische Ökonomie konzentriert ihr Erkenntnisinteresse auf die Frage, wie die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit eingehalten werden können. Um die ethischen Grundprinzipien einer Nachhaltigen Entwicklung intra- und intergenerativer Gerechtigkeit sowie Verantwortung und Dauerhaftigkeit einzuhalten, muss eine Nachhaltige Ökonomie aber weitergehen und sich damit beschäftigen, wie ausreichend hohe Standards in allen drei Dimensionen im Rahmen der natürlichen Tragfähigkeit erreicht werden können (Definition der Nachhaltigen Entwicklung). Insofern wird die Nachhaltige Ökonomie als eine konsequente Weiterentwicklung der Ökologischen Ökonomie angesehen.

Institutionen[Bearbeiten]

Als wesentlichste Institutionen der Nachhaltigen Ökonomie können angesehen werden:

Lehre: Die Nachhaltige Ökonomie wird heute in zahlreichen Hochschulen weltweit gelehrt.

Forschung: Zu den Inhalten der Nachhaltigen Ökonomie wird heute an verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen geforscht. Im „Institut für Nachhaltigkeit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin“ werden die Arbeiten koordiniert. Hier werden Projekte zu den Themenbereichen Nachhaltige Ökonomie, Nachhaltigkeitsmanagement, Corporate Social Responsibility (CSR), Wirtschaftsethik und Umweltrecht durchgeführt. Das Institut steht in regelmäßiger Kooperation mit der „Gesellschaft für Nachhaltigkeit e.V.“ und „SUSTAINUM“, dem Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften in Berlin.

Hauptvertreter[Bearbeiten]

Herausgeber und Beiratsmitglieder des Jahrbuchs Nachhaltige Ökonomie sind: Holger Rogall (GF, Berlin), Hans Christoph Binswanger (Sankt Gallen), Felix Ekardt (Greifswald), Anja Grothe (Berlin), Wolf-Dieter Hasenclever (Hildesheim), Ingomar Hauchler (Bremen), Martin Jänicke (Berlin), Karl Kollmann (Wien), Nina V. Michaelis (Münster), Hans Nutzinger (Kassel), F. J. Rademacher (Ulm), Gerhard Scherhorn (Wuppertal), Viviane Scherenberg (Bremen), Ernst Ulrich von Weizsäcker

Weitere Professoren des Netzwerks sind: Ottmar Edenhofer (Potsdam), Gerd Michelsen (Lüneburg), Rolf Kreibich (Berlin), Malte Faber (Heidelberg), Armin Grunwald (Karlsruhe), Ulrich Hampicke (Greifswald), Niko Paech (Oldenburg), Armin Müller (Ingolstadt), Gisela Kubon-Gilke (Darmstadt), Jerzy Sleszynski (Warschau), apl. Eberhard Umbach (Osnabrück), Michael Wörz (Karlsruhe), Bernd Reef (Kassel), Wolfgang Buchholz (Regensburg), Thomas Ziesemer (Maastricht), Helge Peukert (Erfurt), Utz Reich (Mainz), Harald Hagemann (Hohenheim), Ing. Robert Holländer (Leipzig), Torsten Graap (Ingolstadt), Alexander Thumfart (Erfurt), Lorenz Jarass (Stanford), Bernd Meyer, Angelika Zahrnt, Silke Bustamante (Berlin), Ulrich Förstner (Hamburg), Thomas Sauer (Jena), Andreas Lenel (RheinMain), Karlheinz Ruckriegel (Nürnberg), Christian Felber (Wien), Cleber Dutra (Fortaleza), Felix Fuders (Chile), Maike Sippel (Konstanz), Tobias Popovic (Stuttgart), Dirk Oesselmann (Freiburg), Martin Müller (Ulm), Jens Pape (Eberswalde), Kora Kristof (Dessau), Therese Kirsch (Münster), Jörg Sommer (Berlin), Ulrich Hemel (Tübingen), Claus Dierksmeier (Dir. Global Ethik Inst.), Markus Wissen (Berlin), Claudia Kemfert (Berlin), Jürgen Grahl (Würzburg), Andrea Pelzeter (Berlin), Ingo Balderjahn (Potsdam), Jürgen Freimann (Kassel), Jan Jarre (Münster), Frank Stolze (Detmold), Ulrich Wicher (Detmold).

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nutzinger, H.; Rogall, H. (2012): Was bleibt von der Neoklassik, in: ROGALL, H. u. a. (Hrsg., Rogall, H. 2012): Nachhaltige Ökonomie: Ökonomische Theorie und Praxis der Nachhaltigkeit. Metropolis, Marburg, stark überarbeitete und erweiterte zweite Auflage, ISBN 978-3-89518-865-7.
  • Fraire, L.A.; Bessing, C.; Michaelis, N. (2012): Renewable Energie Strategies in Germany and Mexiko- as a contribution to sustainable economy in: Rogall, H. u. a. (Hrsg., 2012): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2012/13, im Brennpunkt „Green Economy“, Marburg, ISBN 978-3-89518-977-7
  • Rogall, H., Scherhorn (2012): Brennpunkt Green Economy, in: Rogall, H. u. a. (Hrsg., 2012): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2012/13, im Brennpunkt „Green Economy“, Marburg, ISBN 978-3-89518-977-7
  • Nina V. Michaelis (2012): Reform der Wohlstandsmessung als Grundlage für eine Nachhaltige Ökonomie – Bewertung alternativer Ansätze und Umsetzung. – In: Thomas Sauer (Hrsg.): Ökonomie der Nachhaltigkeit – Grundlagen, Indikatoren, Strategien. Marburg, Metropolis 2012, S. 15-40, ISBN 978-3-89518-882-4.
  • Binswanger, H. Ch. (2011) Die Wachstumsspirale: Geld, Energie, Imagination in der Dynamik des Marktprozesses in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Binswanger, H. Ch.; Hauchler, I.; Rogall, H. (2011): Ende des Wachstumsparadigmas, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Herr, H.; Rogall, H. (2011): Von der traditionellen zur Nachhaltigen Ökonomie, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Umbach, E.; Rogall, H. (2011): Nachhaltigkeit – Konkretisierung eines kontroversen Begriffs, in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Jänicke, M. (2011) Green Growth - Vom Wachstum der Ökoindustrie zum nachhaltigen Wirtschaften in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Ekardt, F. (2011) Ethische Fragen einer Nachhaltigen Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Hasenclever, W.D. (2011): Ökologischer Humanismus- zur Grundlage einer Ethik der nachhaltigen Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Hauchler, I. (2011): Institutionelle Reformen für eine nachhaltige Ökonomie in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Scherhorn, G. (2011): Die Marktwirtschaft passt noch nicht zur nachhaltigen Entwicklung in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Müller, M. (2011): Essentials einer nachhaltigen Marktwirtschaft in: Rogall, H. u. a. (2011): Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2011/12, im Brennpunkt „Wachstum“, Marburg, ISBN 978-3-89518-900-5.
  • Rogall, H. (2011) Kinh té hoc bén vúng, Nachhaltige Ökononomie in vietnamesischer Übersetzung durch Prof. Dr. Nguyen Trung Dzung von der Water Resources University Hanoi.
  • Rogall, H. (2010) Ekonomia zrownowazonego rozwoju, Nachhaltige Ökonomie in polnischer Übersetzung, Poznan, ISBN 978-83-7506-551-0.
  • Ott, Konrad & Döring, R.: Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit, 3. Auflage, Metropolis Verlag 2008, ISBN 978-3895186950.
  • Linne, G. & Schwarz, M. (Hrsg.): Handbuch nachhaltige Entwicklung. Wie ist nachhaltiges Wirtschaften machbar? Leske & Budrich, Opladen 2003.