Ökostrom
Mit dem Begriff Ökostrom wird umgangssprachlich elektrische Energie bezeichnet, die auf ökologisch vertretbare Weise aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt wird. Dies geschieht in Abgrenzung insbesondere zu Kernkraft, Kohle und Erdöl, aber auch zu Mammutprojekten im Bereich der Wasserkraft wie dem Drei-Schluchten-Damm in China. Ökostrom ist damit ein Element einer nachhaltigen Energieversorgung.
„Ökostrom“ ist kein geschützter Qualitätsbegriff im Sinne eines allgemein definierten Kriterienkatalogs. Die Bedeutung wird je nach Zertifizierung anders ausgelegt. Teilweise wird der Begriff Grünstrom synonym verwendet.
2012 betrug in Deutschland der Anteil des "Ökostroms" im einfachsten Sinne einer Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen etwa 23 % des gesamten Stromverbrauchs; 2011 waren es etwa 20 %.[1]
Inhaltsverzeichnis
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Begriffsklärung: Ökostrom[Bearbeiten]
Die präzise Differenzierung des Begriffs Ökostrom ist uneinheitlich. Es gibt sogar auf Bundesebene keine verbindliche Definition. Der Bundesverband Erneuerbare Energie lässt die Bezeichnung als Ökostrom aufgrund der losen Sprachregelung für alles zu, das wenigstens zur Hälfte aus regenerativen Energien, wie Windenergie, Bioenergie, Solarenergie, Hydroenergie und Geothermie, stammt.[2] Die andere Hälfte muss in diesem Fall aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen kommen.[3]
Allerdings kann auch herkömmlicher Strom - auch solcher aus Kohle- und Atomkraftwerken - mit Hilfe von käuflichen RECS-Zertifikaten als Ökostrom verkauft werden.[4]
Zertifizierung[Bearbeiten]
Zertifikate (auch Gütesiegel oder Label genannt) sollen die ökologische Produktion eines Stromangebotes bestätigen. Es werden grundsätzlich zwei Arten von Zertifizierungen unterschieden:
- die Erzeugungszertifizierung und
- die Ökostromproduktzertifizierung
Energiequellen[Bearbeiten]
Ökostrom wird derzeit hauptsächlich produziert mittels
- Windenergie (Windkraftanlage)
- Biomasse
- Photovoltaik (siehe auch: Solarstrom)
Folgende Energiequellen werden aus technischen und/oder wirtschaftlichen Gründen wenig genutzt, obwohl sie auch als „ökologisch“ bewertet werden:
Photovoltaik hat in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 die Wasserkraft erstmals von Platz 3 verdrängt.[5]
Zusammenfassend nennt man alle sieben genannten Energiequellen "Erneuerbare Energien".
Manche Ökostrom-Anbieter fassen den Begriff Ökostrom auch weiter und nutzen zum Teil auch Kraftwerksarten, die keinen Ökostrom im engeren Sinne erzeugen. Es wird argumentiert, dass diese als Übergangslösung zu fördern seien, um den Ausstieg aus konventioneller fossiler und atomarer Stromerzeugung zu beschleunigen. Hierzu gehören:
- Kraft-Wärme-gekoppelte, gasbetriebene Blockheizkraftwerke.
- Kraft-Wärme-gekoppelte Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD).
Gegenbegriffe zu Ökostrom sind
- konventionell erzeugter Strom (auch: konventioneller Strom) aus fossiler und atomarer Stromerzeugung und
- Graustrom für Strom unbekannter Herkunft.[6]
Erzeugungszertifizierung[Bearbeiten]
Die Erzeugungszertifizierung bezieht sich immer auf Erzeugungsquellen und garantiert dem Abnehmer die Herkunft der Energie aus erneuerbaren Energien. Diese Art der Zertifizierung wird in der Regel auf der Handelsebene verwendet; Abnehmer sind meist Anbieter von Ökostromprodukten.
Die wichtigsten Erzeugungszertifizierungen sind TÜV SÜD Erzeugung EE und naturmade star[7] Produzenten.
TÜV SÜD Erzeugung EE[Bearbeiten]
Qualitätszeichen für Strom aus 100 % erneuerbaren Energiequellen. Folgende Kriterien müssen erfüllt werden:
Qualität:
- Produktion von Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen
- Einhaltung der Legal Compliance
- Zertifizierung der Nettostrommenge bei allen Energiesystemen
- Vorliegen einer Herkunftsdeklaration mit genauen Angaben zu den Kraftwerken
- Vorliegen einer Energiebilanzierung des produzierten und weiterverkauften Stromes
- Verpflichtung zu einer nachhaltigen Unternehmenspolitik
Ökologische Kriterien:
- Einhaltung der national geltenden Regelungen
Optionale Anforderungen:
- Erzeugung EE+: Zusicherung von Arbeits- und Leistungszusagen
- Erzeugung EE neu: Neuanlagenkriterien für Wasserkraftanlagen
Erzeugung EE+: Die Zertifizierung des Moduls „Erzeugung EE+“ (Zusicherung von Arbeits- und Leistungszusagen) kann im Normalfall nur für einen Anlagenpool erfolgen. Mit dem zertifizierten Anlagenpool ist der Zertifikatnehmer in der Lage dem Belieferten zuzusichern, dass der angefragte Fahrplan (Lastprofil) zu jedem Zeitpunkt mit dem Anlagenpool produziert werden kann. Die Einhaltung des Moduls „Erzeugung EE+“ ist insbesondere für die Belieferung von Ökostromprodukten geeignet, die nach dem TÜV SÜD Stromproduktstandard „EE02“ zertifiziert sind (Zertifizierung von Stromprodukten aus Erneuerbaren Energien mit zeitgleicher Lieferung).
Erzeugung EEneu: Die Zertifizierung des Moduls „Erzeugung EEneu“ (Neuanlagenkriterien für Wasserkraftanlagen) ist möglich, sofern es sich bei der zu zertifizierenden Anlage um ein neu erschlossenes Wasserkraftpotenzial handelt; oder eine umfassende Anlagenüberholung oder ein Anlagenersatz vorgenommen wurden; oder eine Kapazitätserhöhung mit einer Jahresmehrproduktion durchgeführt wurde. Mit der Zertifizierung der Anlage verfügt der Zertifikatnehmer über einen Nachweis, dass seine Anlage eine Neuanlage im Sinne des TÜV SÜD Standards ist, deren Inbetriebnahme nicht länger als 36 Monate zurückliegt. Die Zertifizierung des Moduls „Erzeugung EEneu“ ist insbesondere für die Belieferung von Ökostromprodukten geeignet, die nach dem TÜV SÜD Stromproduktstandard „EE01“ zertifiziert sind.
naturemade star[Bearbeiten]
naturemade ist das in der Schweiz entwickelte Qualitätszeichen für Strom aus 100 % erneuerbaren Energiequellen. Folgende Grundsatzkriterien müssen erfüllt werden:
Qualität:
- Produktion von Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen
- Einhaltung der Legal Compliance
- Zertifizierung der Nettostrommenge bei allen Energiesystemen
- Vorliegen einer Herkunftsdeklaration mit genauen Angaben zu den Kraftwerken
- Vorliegen einer Energiebilanzierung des produzierten und weiterverkauften Stromes
- keine Verwendung von gentechnisch verändertem Material
Ökologische Verbesserungen:
- Einführung eines Umweltmanagementsystems für größere Unternehmen
Sonstige Kriterien:
- Mitgliedschaft beim VUE
- Verpflichtung zu einer nachhaltigen Unternehmenspolitik
Darüber hinaus bürgt es für die Einhaltung zusätzlicher strenger und umfassender ökologischer Auflagen und zeichnet besonders umweltschonend produzierten Strom aus. Dies wird erreicht durch folgende Maßnahmen:
- Beurteilung der Nachhaltigkeit auf globaler Ebene
- Beurteilung der Nachhaltigkeit auf lokal-regionaler Ebene
Es ist fast ausschließlich in der Schweiz verbreitet.
Ökostrom als Energieprodukt[Bearbeiten]
In einem liberalen Energiemarkt kann jeder Verbraucher frei entscheiden, von welchem Anbieter er seinen Strom bezieht. Entscheidet er sich für Ökostrom, so kann er ein entsprechendes Angebot von Ökostromanbietern oder entsprechende Stromtarife nutzen. Hierbei verpflichtet sich der Anbieter, genauso viel Ökostrom in das Stromnetz einzuspeisen, wie seine Kunden entnehmen. Weil alle Verbraucher Strom aus demselben Verbundnetz beziehen und Strom physikalisch immer gleich ist, hat der Bezug von Ökostrom keine direkte Auswirkung auf den beim einzelnen Kunden gelieferten Strom, sondern auf den Strommix insgesamt.
Zeitgleichheit und Mengengleichheit[Bearbeiten]
Bei der Versorgung unterscheidet man zwischen Produkten, die nur mengengleich sind, und solchen, die zusätzlich zeitgleich sind:
- Zeitgleich (gemeint ist eigentlich gleichzeitig) bedeutet, dass der Versorger zu jedem Zeitpunkt die Menge Strom ins Netz einspeist, die seine Kunden momentan verbrauchen.
- Mengengleich bedeutet, dass der Versorger über ein Jahr verteilt jene Menge Strom ins Netz einspeist, die seine Kunden insgesamt im Jahr verbrauchen. Bei diesem Modell können Anbieter sogar Graustrom einspeisen, d.h. auch Atom- und Kohlestrom, und trotzdem vom TÜV-Nord ein Zertifikat erwerben, dass 100 %-regenerative Stromquellen bescheinigt [8].
Der Stromverbrauch schwankt im Laufe des Tages. Z. B. ist er zu den Zeiten der üblichen Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) höher als während anderer Stunden des Tages (siehe auch Spitzenlast). Bei kleinen Verbrauchern wird ein statistisch ermitteltes durchschnittliches Lastprofil angenommen; größere Verbraucher haben spezielle Stromzähler, so genannte Lastgangzähler, die den zeitlichen Verlauf der Stromentnahme festhalten. Anhand der Daten kann der Übertragungsnetzbetreiber für jeden Zeitpunkt die eingespeiste der entnommenen elektrischen Leistung gegenüberstellen. Hat der Versorger zu gewissen Zeiten weniger Energie eingespeist als seine Kunden verbraucht haben, so musste zu diesen Zeiten die verbrauchte Energiemenge von anderen Kraftwerken geliefert werden, was dem Versorger nachträglich in Rechnung gestellt wird. Elektrische Energie ist im Stromnetz nicht gespeichert (wohingegen die Wassermenge im Leitungsnetz einen gewissen Puffer darstellt). Wenn in einem Wechselstrom-Stromnetz mehr Energie entnommen als eingespeist wird, sinkt sofort die Netzfrequenz, daher arbeiten alle Netzbetreiber in einem europäischen Verbund zusammen.
Ein Kunde eines Versorgers, der z. B. einen Strommix von „100 % Wasserkraft“ angibt, der mengengleich eingespeist wird, bekommt in Wirklichkeit zu Spitzenzeiten einen gewissen Anteil Strom unbekannter Herkunft, . Nur ein zeitgleich einspeisender Versorger kann weitgehend garantieren, dass der Kunde mit der Begleichung seiner Stromrechnung ausschließlich jene Arten von Stromerzeugung unterstützt, die im Strommix deklariert sind.
Zeitgleiche Einspeisung ist technisch aufwändiger und deshalb teurer. Wenn keine näheren Angaben gemacht werden, handelt es sich üblicherweise um mengengleiche Einspeisung.
Das Ökostrom-Angebot vieler Energieanbieter basiert nicht auf solchen direkten Lieferbezügen, sondern auf RECS-Zertifikaten.
Unvermeidbarer Graustromanteil[Bearbeiten]
Aufgrund der unvermeidbaren Übertragungsverluste in Höhe von ca. 5 bis 10 % der eingespeisten elektrischen Energie, welche von den Netzbetreibern ersetzt werden, ohne dass der Stromlieferant hierauf einen Einfluss hat, sowie die Regelenergie ist auch im Ökostrom immer auch Graustrom vorhanden.[9]
Aufpreismodell[Bearbeiten]
Beim Sonderfall des sogenannten Aufpreismodells bleibt der Kunde bei seinem alten Stromversorger und bezieht weiterhin den Strom, der dem Strommix des jeweiligen Versorgers entspricht. Weil man jedoch freiwillig einen höheren Strompreis bezahlt, wird der Differenzbetrag an Programme zur Förderung von Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie weitergeleitet.
Dieses Modell wird vor allem von Stadtwerken genutzt. In der Schweiz ist das Aufpreismodell noch weit verbreitet; in Deutschland ist es ein Auslaufmodell.
Bau und Förderung von Neuanlagen[Bearbeiten]
Umweltverbände verweisen darauf, dass die Frage der Belieferung aus regenerativen Kraftwerken nur einen Aspekt von Ökostrom ausmache. Änderungen im Sinne der Umwelt könnten nur erreicht werden, wenn neue regenerative Anlagen gebaut und betrieben und so die konventionellen Kraftwerke zurückgedrängt würden.
Ein ideales Ökostromprodukt basiert deshalb auf einer zeitgleichen Belieferung der Kunden aus bereits bestehenden regenerativen Kraftwerken und einer möglichst hohen Förderung des Ausbaus der Erzeugungskapazität. Dieses Modell wurde zuerst von der Naturstrom AG und Greenpeace energy propagiert und setzt sich bei den seriösen Ökostromanbietern mehr und mehr durch. Beispielsweise hat sich Greenpeace energy verpflichtet, die pro Jahr an eigene Kunden abgesetzte elektrische Energie spätestens nach fünf Jahren aus in dieser Zeit neu gebauten Kraftwerken zu beziehen.
Bei Naturstrom AG sowie bei den Elektrizitätswerken Schönau hat der Kunde zusätzlich die Möglichkeit, sich mit einem Aufpreis für ein Produkt mit höherem Ausbau der Erzeugungskapazitäten zu entscheiden.
Die NaturWatt GmbH hat in ihrem Gesellschaftervertrag verankert, dass Gewinne ausschließlich zum Ausbau erneuerbarer Energien verwendet werden. Bis 2009 wurden damit mehrere Photovoltaikanlagen errichtet.[10]
Ökostromproduktzertifizierung[Bearbeiten]
Die Ökostromzertifizierung wird für die Auszeichnung von Stromprodukten, die sich an den Endverbraucher (Haushalt, Kommunen, Gewerbe, Industrie) richten, verwendet. Ein Ökostromprodukt kann vielfältige vom Anbieter zugesicherte Eigenschaften haben. All diese Eigenschaften sind im Rahmen der Zertifizierung zu prüfen. Der Begriff eines „Ökostromprodukts“ ist nicht standardisiert oder sonstwie geregelt. Zwei wesentliche Punkte eines Ökostromprodukts sollten aber immer die folgenden Punkte sein:
- Die gelieferte Energie muss aus erneuerbaren Quellen kommen.
- Durch den Kauf des Ökostromprodukts muss der Ausbau der erneuerbaren Energien gefördert werden.
Ein zentraler Punkt bei der Bewertung von Ökostrom-Angeboten ist die Frage, ob tatsächlich zusätzliche umweltfreundlich hergestellte elektrische Energie - und damit weniger fossiler/atomarer Strom - produziert wurde. Idealerweise verpflichten sich zertifizierte Anbieter, zusätzliche Produktionskapazitäten aufzubauen.
Bei nicht zertifiziertem Ökostrom verteilen Stromanbieter häufig Strom aus bereits vorhandenen umweltfreundlichen Quellen (meist seit Jahrzehnten bestehende Wasserkraftwerke) und verkaufen diesen separat in einem Ökostromprodukt zu einem meist höheren Preis. In diesem Fall erhalten die normalen Stromkunden des Anbieters, also jene mit konventionellen Produkten, zum Ausgleich einen höheren Anteil an fossilem/atomarem Strom. Damit existiert kein zusätzlicher positiver Effekt für die Umwelt.
Einige Umweltorganisationen haben Ökostrom-Zertifikate mit entwickelt bzw. unterstützen sie, während andere Organisationen kritisieren, dass die Zertifizierungskriterien teilweise nicht ausschließen, dass eine wirtschaftliche Verflechtung mit großen Atom- und Kohlestromfirmen besteht, welche an einer Energiewende nicht interessiert seien. Da beispielsweise das OK Power Label auch Ökostromangebote von Vattenfall und EnBW zertifiziert hat, haben die Ökostromanbieter Elektrizitätswerke Schönau und Greenpeace energy bewusst auf diese Label verzichtet, obwohl diese die Bedingungen dafür erfüllen.
Mehrere große und einige kleinere deutsche Umweltverbände haben sich in der Kampagne Atomausstieg selber machen zusammengeschlossen. Diese empfiehlt nur konzernunabhängige Ökostromanbieter und legt dabei auf Label keinen besonderen Wert.
Einige vergebene Produktlabel (auch Gütesiegel genannt) sind unter anderem TÜV SÜD EE01, TÜV SÜD EE02, naturemade star, ok power, RenewablePLUS und Grüner Strom Label Gold.
Die Eigenschaften der oben genannten Labels sind im folgenden Text kurz beschrieben.
Zeitgleich[Bearbeiten]
TÜV Nord[Bearbeiten]
Eine zeitgleiche Einspeisung gerechnet auf 15-Minuten-Ebene kann auch vom TÜV Nord zertifiziert werden, so z.B. bei EWS-Schönau [11].
Es kommt bei den Zertifikate des TÜV Nord immer auf die Inhalte an, es gibt auch Ökostromzertifikate vom TÜV Nord, die keine zeitgleiche Einspeisung dokumentieren.
TÜV SÜD EE02[Bearbeiten]
Der Standard EE02 fordert, dass 100 % der Stromlieferungen aus Erneuerbaren Energien stammen. Des Weiteren fordert er die Gleichzeitigkeit zwischen Erzeugung und Verbrauch auf 15-Minuten-Ebene. Der Nutzen dieser Anforderung beruht darauf, dass in diesem Fall keine fossil/nuklearen Backup-Kraftwerke benötigt werden.
Etwaiger Preisaufschlag muss mindestens zu 2/3 zur Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren Energie genutzt werden. Bei diesem Standard handelt es sich um ein Händler- und Fonds-Modell.[12]
Greenpeace-Kriterien für sauberen Strom[Bearbeiten]
Die Greenpeace-Kriterien für sauberen Strom verlangen u.a. neben zeitgleicher Einspeisung einen Mix aus 100 % aus regenerativ erzeugtem Strom.
Mengengleich[Bearbeiten]
TÜV SÜD EE01[Bearbeiten]
Der Standard EE01 fordert, dass 100 % der Stromlieferungen aus Erneuerbaren Energien stammen. Von diesen 100 % müssen 30 % der Stromlieferungen aus Erzeugungskapazitäten stammen, deren Erzeugungsmengen:
- zum Zeitpunkt der erstmaligen Zertifikatserteilung nach diesem Standard aus Anlagen stammen, deren Inbetriebnahme nicht länger als 36 Monate zurückliegt;und
- zu jedem Zeitpunkt aus Anlagen stammen, deren Inbetriebnahme nicht länger als 120 Monate zurückliegt
Etwaiger Preisaufschlag muss mindestens zu 2/3 zur Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren Energie genutzt werden. Bei diesem Standard handelt es sich um ein Händler- und Fonds-Modell.
Naturemade star[Bearbeiten]
naturemade star steht für Strom aus 100 % erneuerbaren Energiequellen. Darüber hinaus bürgt es für die Einhaltung zusätzlicher strenger und umfassender ökologischer Auflagen und zeichnet besonders umweltschonend produzierten Strom aus. Das Label beinhaltet einen Förderbeitrag zum Neubau von Anlagen, hat jedoch kein Neuanlagenkriterium. Es ist fast ausschließlich in der Schweiz verbreitet und dort marktführend im Bereich hoher Umweltanforderungen.
Ok-power[Bearbeiten]
Der Stromanbieter liefert Strom aus erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK).
- Mindestens ein Drittel des Stroms muss aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre sind.
- Ein weiteres Drittel muss aus Anlagen kommen, die nicht älter als zwölf Jahre sind.
- Die Anlagen beider Kategorien müssen außerhalb des Förderbereichs des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) entstehen.
- Der KWK-Anteil ist auf maximal 50 % beschränkt.
Die oben beschriebenen Kriterien des ok power Labels beziehen sich auf das Händlermodell. Ok power bietet zwei weitere Modelle, Fonds-Modell und das Initiierungsmodell an.
RenewablePLUS[Bearbeiten]
Das Label garantiert, dass 100 % des erzeugten Stroms aus Erneuerbaren Energien stammt. Bei diesem Label garantieren die Betreiber/Eigentümer der Kraftwerke, dass sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien fördern. Sie investieren entweder in komplett neue Anlagen oder in den Ausbau und die Erweiterung bestehender Anlagen. Auch können Investitionen in ökologische Maßnahmen im Rahmen der Erzeugung von Erneuerbaren Energien getätigt werden. Ein Alterskriterium für die Erzeugungsanlagen gibt es nicht. Die Investitionen der Betreiber/Eigentümer erfolgen im jeweiligen Jahr der Stromerzeugung in Kraftwerke bzw. Projekte, die neu realisiert werden und so eine erhöhte Stromerzeugung garantieren.
Das Label ist ab der Lieferperiode 2012 klimaneutral. So werden CO2-Emissionen, die bei dem Bau sowie bei dem Betrieb anfallen, durch den Einsatz von Emissionsminderungszertifikate klimaneutral gestellt. Die Emissionsminderungszertifikate stammen in der Regel aus Projekten zur Förderung erneuerbarer Energien.[13] Ab der Lieferperiode 2013 beinhaltet RenewablePLUS das Element der Zeitgleichheit auf Monatsbasis. So werden Herkunftsnachweise zeitgleich zum Verbrauch in allen Monaten des Kalenderjahres produziert.[13] Die Kriterien der Reinvestition, der tatsächlichen Klimaneutralität und der monatlichen Zeitgleichheit werden vom TÜV Rheinland jährlich geprüft und auditiert. Dies ist in der TÜV-Datenbank unter der ID 23040 einsehbar.[13]
Ab der Lieferperiode 2013 stammen die Emissionsminderungszertifikate zur Klimaneutralstellung aus nachhaltigen und anerkannten Projekten des TÜV Rheinland zertifizierten Labels ÖkoPLUS. ÖkoPLUS zertifizierte Projekte garantieren anhand weltweit anerkannter Indizes die Förderung nachhaltiger & sozialer Strukturen sowie eine tatsächliche nachhaltige Entwicklung am Einsatzort.[14] Die Kriterien der nachhaltigen Förderung und Entwicklung sozialer Strukturen von Emissionsminderungsprojekten werden vom TÜV Rheinland jährlich geprüft und auditiert. Dies ist in der TÜV-Datenbank unter der ID 37968 einsehbar. [14]
Grüner Strom Label Gold[Bearbeiten]
Das Grüner Strom Label Gold (GSL Gold) kennzeichnet Strom aus regenerativen Energiequellen.
- Je kWh wird ein Betrag von mindesten 1 ct. erhoben.[15] Dieser Aufpreis wird für den Neubau von Anlagen zur Produktion von Erneuerbare-Energien-Strom oder der Förderung von Maßnahmen verwendet, die die Energiewende und die dafür notwendige Infrastruktur voranbringen (beispielsweise die Entwicklung von virtuellen Kraftwerken oder den Einsatz von Smart Metern und Stromspeichern).[16]
- Andere Zertifikatssysteme, insbesondere RECS-Zertifikate sind im Rahmen dieser Verpflichtung nicht zugelassen.
Anteil an Bruttostromerzeugung[Bearbeiten]
Setzt man Ökostrom mit Strom aus regenerativen Energien gleich, finden sich in der Tabelle 'Bruttostromerzeugung nach Energieträgern in Deutschland' in der Zeile 'regenerativer Anteil' die Anteile der regenerativ erzeugten Elektrizität an der deutschen Bruttostromerzeugung. Für das Jahr 2020 hat die Bundesregierung 2011 dafür ein Ziel von 35 % verkündet.[17]
Tagesaktuelle Daten mit Einsichtsmöglichkeit der Einspeisungs-Schwankungsbreite bietet die Leipziger Strombörse (EEX) für Deutschland und Österreich mit regionaler Zuordnung über eine Filtermöglichkeit nach Übertragungsnetzbetreiber.[18]
Ökostromanbieter[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
Die Naturstrom AG wurde als erster deutscher Ökostrom-Anbieter am 16. April 1998 in Düsseldorf von Vertretern mehrerer Naturschutz- und Erneuerbare-Energie-Verbänden (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Bundesverband WindEnergie, Eurosolar, Fachverband Biogas und andere) gegründet, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu stärken. Darum kaufte die Naturstrom AG den Strom zunächst bei Betreibern von Solar-, Wind-, Wasser-, Biomasse- und Geothermiekraftwerken, die ihre Anlagen mit der staatlich garantierten Vergütung allein nicht wirtschaftlich betreiben konnten.[19]
Nach der Marktliberalisierung 1998 entstanden die Greenpeace Energy und LichtBlick, die sich ebenfalls klare politische Forderungen auf die Fahnen geschrieben haben. Sie wollen den Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix erhöhen und investieren deshalb auch in diese. Ihre Kunden sind vor allem ökologisch und politisch interessierte Bürger und Unternehmen, die gerade in den Anfangsjahren schon bereit waren, auch höhere Preise zu zahlen, doch ist diese Preisdifferenz inzwischen weitgehend verschwunden. Aus Verbrauchersicht sind neben den Preisen Vertragskonditionen wie Preisgarantie, Vertragsdauer und Kündigungsfristen weitere wichtige Aspekte.[20]
Die Clean Energy Sourcing GmbH etablierte die Verwendung von Grünstrom seit dem Jahr 2008 auch für Industrie- und Gewerbekunden in Deutschland. Sie wurde damals durch das Unternehmen Q-Cells SE aus Sachsen-Anhalt gegründet, einen großen Hersteller von Solarzellen.
Ökostrom-Tarifrechner wie die kommerziellen von Check24, TopTarif und Verivox oder die auch von Verbraucherorganisationen unterstützte Verbraucherportale wie co2online, EcoShopper und EnergieVision erleichtern den Vergleich von Preisen und Konditionen. Einige Stromanbieter gestalten ihre Tarife gezielt so, dass sie in diesen Listen möglichst weit oben stehen. Es empfiehlt sich, das Kleingedruckte zu lesen.
Zeitgleich[Bearbeiten]
Liste der Anbieter, die ausschließlich Ökostrom anbieten (nach Kundenzahl sortiert)
- Naturstrom AG: mehr als 210.000 Kunden, Stand Januar 2012[21], Zertifikate: TÜV Nord, Grüner Strom Label Gold
- Elektrizitätswerke Schönau (EWS): 130.000 Kunden, Stand 04/2012 [22], Zertifikat: TÜV Nord: "Die EWS gewährleistet eine zeitgleiche Vollversorgung der Kunden (bezogen auf 1/4-h-Werte)." [23]
- Greenpeace Energy: 110.000 Kunden, Stand 09/2011[24], Zertifikat: TÜV Nord: "Greenpeace Energy gewährleistet eine zeitgleiche Vollversorgung ihrer Kunden (bezogen auf die Prognosewerte)"[25]
Andere[Bearbeiten]
Liste der Anbieter, die ausschließlich Ökostrom anbieten (nach Kundenzahl sortiert)
- Strommixer GmbH mit Sitz in Jemgum (Ostfriesland): mit ca. 9.300 Kunden ein kleiner Anbieter von Ökostrom.[26] 2008 wurde das Unternehmen dafür kritisiert, den gesamten Strom bei der EnBW-Tochter NaturEnergie AG einzukaufen,[27] und wurde auch in einer Studie von Robin Wood über den Ökostrommarkt nicht unter den vier einzigen bundesweiten, unabhängigen Ökostromanbietern gelistet. Laut Angaben der Strommixer GmbH[28]werden zur Zeit (Stand 4/2011) 100 % physischer Ökostrom vertrieben, 50 bis 80 % davon stammen vom Wasserkraftproduzenten Statkraft Markets GmbH. RECS-Zertifikate werden lt. derselben Pressemitteilung derzeit nicht verwendet.
- Ökostrom für Alle GmbH (ÖfA) mit Sitz in Berlin: Mit ca. 1.000 Kunden ein kleiner Anbieter von nach OK Power zertifizierten Ökostrom.[29]
Ohne Kundenzahlen:
- Clean Energy Sourcing GmbH: Belieferung von Industrie- und Gewerbekunden, Stromabsatz: 1.000 GWh, dies entspricht 400.000 Haushaltskunden, Stand 05/2011[30]
- jeda energie mit Sitz in Dresden: Seit Dezember 2011 am Markt. Mit dem Grüner Strom Label Gold zertifiziert und der einzige Ökostromanbieter, der auf Wunsch auch Smart Meter einsetzt.[31]
- MANN Naturenergie GmbH: unabhängiger Anbieter, der umfangreich in verschiedene Formen erneuerbarer Energien investiert[32]
- Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH:[33] die 2001 gegründete Tochter der Koblenzer Elektrizitätswerke und (bis 2007) der MANN Naturenergie war laut eigenen Angaben das erste Unternehmen, das mehr als 50 % des verkauften Stroms aus Windkraft erzeugte.
Die LichtBlick AG Hamburg mit 619.000 Stromkunden, Stand 07/2011, Umsatz 2010: 526 Mio. €[34] ist kein reiner Ökostromanbieter, denn für Spitzenlasten wird Kohle- und Atomstrom zugekauft.[35] Insgesamt ist jedoch die Menge des bezogenen konventionellen Stroms geringer als die Menge des von Lichtblick zusätzlich an der Strombörse verkauften Ökostroms. Die somit erzielte Ökostrombilanz liegt daher über 100 %.[36]
Auch einige der großen Stromversorger bieten neben konventionellem Strom Ökostromtarife an. Hierbei muss in der Regel ein Aufschlag auf den normalen Strompreis gezahlt werden. Dadurch, dass der Ökostrom aus dem konventionellen Strom ausgegliedert wird, sinkt der Ökostrom-Anteil an der zum Normaltarif verkauften Strommenge. Insgesamt erhöht sich bei diesem Geschäftsmodell also der Anteil des Ökostroms an der erzeugten Gesamtstrommenge nicht. Der Ökostromnutzer muss aber für seinen Tarif mehr bezahlen. So bekommen die Unternehmen mit einem einfachen Mittel zusätzlich Geld in die Kasse. Teilweise wird das Ökostrom-Geschäft auch in eigenständige Tochtergesellschaften ausgegliedert:
- NaturWatt GmbH (Gesellschafter: EWE AG aus Oldenburg, die Stadtwerke Emden und die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden. Hier jedoch werden keine Gewinne an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern für den Ausbau und die Förderung erneuerbarer Energien eingesetzt.[37] Auch wird der Ökostrom von NaturWatt nicht aus dem Strommix der EWE ausgegliedert, sondern von der NaturWatt selbst beschafft[38] und auch an diverse Stadtwerke sowie die EWE für deren eigene Ökostromprodukte geliefert.[39])
- NaturEnergie AG, eine Tochter der EnBW
Einige Stadtwerke haben auf Ökostrom umgestellt, ohne RECS-Zertifikate zu verwenden. Hierzu zählen beispielsweise die Stadtwerke Wolfhagen.[40] oder Barmstedt. Die NaturWatt GmbH hat sich neben dem eigenen Ökostromgeschäft auf die Belieferung von Stadtwerken mit zertifizierten Ökostromprodukten spezialisiert.[41] Damit werden die Markteintrittskosten für Stadtwerke deutlich reduziert.[42]
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) im Verband kommunaler Unternehmen hat zwei Ökostrom-Marken namens watergreen und energreen entwickelt, die von ca. 80 verschiedenen Stadtwerken angeboten werden, oft ohne eine Komplettumstellung auf Ökostrom.
Ein großer Nutzer von Ökostrom ist seit 2008 die Rewe Group: sie deckt ihren Strombedarf - jährlich zwei Terawattstunden - seitdem mit Ökostrom.[43] Der Strom kommt von der Hamburger Energie-Handels-Gesellschaft (EHA), einer Tochterfirma von Rewe und Vattenfall.[44] Sie kauft für diese Strommenge RECS-Etikette mit Herkunftsnachweis. Der Grünstrom ist zertifiziert nach dem Label EE01 des TÜV SÜD, d.h. mindestens 25 % der Erzeugungsanlagen von erneuerbaren Energien sind jünger als 3 Jahre.[45]
2007 lag der Anteil des als Ökostrom verkauften Stroms am gesamten Stromabsatz für private Haushalte in Deutschland mit 2,9 Milliarden kWh bei etwa 2 %.[46] Spitzenreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien ist seit 2009 Mecklenburg-Vorpommern. Dort stammen mehr als die Hälfte des produzierten Stroms aus regenerativen Quellen, überwiegend aus Wind- und Biogasanlagen. Auf Platz zwei und drei liegen Thüringen und Sachsen-Anhalt.[47]
Österreich[Bearbeiten]
In Österreich startete die Oekostrom AG vor der allgemeinen Strommarkt-Liberalisierung, die dort erst im Oktober 2001 stattfand, mit der Belieferung von Haushalten und Gewerbebetrieben. Möglich war das, weil der österreichische Gesetzgeber für Erzeuger von Strom aus Wind, Biomasse und Solarenergie bereits ab Februar 1999 die direkte Kundenbelieferung erlaubte. Unter den Referenzen des Unternehmens, das mit dem Umweltzeichen Grüner Strom ausgezeichnet worden ist, finden sich u. a. die Umweltorganisationen GLOBAL 2000 und WWF.
Als weiterer reiner Ökostromanbieter in Österreich wurde die Naturkraft Energievertriebsgesellschaft m.b.H. im April 2001 gegründet. Kunden von Naturkraft werden ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen (Wasser, Wind, Biomasse, Erdwärme, Sonne etc.) beliefert. Das Unternehmen ist ebenfalls mit dem Österreichischen Umweltzeichen Grüner Strom ausgezeichnet und ist seit 2011 Mitglied von der Initiative klima:aktiv des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.
Seit Oktober 2001 bietet die Alpen Adria Naturenergie (AAE, Sitz in Kötschach-Mauthen, Kärnten) mehrere Naturstromprodukte an, darunter das mit dem Umweltzeichen Grüner Strom ausgezeichnete Naturstrom PLUS. Sie wurde gegründet, um den Ausbau von Ökostromkraftwerken im Alpen-Adria-Raum voranzutreiben. In diesem Familienbetrieb wird ausschließlich saubere Energie aus zertifizierter Wasserkraft, Biomasse, Wind und Sonne gewonnen. Deshalb wurde die AAE im September 2005 vom Klima-Bündnis Österreich ausgezeichnet und wird z. B. von der Umweltorganisation Greenpeace empfohlen. Bis heute (August 2011)) sind zahlreiche Gemeinden und über 11000 Haushalte und Betriebe Naturstromkunden geworden. In dem mit dem Eurosolarpreis ausgezeichneten Schaukraftwerk Hydro-Solar kann besichtigt werden, wie Naturstrom entsteht.
Im Jahr 2000 wurden die Ökostrombörse Vorarlberg, 2005 die Ökostrombörse Salzburg und 2009 die Ökostrombörse Österreich mit dem Ziel der Förderung unterschiedlicher Kleinkraftwerke gegründet, die aus Zusammenschlüssen von kleinen Energie-Produzenten, Verteilern und Verbrauchern bestehen.[48]
Der nach eigenen Angaben größte rein private Ökostromerzeuger Österreichs ist die W.E.B. Windenergie mit über 41.000 MWh pro Monat (Juli 2011).
2010 wurde das Ökostrom Unternehmen Ökoenergie Tirol gegründet, welches eine 100 % Tochtergesellschaft der TIWAG darstellt. Dieser Anbieter bezieht seinen Strom laut eigenen Angaben zu 100 % aus Kleinwasserkraftwerken.[49]
Insgesamt wurden im 1. Halbjahr 2011 in Österreich über 2.800 GWh Ökostrom erzeugt, davon je ca. ein Drittel aus Windkraft und Biomasse.[50]
Wie in Deutschland haben auch die meisten österreichischen Ex-Monopolisten ein Ökostrom-Angebot, für das dieselben Vorbehalte gelten wie dort. Die Zahl der Ökostromkunden in Österreich bildet nur einen Bruchteil der Zahl der Kunden, die rein rechnerisch bereits jetzt von Wasserkraftwerken versorgt werden. Durch Kauf von Strom aus Großwasserkraft kann daher keine Verbesserung der Stromerzeugung bewirkt werden.
Schweiz[Bearbeiten]
In der Schweiz gibt es seit 2009 eine Einspeisungsvergütung für Ökostrom. Verschiedene Schweizer Elektrizitäts- und Stadtwerke bieten ihren Kunden Strommischungen an, die je nach Anbieter einen bestimmten Anteil an Ökostrom enthalten. Die Abstufungen reichen von einer simplen Beimischung zum herkömmlichen Strom bis hin zu ausschließlich ökozertifiziertem Strom. Ziel ist es, Energie aus erneuerbaren Quellen zu fördern und die Gelder entsprechend in den Neubau von solchen Anlagen zu investieren.
RegioMix ist ein Produkt mehrerer Schweizer Energieunternehmen, das nach dem Aufpreismodell funktioniert. Der Aufpreis wurde im Jahr 2005 von über 1000 Kunden für insgesamt 1,4 Millionen kWh bezahlt, womit Ökostrom-Anlagen gefördert wurden. Der Strommix bestand 2011 aus 70 % Kleinwasserkraft, 20 % Biogas, 8 % Windenergie und 3 % Solarenergie.[51]
naturemade, das Gütesiegel für Ökostrom, wird vom WWF Schweiz, von pro natura, dem Konsumentenforum Schweiz und den führenden Energieversorgungsunternehmen sowie von verschiedenen Ökostromverbänden wie Swissolar und der Genossenschaft Ökostrom Schweiz, die Ökostrom von Kleinanbietern kauft, getragen.[52][53]
Bei der ADEV Energiegenossenschaft spendet man einen fixen Geldbetrag pro Jahr und kann angeben, ob damit Kleinwasserkraft, Windkraft, Solarenergie oder eine Mischung aus 34 % Wasser, 65 % Wind und 1 % Solar gefördert werden soll. Eine entsprechende Anzahl an Kilowattstunden wird erzeugt und mit dem Schweizer Qualitätszeichen naturemade zertifiziert. Außerdem verspricht der Anbieter, jährlich 3 % des Umsatzes an ein geeignetes Projekt für eine nachhaltige Energieversorgung in Entwicklungsländern zu spenden. Derzeit wird mit 132 Kunden die Produktion von 475.000 kWh Ökostrom pro Jahr gefördert (Stand 5/2006).
Niederlande[Bearbeiten]
In den Niederlanden beträgt der Ökostromanteil ca. 10 %. Der größte Energieerzeuger m.v. nuon erzeugte 2007 etwa 3 % seiner Stromlieferungen aus Windenergie, 1 % aus Biomasse, 0,1 % aus Solarenergie und 18 % aus Wasserkraft.
Luxemburg[Bearbeiten]
Der Anbieter CREOS (ehemals CEGEDEL) bezieht seinen Strom für das Angebot Nova Naturstrom bei Greenpeace energy in Deutschland.
Mit der Eröffnung des Strommarktes in Luxemburg bietet der reine Ökostromversorger EIDA S.A. eida.green Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien an.
Frankreich[Bearbeiten]
Ökostrom spielt in Frankreich eine noch völlig untergeordnete Rolle. Die 2005 unter Beteiligung von Greenpeace gegründete Genossenschaftsinitiative Enercoop[54] bündelt die Aktivitäten regionaler Erzeugergemeinschaften und hat (Oktober 2011) 10.000 Kunden. Gewinne werden in den Ausbau der Erzeugung erneuerbarer Energien investiert. Auch die Region Rhone-Alpes hat sich an der Genossenschaft beteiligt.
USA[Bearbeiten]
In den USA gibt es ca. 30 nationale sowie zahlreiche kleinere regionale und lokale Ökostromanbieter, die diesen überwiegend aus Windkraft, in steigendem Umfang auch aus Biomasse und Solarenergie gewinnen und ins Netz einspeisen bzw. kaufen und weiter verteilen. Die meisten von ihnen sind schon seit ca. 2000 am Markt,[55] doch haben die Finanzkrise 2008-2009 und die Nuklearkatastrophe von Fukushima einen Investitionsboom ausgelöst. So werden derzeit (2010-2011) in Kalifornien und Nevada große Solarkraftwerke gebaut. Ein spezielles Geschäftsmodell ist auch die klimaneutrale Strom- und Gaserzeugung in Verbindung mit Aufforstungsmaßnahmen.
Indien[Bearbeiten]
Die indische Regierung schuf 1992 in Delhi ein Ministerium für nicht konventionelle Energiequellen (MNES), das 2006 in „Ministerium für neue und erneuerbare Energie“ (MNRE) umbenannt wurde. Mitte 2007 stammten 7,6 % des indischen Stroms aus erneuerbaren Energien. Bei der Windenergie liegt Indien weltweit auf Platz vier.[56]
China[Bearbeiten]
Innerhalb kurzer Zeit ist China an Europa und den USA vorbeigezogen, was Investitionen in Ökostrom betrifft. Die chinesischen Investitionen stiegen 2010 auf 11,5 Milliarden Euro und kamen zum größten Teil Windkraftanlagen zugute. Im Vergleich dazu investierten die USA etwa 5 Milliarden Euro und Europa 4,5 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien.[57]
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Stiftung Warentest: Stromtarife im Vergleich – Ökostromanbieter vorn, test 10/2009
- Atomausstieg selber machen – Kampagne für Ökostrom von Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen
- Grüner Strom Label e.V. – Von diversen namhaften Organisationen getragener Verein zur Zertifizierung von Ökostromanbietern nach Kriterien wie z. B. fehlenden Verstrickungen mit Kernenergienutzung
- REjournal – Unabhängiges Portal für erneuerbare Energien und Ökostrom
- Energie Vision e.V. – Urheber des Labels ok-Power – getragen von Öko-Institut, Verbraucherzentrale NRW und WWF
- Ecotopten – Öko-Institut e.V. – Vergleich der Ökostromanbieter in Deutschland
- Studie von Robin Wood zum Ökostrom-Markt
- Dirk Asenberg: Illusion Ökostrom. In: Die Zeit. 19. Juni 2008.
- Fokus Ökostrom: Bestandsaufnahme und Perspektiven – Kurzstudie von Prof. Dr. Uwe Leprich im Auftrag von Greenpeace, Februar 2009 (PDF-Datei; 360 kB)
- Flyer zum "Stromanbieterwechsel" von den Verbraucherzentralen
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ manager-magazin.de
- ↑ http://www.bee-ev.de/Erneuerbare-Energien/Erneuerbare-Energien.php
- ↑ Informationen zum Thema Ökostrom auf Steckdose.de
- ↑ http://www.strom-prinz.de/Oekostrom-Zertifikate/RECS-Zertifikate
- ↑ Photovoltaik erstmals auf Platz 3
- ↑ oekostrom-anbieter.info Begriffsdefinition Graustrom
- ↑ naturemade
- ↑ http://www.lichtblick.de/pdf/strom/info/strom_tuev_zertifikat.pdf
- ↑ http://www.greenpeace-energy.de/de/presse/pressedetails/article/greenpeace-energy-zur-aktuellen-diskussion-ueber-oekostrom.html
- ↑ Gewinnverwendungsprojekte der NaturWatt GmbH. Abgerufen am 8. Juni 2009 (deutsch).
- ↑ http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/sauberer_Strom/sauberer_Strom/Zertifikat.pdf
- ↑ http://www.tuev-sued.de/uploads/images/1134986964291406245120/kriterkat_ee02.pdf
- ↑ a b c http://www.tuvdotcom.com/quality_marks/0000023040?locale=de
- ↑ a b http://www.tuvdotcom.com/quality_marks/0000037968?locale=de
- ↑ Kriterien der Zertifizierung des Grüner Strom Label e.V.
- ↑ Stromtipp.de, 14. März 2012: Ökostrom-Zertifikate: Grüner Strom Label passt Kriterien an
- ↑ rp-online.de 6. Mai 2011: Milliarden für den Ökostrom
- ↑ Einspeisedaten auf der "Transparenzplattform" der Leipziger Strombörse: eine Unterteilung in die Stromarten konventionell, Wind und Solar wird gegeben. Beispielaufrufe: tatsächliche Produktion Wind, tatsächliche Produktion Solar und Gesamtübersicht.
- ↑ Neue Energie, www.neueenergie.net, Heft 5, 1998, S. 8+9: Der Öko-Strom Markt kommt. Gefahren und Chancen einer neuen Idee
- ↑ Kampagne zum Stromanbieterwechsel, auf www.verbraucherzentrale.de.
- ↑ Pressemeldung der Naturstrom AG: Flughafen Berlin Brandenburg startet mit Ökostrom. 26. Januar 2012. Abgerufen am 9. Februar 2012.
- ↑ http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/120430_EWS_Pressemitteilung.pdf
- ↑ http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/sauberer_Strom/sauberer_Strom/Zertifikat.pdf
- ↑ Zahlen und Fakten zu Greenpeace Energy. Abgerufen am 27. April 2011.
- ↑ http://www.greenpeace-energy.de/fileadmin/docs/zertifizierung/TUEV-Zertifikat_2012.pdf
- ↑ Die Strommixer GmbH & Co. KG: Ökostrom
- ↑ Lichtblick: Der Licht-Klick, Februar 2008 (PDF; 3,4 MB)
- ↑ Presseerklärung Strommixer GmbH 20. April 2011
- ↑ Ökostrom für Alle: Über uns
- ↑ http://www.clens.eu/
- ↑ jeda energie: Ökostrom Smart
- ↑ MANN Naturenergie GmbH & Co. KG: Investitionen
- ↑ Website von Naturstrom Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 10. Juli 2011.
- ↑ http://www.lichtblick.de/h/Ueber_lichtblick_5.php Homepage von Lichtblick, Zugriff 19. Juli 1011 und http://www.abendblatt.de/hamburg/article1867208/LichtBlick-Chef-800-neue-Kunden-je-Werktag.html Website des Hamburger Abendblatts, Zugriff 19. Juli 2011
- ↑ Vorwürfe gegen LichtBlick. Atomausstieg selber machen, abgerufen am 26. Juli 2008 (deutsch).
- ↑ TÜV-Prüfsiegel von Lichtblick, abgerufen am 23. März 2011.
- ↑ Auszug aus Gesellschaftervertrag der NaturWatt GmbH. Homepage der NaturWatt GmbH, abgerufen am 8. Juni 2009 (deutsch).
- ↑ NaturWatt Stromherkunft. Homepage der NaturWatt GmbH, abgerufen am 15. Oktober 2009 (deutsch).
- ↑ NaturWatt als Vorlieferant für andere Energieversorger. Homepage der NaturWatt GmbH, abgerufen am 15. Oktober 2009 (deutsch).
- ↑ Pressemitteilung der Stadtwerke Wolfhagen
- ↑ NaturWatt-Angebot für Energieversorger. Homepage der NaturWatt GmbH, abgerufen am 15. Oktober 2009 (deutsch).
- ↑ Fokus Ökostrom: Bestandsaufnahme und Perspektiven. Kurzstudie von E&E Consult im Auftrag von Greenpeace, abgerufen am 15. Oktober 2009 (PDF; 369 kB, deutsch).
- ↑ Rewe steigt bundesweit auf Ökostrom um, strom magazin, 23. Januar 2008.
- ↑ Energiekonzepte: Händler unter Strom, Lebensmittel Zeitung, 23. Februar 2007.
- ↑ www.rewe.de
- ↑ Öko-Strom - wenig gefragt in deutschen Haushalten. Umweltjournal.de. 21. Februar 2009. Abgerufen am 22. Februar 2009.
- ↑ http://www.steckdose.de/blog/2011/07/06/ostdeutschland-bei-okostrom-spitzenreiter/
- ↑ http://www.oekostromboerse.at/
- ↑ http://www.oekostrom-tirol.com/
- ↑ http://www.e-control.at/de/industrie/oeko-energie/zahlen-daten-fakten/oekostrom-einspeisemengen-und-verguetungen
- ↑ http://www.regiomix.ch/docs/RegioMix_Brosch_Partner_020310.pdf
- ↑ Website des Qualitätszeichens naturemade
- ↑ http://www.oekostromschweiz.ch/contray/docs/zertifikatnaturemade%20allgemein%202011.pdf
- ↑ http://www.enercoop.fr/ Website von Enercoop
- ↑ Green Power-Anbieter in den USA
- ↑ http://www.naturefund.de/erde/atlas_des_klimas/loesungswege/in_indien_boomen_erneuerbare_energien.html
- ↑ http://www.stromvergleich.de/oekostrom/oekostromnachrichten/2052-oekostrom-in-china-nimmt-zu-2-8-2010