Ölfördermaximum

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Das Ölfördermaximum (oft auch Peak-Oil) bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem die Förderrate eines Ölfelds ihr absolutes Maximum erreicht. Dieser Zeitpunkt ist erreicht, wenn etwa die Hälfte des förderbaren Öls gefördert wurde. Ölfördermaxima werden auch für einzelne Regionen oder den einzelnen Firmen zugänglichen Feldern berechnet. Es kann für ein Ölfeld nicht vollständig exakt vorausgesagt werden. Erst wenn die Förderrate eines Feldes eine Zeitlang und unumkehrbar gefallen ist, sieht man in der Förderstatistik das maximal erreichte Fördervolumen, das Ölfördermaximum.

Das Ölfördermaximum für alle weltweiten Ölvorkommen wendet dieses Konzept auf die weltweite Verfügbarkeit von Rohöl an. Da Erdöl die bedeutendste Energiequelle darstellt, hätte dies signifikante Auswirkungen, von Preissteigerungen in vielen Lebensbereichen bis möglichen Energiekrisen. Es gibt Anzeichen für ein bevorstehendes oder möglicherweise schon in der Vergangenheit geschehenes weltweites Erreichen des Fördermaximums. So stammt die weitaus größte Menge des heute geförderten Erdöls aus sehr alten Quellen, neue wurden in den letzten dreißig Jahren nicht in ähnlicher Menge gefunden. Auch glich in der Vergangenheit die Gesamtfördermenge etwaige Ölpreissteigerungen bald wieder aus. Dieser Effekt ist seit 2005 ausgeblieben, obwohl die globale Nachfrage nach Öl kontinuierlich gestiegen ist. Dies sehen die in der ASPO zusammengeschlossenen Wissenschaftler als ein Beleg auf das Ölfördermaximum.

Andere, insbesondere in der westlichen Ölindustrie aktive Experten und Finanzfachleute sehen Umbrüche in der globalen Ölindustrie ursächlich für diese Ereignisse an. Bei Öl- sowie anderen Gütermärkten seien schweinezyklusartige größere Preisschwankungen normal (vgl. Spinnwebtheorem). Aufgrund der Erfahrungen mit dem Rückgang der Ölpreise in den 90er Jahren und der zunehmenden Rolle externer Finanzinvestoren gebe es seit Jahren einen Explorations- und Investitionsstau, der die derzeitigen geringen Förderquoten und hohen Preise ausreichend erkläre.

In jedem Fall zwingen die seit 2002 (Rohöl etwa 25 $) kontinuierlich gestiegene Preise für Rohöl (auf 120 $, Stand: 5. Mai 2008) und ölbasierte Treibstoffe darauf angewiesene Wirtschaftsbereiche und davon abhängige Volkswirtschaften die höheren Preise weiter in Kauf zu nehmen, ihren Ölverbrauch zu verringern oder effizientere Technologien und andere Rohstoffquellen einzusetzen. Erdölbasierte Treibstoffe sind nicht ohne Weiteres zu ersetzen. Ihre Verknappung hat weltweite wirtschaftliche und politische Auswirkungen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Einführung

[Bearbeiten] Bedeutung von Erdöl für industrielle Zivilisation

Die Nachfrage nach Öl ist eng an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt und wenig preiselastisch. Wird die Nachfrage nach Öl nach Eintritt des globalen Ölfördermaximums nicht durch Einsparungen und den zunehmenden Einsatz von Alternativen reduziert sind stark steigende Preise die Folge, mit erheblichen Auswirkungen für die globale Wirtschaft.

Erdöl ist heute (2008) sichtbar (als Rohstoff) oder unsichtbar (als Energieträger) in einer Vielzahl von industriell hergestellten Gütern enthalten. Das sich ankündigende Fördermaximum wird deshalb zunehmend thematisiert. Seit 2005 behandeln sowohl aktuelle Studien der Internationalen Energieagentur (IEA) – zuletzt am 9. Juli 2007 – das Problem des Fördermaximums. In der ASPO (Association of the Study of Peak Oil and Gas) haben sich seit 2001 weltweit Wissenschaftler zusammengeschlossen, die sich mit dem Erdölfördermaximum befassen.

Besondere Auswirkungen werden in den USA erwartet, die den größten Anteil am weltweiten Ölverbrauch besitzen (25 % bei einem Weltbevölkerungsanteil von 4,3 %). Der durchschnittliche Benzinverbrauch pro Auto liegt dort bei 16,2 Liter je 100 km. Zum Vergleich: Im Jahre 2003 lag der Anteil am weltweiten Ölverbrauch in Europa bei knapp 11 %, wobei 6,8 % der Weltbevölkerung in Europa lebten. Der durchschnittliche Benzinverbrauch pro Auto lag in diesem Jahr in Deutschland bei etwa 8,1 Liter auf 100 km [1]. Preisschwankungen bei Mineralölprodukten wirken sich in den USA wegen der Umrechnung in den starken Euro und wegen der in den USA sehr geringen Steuern auf Mineralölprodukte generell stärker aus als in Europa[2].

Die Auswirkungen eines möglichen Ölfördermaximums auf die Gesellschaft werden in den USA schon länger diskutiert - teilweise unter Annahme dramatischer Szenarien. Diesen worst-case-Szenarien stehen derzeit allerdings kaum echte Verhaltensänderungen und Politikwechsel gegenüber. In den USA waren bislang weder höhere Treibstoffsteuern [3] durchzusetzen noch haben sich die Gewohnheiten der amerikanischen Verbraucher verändert: Spritdurstige SUV - Geländewagen[2] – persönlich, wie auf Bundes- und Staatsebene und von verschiedenen Behörden wie dem GAO[4] und Ministerien wie im sog. „Hirsch Report“ intensiv diskutiert.

In Deutschland befasst sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe mit dem Phänomen Ölfördermaximum.

[Bearbeiten] Zentrale Begriffe

Viele Begriffe in der Lagerstättenkunde sind wirtschaftlich bzw. technisch und nicht im engeren Sinne naturwissenschaftlich definiert. Eine Lagerstätte bezeichnet einen Bereich in dem sich ein Abbau schon gegenwärtig wirtschaftlich lohnt oder lohnen könnte und ist zu unterscheiden von einem geologischen Vorkommen von Öl (etwa als Bitumen, Ölsand oder Teersand), welche erst bei einem Ölpreis, der die jeweiligen Fördergrenzkosten übersteigt, und die Förderung somit rentabel macht, oder verbesserten Förder- bzw. Verarbeitungsmethoden wirtschaftlich abbaubar sein werden. Ressourcen bzw. Reserven von Öl und anderen Rohstoffen waren bislang sehr stark vom aktuellen Stand der Prospektions- und Fördertechnik wie auch der Verlässlichkeit der statistischen Daten abhängig. Die entsprechenden Buchwerte können im zeitlichen Verlauf erheblichen Veränderungen unterworfen sein. Diesen Zusammenhang zeigt auch die sogenannte statische Reichweite, dem Verhältnis zwischen Reserven und jährlichen Verbrauch. Diese betrug nach allgemein anerkannter Statistik jahrzehntelang unter dem Stichwort Erdölkonstante immer etwa 35-40 Jahre.

Die sogenannte Ausbeutequote bezeichnet den einem Ölfeld wirklich entnommenen Ölanteil. Dieser konnte von 22 % im Jahr 1980 auf Bestwerte von heute etwa 40 % [5] gesteigert werden. Die wichtigste Größe zur Beurteilung des Ölfördermaximums ist die Förderrate, welche die „Fördermenge pro Zeit“ angibt. Beide Größen sind jedoch extrem stark von den geologischen Bedingungen abhängig. So kann in einem Feld die Permeabilität und die Qualität des Rohöls so beschaffen sein, dass das Öl allein durch den Ortsdruck mit sehr hoher Förderrate durch das Speichergestein zum Bohrloch und an die Oberfläche tritt (Durch Rohrleitungen und eingebaute Ventile steuerbar). Es kann sich aber auch um sehr zähflüssiges, bitumenartiges Rohöl in einem schlecht durchfließbaren Speichergestein handeln, welches nur durch hohen technischen und energetischen Aufwand und nur mit geringer Rate förderbar ist. Sowohl die Qualität des Rohöls, als auch die Durchlässigkeit des Speichergesteins beeinflussen somit die Ausbeutequote und die Förderrate erheblich. Kartelle der Ölproduzenten versuchen mit ihren individuellen Förderraten das Angebot auf dem Ölmarkt und damit den Preis zu steuern. Zusammen mit der Ölnachfrage durch alle Ölverbraucher ergibt sich der traditionell in Dollar gehandelte Ölweltmarktpreis, der seit 1869 an Rohstoffbörsen ausgehandelt wird und auch spekulativen Einflüssen unterworfen ist.

Aktivitäten in der Öl- und Gasindustrie werden in stromabwärts und stromaufwärts unterschieden. „Stromabwärts“ (downstream) findet näher am Verbraucher statt (z.B. das Raffinieren von Rohöl zu petrochemischen Produkten, Verteilung, Marketing usw.) während Exploration und Produktion „stromaufwärts“ (upstream) stattfinden. Bei der Offshore-Förderung, der sehr kostenintensiven Nutzung von Ölfeldern auf See ist eine möglichst konstante hohe Förderung wichtiger als am Land, wo geringere laufende Kosten anfallen. Reife Onshore-Felder (wie sie in der Erdölförderung in Deutschland existieren) haben für gewöhnlich ein breites Fördermaximum und eine lange Förderabnahmephase, Offshore-betonte Ölförderländer wie Norwegen zeigen hingegen sehr spitze Fördermaxima und kurze Förderabnahmephasen auf. Preise und Verfügbarkeit von Endprodukten wie Treibstoffe und petrochemische Produkte sind von der Weiterverarbeitung wie auch von politischen Faktoren wie produktspezifischen Steuern abhängig.

[Bearbeiten] Entstehung eines Ölfördermaximums

[Bearbeiten] Phasen der Ölförderung

Abb.1. Oben: Die Förderung einer Ölquelle in mehreren Phasen. Unten: Die Gesamtförderung mehrerer Quellen kann durch die sog. Hubbert-Kurve beschrieben werden. Diese Kurve ist die erste Ableitung einer als „logistische Funktion“ bezeichneten Sättigungsfunktion und keine Gaußsche Normalverteilung.
Abb.1. Oben: Die Förderung einer Ölquelle in mehreren Phasen. Unten: Die Gesamtförderung mehrerer Quellen kann durch die sog. Hubbert-Kurve beschrieben werden.[6] Diese Kurve ist die erste Ableitung einer als „logistische Funktion“ bezeichneten Sättigungsfunktion und keine Gaußsche Normalverteilung.

Die Förderung einer konventionellen Ölquelle erfolgt in mehreren Phasen. Ehe aus einer Ölquelle gefördert werden kann, muss sie entdeckt werden. Je nach Größe einer Ölquelle dauert es unter Umständen Jahrzehnte, bis die Förderraten sinken, im Schnitt sind es jedoch in etwa 40 Jahre. Dem Fund folgt zunächst die Erschließung, dazu wird das unter hohem Eigendruck stehende Ölfeld über mehrere Bohrlöcher angezapft. Zu Beginn können nach dem Prinzip des Artesischen Brunnens große Mengen vor allem leichten Öls gefördert werden. Der Druck allein reicht nach einer Förderung von 10-15 % jedoch nicht mehr aus, um das Öl an die Erdoberfläche zu transportieren.

Deshalb wird in der Regel Wasser nachgepumpt, wodurch 30-40 %[5][7] des insgesamt vorhandenen Öls gefördert werden können. Das restliche zunehmend zähe und dichte Öl erschwert die weitere konstante Förderung. [8]. Mit eingeleiteten Chemikalien, Gasen und Heißdampf (vor allem auch bei Ölsanden) wird versucht, noch weiteres Öl zu verflüssigen und zu fördern.

Die Förderabnahme (eng: decline) ist die letzte Phase der Ausbeutung eines Ölfeldes. Die Dauer hängt mit dem technischen und finanziellen Aufwand zusammen und ist auf See kürzer als auf Land [9]. Die Abnahmerate hängt eng mit der maximalen Fördermenge zusammen: je schneller und intensiver (professioneller) die Ölfelder einer Region ausgebeutet werden, desto stärker ist der Abfall. So verzeichnet Großbritannien bei seinen hochprofessionell betriebenen (Offshore) Ölfeldern seit 2001 Förderrückgänge von 8 % (Erdöl) und 10 % (Erdgas). Zudem führt zu rasche Ausbeutung eines Ölfeldes zu unerwünschten Gasansammlungen und vorzeitigen Wassereinbrüchen, sodass in diesen überstrapazieren Ölfeldern mehr unförderbares Öl im Boden bleibt, als bei langsamerer Förderung. [10]

[Bearbeiten] Übertragung auf die globale Ölförderung

Der US-Ölgeologe Marion King Hubbert behauptete schon in den 1950er Jahren, dass die Gesamtförderung mehrerer Ölquellen eine Kurve beschreibt, die einer Glockenkurve ähnelt: die so genannte Hubbert-Kurve.[11] Hubbert konnte durch die Auswertung der umfangreichen und offen gelegten US-Daten bereits 1956 das US-amerikanische Fördermaximum auf das Jahr 1971 voraussagen. In der Folge wurde das Modell der Glockenkurve auch etwa für die Erdölproduktion Norwegens bestätigt, die im Jahre 2001 ihren Höhepunkt erreichte. Dennoch gibt es auch Fördergebiete, für die sich die Modellierung anhand der Hubberts Kurve nicht eignet. Dies trifft beispielsweise zu, wenn die Ölförderung politisch beeinflusst wird, wie es in den OPEC-Staaten der Fall ist. Einige Fachleute bewerten diese Methode daher eher als spekulativ, da sie mit zu vielen vereinfachenden Annahmen verbunden wäre.[12] Auch die weltweite Erdölförderung folgt nicht genau der Hubbert-Kurve. Gründe hierfür sind die Ölkrisen der 1970er Jahre, wie Abb. 2 zeigt. Ein weiteres Problem bei der Modellierung sind unzuverlässige Daten bezüglich Förderung und Reserven, vor allem in den OPEC-Staaten, s.u. Dadurch kann eine Hubbert-Kurve, selbst wenn sie zuträfe, nur annähernd modelliert werden.

Abb. 2: Ölfunde von 1930 bis 2050 und Förderung bis 2006, Quelle: ASPO
Abb. 2: Ölfunde von 1930 bis 2050 und Förderung bis 2006, Quelle: ASPO

[Bearbeiten] Zukünftige Ölförderung

Um weiterhin Erdöl zu fördern, müssen neue Ölquellen entdeckt werden. Abbildung 2 zeigt die Ölfunde von 1930 bis 2050 nach Campbell unter Zuhilfenahme der Methode der „Rückdatierung von Ölfunden“ [13][14], wobei die weißen Balken Schätzungen sind. Mit eingefügt ist die jährliche Fördermenge. Man erkennt die großen Ölfunde Ende der 1940er Jahre im persischen Golf und die großen Funde Anfang der 1980er Jahre in der Nordsee. Das meiste Öl wurde allerdings in den sechziger Jahren gefunden. Laut Campbell nehmen die Funde, von einigen Ausnahmen abgesehen, beständig ab und seit 2003 liegen sie sogar kontinuierlich unter den prognostizierten Werten. Seiner Studie zufolge wird seit Anfang der 1980er Jahre mehr Öl gefördert als neues gefunden, wodurch sich die Schere zwischen Förderung und Verbrauch beständig öffnet.

Als Argument für eine weitere Steigerung der Ölförderung gilt der steigende Ölpreis, der die Möglichkeit bietet, bisher nicht intensiv untersuchte Gebiete (z. B. Sibirien) zu erkunden und unkonventionelle, bislang nicht wirtschaftlich lohnende Lagerstätten auszubeuten. Dazu gehören Ölsande, hier vor allem die großen Vorkommen in Alberta in Kanada, Ölschiefer, Tiefseebohrungen, Sibirien- oder Alaska-Exploration, Bitumen etc. Zudem wird auf teilweise veraltete Technologie und ältere, bereits ausgebeutete Felder in Saudi-Arabien verwiesen. Laut Maugerie bestünde ein erheblicher Investitionsstau, da in vielen Ölländern und der Ölindustrie die Erfahrungen mit dem Preisverfall durch Überkapazitäten aus den 1980er Jahren noch nachwirkten. [12]

[Bearbeiten] Das weltweite Ölfördermaximum

[Bearbeiten] Ölproduktion weltweit

Abb.3: Weltweite Erdölförderung seit 1945
Abb.3: Weltweite Erdölförderung seit 1945

Der Zeitpunkt der maximalen globalen Förderrate lässt sich mit Gewissheit erst mehrere Jahre nach ihrem Auftreten bestimmen. Die weltweite Ölförderung stieg nach ersten Krisen und Zweifeln am unbegrenzten Fortgang der Förderung um 1920 zwischen 1930 und 1972 nahezu exponentiell an. Abb.3 zeigt diese Entwicklung. Mit den politisch begründeten Ölkrisen 1974/75 und 1979/83) setzte das exponentielle Wachstum aus, die Ölförderung ging etwas zurück und stieg im weiteren langsamer und nur noch linear an. Deutliche Nachfragerückgänge finden sich auch nach der Asienkrise und nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA drückten hingegen nur kurzfristig die Nachfrage nach Flugbenzin.

Die Ölförderung insgesamt nahm 2003 bis Mitte 2004 noch zu (3,9 %) und flacht danach trotz anhaltend starken Wirtschaftswachstums vor allem in der Volksrepublik China und Indien ab. Das bisherige globale Ölfördermaximum fand laut den Zahlen der EIA im Januar 2006 statt (85,4 Mio Fass pro Tag). Die Förderung ging seitdem um etwa 200'000 Fass pro Tag zurück, was von der Ölindustrie auf einen durch die niedrigen Ölpreise der 1990er bedingten Investitionsrückstand zurückgeführt wird. Allerdings hielten sich die Ölfirmen zu Beginn der Hochpreisphase mit dem Kauf neuer Ausrüstung zurück und investierten bevorzugt in Aktienrückkäufe.[15]

Das sich seit 2004 abzeichnende Plateau wird von Meldungen begleitet, wonach im Frühjahr 2006 einige sehr große Ölfelder die Phase der Förderabnahme erreicht hätten oder sich schon darin befänden:

  • Das Ölfeld „Burgan“ in Kuwait – das zweitgrößte Ölfeld der Welt – hat diese Phase nach Aussage der Kuwait Oil Company Ende 2005 erreicht.[16]
  • Das Feld „Cantarell“ vor der Küste Mexikos – ein Offshore Ölfeld mit der weltweit zweitgrößten täglichen Produktionsmenge – hat die Stagnationsphase nach Aussage von Petroleos Mexicanos (Pemex) Anfang 2006 erreicht, die Produktion 2008 soll nur noch 520.000 Fass/Tag betragen.[17]
  • Im April 2006 gab die saudische Ölfirma Aramco bekannt, dass sämtliche ihrer älteren Ölfelder ihre Stagnationsphase erreicht hätten und die Förderrate um 8 % pro Jahr fallen werde. Dies stimmt mit den Ergebnissen des texanischen Investmentbankers und Ölexperten Matthew Simmons überein. [18]

[Bearbeiten] Voraussagen zum Ölfördermaximum

Wegen der schwierigen Datenlage kann das Ölfördermaximum wohl erst einige Jahren nach dessen Eintreten zweifelsfrei datiert werden. Die von Campbell, dem Begründer der ASPO, bislang vorausgesagten Zeitpunkte für ein globales Ölfördermaximum waren bislang unzutreffend und mussten alle wieder in die Zukunft verschoben werden. Dies wird unter anderem neben von Kritikern zum Anlass genommen, die Übertragung des Hubbert peak auf die weltweite Förderung für nicht sinnvoll zu halten.

Die Aspo nimmt zudem an, dass auch die Förderrate der OPEC-Staaten nahe an ihrem Maximum liegt und sich derzeit nur im Irak und an der westafrikanischen Küste steigern lässt, das Ölfördermaximum also gegenwärtig zum Tragen komme. Eine Gegenposition vertritt unter anderem Maugeri. Ihm zufolge ist die Umbruchsituation in der Ölindustrie viel wichtiger als die Diskussion um ein Ölfördermaximum. Er hält das Maximum konventioneller Ölförderung in den OPEC-Staaten und Russland für noch lange nicht erreicht und die Möglichkeit, unkonventionelle Ölvorkommen zu nutzen seien dabei noch gar nicht einbezogen.

Anfang 2006 - bei einem Ölpreis von etwa 60$ - befürchtete er zudem einen Preissturz, der negative Folgen für Investitionen in unkonventionelle Ölquellen und Alternativen für die Treibstoffherstellung haben würde, die aus wirtschaftlichen Gründen einen Ölpreis von mindestens 45$ voraussetzen. [2]

Geschätzter
Zeitpunkt
Datum der
Veröffentlichung
Autor
1989 1989 Campbell * [12]
2020 1997 Edwards
2003 1998 Campbell
2007 1999 Duncan und Youngquist
2019 2000 Bartlett
2004 2000 Bartlett
2007 2002 Campbell
nicht vor 2030 2004 Internationale Energieagentur [19]
2015-2020 2005 BGR **
2005 2007 Campbell [20]
2006 2007 Energy Watch Group [21]

* Seit 1989 warnt Colin J. Campbell, der Vorsitzende der ASPO, vor einem demnächst bevorstehenden globalen Ölfördermaximums. Seine Thesen werden in Deutschland auch durch Prof. Dr. Wolfgang Blendinger, Professor für Erdöl- und Erdgasgeologie, TU Clausthal vertreten. Er publizierte 1999 die Vorhersage für den Peak-Oil in der Nordsee und äußerte in einem Interview 2006, dass der globale Peak-Oil vermutlich schon überschritten sei. [22]

**Bei den BGR-Prognosen von Dr. Peter Gerling ist zu beachten, dass die Annäherung an das Fördermaximum über einen Bereich von zehn Jahren sehr flach ausfällt. Weltweite Nachfragesteigerungen im bisher gekannten Maß wären so nicht zu decken.

[Bearbeiten] Saudi-Arabien

Abb.4: Ölfördergeschichte und Vergleich zwischen Ölförderung und eingesetzter Bohrtürme in Saudi-Arabien.
Abb.4: Ölfördergeschichte und Vergleich zwischen Ölförderung und eingesetzter Bohrtürme in Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien gilt als die Hauptstütze der weltweiten Erdölproduktion: über 10 % des weltweiten Erdöls kommen ausschließlich aus diesem Staat mit 49 bekannten Ölfeldern und 28 Gasfeldern. 92 % der saudischen Produktion 2002 stammen aus nur sieben Riesenölfeldern; die sechs davon mit einer Fördermenge von mehr als 300'000 Fass pro Tag sind:

Ölfeld gefunden Produktion 2000
Ghawar 1948/49 ~4,5 mbpd
Abqaiq 1940 ~0,6 mbpd
Shayba 1975 ~0,6 mbpd
Safaniya 1951 ~0,5 mbpd
Zuluf 1965 ~0,5 mbpd
Berri 1964 ~0,4 mbpd

(mbpd: Millionen Fässer pro Tag)

Alle diese Felder sind schon jenseits ihres Fördermaximums und produzieren beständig weniger Öl.[23] Abb.4 schafft eine Übersicht zur Geschichte der saudischen Ölförderung. Neben den historischen Daten wird die saudische Ölproduktion von Januar 2001 bis September 2007 mit der Anzahl eingesetzter Bohrtürme verglichen. Man erkennt, dass die Saudis ihre Ölproduktion 2001/2002 zwischenzeitlich zurückfuhren. Eine Steigerung der Förderung in diesen alten Feldern gelang der staatlichen Ölgesellschaft Aramco nur mit deutlich mehr Bohrtürmen. Dennoch ist die saudische Ölförderung zwischen Oktober 2005 und Februar 2007 um 1 Mio. Fass pro Tag zurückgegangen. Allerdings ist der Grad der Erschließung der saudischen Ölfelder nach wie vor nicht mit den US-amerikanischen vergleichbar.[2], Maugeri geht in einem Artikel in Foreign Affairs von nach wie vor erheblichen Steigerungspotentialen aus, die aufgrund der Furcht vor einem erneuten Zusammenbruch der Ölpreise und der veralteten Fördertechnologie der OPEC-Staaten nicht zum Tragen kommen.

[Bearbeiten] Ölproduktion außerhalb der OPEC

Abb.5: Die Ölproduktion außerhalb der OPEC und früheren Sowjetunion (FSU) hat den Höhepunkt überschritten und fällt seitdem ab
Abb.5: Die Ölproduktion außerhalb der OPEC und früheren Sowjetunion (FSU) hat den Höhepunkt überschritten und fällt seitdem ab

Die Abbildung zeigt die Erdölproduktion außerhalb der OPEC-Staaten; die Daten sind ab 2004 Schätzungen. Der Förderanteil der OPEC macht etwa 50 % der gesamten Förderung aus. Die Grafik zeigt darüber hinaus, dass das Fördermaximum der Ölproduzenten außerhalb der OPEC und der Russischen Föderation bzw. den GUS-Staaten (FSU, Former Soviet Union) im Jahr 2000 überschritten wurde. In den OECD-Europa-Ländern sinkt die Ölförderung um etwa 5 % jährlich. Im Januar 2006 konnten noch etwa 36 % des Bedarfes aus eigenen Quellen gedeckt werden. 2015 steht zu erwarten, dass in der EU bereits 92 % importiert werden müssen.[24]

[Bearbeiten] Russland

In Russland, dem nach Saudi-Arabien zweitgrößten Erdölförderer der Erde, wurde im Jahr 2007 zum ersten Mal weniger (etwa 1%) gefördert als im Vorjahr. Über die Prognosen für 2008 gibt es allerdings widersprüchliche Angaben. Als Hauptproblem beziehungsweise -ursache werden fehlende Investitionen genannt. [25]

[Bearbeiten] Kasachstan und weitere Staaten der früheren Sowjetunion

Der Anteil von FSU- und OPEC-Öl steigt, was diesen Ländern einen vermehrten Einsatz von Förderrate und Preis als politisches Druckmittel erlaubt.

Die Vorkommen der GUS-Staaten im Umfeld des Kaspischen Meeres sind noch in der Erschließung. Erste geologische Gutachten in der Region in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre schätzen allein das sogenannte Kashagan-Feld auf etwa 2 und 4 Milliarden Barrel abbaubarer Reserven. Nach Durchführung von 2 Explorations- und 2 weiteren Bewertungsbohrungen wurden die offiziellen Schätzungen auf ein Volumen von zwischen 7 und 9 Bbl nach oben korrigiert. Im Februar 2004 hingegen, nach 4 weiteren Explorationsbohrungen, lagen die neuen Schätzungen bei 13 Bbl. Die im weiteren Umfeld zu findenden Ölvorkommen würden laut BP noch erhebliche Reserven bergen.[12]

[Bearbeiten] Weltweite Ölreserven

Hauptartikel: Ölvorkommen

Abb.6: Angegebene bewiesene Ölreserven einiger OPEC Mitgliedsstaaten im Nahen Osten von 1980-2005
Abb.6: Angegebene bewiesene Ölreserven einiger OPEC Mitgliedsstaaten im Nahen Osten von 1980-2005

Eine Ölreserve ist kein fester Wert, sondern hängt unter anderem vom Ölpreis und der eingesetzten Technik ab. So können selbst beim Einsatz hochmoderner Technik derzeit (2006) nur etwa 35-45 % einer vorhandenen Lagerstätte gefördert werden [5][7], in vielen von staatlichen Ölgesellschaften kontrollierten Ölfeldern, etwa im Nahen Osten wird dieser Spitzenwert längst nicht erreicht.

Interpretationsspielräume werden von den ölproduzierenden Staaten oft genutzt, um ihre Reserven zu manipulieren. So entschieden 1985 die OPEC-Förderländer, die länderspezifischen Förderraten an die jeweiligen Reserven zu koppeln; wer hohe Reserven aufweisen konnte, durfte mehr fördern und umgekehrt. Wie in Abb.6 deutlich zu sehen ist, provozierte diese Entscheidung eine allgemeine künstliche Anhebung der Reserven der einzelnen Mitgliedsstaaten, da jeder höhere Förderraten bei hohem Preis erhalten wollte.

[Bearbeiten] Entwicklung des Ölpreises

Abb. 7: Ölpreisentwicklung in $ von 1861-2007 (Braune Linie auf Basis des Preisstands 2007 )
Abb. 7: Ölpreisentwicklung in $ von 1861-2007 (Braune Linie auf Basis des Preisstands 2007 )
Abb.8: Ölpreisverlauf 1985-2006
Abb.8: Ölpreisverlauf 1985-2006

Die weltweite Nachfrage nach Öl schwankt mit der Konjunktur. In der Vergangenheit konnte die Ölförderung mit der steigenden Nachfrage Schritt halten. Nach dem Erreichen des weltweiten Ölfördermaximums wäre die Befriedigung einer steigenden Nachfrage durch Erhöhung der Gesamtproduktion nicht mehr möglich. Die Prognosen über die mittelfristige Entwicklung des Ölpreises reichen von 40 bis 250 $, längerfristig werden auch Preise um 25$ angenommen – abhängig davon, von welchen Vorkommen man ausgeht und wie schnell sich die Weltwirtschaft auf Alternativen umstellt [7].

Der historische Ölpreisverlauf zeigt das goldene Zeitalter billigen Öls zwischen dem ersten Weltkrieg bis zur ersten Ölkrise, davor und danach sind inflationsbereinigt deutliche Preisschwankungen abgebildet. Die derzeitigen hohen Preise lagen bis Anfang 2008 noch unter den maximalen Spitzen vor 1900, was mit der längerfristigen Preisentwicklung bei anderen Rohstoffen übereinstimmte.

Die kurzfristige Betrachtung seit 1985 zeigt, dass seit ca. 1999 der Ölpreis tendenziell zunimmt; das Platzen der Spekulationsblase am Neuen Markt mit der wirtschaftlichen Rezession Anfang 2001 sowie die Geschehnisse rund um den 11. September 2001, die eine sinkende Nachfrage nach Kerosin zur Folge hatten, senkten die Nachfrage nach Öl und damit den Ölpreis.

Die abnehmende Förderrate bewirkt zunächst nur, dass keine zusätzlichen Abnehmer mehr bedient werden können, da die eigentliche Fördermenge ja noch nicht zurückgeht. Die Situation verschärft sich, wenn es zu einem tatsächlichen Rückgang der weltweiten Förderung kommt und sich die Angebotsseite verringert (Verkäufermarkt). Steigende Ölpreise schlagen sich in der Folge in sehr vielen vom Öl abhängigen Produkten nieder. Bisherige Marktteilnehmer müssen deswegen ihren Verbrauch reduzieren oder - was angesichts der höheren Preise auch zunehmend lukrativ wird - Öl mit anderen Energieträgern und Kohlewasserstoffen substituieren sowie Öllagerstätten mit veränderten Technologien und Konzepten erschließen und ausbeuten. Wie bei anderen Rohstoffmärkten auch schlagen sich in den Kursen neben dem Verbraucherverhalten und der Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle auch die Aktivitäten von Spekulanten wie auch die sicherheitspolitische Lage nieder.

Am 10. März 2008 erreichte der Preis für ein Fass Rohöl 107 US-$ und hat damit eine historische Marke überschritten. Absolut und auch inflationsbereinigt war Rohöl nie teurer als zu diesem Zeitpunkt, was somit eine historische Marke darstellt.[26] Am 5. Mai 2008 erreichte der Preis einen neuen Rekordwert von 120,21 US$.[27]

[Bearbeiten] Mögliche Auswirkungen des Ölfördermaximums

[Bearbeiten] Allgemein

In der Öffentlichkeit wurden mögliche Folgen und damit verbundene Risiken ausbleibender Öllieferungen unterschiedlich bewertet:

„Wir müssen uns keine Sorgen machen. Es sind noch genug Reserven da. [...] Saudi-Arabien fördert heute rund 10 Mio Fass am Tag und in einigen Jahren schafft es sicher 12,5 Mio Fass. [...] Es ist sehr wahrscheinlich, dass mittelfristig die [Öl]preise ungefähr bei 40$ im Schnitt liegen. Auf ganz lange Sicht sind sogar 25-30$ vorstellbar.“

Lord John Browne: 1995-2007 Vorstandsvorsitzender von BP (im Gespräch[7] mit dem Spiegel im Juni 2006)

„Es gibt weltweit kein ausreichendes Ölangebot (mehr) für ein vollumfängliches Wachstum unserer Wirtschaft oder der Weltwirtschaft.“

Don Evans: bis 2005 Wirtschaftminister der Regierung Bush[28].

„Die Unfähigkeit, die Ölproduktion entsprechend dem steigenden Bedarf auszuweiten, wird in der Zukunft zu einem schweren wirtschaftlichen Schock führen.“

James R. Schlesinger: unter Präs. Carter ehem. US-Energie- und unter Präs. Nixon und Ford US-Verteidigungsminister [29]

„Was jetzt ganz schnell zusammenstürzen kann, ist das industrielle Entwicklungsmodell, das über 200 Jahre lang prägend war, sich immer mehr ausgeweitet hat und das getrieben worden ist von der überwiegend fossilen Energieversorgung. Dieses steht zur Disposition, das ist ganz eindeutig.“

Hermann Scheer, SPD-MdB[30]

„Wenn die Ölproduktion im Irak bis 2015 nicht exponentiell steigt, haben wir ein sehr großes Problem. Und dies selbst wenn Saudi-Arabien alle seine Zusagen einhält. Die Zahlen sind sehr einfach, dazu muss man kein Experte sein. [..] Innerhalb von 5-10 Jahren wird die Nicht-OPEC Produktion den Gipfel erreichen und beginnen zurück zu gehen wegen nicht ausreichender Reserven. Für diese Tatsache gibt es täglich neue Beweise. Zeitgleich werden wir den Gipfel des chinesischen Wirtschaftswachstums sehen. Beide Ereignisse werden also zusammentreffen: Die Explosion des Wachstums der chinesischen Nachfrage und der Rückgang der Ölproduktion der Nicht-Opec Staaten. Wird unser Ölsystem in der Lage sein, dieser Herausforderung zu begegnen, das ist die Frage.“

Fatih Birol: Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), [31].

Die Amerikaner James H. Kunstler und Richard Heinberg halten den Weg in vorindustrielle Zeiten womöglich schon binnen ein oder zwei Generationen für unausweichlich. Der Investmentbanker und ehemalige Energieberater des Weißen Hauses Matthew Simmons sagte (2005) aufgrund des Ölfördermaximums für 2010 einen Ölpreis von mindestes 200 $ pro Fass voraus und hat darauf mit John Tierney, einem Wirtschaftsjournalist der New York Times eine öffentliche Wette über 10.000 $ abgeschlossen. Tierney hält Haussen im Rohstoffbereich - unter Bezugnahme auf Julian Lincoln Simon - für grundsätzlich begrenzt.[32]

Leonardo Maugeri von der italienischen ENI hält das Ölzeitalter, welches vom US Geological Survey bereits 1919 totgesagt worden sei, auch heute für noch lange nicht vorbei und schließt drastische, demnächst bevorstehende Folgen eines Ölfördermaximums aus.[12]

[Bearbeiten] Transport und Verkehr im Zeitalter der Globalisierung

„Peak Oil ist kein Energie-, sondern zuallererst ein „Treibstoffproblem““

Robert Hirsch

Globalisierung beruht prinzipiell auf zwei Säulen: weltweiter Kommunikation und weltweitem, billigem Transport. Daten und Informationen werden über insbesondere stromverbrauchende weltweite Datennetze und Kommunikationsnetze versandt. Weltweite Transporte beruhen zu 97 % auf Erdöl (Benzin, Diesel, Kerosin) oder Erdgas. 95 % der globalen Handelsströme werden von diesel- und schwerölbetriebenen Fracht- und Containerschiffen auf den Weltmeeren bewältigt. Alternativen müssen preislich im Rahmen bleiben und auch für Fahrzeuge bzw. die weltweit vorhandene Treibstoffinfrastruktur geeignet sein. Bisher ist es jedoch nicht möglich, fossile Treibstoffe wie Benzin oder Schiffsdiesel durch bekannte Alternativen, wie zum Beispiel in Akkumulatoren gespeicherte Elektrizität, oder Wasserstofftechnologie zu ersetzen, da die erreichbaren preisbezogenen Energiedichten von etwa 0.01 kWh/€ weit unterhalb jener der fossilen Treibstoffe (bei Benzin ca. 5 kWh/€) liegen. Ein mögliches Ergebnis peakölbedingter Verknappungen und Preiserhöhungen wäre Vorrang für den Transport höherwertiger Güter, die Verringerung von Leerfahrten, optimierte Logistik sowie eine stärkere regionale Produktion [33]. Des Weiteren würde die internationale Verflechtung möglichwerweise wieder abnehmen und anhaltender Treibstoffmangel mit zu einer Deglobalisierung beitragen.

Unsicherheiten bei den Energieeinsparungspotenzialen (Suffizienz) und 'alternativen Quellen'

Erdöl wird zu einem hohen Anteil als Treibstoff eingesetzt und spielt in der (standortgebundenen) Elektrizitätsgewinnung mit Ausnahme der USA nur eine untergeordnete Rolle. Die bisherigen Ersatzstoffe sind allerdings im Vergleich zu Erdöl mit höheren Kosten und Aufwendungen verbunden und nicht in ausreichendem Umfang verfügbar. So liefern nicht-konventionelle Ölquellen insbesondere Schweröle, während leichtere Fraktionen wie Benzin und Kerosin möglicherweise schwerer verfügbar sein werden. Die Herstellung ausreichender Biotreibstoffmengen (Bio-Ethanol, Biodiesel, (BtL-Kraftstoff, GtL-Kraftstoff, CtL-Kraftstoff) zur Aufrechterhaltung der weltweiten Fahrzeugflotte führt zu einer zunehmenden Reintensivierung der Landwirtschaft und einer zunehmenden Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion. Als alternativer Weg zur Treibstoffgewinnung wird deswegen die Verflüssigung oder Vergasung von Kohle erörtert, die allerdings verstärkt zum antrophogenen Treibhauseffekt, und damit zur Globalen Erwärmung beitragen würden. Zudem stellt Kohle ebenfalls eine begrenzte Ressource dar. Darüber hinaus sind alternative Antriebskonzepte (leistungsfähige Elektromotoren, Druckluftfahrzeuge) von Interesse, da viele erneuerbare Energien in erster Linie elektrischen Strom produzieren. Um Unterschied zu Treibstoff kann elektrische Energie aber bisher nur unter sehr hohen Kosten gespeichert werden. In Städten und Ballungszentren könnten beispielsweise Oberleitungsbusse, wie sie heute in Rußland und der Schweiz eingesetzt werden, vergleichsweise schnell einen Teil des an fossile Treibstoffe gebundenen Personentransportes übernehmen.

[Bearbeiten] Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung

Abb.9: Weltweite Getreideproduktion und Anbaufläche 1961-2005
Abb.9: Weltweite Getreideproduktion und Anbaufläche 1961-2005

Um 1800 lebten 75 % der deutschen Bevölkerung von der Landwirtschaft und der Anteil an Treibstoffpflanzen (für Nutztiere) war verhältnismäßig hoch. Bis 2006 nahm der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft auf 2-3 % ab.[34] Diese enorm gesteigerte Produktivität ist charakteristisch für alle entwickelten Industriestaaten. Seit Beginn der Industrialisierung, vor allem seit der Grünen Revolution in den 1960er Jahren, stieg die weltweite Getreideproduktion um 250 %, ohne dass sich die Anbaufläche änderte (vgl. Abb. 9). Dies ist sehr stark auf den Einsatz fossiler Energieträger in Landwirtschaft und Verteilung zurückzuführen[35] . Ähnliches gilt für Pflanzenschutzmittel und Biozide, ohne deren Einsatz die landwirtschaftlichen Erträge erheblich geschmälert würden. Eine besonders große Rolle für die Landwirtschaft spielt Erdöl bei der Gewinnung von Düngemitteln mit dem Haber-Bosch-Verfahren, wobei der dazu benötigte Wasserstoff prinzipiell auch anders gewonnen werden kann.

Neben dem Aspekt schwindender Energiemengen für Viehhaltung und Getreideproduktion kommt der zunehmende Anbau von „Treibstoffpflanzen“ hinzu. Diese werden bei Flächenstillegungen nicht mit einbezogen. Eine mögliche Wiederbelebung der arbeitsintensiven Landwirtschaft könnte zu einer Reagrarisierung des ländlichen Raumes führen, in dem zunehmend wieder mehr Menschen ihr Auskommen fänden. Allerdings werden die weltweite Nahrungsproduktion sowie die Weltbevölkerung etwa gleichzeitig ihren zahlenmäßigen Höhepunkt erreichen (siehe auch Bevölkerungsfalle). Tatsächlich sind die Preise für Grundnahrungsmittel, insbesondere der Preis für Reis, in den Jahren 2007 und 2008 stark angestiegen. Von einigen Analytikern wird der sich generell abzeichnende Anstieg der Nahrungsmittelpreise weniger auf die Konkurrenz "Teller vs. Tank" .[36] zurückgeführt als primär und direkt auf das Durchschlagen gestiegener Erdölpreise im landwirtschaftlichen Bereich [37].

[Bearbeiten] Wirtschaft und Finanzwesen

Abb.10a: Veränderungen von BIP und Erdölverbrauch in Deutschland 1965-2005
Abb.10a: Veränderungen von BIP und Erdölverbrauch in Deutschland 1965-2005
Abb.10b: Weltweites Wirtschaftswachstum und Erdölverbrauch 1960-2003
Abb.10b: Weltweites Wirtschaftswachstum und Erdölverbrauch 1960-2003

Gemäß einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs gilt der Ölpreis inzwischen als größtes Risiko für die Weltwirtschaft (37 % langfristig und 27 % mittelfristig).[38] Eine bedingte Abkopplung zwischen Energie und Ölverbrauch und Wirtschaftswachstum, eine verringerte Energieintensität ist (siehe Abb. 10a am Beispiel Deutschlands) möglich. Weltweit sind beide Kurven (Abb. 10b) nach wie vor eng verflochten. [39]

Um einer dauerhaften Rezession im Falle einer Abnahme der weltweiten Ölförderung zu entgehen, müsste der notwendige Bedarf an Rohöl für zusätzliches Wachstum global jährlich um mehrere Prozentpunkte abnehmen.

[Bearbeiten] Mögliche weitergehende Folgen

Das Ölfördermaximum gilt als Schlüsselereignis im Umgang mit natürlichen, nichterneuerbaren Rohstoffe und Reserven. Der Ökologe William Catton ordnet die verschiedenen Positionen zum Umstand endlicher Rohstoffe und zu den Folgen von Rohstoffknappheit wie folgt [40] :

  • Umstand: Die Vorkommen fossiler Brennstoffe sind endlich und der derzeitige Verbrauch wird in absehbarer Zeit nicht mehr gedeckt werden können.
  • Folge: Die Folgen werden unterschiedlich beurteilt. Während Pessimisten die möglichen Folgen als gravierend einstufen und einen weltweiten Rückgang des Wohlstandes befürchten, glauben Optimisten, dass die negativen Folgen (beispielsweise durch technologischen Fortschritt) weitestgehend abgefangen werden können.
Position Einschätzung, Meinung Umstand Einschätzung
der Folgen
1 Die Vorkommen sind alsbald erschöpft
und große Veränderungen
werden stattfinden.
eingesehen + gravierend
2 Technischer Fortschritt
wird größere Veränderungen
abwehren / aufschieben.
eingesehen + gering
3 Familienplanung, Wiederverwertung,
Schadstoffgesetze
bieten Lösung.
missachtet + abwendbar
4 Beharren auf der Annahme,
dass grenzenloses
Wachstum möglich ist.
geleugnet + abwendbar

Viele Wirtschaftswissenschaftler und Lagerstättenkundler halten ein solches Ordnungsmuster für nicht sinnvoll, da Begriffe wie "Rohstoffe, Reserven, Ressourcen nicht feste Gegebenheiten darstellen sondern sich mit dem Stand der technologischen Entwicklung, Marktpreisen und politischen Gegebenheiten drastisch verändern können. Cattons Einteilung führt diese kritischen Einstellungen mehrheitlich unter Position 4 auf.

Position 1

Vertreter diese Position glauben:

  • Die Förderung endlicher fossiler Energieträger kann nicht endlos gesteigert werden.
  • Die Rolle steigenden Energieverbrauchs für ein anhaltendes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums wird erheblich unterschätzt, während die Ergebnisse aus der Forschung erheblich überschätzt werden.
  • Der Mangel an fossilen Energieträgern wird zur Verknappung des Nahrungsmittelangebots führen. Dieser Mangel ist nicht durch alternative Energieträger, neue Technologien und Verhaltensweisen auszugleichen.
  • Der Mangel an fossilen Energieträgern führt zu anhaltenden Preissteigerungen und zu weltweiten, auch gewaltsam ausgetragenen Verteilungskämpfen und einem Zusammenbruch der industriell organisierten Produktionsweise.

Im 19. Jahrhundert vertrat Thomas Robert Malthus die These, dass das angesammelte biotische Potential der menschlichen Spezies, falls es nicht begrenzt wird, die Tragfähigkeit seines Lebensraumes übersteigt und eine solche Wachstumsphase zwangsläufig in eine Bevölkerungsfalle führt. Kritisch ist zu dessen Thesen jedoch anzumerken, dass er von einem ungebremsten, exponentiellen Bevölkerungswachstum ausging, wie es jedoch vor allem in den industrialisierten aber auch einigen anderen Ländern auch ohne Mangel an Ressourcen als limitierendem Faktor nicht zu finden ist. Charles Darwin behauptete, dass diese Aussage für alle Spezies gelte. Im weiteren Sinne kann auch die Technikkritik Karl Marx’ dieser Kategorie zugeordnet werden. Im 20. Jahrhundert wurde das Forscherpaar Anne und Paul Ehrlich mit Studien über die Bevölkerungsexplosion bekannt. Der Ökonom Dennis L. Meadows wurde mit den Grenzen des Wachstums 1972 berühmt. In jüngster Zeit entwerfen und analysieren Autoren wie James Howard Kunstler, Matthew Simmons, Richard Heinberg oder Andreas Eschbach eine Situation, in der einer der Grundstoffe der industriellen Zivilisation nicht mehr in ausreichendem Maße gefördert werden kann. Auch die ASPO um den Erdölgeologen Colin J. Campbell bezieht eine entsprechende Position gegenüber der gegenwärtigen Situation. Als ein extremer Standpunkt dessen gelten Theorien wie die Olduvai-These[41], derzufolge die derzeitige industrielle Zivilisation bis 2030 zusammenbricht und bis 2050 eine Restbevölkerung von etwa zwei Milliarden Menschen zurückbleiben und auf einem vorindustriellen Energieniveau leben würde.[42]

Position 2

Vertreter diese Position glauben:

  • Die Förderung endliche Rohstoffe kann nicht unendlich gesteigert werden.
  • Die Menschheit hat in ihrer Geschichte große wissenschaftliche Fortschritte gemacht und bisher zu jedem ausgehenden Rohstoff einen Ersatz gefunden (Motto: „Die Steinzeit ging nicht aus Mangel an Steinen zu ende.“)
  • Neue Technologien erschließen immer neue, bis dahin uninteressante Rohstoffe und Energieträger.
  • Insbesondere das „Anzapfen“ der Sonne erschließt ein quasi unbegrenztes Energiedepot.
  • Als Folge sind Forschung und Entwicklung der Schlüssel zu unendlichem Wachstum.

Es gibt zwei Formen dieser Position: Zum einen herrscht die Meinung vor, dass neue, bisher unbekannte, Technologien sämtliche Knappheiten ausgleichen können, zum anderen sollen gesellschaftliche Anpassungen den steigenden Bevölkerungsdruck und Verteilungskämpfe verhindern. Solche gesellschaftlichen Anpassungen forderte vor allem die Hippie-Bewegung erstmals zur Lösung von Konflikten um Rohstoffe.[43]

Die Position 2 ist die vorherrschende Öffentliche Meinung, deren Vertreter sich aus allen Gesellschaftsschichten zusammensetzen. Auch die Mehrheit der Volksvertreter teilen bisher diese Auffassung, was 1967 in Deutschland zum Stabilitätsgesetz führte, des jede Regierung zu einem „angemessenen Wirtschaftswachstum von 3 %“ verpflichtet. Gegenwärtig findet man entsprechende Thesen bei Gründinger[44].

Position 3

Diese Position unterscheidet sich von der Position 2 durch die Meinung, dass endliche Rohstoffe durch Wiederverwertung nahezu unendlich verfügbar gemacht werden können. Nicht der Mangel ist das Problem, sondern die Verschwendung. Vertreter dieser Meinung finden sich vor allem in der Ökobewegung. Allerdings ist eine klare Abgrenzung zur Position 2 schwierig, da speziell für fossile Brennstoffe eine Wiederverwendung natürlich nicht möglich ist. Hier setzten die meisten Anhänger einer Wiederverwertungswirtschaft auf nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien, die ja auch als Lösung basierend auf technischem Fortschritt angesehen werden müssen.

Position 4

Position 4 ähnelt 2. Auch hier wird angenommen, dass technischer Fortschritt und ein geeignetes wirtschaftliches Umfeld bei entsprechenden Preisniveaus unendliches Wachstum möglich machen. Im Gegensatz zu 2 nimmt 4 an, dass „traditionelle“ Rohstoffe nicht ersetzt aber nahezu unendlich verfügbar gemacht werden können oder zumindest in einem Umfang, der kein unmittelbares Handeln erfordert. Diese Position wird beispielsweise von einigen Vertretern der traditionellen Rohstoffgewinnung propagiert.

So hält Leonardo Maugeri, leitender Strategiemanager von ENI, Katastrophenszenarien für ungeeignet, eine komplexen Realität zu erklären, in der auch zukünftig ausreichend Ölreserven vorhanden seien.[12] Die Ablösung des Öls sei - wie schon bei der Kohle - lediglich eine Frage der Kosten und der Nachfrage durch die Gesellschaft, nicht eine Frage der Rohstoffknappheit. Als schlimme Nebenwirkungen der „immer wiederkehrenden Ölpanik“ sieht er falsche politische Entscheidungen und eine weitverbreitete Hysterie an, die „völlig unangebracht“ seien.[12]

Weitere Vertreter der Erdölindustrie, wie der frühere BP Chefökonom Peter Davies und sein Nachfolger Christof Rühl halten die Übertragung der Hubbert-Kurve auf ein globales Ölfördermaximum auch aus ökonomischer Sicht für ungeeignet.[45] Prognosen über die weltweiten Ölvorkommen seien ohne Berücksichtigung des wirtschaftlichen Umfeldes nicht abzugeben. Sie halten die Ölversorgung insbesondere auch auf Basis konventioneller Ölvorkommen bei gegenwärtigem Verbrauch für die nächsten 40–60 Jahre für gesichert (Stand 2007). Ein Übergang zu anderen Energieträgern, Fördertechnologien und unkonventionellen Ölvorkommen sei, so notwendig, ohne Brüche zu bewerkstelligen, allerdings nur auf Basis von Ölpreisen die dauerhaft über 36 $ lägen (Stand 2007).

Nach dem Wirtschaftswissenschaftler Julian Lincoln Simon gingen Bevölkerungswachstum und technologischer Fortschritt Hand in Hand und verringerten weiter die Energieintensität. Das verbleibende „fossile Fenster“ bleibe noch lange genug offen und ermögliche genügend Forschung und Entwicklung, um neue fossile Rohstoffe zu erschließen und zusammen mit neuen Technologien, anderen Ressourcen und erneuerbaren Energieoptionen den weltweiten Energie-und Treibstoffbedarf auch weiterhin zu decken. Lincoln bezweifelt generell, inwieweit kurzfristige Rohstoffverknappungen in der Lage wären, die industrielle Zivilisation zu gefährden. Zu den von ihm benannten historischen Vorbildern gehören Sorgen um die Zinnversorgung um 1200 vor Christus; Nutzholzverknappung in Griechenland um 550 v.Chr. und im neuzeitlichen England zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert; Nahrungsmittel im vorrevolutionären Europa 1798; Kohle in Großbritannien des 19. Jahrhunderts; Öl seit dem Aufkommen der neuzeitlichen Ölförderung in den Jahren nach 1850 und erneut Öl wie mehrere Metalle nach 1970. Die entsprechenden Wachstumskrisen hätten zu neuen Technologien und zur Entdeckung neuer Energieträger geführt, die befürchteten Untergangsszenarien wären niemals eingetreten, die angeblich ausgehenden Rohstoffe seien aktuell mehr zur Verfügung als jemals zuvor.

Ein weiterer prominenter Vertreter der kornukopischen Sichtweise ist das amerikanische CERA (Cambridge Energy Research Associates) um den Pulitzer-Preisträger Daniel Yergin, welches ein wellenförmiges Förderplateau für die nächsten Jahrzehnte vorsieht.[46]

[Bearbeiten] Ersatz von Öl als Treibstoff, Energiequelle und Chemiegrundstoff

Der entstehende Mangel an Erdöl bedeutet einen Mangel an (i) einer Energiequelle und (ii) einem Rohstoff, wobei der Verlust an Energie schwerwiegender ist als der Mangel des Rohstoffs. Beispielsweise beruhen etwa 40 % des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland auf Erdöl. Die bisher aus Öl gewonnene Energie kann prinzipiell zu einem gewissen Teil durch Energieeinsparung reduziert und zu einem gewissen Teil durch andere Energiequellen ersetzt werden. Dabei muss zusätzlich beachtet werden, dass eine bloße Ersetzung der Energiemenge nicht alle Schwierigkeiten löst. Denn nicht jeder Energieträger kann für jede Aufgabe eingesetzt werden. Der wichtigste Bereich ist hier der Transportsektor, für den es bisher kaum einen die entsprechenden Eigenschaften besitzenden und im großen Umfang bereitstellbaren Ersatz für bisher aus Erdöl gewonnene Treibstoffe gibt.

Der Erntefaktor verschiedener Energieformen
Energieform Erntefaktor [47]
Wasserkraft 10:1
Erdgas 5:1 – 10:1
Wind 3:1 – 10:1
Kohle 1:1 – 10:1
Solaranlagen 1:1 – 10:1
Kernkraft 4:1
Biodiesel 3:1
Ethanol 1,2:1
Wasserstoff 0,5:1

Eine Möglichkeit, alternative Energiequellen abzuschätzen, bietet der Erntefaktor (engl. ERoEI - Energy Returned on Energy Invested etwa: Erzeugte Energie aus aufgewendeter Energie) Index, der beschreibt, wie viel Energie aufgewendet werden muss, um eine bestimmte Menge Energie zu erzeugen. Der Erntefaktor beschreibt also das Verhältnis der erzeugten Energie pro aufgewendeter Energie. Je größer dieser Wert, desto wirtschaftlicher ist die Energiequelle.

[Bearbeiten] Fossile Energieträger

Hauptartikel: Fossile Energie

„Wir erwarten, dass der gesamte Energieverbrauch 2050 doppelt so hoch liegen wird wie heute. Bis zu 30 Prozent der Energie könnte dann aus erneuerbaren Quellen kommen. Prozentual geht die Bedeutung der fossilen Energieträger zurück. In absoluten Zahlen aber nicht: 2050 wird sogar mehr Öl, Gas und Kohle konsumiert als heute. [...] Selbst wenn Sie auf jedes Dach in Deutschland ein Panel setzen, decken Sie nur einen Bruchteil des Strombedarfs ab. Die Menschen schätzen die Dimensionen falsch ein.“

Jeroen van der Veer: Vorstandsvorsitzender Shell-AG

  • Kohle ist de facto der verbreitetste und in der größten Menge vorhandene fossile Energieträger und hat die größte statische Reichweite unter den fossilen Energieträgern. Kohle dient gegenwärtig vor allem der Stromproduktion. In Deutschland wird die weltweit meiste Braunkohle gefördert und man befand sich lange unter den Top Ten der Steinkohleförderländer. Die Bedeutung von Torf, welches am Beginn der Inkohlung steht, hat abgenommen. Mit Kohleverflüssigung könnte Kohle Erdöl sogar direkt ersetzen.
    Abb.11:Brennendes Methanhydrat (Kleines Bild: Modell der Molekülstruktur)
    Abb.11:Brennendes Methanhydrat (Kleines Bild: Modell der Molekülstruktur)
    Dies würde allerdings verschiedene Probleme mit sich bringen: Erstens würde bei der Verflüssigung ein Teil der Energie verloren gehen. Zweitens wäre der CO2-Ausstoß der verflüssigten Kohle erheblich höher als der von Erdöl und – mit der Verflüssigung – auch höher als der der direkten Nutzung von Kohle. Drittens wären diese Prozesse finanziell aufwändig. Viertens würde dies die bisher große statische Reichweite von Kohle erheblich reduzieren, da sie hauptsächlich zur Stromerzeugung genutzt wird, die nur etwa 17 % des Primärenergieverbrauchs ausmacht.
  • Erdgas besteht größtenteils aus Methan und ist der umweltfreundlichste fossile Energieträger. Zudem kann Erdgas prinzipiell Öl in einigen Bereichen (ohne Umwandlung) direkt ersetzen, etwa zum Antrieb für Kraftfahrzeuge. Allerdings ist Erdgas nicht in ausreichenden Mengen vorhanden, um Öl zu ersetzen – Peak-Gas wird schon 2025 erwartet. Darüber hinaus nehmen einige Geologen an, dass Russlands Reserven nicht so groß sind wie angegeben.
  • Methanhydrat besteht aus Methan, das unter erhöhtem Druck und niedrigen Temperaturen als feste Einlagerungsverbindung in Wasser vorkommt. Methanhydrate wurden zunächst als Störfaktor in Gaspipelines und Hindernis bei Erdölbohrungen entdeckt. Natürliche Vorkommen von Methanhydrat wurden 1971 im Schwarzen Meer gefunden. Man schätzt, dass es zwölf Billionen Tonnen Methanhydrat allein an den Kontinentalabhängen geben könnte. Diese würden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle bekannten Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorräte der Welt enthalten. Wegen großer technischer Schwierigkeiten gibt es aber noch keinen Abbau im großtechnischen Stil.

[Bearbeiten] Kernenergie und Kernfusion

Kernenergie und Kernfusion können Strom oder Prozess-Wärme und daraus dann Wasserstoff bzw. Methan oder Methanol erzeugen. Die sogenannte Kernfusionskonstante besagt (in Analogie zur Erdölkonstante), dass Forscher in den Jahren ab 1950 jeweils annahmen, innerhalb von 30-40 Jahren die Kernfusion technisch nutzen zu können. Die sich momentan abzeichnende Treibstoffproblematik kann damit über Kernfusion nicht gelöst werden - bei der Kernenergie wurde in Deutschland der Ausstieg beschlossen; einige Länder wie Finnland, Frankreich und China bauen oder planen hingegen neue Kernkraftwerke.

[Bearbeiten] Erneuerbare Energien

Hauptartikel: Erneuerbare Energien

Diejenigen Energieformen, die nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich sind, werden erneuerbare Energien genannt. Zum direkten Ersatz von Erdöl sind vor allem Biomasse und Wasserstoff geeignet. Weitere erneuerbare Energieformen wie Wasserkraft, Windenergie, Fotovoltaik und Solarthermie sowie Meeresenergie und Geothermie nutzende Heizkraftwerke stellen vor allem Strom und Prozesswärme her und sind damit als Ersatz für Treibstoffe nur indirekt geeignet.

  • Unter Biomasse fallen alle diejenigen Energieformen, die unmittelbar aus überwiegend pflanzlichen , aber auch tierischen Stoffen gewonnen werden: Hierzu gehören u. a. Ethanol (gewonnen aus Getreide, Zuckerpflanzen oder Holz), Pflanzenöle und synthetische Kraftstoffe wie Sunfuel aus Biomasse. Die Herstellung von BtL-Kraftstoffen (Biomass to Liquid) wie Sunfuel ist neben dem Aufwand für Feldbearbeitung und Düngemittel auch bei der Umwandlung auf externe Energiequellen angewiesen. Dabei muss die meiste Energie für den Umformprozess (Dampf und elektrische Energie) aufgewendet werden (siehe Bio-Ethanol). Ähnlich wie durch die Haltung von Zugtieren und der Herstellung nachwachsender Rohstoffe ergibt sich eine gewisse Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln.
  • Die großen Erwartungen an eine Wasserstoffwirtschaft haben sich bislang nicht erfüllt. Flüssiger Wasserstoff ist schwierig zu lagern, benötigt im Verhältnis zum Energieinhalt extrem schwere Tanks, und hat nur 25% des Brennwerts von Benzin. Auch ist der Treibstoffwirkungsgrad von elektrolysiertem Wasserstoff nur bei 25 %. Das Energieäquivalent eines Fasses Erdöl, hergestellt aus Windstrom (9 Cent/kWh) als flüssigen Wasserstoff hätte einem Preis pro Fass von 304 $ und läge damit von den Herstellungskosten ähnlich wie der heutige Kundenpreis an der Tankstelle
  • In einer Methan / Methanolwirtschaft soll Methanol fossile Brennstoffe als sekundären Energieträger ersetzen. 2005 veröffentlichte Nobelpreisträger George A. Olah sein Buch "Beyond Oil and Gas: The Methanol Economy" in dem Chancen und Möglichkeiten der Methanolwirtschaft diskutiert werden. Er verzeichnet Argumente gegen die Wasserstoffwirtschaft und erläutert Möglichkeiten der Erzeugung des Methanols aus Kohlendioxid oder Methan. Die bestehende Treibstoffinfrastruktur kann dabei mitverwendet werden.

Globale einseitig technologiebasierte Szenarien werden auch kritisch betrachtet. Zum einen bestehe die Gefahr einer undemokratischen und den regionalen Unterschieden nicht angepassten technokratischen Utopie (wie etwa beim Atlantropa-Projekt). Des Weiteren würde die Relevanz von Rohstoffen, nicht nur des Öls, für historische und gesellschaftliche Zustände überschätzt. Die derzeitige Informationsgesellschaft benötigt dennoch mehr Stein, Bronze, Kohle und Stahl als in den jeweiligen Zeitaltern, die nach den Rohstoffen benannt wurden.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Themenseiten zum Ölfördermaximum
Wissenschaftliche Vorträge

[Bearbeiten] Filme und Radio

[Bearbeiten] Quellen

  1. W&F 2004-2 EU - Zivil- oder Militärmacht? Quo vadis Europa?von Andreas Zumach
  2. a b c d Ein zweifaches Hoch auf teures Öl, Leonardo Maugeri, in Foreign Affairs – März/April, 2006, deutsche Übersetzung des Artikels auf der BP Website
  3. http://www.markt-daten.de/chartbook/oel-benzin.htm Steueranteil am US Benzinpreis sinkt seit 1919
  4. Uncertainty about Future Oil Supply Makes It Important to Develop a Strategy for Addressing a Peak and Decline in Oil Production, Februar 2007 [1]
  5. a b c Angst vor der zweiten Halbzeit Die Zeit, Nr.17, 2006
  6. http://en.wikipedia.org/wiki/Hubbert_curve
  7. a b c d Spiegel-Gespräch: „Ein Teil des Gewinns ist unverdient“, Der Spiegel (24/2006), (englisch)
  8. Die drei Phasen der Ölgewinnung, Berliner Zeitung, 13. Juli 2006
  9. Produktionsprofil der Ölförderung LBST
  10. Zahlreiche Beispiele hierfür hat Matthew Simmons durch die Auswertung von mehr als 200 SPE Publikation zusammengetragen und hier zusammengestellt: Matthew Simmons, "Wenn der Wüste das Öl ausgeht", Finanzbuch Verlag, 2005, ISBN-13: 978-3-89879-227-1
  11. M. King Hubbert: "Nuclear Energy and the Fossil Fuels"
  12. a b c d e f g Maugeri, Leonardo (2004) Öl – Falscher Alarm. in: Science
  13. Das Problem der Neubewertung und der Rückdatierung
  14. Reserven, Ressourcen, Reichweiten – wie lange gibt es noch Öl und Gas?
  15. ASPO-Deutschland
  16. Kuwait’s biggest field starts to run out of oil in: AME 12. November 2005 [18. Februar 2006]
  17. Canales: Output will drop at Cantarell field, in: El Universal Online, 10. Februar 2006 [18. Februar 2006] (vgl. auch: Analysis: Mexico faces production decline in: UPI 15.02. 2006)
  18. M. Simmons, „Wenn der Wüste das Öl ausgeht. Der kommende Ölschock in Saudi-Arabien – Chancen und Risiken“, Finanzbuch-Verlag, 2006, ISBN 3-89879-227-7.
  19. World Energy Outlook 2004 – German Summary IEA
  20. ASPO (2007) Newsletter No.76, April 2007
  21. Energy Watch Group (2007): Crude Oil - The supply outlook online (PDF)
  22. nano Sendung vom 15.9.06, 3sat TV
  23. The Worlds Giant Oil Fields (PDF) Simmons&Company International
  24. Erneuerbare Energien haben volkswirtschaftlichen Nutzen in Milliardenhöhe, in: Informationskampagne für Erneuerbare Energien, 15. Februar 2006 [18. Februar 2006]
  25. spiegel.de: RÜCKLÄUFIGE FÖRDERMENGE: Russland geht das Öl aus
  26. http://www.reuters.com/article/hotStocksNews/idUSSYD32743200803