Österreichische Auflagenkontrolle

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Die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) ist ein auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhender Verein bestehend aus Werbeagenturen und Printmedien. Ziel ist es, vergleichbare, objektiv ermittelte Unterlagen über die Verbreitung von Printmedien und anderen Werbeträgern zu beschaffen, bereitzustellen und zu veröffentlichen. Aufgabe ist die Veröffentlichung und Prüfung der Auflagen von Printtiteln, jedoch nicht die Bewertung oder Beurteilung von Daten.

Die ÖAK bietet Informationen über die detaillierte Auflagenstruktur eines Printmediums. Sie liefert exakte Messzahlen auch für Medien, die nicht im Rahmen anderer Erhebungen wie der Österreichischen Media-Analyse erfasst werden. Mediale Entwicklungen können durch die halbjährliche Veröffentlichung der Auflagedaten rasch aufgegriffen werden. Als Zeichen für die Bereitschaft zu einem fairen Wettbewerb sind die ÖAK-Teilnehmer berechtigt das ÖAK-Logo zu führen.

Geschichte[Bearbeiten]

Von 1956 bis 1994 an wurden die Auflagenzahlen - nur die Druckauflage - durch den Verband österreichischer Zeitungsverleger (VÖZ) und den Zeitschriftenverband kontrolliert, im Rahmen der konstituierenden Generalversammlung im Jahr 1994 wurde die ÖAK gegründet. Gründungsmitglieder waren zehn Tageszeitungen, neun Wochenzeitungen, zehn Zeitschriften und Magazine und sechs Agenturen. Im Jahr 1994 gab es insgesamt 35 Mitglieder mit 29 Titel, die sich einer Prüfung durch die ÖAK unterzogen.

Im Jahr 2000 sind die Titel Neue Kronen Zeitung und Kurier der Österreichischen Auflagenkontrolle beigetreten. In der ÖAK-Reform 2003/2004 gab es eine Neuordnung des Verkaufs. Im Jahr 2007 begann nach dem Austritt der Mediaprint aus der ÖAK der Erneuerungsprozess. 2008 wurden die Richtlinien 6.0 beschlossen, dies führte zum Wiedereintritt der Verlagsgruppe News und der Mediaprint. Im Jahr 2013 fand eine Auflagenstrukturstraffung statt. Die ÖAK hat nach 20-jährigem Bestehen im Jahr 2014 insgesamt 134 Mitglieder mit 487 Titel.

Gremien[Bearbeiten]

Präsidentin des Vereins ist Sibylle Callagy, Vorsitzender des Beirats Mag. Silvia Lieb (Schlüssel Verlag J.S.Moser GmbH). Vizepräsidenten sind Raimund Jacoba (Wailand & Waldstein GmbH), Mag. Thomas Kralinger (Kurier) und Mag. Erwin Vaskovich (Vivaki Group Austria GmbH).

Verfahren[Bearbeiten]

Basis für die Erhebung der ÖAK-Auflagedaten sind die ÖAK-Richtlinien. Ziel der ÖAK ist es, die unterschiedlichen Vertriebswege differenziert darzustellen. Die ÖAK erfasst Tageszeitungen, Sonntags-/Feiertagszeitungen, Supplements, Wochenzeitungen und Magazine, Mitglieder- und Kundenzeitschriften, Fachzeitschriften, Gratiszeitungen sowie Jahrbücher.[1]

Die Verlage der teilnehmenden Medien melden der ÖAK halbjährlich ihre durchschnittlichen Auflagenzahlen. Jeder Titel wird einmal im Jahr einer Prüfung der Daten durch ein unabhängiges Wirtschaftsprüfungsinstitut unterzogen. 20 % der Titel werden für eine zweite Prüfung gelost. Geprüft werden die gemeldeten Zahlen. Nur nachweisbare Verbreitungen und Verkäufe dürfen in der ÖAK berücksichtigt werden. Nach abgeschlossener Prüfung gibt es einen Bericht über das Ergebnis der Prüfung. Dieser Bericht wird durch den Verlag unterfertigt und an die ÖAK-Geschäftsstelle übermittelt. Kommt es zu Abweichungen oder Interpretationsfragen mit dem Verlag, tagt der Prüfausschuss.

Erst nach Veröffentlichung der Daten werden diese durch das Wirtschaftsprüfungsinstitut geprüft. Werden Abweichungen zu den bereits veröffentlichten Daten festgestellt, werden die Korrekturen in der Korrekturliste veröffentlicht.

Reformen[Bearbeiten]

Nach einem ca. ein Jahr dauernden Ernerungsprozess sind per 2008 neue Richtlinien in Kraft getreten. Die markantesten Änderungen sind der Wegfall der Summe Verbreitete Auflage, bei der Verkauften Auflage gibt es eine Differenzierung in Anteil Großverkauf 17,5 % oder 35 %, beim Großverkauf gibt es eine getrennte Vertriebs- und Erlösaufteilung, bei den Meldekategorien wird eine Trennung von Kauf- und Gratiszeitungen eingeführt, ebenso ist der Zielgruppenversand neu. Beim Gratisvertrieb wird in adressiert, unadressiert, Gratisentnahme und Gratisverteilung unterteilt.

Durch diese Reform soll der werbenden Wirtschaft ein qualitativ differenziertes Bild vermittelt werden, ob der jeweilige Leser für die Inhalte bezahlt, oder sie als Geschenk bekommt. Damit soll dem willkürlichen Erhöhen von Auflagezahlen durch Verteil-Aktionen Einhalt geboten werden. Weiters wurde der Erscheinungsrhythmus der Zahlen von viertel- auf halbjährlich umgestellt.

Im Jahr 2013 gibt es eine Auflagenstrukturstraffung. Summe Direktverkauf, Summe Großverkauf, Zielgruppenversand und Gratisvertrieb unadressiert an Haushalte und Gratisverteilung fallen weg. Neu ist die eigene Auflagenkategorie Vertrieb aus Remissionen und Verbreitete Auflage. Bord-, Lesezirkel und Hotelexemplare sind nicht mehr in der Verkauften Auflage enthalten, jedoch in der Verbreiteten Auflage, die Verwendung des Begriffes 'Verkaufte Auflage hiervon Großverkauf max. 35 %' wird eingeführt.

Definitionen[Bearbeiten]

Die ÖAK unterscheidet ferner zwischen:

  • Druckauflage - Stückanzahl der gedruckten Exemplare abzüglich der Druckmakulatur
  • Einzelverkauf - Exemplare, die zu einem Preis von nicht weniger als 30 % des regulären Verkaufspreises an Endbezieher verkauft werden, wobei es drei Erlösgruppen gibt.
  • Abonnierte Exemplare - alle Exemplare, die zu einem Abonnementpreis von nicht weniger als 30 % des regulären Abopreises an feste Einzelbezieher (max. 5 Exemplare je Zahler) geliefert werden, Unterscheidung in drei Erlösgruppen. Zugaben, Prämien, Naturalrabatte werden Rabatten gleichgestellt.
  • Großverkauf adressiert bzw. unadressiert - Für die Abgrenzung adressiert bzw. unadressiert gilt die Grenze von fünf Exemplaren je Lieferadresse
  • Gratisvertrieb - alle Gratis vertriebenen Exemplare, gestaffelt nach Untergruppen (Gratis adressiert, Gratisentnahme, Sonstiger Gratisvertrieb)
  • Verbreitete Auflage - Druckauflage minus Auslands- minus Restauflage

Kritik[Bearbeiten]

Ein Hauptkritikpunkt, der gegen die Glaubwürdigkeit und Aussagekraft der ÖAK-Daten bis 2007 vorgebracht wurde, ist die mangelnde Bereitschaft österreichischer Medien, an ihr teilzunehmen. Das macht sich vor allem am Markt der Wochenzeitungen bemerkbar. Da die gesamte NEWS-Gruppe inklusive Profil und Trend aufgrund von Streitigkeiten bezüglich der Prüfung nicht mehr Mitglied bei der ÖAK waren, wurden diese Titel nicht gelistet. Damit war eine Vergleichbarkeit für die Werbewirtschaft nicht gegeben. Im März 2007 kündigte die Mediaprint (vertreibt u.a. Kronen-Zeitung und Kurier) an, aus der ÖAK auszusteigen und eine neue Auflagenkontrollorganisation aufzubauen.[2] Nach dem Austritt der Mediaprint im Frühjahr 2007, wurde ein Erneuerungsprozess innerhalb der ÖAK gestartet, dieser konnte nach monatelangen Verhandlungen 2008 erfolgreich abgeschlossen werden und die Verlagsgruppe NEWS sowie auch die Mediaprint kehrten wieder in die ÖAK zurück. Die beiden Verlagshäuser weisen somit ihre Zahlen wieder in der ÖAK aus.[3]

IFABC[Bearbeiten]

Die International Federation of Audit Bureaux of Circulations ist der internationale Dachverband der nationalen Auflagen-Kontroll-Institutionen. Die ÖAK wurde unmittelbar nach ihrer Gründung in die IFABC aufgenommen. Ziel der IFABC ist die Weiterentwicklung der Kontrollmechanismen für die Auflagenkontrolle und der internationale Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern. In zweijährigem Rhythmus tritt die Generalversammlung zusammen. Zusätzlich treffen sich das europäische und das asiatisch- pazifische Chapter der IFABC zu jährlichen Meetings. Präsident der IFABC ist Jerry Wright (ABC UK & Ireland).

Seit dem Jahr 2004 werden die administrativen Agenden der IFABC von dem in Malaysia befindlichen Sekretariat betreut. Dieses IFABC-Büro stellt die erste Anlaufstation für IFABC-Mitglieder dar und steht für Anfragen natürlich auch den ÖAK-Mitgliedern jederzeit zur Verfügung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auflagenliste. ÖAK. Abgerufen am 21. August 2014.
  2. ÖAK massiv geschwächt. NEWS ORF.at. Abgerufen am 9. Mai 2011.
  3. Die ÖAK für das 1. Halbjahr 2008 ist erschienen. Horizontonline. Abgerufen am 20. August 2008.