Österreichische Energiewirtschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Österreichische Energiewirtschaft versteht man den Energieverbrauch, die Energieumwandlung, den Energiehandel sowie Abbau von und Reserven an Energieträgern, welche für die Republik Österreich von Bedeutung sind.

Nach Angaben des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betrug der Bruttoinlandsverbrauch im Jahre 2010 genau 404.906 GWh oder 1.458 Petajoule wovon rund 502 PJ im Inland erzeugt wurden. Der Anteil erneuerbarer Energie am Bruttoinlandsverbrauch beträgt 30,8%. [1]

Österreich ist auf den Import von Energie und Energieträgern angewiesen, vor allem bedarf es zum Betrieb fast aller Verbrennungskraftmaschinen Erdgas und Erdöl. Im internationalen Energiehandel kommt dem Land innerhalb Europas eine bedeutende Rolle als Transitland zu, da ein großer Teil der Importe Westeuropas aus dem Nahen Osten, der Kaukasus-Region und Russland Österreich durchqueren, insbesondere durch die Transalpine Ölleitung und die geplante Nabucco-Pipeline.

Im Jahr 2008 erreichte die inländische Erdgasgewinnung ein Volumen von rund 1,54 Milliarden Kubikmetern und die Erdölförderung eine Masse von rund 862.000 Tonnen.[2] Mit diesen Fördermengen kann Österreich seinen Bedarf an Erdöl zu 11 % sowie an Erdgas zu 13 % decken.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Eine große Rolle spielte das Erdöl. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurde umgehend die Erdölaufsuchung und -förderung intensiviert, wodurch die Erdölförderung in den Jahren des Zweiten Weltkriegs auf ein in Österreich seither nicht mehr da gewesenes Ausmaß zunahm. Zu dieser Zeit gab es diverse Kleinraffinerien wie die in Korneuburg[4][5] oder auch die Raffinerie Vösendorf. Erst 1961 wurde die OMV-Großraffinerie in Schwechat errichtet. Auch in der Besatzungszeit nach dem Krieg durch die Alliierten Großmächte wurde heimisches Erdöl zum Politikum, da die Sowjetunion die großteils in ihrer Zone befindlichen Erdölvorkommen auch für die Zeit nach der Besatzung der sowjetischen Wirtschaft eingliedern wollte.

Energieverbrauch[Bearbeiten]

Hauptartikel: Energieverbrauch (Österreich)

Anteil der Energieträger am Bruttoinlandsverbrauch (inkl. Importe) von 1974 bis 2006 [6]

Der gesamte Energieverbrauch in Österreich betrug 2011 1427 PJ (396.474 GWh) und war damit um 3,3 % niedriger als im Jahr 2010.[7]

Der Energiemix des gesamten Energieverbrauchs setzte sich wie folgt zusammen:

Energiemix des gesamten Energieverbrauchs
Energieträger Anteil
2010[8] 2011[7]
Erdöl 37 % 35,9 %
Erdgas 24,5 % 23,3 %
Kohle 9,7 % 10,2 %
Holz und brennbare Abfälle 6,4 % 6,7 %
Biogene Brenn– und Treibstoffe 10,9 % 11,8 %
Wasserkraft 9,5 % 8,6 %
andere Erneuerbare 1,4 % 1,5 %
Elektrische Energie Importüberschuss 0,6 % 2,1 %

Die inländische Erzeugung (35,7% des Gesamtverbrauchs) setzte sich 2009 wie folgt zusammen[9]:

  • 43,3 % erneuerbare Energien (vor allem Biomasse), ohne Wasserkraft
  • 30 % Wasserkraft
  • 12,6 % Erdgas
  • 9,3 % Erdöl
  • 0 % Kohle (Kohleförderung wurde 2005 eingestellt)
  • 4,8% Abfälle

Der Anteil erneuerbarer Energien im Bereich der inländischen Energieerzeugung betrug 2009 73,3%.

Im Zeitraum 1970 bis 2004 hat sich der österreichische Energieverbrauch (im Verkehr, zur Stromerzeugung, zur Wärmeerzeugung...) beinahe verdoppelt. Der Erdgasverbrauch hat sich im selben Zeitraum vervierfacht, jener von elektrischer Energie fast verdreifacht. Erneuerbare Energie stieg um 157 % und Öl um 62 %. Nach einem Verbrauchsrückgang in den 1980ern und einer Stagnation bis Anfang der 1990er stieg der Ölverbrauch seit 1973 vor allem aufgrund des starken Anstiegs um die Jahrtausendwende noch um rund 30 %. Dagegen ging der Kohleverbrauch um 74% zurück.[10]

2004 betrug der Anteil russischen Erdgases in der österreichischen Versorgung 58,6 %. Knapp ein Fünftel (19,7 %) konnte Österreich selbst fördern, 12,6 % stammten aus Deutschland, und die restlichen 9,1 % wurden aus Norwegen importiert. Im Falle eines Lieferausfalls von ausländischem Erdgas kann Österreich laut Angaben der OMV und RAG die Gasversorgung für 2-3 Monate durch eigene Erdgasspeicher sicherstellen.

Der energetische Endverbrauch – der Inlandsstromverbrauch – betrug 2003 59.354 Gigawattstunden (GWh). Dieser war um 5,3 Terawattstunden (TWh) oder rund 10 % höher als noch 2002, was nach einem 7,1 %-igen Anstieg von 2000 auf 2001 den zweitgrößten Anstieg innerhalb eines Jahres ausmachte. Dies ist fast ausschließlich auf Verbrauchsanstiege im produzierenden Wirtschaftssektor zurückzuführen, der im Vergleich zu 1970 allerdings immer noch um 23 % weniger Anteil am gesamten Stromverbrauch Österreichs hat, da der Verbrauch in der Industrie nicht so stark anstieg, wie der Verbrauch in Privathaushalten und Dienstleistungsunternehmen.

Unternehmen[Bearbeiten]

Der österreichische Strommarkt ist sehr stark durch die mehrheitlich im öffentlichen Besitz befindlichen Stromversorger geprägt. Jedes Bundesland verfügt über ein eigenes Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die seit mehreren Jahren durch gegenseitige Beteiligungen mittels Allianzen (zB. EnergieAllianz) auch untereinander immer stärker verflochten wurden. Dazu kommen noch der börsennotierte Betreiber der Donaukraftwerke, die österreichweit tätige Verbund AG, sowie zahlreiche Kleinkraftwerke und mehrere Privatunternehmen, die jedoch noch über wenig Marktanteil verfügen, da der österreichische Strommarkt erst vor wenigen Jahren liberalisiert, und somit für private Mitbewerber geöffnet wurde. Zur Überwachung und Förderung des Wettbewerbes am Strommarkt wurde die Aufsichtsbehörde E-Control gegründet. Seit einigen Jahren ist unter den Stromversorgern das Cross-Border-Leasing sehr beliebt. Hierbei werden Kraftwerke und Leitungsnetze an eine US-amerikanische Finanzgesellschaft verkauft und für mehrere Jahrzehnte zurückgeleast. Am Schluss solch eines Vertrages steht die Rückkaufoption. Sinn dahinter ist, dass beide Vertragspartner von amerikanischen Steuergesetzen und Unternehmensförderungsprogrammen profitieren, die nur dann tragend werden, wenn im US-Ausland investiert wird. Angewandt wird diese Geschäftspraktik bekannterweise von der Linz AG, der Energie AG, der BEWAG und BEGAS, der Verbund AG und auch von der TIWAG, die dies lange Zeit jedoch abstritt und gegen solche Behauptungen klagte, die Klagen jedoch in allen Instanzen verlor.[11]

Die landeseigenen Stromversorger sind (in Klammer die Besitzverhältnisse):

Im Bereich der Erdöl- und Erdgasförderung sind in Österreich zwei Unternehmen tätig. Die OMV (Österreichische Mineralölverwaltung) und die RAG (Rohöl-Aufsuchungs AG).

Organisation der Elektrizitätswirtschaft[Bearbeiten]

Österreich besteht seit 1. Jänner 2012 nur aus der Regelzone APG (Austrian Power Grid, ein Tochterunternehmen der Verbund AG), in der die vormals drei Regelzonen Österreichs zusammengeschlossen sind. Bis 31. Dezember 2011 gehörte Vorarlberg zur Regelzone VKW-Netz, bis 31. Dezember 2010 gehörte das Bundesland Tirol zur Regelzone "TIWAG Netz". Beide Regelzonen wurden mittlerweile in die Regelzone APG integriert. Wirtschaftlich gesehen sind die Lieferanten in Bilanzgruppen organisiert. Die APCS ist der Bilanzgruppenkoordinator für die Regelzone APG. Für die Regelzonen VKW und TIWAG war die Firma A & B zuständig (bis Februar 2012 für die Regelzone TIWAG und bis Februar 2013 für die Regelzone VKW, da in diesen Monaten jeweils das letzte zweite Clearing für Dezember 2010 bzw. Dezember 2011 durchgeführt wird bzw. wurde).

Umwandlung[Bearbeiten]

Stromerzeugung[Bearbeiten]

Aufgliederung der österreichischen Stromproduktion von 1918 bis 2010.[12]

Zwischen 40 und 50 % der österreichischen Stromerzeugung können aus Laufkraftwerken, weitere rund 20 % aus Speicherkraftwerken gedeckt werden (gesamt 64,1 TWh jährlich). Rund 8 % davon tragen Kleinstwasserkraftwerke bei. Der größte Wasserkraftwerksbetreiber ist die Verbund Hydro Power AG. Gegenwärtig existieren 552 Laufkraftwerke, die größten davon, die rund 75 % zur Stromerzeugung durch Laufkraftwerke beitragen, befinden sich an der Donau und an der Drau. 102 Speicherkraftwerke dominieren die Stromerzeugung im hochalpinen Raum in Zentral- und Westösterreich, und tragen aufgrund der größeren Erzeugungsschwankungen auch wesentlich zu den heimischen Stromexporten bei. Pumpspeicherkraftwerke, die von einigen Quellen nicht den erneuerbaren Energien zugerechnet werden, weil sie zum Hochpumpen auch elektrischen Strom aus nicht erneuerbaren Energieträgern verwenden, produzierten im Jahr 2004 rund 2,5 TWh Strom (3,9% der Gesamtenergieerzeugung). Insgesamt wurde in diesem Zeitraum durch Wasserkraft 60,7% der in Österreich erzeugten elektrischen Energie generiert.[13]

Stein- und Braunkohlekraftwerke produzieren weitere 12 % des heimischen Stromverbrauchs, Heizöl trägt 2 % bei. Erdgas trägt je nach Schwankungen in der Stromproduktion der Laufkraftwerke rund 15 bis 20 % zur heimischen Stromerzeugung bei. Sonstige biogene Energieträger (Ökostrom) trugen 2003 knapp mehr als 1 % zur Stromerzeugung bei.

Die thermischen Kraftwerke (hauptsächlich Gas) werden zur Abdeckung der Spitzenleistung verwendet. Auf Grund des Atomsperrgesetzes sind in Österreich keine Kernkraftwerke in Betrieb.

Österreichischer Strommix[Bearbeiten]

Der nationale Strommix setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

Durchschnittlicher Strommix Österreich
Energieträger Anteil
2010[14] 2012[15]
Bekannte erneuerbare Energieträger 67,40 % 74,53 %
Bekannte fossile Energieträger 17,60 % 17,91 %
Bekannte sonstige Primärenergieträger 0,30 % 0,31 %
Strom aus unbekannter Herkunft, ENTSO-E 14,70 % 7,25 %

Der Stromanteil unbekannter Herkunft setzt sich aus folgenden Posten zusammen:

Stromanteil unbekannter Herkunft
Energieträger Anteil
2010[14] 2012[15]
Wasserkraft 16,94 % 16,76 %
Fossile Brennstoffe 48,92 % 46,14 %
Nuklearenergie 26,61 % 25,80 %
Sonstige erneuerbare Energieträger 7,21 % 10,95 %
Sonstige Primärenergieträger 0,32 % 0,35 %

Damit ergibt sich näherungsweise folgende detaillierte Auflistung des österreichischen Strommixes:

Detaillierter österreichischer Strommix (Näherungswerte)
Energieträger Anteil
2010[14] 2012[15]
Wasserkraft 61,29 % 65,26 %
Feste oder flüssige Biomasse 3,90 % 3,76 %
Windenergie 3,60 % 4,29 %
Sonnenenergie 0,19 %
Biogas 0,96 %
Deponie- und Klärgas 0,06 %
sonstige Ökoenergie 2,16 % 0,00 %
Erdgas 14,10 % 13,22 %
Erdöl und dessen Produkte 0,30 % 0,04 %
Kohle 3,20 % 4,66 %
Bekannte sonstige Energieträger 0,30 % 0,31 %
rechn. Zuordnung fossile Energieträger 7,19 % 4,63 %
rechn. Zuordnung Nuklearenergie 3,91 % 2,59 %
rechn. Zuordnung Primärenergieträger 0,05 % 0,03 %

Ökostromanlagen[Bearbeiten]

Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Österreich 2003 bis 2010

Im Jahr 2007 stammten insgesamt 56 % der in Österreich erzeugten elektrischen Energie aus Wasserkraft, 5 % aus Windkraft und 4 % aus Biomasse. Rund 35 % stammen aus fossilen Energiequellen.[16] Europaweit erzielen lediglich Island und Norwegen höhere Werte.[17]

Laut einer genaueren Aufschlüsselung aus dem Jahr 2003 kommen rund 40 bis 50 % der Energie aus Laufkraftwerken, weitere rund 20 % aus Speicherkraftwerken (gesamt 64,1 TWh jährlich bzw. 230,76 PJ) und 8 % aus Kleinwasserkraftwerken. Sonstige biogene Energieträger steuerten etwas mehr als 1 % bei. Der Rest entfiel auf Erdgas (je nach Schwankungen in der Stromproduktion der Laufkraftwerke zwischen 15 bis 20 %), Stein- und Braunkohlekraftwerke (12 %) und Heizöl (2%).[18] Die thermischen Kraftwerke (hauptsächlich Gas) werden zur Abdeckung der Spitzenleistung verwendet. Auf Grund des Atomsperrgesetzes gibt es in Österreich keine Kernkraftwerke.

In den letzten Jahren nahm der Ökostromanteil in Österreich jedoch ab und auch in Zukunft sollen laut Plänen der österreichischen Elektrizitätswirtschaft vor allem neue Gas- und Dampfkraftwerke gebaut werden. Der Anteil geplanter neuer Wasser- und Müllverbrennungsanlagen ist mit 1300 MW geplanter Leistung relativ gering.[19] Damit zählt Österreich zu den Schlusslichtern was die Umsetzung der Richtlinie 2001/77/EG betrifft.[20] Die EU hat in der Richtlinie 2001/77/EG für jedes Land Ziele für den Anteil an erneuerbaren Energien am (Brutto-)Stromverbrauch festgeschrieben. Für Österreich wurde ein Ziel von 78,1% festgeschrieben. Bei der Festlegung des Zieles im Jahr 1997 betrug der Gesamtverbrauch an Strom 56,1 TWh und davon hatte die Stromerzeugung durch Wasserkraft einen Anteil von 37 TWh (66%). Für das Jahr 2010 wird der Stromverbrauch 74,6 TWh betragen und der Anteil des Ökostroms liegt dann bei 45,4 TWh (E-Control). In Österreich wird das Ziel als erreicht dargestellt, weil man die anvisierten 45,4 TWh auf die im Jahr 1997 erzeugten 56,1 TWh bezieht. Tatsächlich liegt der Anteil 2010 aber bei 61%, d.h. der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Stromverbrauch liegt unter dem im Jahr 1997. Folgerichtig hat die EU-Kommission 2007 Österreich – zum wiederholten Male - zu den Schlusslichtern der EU gezählt.[21]

Am 24. April 2009 hat die EU-Kommission den neuen Fortschrittsbericht vorgelegt. Mit 16,5% Zielverfehlung ist Österreich nun europäisches Schlusslicht. Der anvisierte Zielwert von 78,1% Ökostromanteil wurde 2010 daher nicht mehr erreicht. Österreich droht daher ein Vertragsverletzungsverfahren.[22] Insbesondere in der Solarstromerzeugung hinkt Österreich den anderen europäischen Ländern nach. Während in Deutschland 5300 MWp Photovoltaik-Leistung installiert sind, sind es in Österreich nur knapp 30 MWp. Die im Jahr 2008 in Deutschland erzeugte Menge an Solarstrom entspricht ungefähr dem Strombedarf im Bundesland Salzburg (4,3 Milliarden kWh). [23] [24]

EU-Staaten mit klar definierten Ausbauzielen wie zum Beispiel Deutschland, weisen die stärksten Zuwachsraten an Ökostrom auf. Ein Beispiel hierfür ist die deutsche Ausbaustrategie für erneuerbare Energie. Diese Strategie schreibt in 5-Jahresperioden bis 2050 die Zuwachsziele je Energieträger fest (Wind, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie). [25] Eine entsprechende österreichische Ausbaustrategie für alle erneuerbaren Energieträger wie zum Beispiel in Deutschland liegt nicht vor.

Fernwärme[Bearbeiten]

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) machen Abwärme bei der Verbrennung von Energieträgern als Fernwärme nutzbar. Die Stromerzeugung wird hierbei nur minimal verringert, wodurch der Wirkungsgrad insgesamt steigt. 52 % dieser Anlagen befinden sich in Gaskraftwerken, 15 % in Anlagen zur Verbrennung von Erdöl, Anlagen zur Verbrennung von biogenen Brennstoffen machten 21 % der Fernwärmeproduktion aus, und für 6 % sind brennbare Abfälle verantwortlich. Braun- und Steinkohlekraftwerke tragen 6 % zur Fernwärmeproduktion bei. Fernwärme aus KWK-fähigen-Anlagen stammt zu einem Prozent auch aus der Verbrennung von Industrie- und Stadtabfällen, wie zB. aus der Anlage der Entsorgungsbetriebe Simmering die der Hauptkläranlage Wien angeschlossen ist.

Das Fernwärmeleitungsnetz war 2003 rund 3.430 km lang und wird weiterhin ausgebaut. 16,6 % aller Haushalte in Österreich, oder rund 549.000, wurden 2003 mit Fernwärme versorgt.

Transport / Handel[Bearbeiten]

Energieimporte und -exporte - sowohl in Form von elektrischer Energie als auch Energieträgern wie Öl - nehmen stetig zu, wobei die Energieimporte in einem Ausmaß von umgerechnet knapp 1.100 Petajoule (Pj) über 7 mal so viel ausmachen, wie die Energieexporte von 150 Pj (2003). Kann der elektrische Energiebedarf zum größten Teil aus Eigenproduktion gedeckt werden, ergibt sich in der Gesamtbilanz eine Abhängigkeit von 69 % von Energieimporten.

Im Jahr 2003 machten 39,4 % der Energieexporte Erdölprodukte (hauptsächlich Diesel und Benzin, Rohöl nur minimal) aus, 31,4 % Strom, sowie 5,1 % erneuerbare Energieträger. Das erstmals im Jahr 2000 exportierte Erdgas machte bereits 24,1 % der Energieexporte aus.

Die Energieimporte setzten sich zu 55 % aus Erdöl (davon zu 60 % aus OPEC-Ländern), zu 25,8 % aus Erdgas, zu 12,5 % aus Kohle, zu 6,1 % aus elektrischer Energie und zu 0,6 % aus erneuerbaren Energieträgern zusammen.

2003 wurden somit 6,46 Mrd. Euro für Energieimporte aufgewendet, während durch Energieexporte 2 Mrd. Euro erlöst werden konnten, wovon entgegen der mengenmäßigen Aufteilung der Exporte rund 75 % des Erlöses aus dem Stromexport stammt. Als einziger Energieträger ging der Verbrauch bei Kohle zurück, um rund ein Drittel.

Strom[Bearbeiten]

Elektrische Energie wird in einem 10.000 km langen Stromleitungsnetz mit den unterschiedlichen Spannungen 380 kV, 220 kV und 110 kV transportiert. Die Weiterverteilung zum Endverbraucher erfolgt über Mittel- (6 kV bis 36 kV) und Niederspannungsnetze mit üblicherweise 230 V/400 V. Österreich ist durch die Anbindung an ausländische Stromnetze Teil des europäischen ENTSO-E-Netzes.

Stromexporte erfolgen vor allem von Westösterreich nach Deutschland. Dort wird Spitzenstrom im Verhältnis 1:4 (1 kW Spitzenlast für 4 kW Grundlast) mit Bayern und Baden-Württemberg ausgetauscht. Durch diesen Stromaustausch gelangt auch Atomstrom nach Österreich und wird unter anderem in Pumpspeicherkraftwerken zum Ausgleich der Spitzenlast verwendet. Die Exportmengen nach Deutschland bleiben seit einigen Jahrzehnten mit Schwankungen in etwa auf dem gleichen Niveau. Besonders seit 1990 steigt der Stromexport in die Schweiz stark an und hat statt mit weniger als 10 % mit knapp 36 % im Jahr 2012 Deutschland (28 %) überholt. Die Exporte nach Slowenien (2012: 20 %) und Ungarn (2012: 11 %) zeigen ebenfalls einen Aufwärtstrend, während die Exporte nach Italien (2012: 5 %) weitgehend konstant sind. Insgesamt wurde 2012 elektrische Energie im Ausmaß von 22.622 GWh exportiert.

Stromimporte stammen traditionell zum Großteil aus Tschechien (40 % mit Stand 2012) und Deutschland (58 %), wobei diese höher sind als die Exporte. Insgesamt betrugen die Importe 2012 25.989 GWh.

Außenhandel[Bearbeiten]

Stromaußenhandel Österreich (GWh)[26]
Land 2005 2010 2012
Import Export Import Export Import Export
Deutschland 15.371 6.995 14.705 6.750 15.086 6.338
Italien 2 1.497 2 1.328 21 1.145
Schweiz 211 9.119 53 7.915 127 8.063
Slowenien 533 1.341 584 2.011 111 4.596
Tschechien 6.114 12 6.545 252 10.309 51
Ungarn 857 809 641 1.014 335 2.429
Summe 23.088 19.773 22.530 19.270 25.989 22.622
Nettoimport 3.315 3.260 3.367

Erdöl[Bearbeiten]

Die Erdölimporte erfolgen über die Transalpine Ölleitung (TAL), die im Hafen von Triest ihren Ausgang hat und durch Kärnten und Tirol bei Kufstein Deutschland erreicht. Kurz nach der italienisch-österreichischen Grenze bei Arnoldstein zweigt von ihr in Würmlach, bei Kötschach-Mauthen, wo sich auch ein Tanklager befindet, die Adria-Wien Pipeline (AWP) ab, welche zur Raffinerie Schwechat führt, der einzigen Raffinerie Österreichs. Nahezu die gesamten Erdölimporte erfolgen auf diese Weise - nur tschechisches und slowakisches Öl gelangen mit Tankwägen nach Österreich.

In Planung ist der Bau einer Rohölpipeline zwischen Bratislava (Slowakei) und der Raffinerie Schwechat, den die OMV und der slowakische Pipelinebetreiber Transpetrol (100% im slowakischen Staatsbesitz) im Dezember 2003 fixiert haben. Die 60 km lange Bratislava-Schwechat-Pipeline (BSP) ist mit einer Gesamtkapazität von 2,5 Mio. Tonnen pro Jahr geplant. Bei sofortigem Baubeginn (Stand 2009) könnte sie 2011/2012 in Betrieb genommen werden. Durch den Anschluss an das bestehende rund 3000 Kilometer lange russische Pipelinenetz (Druzhba) wird diese Leitung den direkten Import von russischem Rohöl in die Raffinerie Schwechat ermöglichen.[27]

Die Gesamtlänge der Erdölpipelines in Österreich beträgt 663 Kilometer.

Die wichtigsten Rohöllieferanten waren 2011 (alle Zahlen gerundet): Kasachstan (2,1 Mio. t.), Nigeria (1,2 Mio. t), Russland (1,2 Mio. t), Saudi-Arabien (800.000 t), Irak (800.000 t), Libyen (800.000 t, 2010 noch 1,6 Mio. t), Algerien (200.000 t) und Syrien (200.000 t).[28]

Erdgas[Bearbeiten]

Die Erdgas-Hochdruckleitung Linz - Bad Leonfelden am Linzer Hafen.

Erdgasimporte erfolgten mit Stand 2003 zu 74,4 % aus der GUS, was zur Gänze von der OMV abgewickelt wird. 12,4 % stammten aus Norwegen und 13,2 % aus Deutschland, wobei hier die OMV mit der Austria Ferngas GmbH zusammenarbeitet. Seit 1968 existiert ein Erdgasliefervertrag mit Russland. Österreich war somit das erste Land außerhalb der COMECON mit welchem die damalige Sowjetunion einen solchen Vertrag abschloss. Zuständig für den Export ist hierbei die Gasexport, eine Tochtergesellschaft der Gazprom. Seit 1986 existiert ein Vertrag der OMV und der Austria Ferngas GmbH mit dem norwegischen Troll-Konsortium. Die deutschen Importverträge wurden von den österreichischen Landesgesellschaften (Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich) mit der Ruhrgas abgeschlossen. Seit 1970 erhöhte sich der gesamte Erdgasimport Österreichs von 1 Mio. m³ auf 8 Mio. m³ per 2003.

Durch Österreich verlaufen mehrere große Erdgaspipelines (siehe Grafik; PDF; 327 kB):

  • Trans-Austria-Gasleitung (TAG): durchquert Österreich von Baumgarten an der March, was direkt an der slowakischen Grenze liegt und einen Verteilungspunkt für das aus Osteuropa kommende Gas darstellt, Richtung Südwesten bis zur italienischen Grenze und stellt eine Verbindung zwischen Triest, Süditalien und Afrika im Süden, sowie der Ukraine und Russland im Osten her.
  • West-Austria-Gasleitung (WAG): beginnt ebenfalls an der slowakischen Grenze bei Baumgarten an der March, verläuft aber über das Wald- und Mühlviertel Richtung Westen, wo sie Rainbach bei Freistadt durchquert und in Oberkappel die Grenze nach Deutschland passiert.
  • Hungaria-Austria-Gasleitung (HAG): Verläuft von Baumgarten über das nördliche Burgenland nach Ungarn.
  • Südost-Leitung (SOL): Verläuft von Graz über Murfeld nach Slowenien.
  • Penta West (PW): verläuft von Oberkappel (Anschluss an die WAG) durch das oberösterreichische Innviertel nach Burghausen in Bayern.
  • eine weitere Pipeline verbindet die Erdgasfelder und -speicher von Auersthal und Tallesbrunn bzw. die Transferstation Baumgarten mittels einer südlich der Donau verlaufenden Strecke über Tulln und Amstetten mit Linz, wo die Leitung in das Netz der Oberösterreich Ferngas einmündet.
  • Tirol-Italien-Bayern-Anbindungsleitung (TIBAL): Diese in Planung befindliche Leitung soll von Burghausen nach Kufstein geführt werden, wo Anschluss an das bestehende Tiroler Leitungsnetz erfolgen soll, und in weiterem Verlauf Richtung Süden durch Osttirol nach Italien geführt werden.

Der Knotenpunkt für die wichtigsten Erdgaspipelines in Österreich ist das niederösterreichische Baumgarten an der March, wo seit 1959, als die Förderstelle Zwerndorf erschlossen wurde, aus Osten (hauptsächlich Russland) stammendes Erdgas für den Inlandsverbrauch sowie nach Italien, Slowenien, Kroatien, Deutschland, Frankreich und Ungarn abgezweigt wird. Die Gesamtlänge der Erdgaspipelines in Österreich beträgt 2.722 Kilometer. Gemeinsam von OMV und Gazprom werden die Speicher in der Nähe von Baumgarten stark erweitert, wodurch die Gazprom direkt in das Endkundengeschäft in Westeuropa einsteigen möchte.[29]

Abbau und Reserven[Bearbeiten]

Erdöl und Erdgas[Bearbeiten]

In der Erdöl- und Naturgasgewinnung (Erdgas, Erdölgas) sind in Österreich zwei Unternehmen tätig. Die OMV Aktiengesellschaft (OMV) und die Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) beschäftigen rund 900 Personen, wobei jedoch mittlerweile ein Großteil der Bohrtätigkeit und Sondenwartung an Subunternehmer vergeben wird. Die Erdölförderung betrug 2006 945 Tsd. t, nach 933 Tsd. t im Vorjahr. Die leichte Steigerung kam durch einen größeren Ölfund in Oberösterreich sowie durch produktionssteigernde Maßnahmen auf den Ölfeldern in Niederösterreich zustande. Noch 1970 wurden rund 3 Mio. t Erdöl gefördert und 1955 wurde der Förderrekord mit 3,67 Mio. t erreicht.

Die Erdgasförderung nahm seit einem Tief 1986 jährlich zu, da seither regelmäßig neue Erdgaslagerstätten in Niederösterreich und in der Molassezone Oberösterreichs und Salzburgs erschlossen werden. Seit einem Höhepunkt 2003 mit 2.030 Mrd. m³ ist die Erdgasgewinnung jedoch wieder rückläufig. Die Förderung betrug 2006 1.511 Mrd. m³ (inklusive Begleitgas aus der Erdölproduktion 1.765 Mrd. m³).

90 % der Erdölförderung 2006 stammten von der OMV, die restlichen 10 % von der RAG. Bei Erdgas stammten 2006 71 % von der OMV und 29 % von der RAG.

Öltanks der OMV in der Lobau

Aufgrund jährlicher Neufunde bleibt die Höhe der bekannten Erdölreserven in Österreich seit 1995 relativ konstant. Bekannt sind mit Stand 2003 Vorkommen von 12 Mio. t, was bei derzeitiger Fördermenge von rund 1 Mio. t jährlich für rund 12 Jahre reichen würde, also bis 2015, sollten keine weiteren Funde gemacht werden, wovon aber nicht ausgegangen wird. Im Spätherbst 2007 soll mit der Förderung eines 1,5 Mrd. Kubikmeter großen Erdgasvorkommens in Ebenthal begonnen werden. Nur wenige Kilometer davon entfernt, in Strasshof, soll ab dem ersten Quartal 2008 eine vier Milliarden Kubikmeter große Erdgasquelle genutzt werden. Beide Vorkommen sind Teil des größten zusammenhängenden Erdöl- und Erdgasvorkommens Mitteleuropas, dem 1949 entdeckten Matzen-Feld, nordöstlich von Wien.[30]

Lagerstätten[Bearbeiten]

Aufgrund gesetzlicher Vorschriften müssen Erdöläquivalente in einer bestimmten Höhe vorrätig gelagert werden. Dies übernimmt neben der OMV und der RAG auch die ELG (Erdöl-Lagergesellschaft) und Erdölimporteure die Pflichtnotstandsreserven halten müssen. In Summe ergab dies 2003 eine Lagerhaltung von 1,86 Mio. t Erdöläquivalenten.

Um saisonale Preis- und Verbrauchsschwankungen beim Erdgas auszugleichen, wird Erdgas zunehmend in Untergrundspeichern eingelagert, wobei Österreich bezüglich des Anteils des eingelagerten Jahresbedarfs eine Spitzenstellung in Europa einnimmt. Als Speicher werden ausgeförderte Erdgaslagerstätten genutzt. 2008 konnten in den fünf in Betrieb stehenden Speichern rund 4 Mrd. m³ Erdgas eingelagert werden, was über 40 % des Jahresbedarfs entspricht.

Die OMV betreibt Untergrundspeicher in Schönkirchen-Reyersdorf (1,57 Mrd. m³), Tallesbrunn (300 Mio. m³) und Thann bei Steyr (250 Mio. m³). Die zentrale Überwachungsstation für Erdgastransport und -lagerung befindet sich in Auersthal. Der Speicher Schönkirchen-Tief mit rund 2 Mrd. m³ Speichervolumen ist in Bau (Fertigstellung in zwei Stufen 2011 und 2015).

Die RAG betreibt Untergrundspeicher in Puchkirchen (860 Mio. m³) und in Haidach bei Straßwalchen (1,2 Mrd. m³, bis 2011 Ausbau auf 2,7 Mrd. m³) an der Grenze Oberösterreich/Salzburg. Eine Erweiterung des Speichers Puchkirchen durch das ehemalige Gasfeld Haag am Hausruck (300 Mio. m³) ist in Bau. Weitere Speicher mit zusammen 2 Mrd. m³ sind im Grenzgebiet von Oberösterreich/Salzburg in Planung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erneuerbare Energie in Zahlen 2010
  2. Österreichisches Montan-Handbuch 2009 (PDF; 19 kB) des BMWFJ, S. 45
  3. Webseite des BMWFJ
  4. Gasolin (Tankstellenkette)#In Österreich
  5. Teil IV, Aus dem Krieg herrührende Ansprüche
  6. Abbildung 1: Energieträgermix des Bruttoinlandsverbrauchs von 1974 bis 2004, Austrian Energy Agency
  7. a b Factsheet – Erneuerbare Energie in Zahlen 2011. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, 4. Juni 2013, abgerufen am 27. Oktober 2013 (PDF-Datei, 300 KB).
  8. Erneuerbare Energie in Zahlen 2010. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, abgerufen am 27. Oktober 2013 (PDF-Datei, 1,67 MB).
  9. Energiestatus in Österreich 2011, Seite 81, (PDF; 1,3 MB)
  10. Energetischer Endverbrauch, Austrian Energy Agency
  11. 27. Sitzung des Wiener Gemeinderates am 23. April 2004, Postnummer 48, wörtliches Protokoll, Seite 25 ff
  12. econtrol Jahresreihen (xls, 116kb), E-Control
  13. Eurostat
  14. a b c Stromkennzeichnungsbericht 2011. E-Control, abgerufen am 21. September 2013 (PDF-Datei).
  15. a b c Stromkennzeichnungsbericht 2013. E-Control, 31. August 2013, abgerufen am 21. September 2013 (PDF-Datei).
  16. "Ökostrom-Novelle bringt mehr CO2, nicht weniger", Der Standard, 10. Dezember 2007
  17. Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Energiequellen, Eurostat
  18. Eurostat
  19. Sinkende Energiepreise erhöhen Abhängigkeit, Der Standard, 12. Jänner 2009
  20. Bericht über den Stand der Maßnahmen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen (PDF; 158 kB), Mitteilung der Kommission KOM(2006)849 S.23
  21. eur-lex.europa.eu (PDF; 158 kB)
  22. eur-lex.europa.eu
  23. www.solarwirtschaft.de
  24. www.pvaustria.at
  25. www.bmu.de
  26. Electricity Exchange. ENTSO-E, abgerufen am 21. September 2013 (englisch).
  27. OMV für raschen Bau der Bratislava-Schwechat-Pipeline (BSP) APA-OTS Nachricht vom 16. Oktober 2009 abgerufen am 17. Oktober 2009
  28. Mineralölbericht Österreich der Wirtschaftskammer Österreich. S. 20 (Download PDF).
  29. OMV und Gazprom - ein Gas-Deal mit Zukunft (Version vom 22. September 2008 im Internet Archive)
  30. Ölsuche nach der Gemüseernte, Der Standard, 20. Oktober 2006, S. 24