Österreichische Industrieholding

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48.23333333333316.384166666667Koordinaten: 48° 14′ 0″ N, 16° 23′ 3″ O

Österreichische Industrieholding AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2000 (1967 als Österreichische Industrieverwaltungs-GmbH, ÖIG)
Sitz Wien 20, Dresdner Straße 87
Leitung Rudolf Kemler
Branche Eigentumsverwaltung (in Bergbau und Industrie)
Website oiag.at

Die Österreichische Industrieholding AG, kurz ÖIAG, verwaltet die Beteiligungen der Republik Österreich an verstaatlichten und teilverstaatlichten Unternehmen. Die Zentrale befindet sich an der Dresdner Straße im 20. Wiener Gemeindebezirk Brigittenau.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geburtsstunde der verstaatlichen Industrie Österreichs war der 26. Juli 1946, als der Nationalrat das erste Verstaatlichungsgesetz beschloss. Dieses erfolgte, um sie dem Einfluss sowjetischer Truppen zu entziehen, welche begannen, Unternehmen aus „Deutschem Eigentum“ zu beschlagnahmen. Als „Deutsches Eigentum“ galten nicht nur Betriebe, die von den Nationalsozialisten gegründet wurden, wie beispielsweise die Linzer Hermann-Göring-Werke (die spätere VÖEST), sondern auch alte österreichische Staatsbetriebe, die vom deutschen Reich übernommen wurden, wie beispielsweise die Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft. In Summe handelte es sich um Betriebe, die ein Fünftel der österreichischen Wertschöpfung ausmachten (die drei größten Banken des Landes, der gesamte Kohle- und Erzbergbau, die gesamte Mineralölförderung und –verarbeitung, alle wichtigen Betriebe der Schwerindustrie).[1] Verwaltet wurde die verstaatlichte Industrie direkt von der Regierung und deren Ministerien. Im Zuge von Reformen durch die Bundesregierung Klaus II wurde 1967 die Österreichische Industrieverwaltungs-GmbH (ÖIG) zur treuhänderischen Ausübung der Anteilsrechte der Republik an verstaatlichen Unternehmen gegründet. 1970 wurde sie in die Österreichische Industrieverwaltungs-AG umgewandelt, gleichzeitig wurden ihr auch die Anteilsrechte übertragen. Seit 1986 trägt sie ihren heutigen Namen. Als Generaldirektoren fungierten unter anderem Franz Geist (1971–1978), der sich vergeblich um ein Weisungsrecht gegenüber den weitgehend autonom agierenden einzelnen Unternehmen bemühte, Oskar Grünwald (1978–1986), der versuchte, mit den beschränkten gesetzlichen Mitteln auszukommen, und Hugo Michael Sekyra (1986–1993), der nach der Verstaatlichtenkrise von 1985–1986 erfolglos versuchte, aus der ÖIAG einen börsengängigen Mischkonzern zu machen. Bis 1993 bildete die ÖIAG mit den in ihrem Eigentum befindlichen Unternehmen einen Konzern, die Austrian Industries AG. Danach wurde dieses Konzernverhältnis gelöst und die Holding damit beauftragt, die in ihrem Besitz stehenden Betriebe zu privatisieren.

Im November 2008 wurde, bedingt durch die Finanzkrise ab 2007, ein Tochterunternehmen gegründet, das die Kapitalzuschüsse des Staates an die einzelnen Banken koordiniert. Die Leitung dieser umgangssprachlich als Banken-ÖIAG (offizielle FIMBAG) bezeichneten Beteiligungsgesellschaft übernahmen Veit Sorger und Hannes Androsch.[2]

Beteiligungen[Bearbeiten]

Logos der Beteiligungen
OMV-Logo
Telekom-Logo
Post-Logo
Kommunalkredit-Logo
Hypo-Alpe-Adria-Logo

Stand September 2009 hielt die ÖIAG Beteiligungen an den folgenden Unternehmen:

Die ÖIAG war unter anderem an den folgenden Unternehmen beteiligt:

Dem Verkauf dieser Unternehmen gingen meist heftige Proteste sowohl aus der Politik als auch von Seiten der Gewerkschaften und Betriebsräte voraus.

Geschichte der Privatisierungen ab 1987[Bearbeiten]

Chronologie gemäß Wirtschaftsblatt:[4]

  • 1987–1989: Im November 1987 wurde die 15 % der OMV (Österreichische Mineralöl Verwaltung; Mineralöl- und Chemiekonzern) verkauft, erstmals ging ein ÖIAG-Unternehmen an die Börse. Im September 1989 wurden weitere 10 % der OMV über die Börse verkauft
  • 1992: Im Juli 1992 wurden 26 % der Simmering-Graz-Pauker Verkehrstechnik (SGP-VT) an die Siemens AG Österreich verkauft, im Dezember 1992 dann 49 % der VAE (VA Eisenbahnsysteme – alte und junge Aktien).
  • 1993: Die Austria Mikro Systeme International (AMI) wurde im Juli 1993 mehrheitlich durch Verkauf von 74 % über die Börse privatisiert und in austriamicrosystems AG (AMS) (Unterpremstätten) umbenannt. Im November 1993 folgte der Verkauf von weiteren 25 % an der VAE (alte und junge Aktien) über die Börse. Damit befindet sich dieses Unternehmen mehrheitlich im Privatbesitz. Ebenfalls im November 1993 kaufte ein französisches Unternehmen 100 % der .A.S.A. Abfall Service. Im Dezember 1993 schließlich erfolgte der Verkauf von weiteren 48 % an der SGP-VT an die Siemens AG Österreich.
  • 1994: Privatisierung der VA Technologie AG an der Börse (51 %) im Mai 1994. Dies stellt bis dahin die größte Kapitalmarkttransaktion in Österreich dar. Ebenfalls im Mai 1994 gehen 20 % der OMV an IPIC. Dadurch wird der ÖIAG-Anteil an der OMV auf 53 % reduziert. Bis Ende 1994 zieht sich die ÖIAG auf 50 % minus einer Aktie zurück. Die OMV ist mehrheitlich privatisiert. Im Juli 1994 wurden Die restlichen 26 % an der AMS werden durch Private placement veräußert. Im November 1994 schließlich wurden AT & S (Austria Technologie & Systemtechnik) vollständig verkauft und die restlichen 26 % der VAE werden über die Börse verkauft.
  • 1995: Im März wurden 27,3 % der Böhler-Uddeholm AG über die Börse und die Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG an die österreichische Berndorf AG verkauft. Im gleichen Monat wurde die Schoeller-Bleckmann Edelstahlrohr GesmbH wird in einem Management-Buy-out veräußert. Im Mai 1995 wurde die Bernhard Steinel Werkzeugmaschinen GmbH, Villingen (Deutschland) und im Oktober 1995 31,7 % der VA Stahl AG über die Börse verkauft. Im Dezember 1995 schließlich wurde die Weiler Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG im Zuge eines Management-Buy-out veräußert.
  • 1996
    • Februar 1996: Verkauf von 4,6 % an der VA Stahl AG an einen institutionellen Investor.
    • März 1996: 47,7 % der Böhler-Uddeholm AG werden im Zuge eines Secondary Public Offerings über die Börse veräußert. Böhler-Uddeholm ist jetzt mehrheitlich privatisiert.
    • Mai 1996: 14,9 % der OMV AG werden im Zuge eines Secondary Public Offerings über die Börse verkauft. ÖIAG-Anteil an der OMV beträgt nur noch 35 %.
    • Juni 1996: 100-%-iger Verkauf der GIWOG-Wohnbaugruppe (inkl. Tochtergesellschaften SAG und GEMYSAG) an fünf österreichische gemeinnützige Wohnbaugesellschaften.
    • Juli 1996: Verkauf von 77 % der VAMED an den deutschen Gesundheitskonzern Fresenius und 10 % an die Bank Austria.
    • November 1996: 100-%-iger Verkauf der VA Bergtechnik an die finnischen Unternehmen Tampella aus Tampere und deren Tochter Tamrock Oy.
    • November 1996: 100 % der Austria Metall AG gehen an die Bietergruppe Hammerer / Constantia Packaging.
  • 1997
  • 1998
    • Februar 1998: Weitere 6.269.050 Aktien der Bank Austria werden durch die PTBG verkauft.
    • Oktober 1998: 25 % und eine Aktie der Telekom Austria AG gehen an den strategischen Partner STET International, wiederum durch die PTBG.
  • 1999:
    • März 1999: 9,4 % an der Austria Tabak werden direkt an institutionelle Investoren verkauft (Block trade).
    • Mai 1999: Der ÖIAG-Anteil bei der AUA reduziert sich auf 39,72 %, da im Zuge einer Kapitalerhöhung die ÖIAG auf ihre Bezugsrechte verzichtet.
  • 2000–2001: Die Bundesregierung Schüssel I beschließt die Privatisierung zu forcieren. Das ÖIAG-Gesetz 2000 wird beschlossen. Durch Auftrag der Bundesregierung sollen Österreichische Staatsdruckerei GmbH, Dorotheum GmbH, Print Media Austria AG, Flughafen Wien AG, Österreichische Postsparkasse AG, Telekom Austria AG und Austria Tabak vorrangig privatisiert werden. Beim Verkauf sind laut Gesetz als Kriterien der bestmögliche Erlös bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Interessen der Unternehmen und der Wahrung österreichischer Interessen zu beachten. Die Verkäufe wurden im November 2000 abgewickelt: Die PSK wird zu 100 % an die Bank für Arbeit und Wirtschaft AG verkauft. Verkauf von 22,4 % an der Telekom Austria AG über die Börse. Weitere 4,8 % gehen wegen vertraglicher Vereinbarungen an die STET International (Telecom Italia). Jeweils 2,62 % der Flughafen Wien AG gehen an die Stadt Wien und an das Land Niederösterreich. Daneben noch Verkauf von 3,22 % im Zuge eines Aktienrückkaufs der Flughafen Wien AG. Ein österreichischer Investor kauft die Österreichische Staatsdruckerei GmbH an. Weitere Verkäufe folgen im Laufe des Jahres 2001:
    • März 2001: Weitere 8,92 % der Flughafen Wien AG werden an inländische und ausländische institutionelle Investoren verkauft.
    • Mai 2001: Verkauf von 1 % des Grundkapitals der VA Stahl AG im Zuge eines Aktienrückkaufprogramms an die VA Stahl AG.
    • August 2001: Die restlichen 41,1 % der Austria Tabak AG werden an die Gallaher Group verkauft.
    • September 2001: Vollständiger Verkauf des Dorotheums an die Bietergruppe „OneTwo Beteiligungs- und Managementberatungs GmbH“.
  • 2002
    • März 2002: 100-%-iger Verkauf der Strohal Rotations Druck GmbH an die „Invest Equity Group“.
    • Mai 2002: Kapitalerhöhung bei der voestalpine AG. Die ÖIAG zieht nur zu 50 % mit, ihr Anteil reduziert sich von 37,8 % auf 34,7 %.
    • Juni 2002: Durch Zuteilung der Bonusaktien im Zuge des Investitionsprogramms anlässlich des IPO im November 2000 verringert sich der Anteil der OIAG an der Telekom Austria AG. Er sinkt von 47,8 % auf nunmehr 47,2 %.
  • 2003:
    • August 2003: Aktien der VA Technologie werden über die Börse verkauft.
    • September 2003: Die POSTBUS AG, seit 2000 eine hundertprozentige Tochter der ÖIAG, wird vollständig an die ÖBB verkauft. Somit sind die beiden größten öffentlichen Busflotten des Landes, Postbus und Bahnbus, zusammengefasst. Die ÖBB muss aber in der Folge aus wettbewerbsrechtlichen Gründen einige Postbuslinien an Mitbewerber abgeben. Verkauf von 19,7 % der voestalpine AG über die Börse im Zuge eines Secondary Public Offering.
    • November 2003: Verkauf von 25 % an der Böhler Uddeholm AG über die Börse im Zuge eines Secondary Public Offering.
  • 2004
    • August 2004: Die ÖIAG Bergbauholding AG (ÖBAG) ihren 26-%-igen Anteil an der BMG Metall und Recycling GmbH an deren Mehrheitsgesellschafter Ecobat.
    • Oktober 2004: Die ÖIAG-Bergbauholding in die GKB-Bergbau GmbH verschmolzen.
    • Dezember 2004: Im Zuge eines Accelerated Bookbuilt Offerings werden 17 % der Telekom Austria AG über die Börse verkauft. Privatisierung der VOEST-ALPINE Erzberg GmbH. Die ÖIAG-Anteile werden in die Erzberg Privatstiftung eingebracht bzw. an diese verkauft.
  • 2005:
    • Juli 2005: Die VA Tech wird nun vollständig privatisiert. Die letzten 14,7 Prozent-Anteile gehen durch ein öffentliches Übernahmeangebot an die Siemens Österreich.
    • August 2005: Die Vollprivatisierung der voestalpine AG wird mit Ende August durch die vollständige Wandelung der Umtauschanleihe abgeschlossen.
  • 2006:
    • Mai 2006: 49 % der Österreichischen Post AG werden über die Börse verkauft.
    • Juni/September 2006: Durch Wandlung bzw. Verkauf der der ÖIAG-Umtauschanleihe sinkt der ÖIAG-Anteil an der Telekom Austria auf 25,2 %.
  • 2009: Austrian Airlines AG wird im September 2009 vollständig privatisiert - ab nun hält die Lufthansa über 90 Prozent der Aktien.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Quelle

  1. Die Geschichte der ÖIAG. oeiag.at. Abgerufen am 9. Mai 2011.
  2. Kurier vom 1. November 2008
  3. APA-Pressemeldung vom 11. November 2008
  4. Die Geschichte der ÖIAG, Box "Chronologie der Privatisierung", Wirtschaftsblatt, 6. September 2012

Weblinks[Bearbeiten]