OMV
| OMV Aktiengesellschaft | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | AT0000743059 |
| Gründung | 1956 |
| Sitz | Wien, Österreich |
| Mitarbeiter | 29.800 Mitarbeiter[1] |
| Umsatz | 34,05 Mrd. EUR (2011) |
| Branche | Mineralölförderung und -verarbeitung |
| Website | www.omv.com |
Die OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV), mit ihrer Zentrale in Wien, ist ein integriertes, internationales Öl- und Gasunternehmen.
Mit einem Konzernumsatz von über 34 Milliarden Euro (2011) und einem Mitarbeiterstand von weltweit rund 30.000 (2011) ist die OMV das größte börsennotierte Industrieunternehmen Österreichs[2]. Es ist als integriertes Energieunternehmen in den Geschäftsbereichen Exploration & Produktion (E&P), Gas & Power (G&P) sowie Raffinerien & Marketing (R&M) tätig.
In Österreich förderte die OMV 2010 rund 840.000 Tonnen Erdöl und 1,5 Mrd. m³ Erdgas, was 87 % bzw. 88 % der österreichischen. Gesamtproduktion entspricht.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
1956 entstand die „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ aus der von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV).
Vier Jahre später (1960) wurde die Raffinerie Schwechat bei Wien in Betrieb genommen.
Ende 1987 wurden 15 % der ÖMV privatisiert - es war der erste Börsengang eines verstaatlichten Unternehmens in Österreich.
Die OMV stieg 1989 mit 25 % beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis ein.
Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 24. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf. Im selben Jahr übernahm die „ÖMV“ die Chemie Linz (Holding) Gruppe.
Ende 1994 steigt die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein.
1995 wird der Konzernname von "ÖMV" in "OMV" geändert, da der Umlaut „Ö“ in vielen Sprachen nicht üblich ist.
Auch in Osteuropa wächst die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen etwa 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baut das Tankstellennetz weiter aus.
Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöht die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz sind.
Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine International GmbH an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.
Im folgenden Jahr beteiligt sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi. Der Einstieg bei Petrol Ofisi war das bisher größte österreichische Investment in der Türkei. Im Mai 2006 kündigen die Vorstände der OMV und des Verbunds an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.
2007 erhöht die OMV die Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL vorerst auf 20,2 %; nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt wurde und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, verkaufte OMV ihre gesamten Anteile im März 2009.
Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan Holding den Anteil an der Petrol Ofisi und hält somit 95,75 Prozent des Unternehmens. 2011 wurde dieser Anteil noch einmal auf 97 % erhöht.
Im September 2011 wurde ein Strategieplan veröffentlicht, die "Profitables Wachstum" heißt. Danach will die OMV nicht erster Linie in das kundennahe, aber renditeschwache Geschäft mit Raffinerien und Tankstellen investieren, sondern verstärkt in den Upstream-Bereich (Exploration und Produktion). Dorthin sollen zwei Drittel der Investitionen fließen. Ziel ist, es, den E&P-Anteil am Gesamtportfolio bis 2021 35 % auf 55 % zu erhöhen. Regional soll der Investitionsschwerpunkt am Kaspischen Meer, in Afrika und im Nahen Osten liegen. Der Verkauf des 45 %-Anteils am deutschen Raffinerieverbund Bayernoil wird derzeit evaluiert.[3]
[Bearbeiten] Unternehmensdaten
[Bearbeiten] Konzern-Zahlen
[Bearbeiten] 2011
- Konzern-Umsatz: EUR 34,05 Mrd.
- EBIT: EUR 2,5 Mrd.
- Markt-Kapitalisierung: EUR 7,64 Mrd.
- Mitarbeiter: 29.800
[Bearbeiten] Unternehmensstrategie
Die OMV plant, sich in den kommenden Jahren zu einem integrierten, Öl und Gasunternehmen mit Fokus auf den Upstream-Bereich zu entwickeln. Das Upstream-Geschäft E&P, die Exploration und Produktion von Öl und Gas, wird einen deutlich größeren Stellenwert einnehmen. Im Gasgeschäft – von der Gasgewinnung, dem Gastransport bis hin zur Gasvermarktung wird die OMV ebenfalls stark wachsen. Die geplante Nabucco Gas Pipeline wird die OMV Märkte, von Gasfeldern im kaspischen Raum und im Mittleren Osten mit den Downstream-Märkten in der Türkei über Rumänien bis hin nach Baumgarten in Österreich verbinden. Von der Erdgasstation in Baumgarten erreicht die OMV somit ganz Europa. Das Portfolio der OMV soll zudem noch um moderne Gaskraftwerke ergänzt werden. Der Bereich R&M (Raffinerien und Marketing) wird weiterhin ein wichtiger Geschäftsbereich bleiben, aber in seiner relativen Bedeutung im Portfolio deutlich kleiner sein.
[Bearbeiten] Eigentümerstruktur
| 31,5 % | ÖIAG |
| 24,9 % | IPIC |
| 43,6 % | Streubesitz |
[Bearbeiten] Beteiligungen
Die wichtigsten Beteiligungen der OMV Aktiengesellschaft sind die folgenden, weitere Beteiligungen werden den entsprechenden Geschäftsbereichen gehalten.
- OMV Refining & Marketing GmbH (100%)
- OMV Deutschland (100%)
- OMV Exploration & Production GmbH (100%)
- OMV Gas & Power GmbH (100%)
- OMV Solutions GmbH (100%)
- Petrol Ofisi (97%)
- Petrom SA (51%)
- Borealis (36%)
[Bearbeiten] Geschäftsbereiche
Die OMV ist in drei operative Geschäftsbereiche untergliedert:
- Exploration und Produktion (E&P)
- Gas & Power
- Raffinerien & Marketing, inkl. Petrochemie (R&M)
[Bearbeiten] Raffinerien & Marketing, inkl. Petrochemie
Der Konzern betreibt fünf Raffinerien mit einer jährlichen Raffineriekapazität von 26,4 Mio. Tonnen: In Schwechat bei Wien, in Burghausen an der Salzach (Bayern) und in Ingolstadt, Neustadt und Vohburg (Bayernoil). Die rumänische Tochtergesellschaft verfügt über zwei Raffinerien, die Raffinerie Arpechim in Pitești und die Raffinerie Petrobrazi in Ploiești, mit einer Jahreskapazität von rund 8 Mio. Tonnen.
Die OMV verfügt über 4700 Tankstellen der Marken OMV, AVANTI, Stroh und PETROM in 13 Ländern. Die OMV betreibt zudem ein Großhandelsgeschäft mit Treibstoffen, Heizölen, Schmiermittel, Bitumen und im Avation Bereich. Der Marktanteil des Konzerns im Bereich R&M im Donauraum beträgt damit rund 18 %, in Österreich rund 20 %.
Ca. 1000 Tankstellen verfügen über Tankstellenshops der Marke VIVA (Shop, Gastronomie), der erste VIVA-Shop wurde 1994 in Oberwart eröffnet. Laufend werden innovative Kooperationen mit anderen Unternehmungen abgeschlossen, um Zusatzdienste im Tankstellennetzwerk bieten zu können. Darunter z.B die Österreichische Post AG, die Wiener Städtische, Western Union, oder die Erste Bank.
[Bearbeiten] Exploration & Produktion
Das E&P Portfolio der OMV ist umfangreich und ausgewogen. Das Unternehmen ist hauptsächlich in EU- und OECD-Ländern vertreten. Rund zwei Drittel der Produktion stammen aus Rumänien und Österreich. Von der Gesamtproduktion entfallen rund 50% auf Öl und 50% auf Gas. In den Kernländern Rumänien und Österreich konzentriert sich die OMV durch Anwendung neuer Verfahren auf die Erhöhung der Ausbeuteraten reifer Felder. Zusätzlich sollen neue Wachstumsgebiete innerhalb der Kaspischen Region, des Mittleren Ostens und Afrika erschlossen werden. Auch hier ist die OMV auch schon seit Längerem tätig. Die tägliche Fördermenge betrug 2010 288.000boe
[Bearbeiten] Gas & Power
Die OMV betreibt in Österreich ein rund 2.000 km langes Gaspipelinenetz mit einer verkauften Transportkapazität von rund 101,9 Mrd m³ im Jahr 2011. Die Kompressorstation Baumgarten, ein wichtiger Verteilerknoten für Europa, leitet rund ein Drittel der russischen Erdgasexporte nach Westeuropa weiter. 2011 verkaufte die OMV rund 24 Mrd m³ Gas. Seit 2007 engagiert sich die OMV auch im Bau von Gaskraftwerken in denen in erster Linie Gas aus Eigenproduktion genutzt werden soll. Ein Schlüsselprojekt der OMV im Gasbereich ist die Nabucco Gas Pipeline, deren Ziel es ist, Gas aus der Kaspischen Region über die Türkei, nach Bulgarien, Rumänien und Ungarn und schlussendlich Österreich nach Europa zu bringen.
[Bearbeiten] Kritik an der OMV
In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[4][5] Im September 2007[6] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte[7], stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[8] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischem Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik auf der Jahreshauptversammlung.[9]
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ lt. OMV Website abgerufen am 3. April 2012
- ↑ lt Financial Times Deutschland, 23. September 2011, S. 5
- ↑ lt. Financial Times Deutschland, 23. September 2011, S. 5
- ↑ Vgl. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004
- ↑ taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010
- ↑ Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008
- ↑ Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt, 25. April 2007
- ↑ Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, Apr 23 2007
- ↑ OMV: Erst das Fressen, dann die Moral (Die Presse, 14. Mai 2008)
[Bearbeiten] Weblinks
- OMV-Homepage
- Bayernoil
- ÖIAG, „Österreichische Industrieholding AG“
- AMI-Homepage
- Petrom SA
- Erdöl- und Erdgasdaten Österreich und weltweit 2011 der Geologischen Bundesanstalt Wien
- Foto-Galerie OMV-Raffinerie Burghausen
- Foto-Galerie OMV-Raffinerie Schwechat
- Foto-Galerie OMV-Tanklager Lobau
- Foto-Galerie OMV-Tanklager St. Valentin
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