Auslandsdienst Österreichs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Österreichischer Sozialdienst)
Wechseln zu: Navigation, Suche
1. September 1992: Erster Gedenkdiener im Museum Auschwitz-Birkenau

Auslandsdienst bezeichnet einen im Ausland abzuleistenden Ersatz des österreichischen Zivildienstes als Gedenkdienst, Sozialdienst oder Friedensdienst. Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Andreas Maislinger hatte die Idee von der deutschen Aktion Sühnezeichen Friedensdienste übernommen.

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Begriff Auslandsdienst oder Auslandszivildienst ist jedoch der österreichischen Rechtsordnung fremd. Da der Zivildienst als hoheitlicher, staatlicher Dienst nur auf dem Gebiet der Republik Österreich geleistet werden kann, stellt der Auslandsdienst gemäß der Regelung des § 12b des Zivildienstgesetzes im rechtlichen Sinn keine besondere Form des ordentlichen Zivildienstes dar. Der Auslandsdiener wird nur nach Ableistung seines Dienstes von seiner Zivildienstpflicht befreit.

Der Auslandsdienst entspricht in etwa dem deutschen Anderen Dienst im Ausland.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Andreas Maislinger als ASF-Freiwilliger in Polen (1981)

Andreas Maislinger setzte sich ab dem Ende der 1970er Jahre[1] für die gesetzliche Verankerung dieser Art des Militärersatzdienstes ein, die die Aufklärung über den Holocaust zum Ziel hatte.[2] Am 10. Oktober 1980 hatte er auf Einladung von Anton Pelinka die Möglichkeit in der von Dolores Bauer geleiteten ORF-Sendung „Kreuzverhör“ seinen „Zivildienst in Auschwitz“[3] vorzustellen. Bundespräsident Rudolf Kirchschläger hatte sein Konzept jedoch mit der Begründung „ein Österreicher hat in Auschwitz nichts zu sühnen“ abgelehnt. Später anerkannte Kirchschläger „das positive Ergebnis“ des von Maislinger „durchgesetzten Gedenkdienstes“[4].

1980/81 war Maislinger mit Joachim Schlör Freiwilliger im von Volker von Törne und Christoph Heubner geleiteten Polenreferat der deutschen Aktion Sühnezeichen Friedensdienste tätig.[5] Im Museum Auschwitz-Birkenau betreute er deutsche Jugendgruppen. Nach seiner Rückkehr war er noch stärker davon überzeugt ein ähnliches Programm auch in Österreich zu verwirklichen.[6] Unterstützt wurde er dabei vor allem von Simon Wiesenthal, Teddy Kollek[7], Ari Rath, Herbert Rosenkranz, Gerhard Röthler und Karl Pfeifer. Einer der Söhne Röthlers hat später Gedenkdienst geleistet und Pfeifer veröffentlichte ein Interview in der IKG-Zeitschrift „Die GEMEINDE“.[8]

Realisierung[Bearbeiten]

Im Mai 1991 wurde Andreas Maislinger schließlich in einem Brief[9] von Innenminister Franz Löschnak darüber informiert, dass der Gedenkdienst von der österreichischen Regierung als Alternative zum Zivildienst zugelassen wird und die dafür notwendigen Mittel bis zu einem festgelegten Rahmen vom Bundesministerium für Inneres getragen werden.

Am 1. September 1992 konnte der erste Gedenkdiener seinen Dienst im Museum Auschwitz-Birkenau antreten.[10]

Sozialdienst bei der Casa Hogar Estudiantil ASOL in Guatemala

Entwicklung[Bearbeiten]

Im November 1997 wurde eine gesetzliche Neuregelung des Auslandsdienstes beschlossen, die ab diesem Zeitpunkt auch Sozial- und Friedensdienste außerhalb von Österreich ermöglichte.

2001 wurde unter Innenminister Ernst Strasser ein Auslandsdienst-Förderverein[11] eingerichtet, der die Mittel an unabhängige Trägerorganisationen, wie zum Beispiel den Österreichischen Auslandsdienst, weiterverteilt.

Inzwischen haben mehr als 1.000 junge Österreicher ihre Zivildienstpflicht im Ausland abgeleistet. Heute ist der Verein Österreichischer Auslandsdienst die einzige Trägerorganisation, die Gedenk-, Sozial- und Friedensdienst anbietet und auf allen fünf Kontinenten aktiv ist.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Republik Österreich stellt jedem Auslandsdienst-Trägerverein über den Verein zur Förderung der Auslandsdienste im Sinne des § 12b Zivildienstgesetz – Auslandsdienst Förderverein ein gewisses Budget zur Verfügung. Jeder finanzierte Auslandsdiener wird mit maximal 9.000 Euro gefördert. Die Trägerorganisation kann aber Umschichtungen vornehmen, damit eine größere Anzahl von Auslandsdienern unterstützt werden kann, wobei allerdings der Betrag von 4.500 Euro pro Zivildienstpflichtigen nicht unterschritten werden darf. Durch diese beschränkten Geldmittel ist es daher nicht jedem Interessierten möglich, einen geförderten Auslandsdienst zu leisten.[12]

Trägerorganisationen gemäß § 12b ZDG[Bearbeiten]

Gedenkdienst[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Gedenkdienst

  • Verein Gedenkdienst
  • Verein Niemals Vergessen
  • Verein Österreichischer Auslandsdienst

Friedensdienst[Bearbeiten]

  • Verein Österreichische Friedensdienste
  • Verein Österreichischer Auslandsdienst

Sozialdienst[Bearbeiten]

  • Allianz für Kinder
  • Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich
  • Concordia Austria, Verein für Sozialprojekte P. Georg Sporschill SJ
  • Eine Welt – Oberösterreichische Landlerhilfe
  • Gesellschaft für Österreichisch – Arabische Beziehungen
  • Guatemala Initiative
  • Horizont 3000
  • Informationsgruppe Lateinamerika
  • Intersol – Verein zur Förderung internationaler Solidarität
  • Jugend Eine Welt – Don Bosco Aktion Austria
  • Verein Österreichischer Auslandsdienst
  • Verein Österreichische Friedensdienste
  • Österreichische Jungarbeiterbewegung
  • Pfarre Frastanz [13]
  • Provinz Österreich der Gemeinschaft der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut
  • Unsere kleinen Brüder und Schwestern, Verein zur Unterstützung von Waisenkindern
  • Vides Austria
  • Waldorfbund Österreich

Auslandsdienst-Einsatzstellen[Bearbeiten]

Momentan gibt es unter anderem folgende Einsatzstellen:

Gedenkstätte Oradour-sur-Glane, Frankreich
Befreiung des KZ Mauthausen, Österreich (1945)
Yad Vashem, Israel: Halle der Namen
Von Dietmar Schönherr gegründete Casa de los tres mundos, Nicaragua
Österreichische Gedenkdiener Auschwitz Jewish Center, Polen (2009)
Forum för levande historia, Stockholm, Schweden

ArgentinienArgentinien Argentinien

  • Buenos Aires – Centro de Atención Integral a la Niñez y Adolescencia

AustralienAustralien Australien

BelgienBelgien Belgien

Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina

BrasilienBrasilien Brasilien

BulgarienBulgarien Bulgarien

China VolksrepublikChina Volksrepublik China

ChileChile Chile

Costa RicaCosta Rica Costa Rica

DeutschlandDeutschland Deutschland

EnglandEngland England

FrankreichFrankreich Frankreich

GabunGabun Gabun

GuatemalaGuatemala Guatemala

IndienIndien Indien

  • Auroville – Auroville Village Action Group (AVAG)
  • Dharmshala – Nishtha – Rural Health, Education and Environment Center
  • Dharmshala – Tibetan Children’s Village
  • Dharmshala – Tibetan Welfare Office
  • Kerala – Mata Amritanandamayi Mission

IsraelIsrael Israel

ItalienItalien Italien

JapanJapan Japan

KanadaKanada Kanada

KeniaKenia Kenia

  • Nairobi – Kenia Water for Health Organisation

KroatienKroatien Kroatien

MadagaskarMadagaskar Madagaskar

MexikoMexiko Mexiko

NepalNepal Nepal

  • Bandipur – Himalayan Welfare Service Centre of Helpless Children

NicaraguaNicaragua Nicaragua

NiederlandeNiederlande Niederlande

NorwegenNorwegen Norwegen

  • Oslo – Jodisk Aldersbolig

PakistanPakistan Pakistan

  • Lahore – SOS children villages Pakistan
  • Lahore – proLoka Pakistan

PeruPeru Peru

  • Huancayo – Teilorganisation des peruanischen Gesundheitsministerium
  • Lima – Centro de Información y Educación para la Prevención del Abuso de Drogas (CEDRO)

PolenPolen Polen

RumänienRumänien Rumänien

RusslandRussland Russland

SlowenienSlowenien Slowenien

  • Laibach – Nationalmuseum der Zeitgeschichte

SchwedenSchweden Schweden

TschechienTschechien Tschechien

  • Prag – Jüdische Gemeinde

TurkeiTürkei Türkei

  • Istanbul – Jüdisches Museum Istanbul

UgandaUganda Uganda

UkraineUkraine Ukraine

  • Deutsch-Mokra – Oberösterreichische Landlerhilfe
  • Königsfeld – Oberösterreichische Landlerhilfe
  • Kiew – The Jewish Foundation of Ukraine

UngarnUngarn Ungarn

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

WeissrusslandWeißrussland Weißrussland

  • Minsk – Belarussian Children's Hospice
  • Minsk – Dietski dom no. 6 – Kinderheim no. 6
  • Minsk – Kindergarten for Children with Special Needs

Bekannte ehemalige Auslandsdiener[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressearchiv und Briefarchiv dokumentieren das erwähnte Engagement für den Gedenkdienst seit 1977.
  2. „Zivildienst in Holocaust Gedenkstätten“, Dr. Peter Huemer und Dr. Andreas Maislinger, ORF Moment – Leben Heute, 9. März 1988
  3. Andreas Maislinger: „ZIVILDIENST“ in Auschwitz, Stattblatt – Linzer Programm- und Belangzeitschrift 22/1980
  4. Brief von Dr. Rudolf Kirchschläger an Dr. Andreas Maislinger, Wien 3. Februar 1995
  5. Einsam unter Friedensengeln: Wehrdienstverweigerer Andreas Maislinger lebt alternativen Friedensdienst vor, PROFIL, 12. Juli 1982
  6. „Zivildienst in Holocaust Gedenkstätten“, Dr. Peter Huemer und Dr. Andreas Maislinger, ORF „Moment – leben heute“, 9. März 1988
  7. Teddy Kollek zum Projekt Gedenkdienst, Tiroler Tageszeitung, 12. Jänner 1993
  8. Interview mit Dr. Andreas Maislinger, Die GEMEINDE, 22. Dezember 1982
  9. Brief von Innenminister Franz Löschnak an Andreas Maislinger, Die GEMEINDE, 22. Juli 1991
  10. Positives Echo auf Österreichs ersten Zivildiener, der in ehemaligem KZ Auschwitz dient, Tiroler Tageszeitung, 12./13. September 1992
  11. Zivildiener: Neuer Verein für Auslandsdienste – „Verein zur Förderung des Auslandsdienstes“, Der Standard, 5. März 2001
  12. Der Standard Gerald John: Harter Schnitt bei Gedenkdienst, Der Standard 10. November 2010
  13. Pfarre Frastanz siehe: Auslandsdienst: Südamerika, Asien, Afrika, Abgerufen am 22. Dezember 2010
  14. Heimweh nach der Welt. 20 Jahre Auslandsdienst