Österreichisches Lateinamerika-Institut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Palais Schlick in Wien, Sitz des Österreichischen Lateinamerika-Instituts

Das Österreichische Lateinamerika-Institut (LAI) in Wien ist eine interdisziplinär orientierte Einrichtung des wissenschaftlichen und kulturellen Austauschs mit Lateinamerika. Es wurde 1965 gegründet, hat die Rechtsform eines Vereins und erhält für seine wissenschaftlichen und entwicklungspolitischen Aktivitäten öffentliche Förderungen. Etwa die Hälfte des Jahresbudgets wird aus Eigenmitteln, vor allem aus Erträgen der Bildungsveranstaltungen und aus Mitgliedsbeiträgen finanziert. Das Institut befindet sich seit 1994 im Palais Schlick im 9. Bezirk.

Bibliothek[Bearbeiten]

Das Institut unterhält eine auf den lateinamerikanischen Raum spezialisierte Bibliothek und Dokumentationsstelle mit den Sammelschwerpunkten Fachbücher und Fachzeitschriften zu Wirtschaft, Politik, Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Ökologie der lateinamerikanischen Staaten sowie literarische Werke spanisch- und portugiesischsprachiger Autoren und deren Übersetzungen ins Deutsche. Die Bibliothek ist Mitglied des Europäischen Informations- und Dokumentationsnetzwerks zu Lateinamerika REDIAL.

Interdisziplinärer Universitätslehrgang für Höhere Lateinamerika-Studien[Bearbeiten]

Der sechssemestrige Interdisziplinäre Universitätslehrgang für Höhere Lateinamerika-Studien ist ein berufsbegleitendes regionalspezifisches Weiterbildungsprogramm, das in Österreich das einzige Lateinamerikanistik-Lehrangebot auf akademischer Ebene darstellt. Er wird von der Universität Wien in Kooperation mit dem Österreichischen Lateinamerika-Institut veranstaltet und mit dem Titel Master of Arts in Latin American Studies abgeschlossen.

Auskunft, Beratung und Förderung[Bearbeiten]

Das Institut bietet Auskünfte und Beratung für alle an Lateinamerika interessierten Personen und fördert und berät lateinamerikanische Studierende in Österreich. Im Rahmen des „Eine-Welt-Stipendienprogramm“ werden Studienstipendien für lateinamerikanische Studenten in Österreich vergeben.

Atención[Bearbeiten]

Das wissenschaftliche Jahrbuch des Instituts erscheint seit 1997 unter dem Titel Atención einmal jährlich als Fortsetzung der von 1975 bis 1996 erschienenen Zeitschrift für Lateinamerika Wien mit Beiträgen auf Deutsch, Spanisch und Englisch. Die Auswahl der Themen lehnt sich an die Semesterthemen des Interdisziplinären Universitätslehrgangs für höhere Lateinamerika-Studien an.

Kulturelle Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das regelmäßige Veranstaltungsprogramm in den Räumen Instituts umfasst Ausstellungen, Buchpräsentationen, Konzerte, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen.

Wissenschaftliche und kulturelle Projekte[Bearbeiten]

  • Am Rande des EU-Lateinamerika-Gipfels 2006 im Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft in Wien hat das LAI die internationale Konferenzreihe „Regionale Integration, interkontinentale Kooperation EU - Lateinamerika und die Frage von Armut, Entwicklung und Demokratie“ (REAL 2006) organisiert.
  • Das Bildungs- und Musikfestival Onda Latina, das zwischen April und Juni 2006 österreichweit stattfand, geht ebenfalls auf eine Initiative des LAI zurück.
  • Das LAI koordinierte das Projekt „LAC-ACCESS - Connecting High-Quality Research between the European Union and Latin American and Caribbean Countries“ (Jänner 2007 bis April 2009), dessen Ziel es war, Forschungseinrichtungen in Lateinamerika und der Karibik in die Dynamik des Europäischen Forschungsraums, mit Fokus auf das 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung, einzubinden.

Sprachkurse[Bearbeiten]

Mit jährlich fast 250 Kursen ist das Institut der größte Anbieter von Spanisch- und Portugiesischkursen in Österreich. Fallweise werden auch Einführungsseminare zu indigenen Sprachen wie Quechua, Aymara, Guaraní oder Mayasprachen angeboten.

Arbeitsgemeinschaft Österreichische Lateinamerikaforschung[Bearbeiten]

Das Institut selbst ist kein Forschungsinstitut, es betreut und unterstützt jedoch die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Österreichische Lateinamerikaforschung (Lateinmerikaforschung Austria). Die ARGE ist ein Verein zur wissenschaftlichen Vernetzung, zum interdisziplinären Gedankenaustausch und zur fachübergreifenden Zusammenarbeit der Lateinamerikaforschern in Österreich. Sie versteht sich als ein offenes Forum, das vor allem jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten möchte, ihre Arbeiten zu präsentieren und mit Kollegen zu diskutieren. Zum Stand Juli 2007 hatte die ARGE 108 Mitglieder aus Österreich, dem europäischen Ausland und Lateinamerika. Jährlich veranstaltet sie eine wissenschaftliche Tagung, die seit 1985 im Bundesheim für Erwachsenenbildung St. Wolfgang in Strobl am Wolfgangsee stattfindet. In der Reihe Investigaciones werden Hochschulschriften junger Lateinamerikaforscher öffentlich zugänglich gemacht. Die ARGE Österreichische Lateinamerikaforschung wurde 1983 auf Initiative von Mitgliedern des Österreichischen Lateinamerika-Institutes gegründet und ist, wie das Institut selbst, Mitglied von CEISAL.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]