Über-Ich

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Das Modell des psychischen Apparats nach Freud

Das Über-Ich ist ein Begriff aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds.

In seiner Metapsychologie ("Das Ich und das Es" 1923) unterscheidet Freud drei „Instanzen“ des psychischen Apparats:

  • Das Es, die naturnahe Triebinstanz,
  • das Ich, und
  • das Über-Ich

Das Über-Ich kann im Freud'schen Strukturmodell der Psyche vereinfacht als die moralische Instanz oder auch das Gewissen angesehen werden und stellt den Gegenspieler für die elementaren Lusttriebe des Es dar. Freud sprach von dieser Instanz als einer Zensur.[1] Es wird in der frühen Kindheit (bis zum 6. Lebensjahr) gebildet und enthält die (moralischen) Normen und verinnerlichten Wertvorstellungen der kulturellen Umgebung, in der das Individuum aufwächst (insbesondere die der Eltern). Das Über-Ich entsteht durch Angleichen der eigenen Person an andere, mit denen sich dieser Mensch identifiziert. Dieser Prozess wird fachsprachlich als Introjektion bezeichnet.

Wenn ein Mensch zu denken beginnt, geschieht dies bereits unter dem Einfluss des Über-Ichs und der darin enthaltenen grundsätzlichen Wertvorstellungen. Da er diese als seine ureigenen empfindet und er seine persönliche Identität aus ihnen bezieht, kann er sich durch rationales Denken nur sehr bedingt von ihnen distanzieren oder emanzipieren.

Das Über-Ich fungiert in der menschlichen Psyche nach Freud als eine Kontrollinstanz, deren Ziel es ist, durch Selbstbeobachtung das eigene Verhalten in Übereinstimmung mit dem Idealbild zu bringen. Bei – durch die Erfüllung der Lustbedürfnisse des Es – bedingten Abweichungen von diesem Ideal wirkt sich das Über-Ich auf den Menschen in Form des Verspürens von Schuldgefühlen aus.

Freuds Schüler Wilhelm Reich hat, nachdem er sich von Freuds Sichtweise entfernte, versucht, dem Über-Ich (wie vielen anderen psychoanalytischen Begriffen) eine verkörperlichte Bedeutungsdimension zu geben, indem er es in seiner „Charakteranalyse“ (1933) und deren anschließender physiologischer Begründung (Körperpsychotherapie) als „funktionell identisch“ mit dem psycho-physiologisch verstandenen Charakter(panzer) bezeichnete.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roudinesco, Elisabeth, Michel Plon: Wörterbuch der Psychoanalyse. Namen, Länder, Werke, Begriffe. Springer, Heidelberg/New York 2004 (Originaltitel: Dictionnaire de la psychoanalyse (1997), übersetzt von Christoph Eissing-Christophersen), ISBN 3-211-83748-5; Wb.-Lemma: „Zensur“, S. 1162

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]