Überläufer (Nachrichtendienst)
Überläufer (engl. defector) ist ein nachrichtendienstlicher Ausdruck für den hauptamtlichen Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes, der sich dem eigenen offenbart.
Die jeweilige Bereitschaft eines Nachrichtendienstes, sich auf einen Überläufer einzulassen, ist sehr unterschiedlich ausgeprägt und wird in jeweiligen Einzelfällen auch überprüft. Der sowjetische Geheimdienst KGB galt zum Beispiel als sehr zurückhaltend und misstrauisch gegenüber Überläufern. Dagegen haben US-amerikanische Nachrichtendienste sogar gezielte Werbungsprogramme für Überläufer angelegt, wie die Operation Redcap des CIA in den 1950er Jahren.
Bekannte Überläufer waren
- Oleg Wladimirowitsch Penkowski,
- Anatoli Michailowitsch Golizyn (übergelaufen 1961)
- Oleg Antonowitsch Gordijewski, der höchstrangige öffentlich bekannte Überläufer des KGB in den Westen. Er floh 1985,
- Hansjoachim Tiedge,
der Atomspion Klaus Fuchs - er verriet der Sowjetunion das Design der Nagasaki-Atombombe
- Werner Stiller - er flüchtete 1979 mit zahlreichen geheimen Unterlagen der DDR-Spionageabteilung HVA unter spektakulären Umständen in den Westen.
Im Militärwesen werden Überläufer pejorativ auch Deserteure genannt - aus der Sicht der Seite, die verlassen wird.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Colin Forbes: Der Überläufer. Heyne Verlag, ISBN 3-4530-3286-1
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Quellen
- Helmut Roewer, Stefan Schäfer, Matthias Uhl: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Herbig, München 2003, ISBN 3-7766-2317-9.
- Dieter Krüger, Armin Wagner (Hrsg.): Konspiration als Beruf. Deutsche Geheimdienstchefs im Kalten Krieg. Christoph Links Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-86153-287-5.
- Andreas Kabus: Auftrag Windrose. Der militärische Geheimdienst der DDR. Verlag Neues Leben, 1993, ISBN 3-355-01406-0.