Überlagerung (Topologie)
In der Mathematik ist die Überlagerung eines topologischen Raumes
ein anderer topologischer Raum
zusammen mit einer Überlagerungsabbildung
mit der folgenden Eigenschaft:
- Zu jedem Punkt
in
gibt es eine offene Umgebung
um
, so dass das Urbild
von
in
aus einer Vereinigung paarweise disjunkter offener Mengen
besteht, die jeweils via p homöomorph auf
abgebildet werden.
Anschaulich kann man sich eine Überlagung so vorstellen, dass man
auf
abrollt bzw.
mit
einwickelt.
Oft wird der Begriff Überlagerung sowohl für den Überlagerungsraum
als auch für die Überlagerungsabbildung
benutzt. Für ein
in
heißt
die Faser von
. Sie besteht aus endlich oder unendlich vielen diskreten Punkten. Man sagt, die Elemente der Faser liegen über
. Die offenen Mengen
heißen Blätter.
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[Bearbeiten] Beispiele
Betrachte den Einheitskreis
in
. Die reelle Gerade
ist dann eine Überlagerung mit der Überlagerungsabbildung
.
Die Gerade wird also unendlich oft um den Kreis gewickelt (siehe Abbildung). Die Blätter über einem Intervall des Kreises sind Intervalle auf der Zahlengeraden, die sich mit Periode
wiederholen. Jede Faser hat unendlich viele Elemente (
). Die Isomorphie zwischen der Fundamentalgruppe
von
und der additiven Gruppe
über den ganzen Zahlen lässt sich mit Hilfe dieser Überlagerung sehr anschaulich beweisen.
Die komplexe Ebene ohne den Ursprung,
, wird von sich selbst überlagert durch die Abbildung
.
Jede Faser hat hier
Elemente.
Ein Beispiel aus der Quantenmechanik betrifft die Gruppe SO(3) der Drehungen des dreidimensionalen reellen Raumes
. Zu ihr gehört als „zweifache“ Überlagerung die SU(2), also die Gruppe der Drehungen des
, die sogenannte Spinorgruppe. Im Gegensatz zur SO(3) ist sie einfach zusammenhängend.
[Bearbeiten] Eigenschaften
Jede Überlagerung ist ein lokaler Homöomorphismus, d.h. die Einschränkung der Überlagerungsabbildung
auf eine kleine Umgebung ist ein Homöomorphismus auf eine offene Teilmenge. Daher besitzen
und
die gleichen lokalen Eigenschaften:
- falls
eine Mannigfaltigkeit ist, so auch jede Überlagerung von 
- falls
eine Riemannsche Fläche ist, so ist dies auch jede Überlagerung von
und
ist dann holomorph. - falls
eine Lie-Gruppe ist, so auch jede Überlagerung von
, und
ist dann ein Lie-Gruppen-Homomorphismus. - falls
ein CW-Komplex ist, so auch jede Überlagerung von
.
Für jede Zusammenhangskomponente von
ist die Anzahl der Elemente einer Faser über einem Punkt (und damit die Anzahl der Blätter über einer Umgebung) stets gleich. Hat jede Faser
Elemente, so spricht man von einer
-fachen Überlagerung.
Es gilt die Hochhebungseigenschaft: Ist
eine Überlagerung,
ein Weg in
und
ein Punkt über dem Startpunkt
(d.h.
), dann gibt es einen eindeutigen Weg
in
über
(d.h.
) mit Anfangspunkt
. Wege in
lassen sich also bei Vorgabe eines Startpunkts aus der Faser eindeutig nach
hochheben.
Sind
und
zwei Punkte in
, die durch einen Weg verbunden sind, so vermittelt der Weg durch die Hochhebungseigenschaft eine bijektive Abbildung zwischen den Fasern über
und
.
[Bearbeiten] Universelle Überlagerung
Eine Überlagerung
heißt universelle Überlagerung, falls
einfach zusammenhängend ist.
In der Regel gibt es über einem topologischen Raum
viele verschiedene Überlagerungen. Ist zum Beispiel
Überlagerung von
und
Überlagerung von
, so ist auch
eine Überlagerung von
. Der Name „universelle Überlagerung“ kommt daher, dass sie auch Überlagerung jeder anderen zusammenhängenden Überlagerung von
ist.
Aus der beschriebenen universellen Eigenschaft folgt, dass die universelle Überlagerung bis auf einen Homöomorphismus eindeutig bestimmt ist (zwei universelle Überlagerungen sind nämlich wegen dieser Eigenschaft jeweils die Überlagerung von der anderen, woraus folgt, dass sie homöomorph sein müssen).
besitzt genau dann eine universelle Überlagerung, wenn
zusammenhängend, lokal wegzusammenhängend und semilokal einfach zusammenhängend ist. Man kann die universelle Überlagerung konstruieren, indem man einen Punkt
in
fixiert und zu jedem Punkt
in
die Menge der Homotopieklassen von Wegen von
nach
betrachtet. Die Topologie erhält man lokal, da
eine Umgebung hat, deren Schleifen global zusammenziehbar sind und auf der daher die besagten Homotopieklassen überall gleich sein müssen, sodass man das Kreuzprodukt der Umgebung mit der (diskret topologisierten) Menge der Homotopieklassen mit der Produkttopologie versehen kann. Unter den genannten Voraussetzungen ist dieses Konstrukt dann eine universelle Überlagerung.
Die universelle Überlagerung von
wird meist mit
bezeichnet.
Das obige Beispiel
ist eine universelle Überlagerung. Ein anderes Beispiel ist die universelle Überlagerung des projektiven Raumes durch die Sphäre
für n > 1.
[Bearbeiten] Die Gruppe der Decktransformationen, reguläre Überdeckungen
Eine Decktransformation einer Überlagerung
ist ein Homöomorphismus
, der mit der Projektion
verträglich ist, d.h.
. Die Menge aller Decktransformationen der Überlagerung bildet eine Gruppe mit der Verknüpfung der Hintereinanderausführung. Die Decktransformationsgruppe wird mit
bezeichnet.
Aus der Verträglichkeit mit der Projektion folgt, dass jede Decktransformation einen Punkt aus
wieder auf einen Punkt in der gleichen Faser abbildet. Da die Decktransformationen darüber hinaus Homöomorphismen, also bijektiv, sind, werden die Elemente einer Faser permutiert. Dies definiert eine Gruppenoperation der Decktransformationsgruppe auf jeder Faser.
Falls
eine Überlagerungsabbildung und
(und damit auch
) zusammenhängend und lokal wegzusammenhängend ist, so ist die Operation von
auf jeder Faser frei. Falls die Operation auch transitiv auf einer Faser ist, so ist sie dies auf allen Fasern. In diesem Fall nennt man die Überlagerung normal, regulär oder auch galoissch.
Zum Beispiel ist jede universelle Überlagerung regulär. Ebenso das Beispiel
. Hier bestehen die Decktransformationen aus Multiplikationen mit
-ten Einheitswurzeln, die Gruppe ist also isomorph zur zyklischen Gruppe der Ordnung
.
Die Gruppe der Decktransformationen der universellen Überlagerung ist isomorph zur Fundamentalgruppe des Basisraums; die universelle Überlagerung von
ist ein
-Prinzipalbündel.
[Bearbeiten] Klassifikation
besitze eine universelle Überlagerung
, und
sei ein Punkt von
. Die beiden folgenden Konstruktionen liefern eine Äquivalenz von Kategorien zwischen der Kategorie der Überlagerungen von
und der Kategorie der Mengen mit
-Operation:
- Einer Überlagerung
wird die Faser
zugeordnet. - Einer Menge
wird das assoziierte Bündel
zugeordnet; es ist ein Faserbündel mit diskreter Faser, also eine Überlagerung.
Zusammenhängenden Überlagerungen entsprechen Mengen mit transitiver
-Operation, und bis auf Isomorphie sind diese durch Untergruppen von
klassifiziert. Einer zusammenhängenden Überlagerung
entspricht dabei die Untergruppe
.
[Bearbeiten] Literatur
- Edwin H. Spanier: Algebraic Topology. 1. corrected Springer edition, Reprint. Springer, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-540-90646-0.
[Bearbeiten] Weblinks
- Coverings of the Circle (Überlagerungen als Computeranimation)
, die paarweise disjunkten Mengen
abgebildet. Die Faser des Punktes
.
von
.
.
zugeordnet.
wird das
zugeordnet; es ist ein