Übertragungswagen

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Übertragungswagen des Hessischen Rundfunks beim Ironman Germany in Frankfurt
Übertragungswagen des Zweiten Deutschen Fernsehens im Jahre 1967 bei der Beerdigung Konrad Adenauers
Liveübertragung von der UEFA Euro 2008

Ein Übertragungswagen (Kurzform: Ü-Wagen) ist ein mit der notwendigen Technik eines Rundfunk- oder Fernsehstudios ausgestattetes Fahrzeug. Er wird meist für Live-Berichterstattungen genutzt, bei denen mobile Techniken wie Telefon oder Tonbandgeräte nicht für die Berichterstattung ausreichen.

Technik[Bearbeiten]

Je nach Umfang der Produktion umfasst ein Ü-Wagenzug verschiedene Fahrzeuge. Bei kleineren Produktionen transportiert nur ein Ü-Wagen bis 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht sowohl Zubehör wie Kameras, Stative und Kabel als auch eine Sendeeinrichtung. Dies gilt z. B. beim SNG, daher lautet der Name für diese Konfiguration SNG-Wagen oder einfach kurz SNG. In Einzelfällen (z. B. bei extremer Witterung) nutzen Berichterstatter die Fahrzeuge auch als Fernsehstudio.

Ein großer Übertragungswagen für Fernsehübertragungen enthält meist tragbare Kameras, Bildmischer, Videoeffektgeräte, Tonmischpulte und MAZ-Maschinen. Die kleinsten Ü-Wagen sind smarts (eher selten, beim Fernsehen nur eine Kamera) oder Fahrzeuge der Größenordnung VW-Bus. Die größten Einheiten sind Sattelschlepper mit Aufliegern, die seitlich ausziehbar sind und damit Raum für zahlreiche Arbeitsplätze bieten. Da es sich dabei aber nicht mehr um Fahrzeuge mit lediglich einer "Übertragungs"-Technik, sondern eher um eine vollständig mobile Studio-Bild/Tonregie handelt, werden solche große LKW speziell beim ZDF seit einigen Jahren nicht mehr als "Ü-Wagen", sondern als "MP" bezeichnet – Mobiles Produktionsmittel. Dort finden in der neuesten Generation MP4/MP5 rund 30 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und es können 16 (HD)-Kameras zuzüglich 2 Slomoeinheiten verarbeitet werden.

Bei größeren Produktionen, z. B. Sportübertragungen, ist eine sehr große aber mögliche Zusammenstellung einer Fahrzeugflotte:

Da Ü-Wagen aufgrund der kostspieligen Übertragungstechnik zu den teuersten Nutzfahrzeugen gehören, werden sie bei längeren Einsätzen extra bewacht.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste Ü-Wagen wurde im September 1951 in Hamburg in Betrieb genommen. Er wurde entwickelt vom NWDR, der Fernseh GmbH und der Autobusfirma Büssing. Mit dem Wagen waren zunächst nur Außenübertragungen in einem 20km-Umkreis des Senders möglich. Die ersten Übertragungen waren daher auf das Gebiet um den Hamburger Sender beschränkt: zwischen Planten un Blomen, Curiohaus und Ernst-Merck-Halle, Hamburger Hafen und dem Fußballplatz des FC St. Pauli.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Übertragungswagen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Knut Hickethier: Geschichte des deutschen Fernsehens. Metzler, Stuttgart 1998. ISBN 3-476-01319-7, S. 70.