Übung

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Übung (Begriffsklärung) aufgeführt.
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Eurozentrisch. Es fehlen u.a. die ostasiatischen (Konfuzianismus, Zen-Buddhismus) Konzepte des Übens. Ohne diese kann man nicht verstehen, warum z.B. chinesische Kinder so erzogen werden, wie Amy Chua es in Battle Hymn of the Tiger Mother beschreibt. Weiterhin ist die neurowissenschaftliche Perspektive bisher nur angedeutet; u.a. sollten die Begriffe „prozeduales“ bzw. „explizites Lernen“ vorgestellt werden. Auch die historische Perspektive fehlt, etwa Aristoteles (Nikomachische Ethik) und die Regula Benedicti.

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Eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr Attendorn
Polizisten üben 1931 an einem provisorischen Haus das Erklettern einer glatten Fassade.
Eine Sportübung

Als Übung bezeichnet man den Vorgang, bei dem erworbene, aber noch unsichere erste Lernstrukturen durch mehrfache Wiederholungen stabilisiert werden sollen. Übung bildet damit die zweite Phase in der Lernprozessfolge: lernen - üben - trainieren. Durch Üben kann das Erlernte also weiter perfektioniert oder vor dem Verlernen bewahrt werden. Eine Übung ist auch eine, im Gegensatz zur Prüfung meist wertungsfreie, Methode zur Beurteilung einer Leistung nach einem Lernprozess.

Oft ausgeführte Übungen sind der Schlüssel, um eine außergewöhnliche Fertigkeit oder sogar Meisterschaft zu erlangen.

Durch Üben werden Gedächtnisinhalte gefestigt, zum Beispiel gespeichertes Wissen als auch motorische Abläufe. Es gibt die sportlichen Übungen (Training), Instrumentalübungen (Etüden) oder geistliche Übungen (Exerzitien). Im militärischen Bereich wird durch Drill schnelles, unbewusst gesteuertes Handeln einstudiert, im Verkehrssicherheitstraining der Umgang mit Fahrzeug und Verkehrssituation.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Man nimmt an, die Fähigkeit des Gehirns, durch Wiederholung sich etwas zu merken, hat mit der Arbeitsweise der Nervenzellen und ihrer Schaltstellen, den Synapsen zu tun. Das Gehirn benötigt zur Wiedergabe einer einstudierten Bewegung oder eines Textes und anderer Lerninhalte eine den Lerninhalt repräsentierende Verschaltung. Durch die mehrmalige Benutzung des gleichen Schaltmusters bildet sich dieses erst aus. Die erfolgreichste Vorgehensweise zur Herstellung der richtigen Verschaltung ist das wiederholte, möglichst gleichförmige fehlerfreie Ausführen des geplanten Vorgangs: die Übung.

Im Kindesalter ist die Lernfähigkeit noch außergewöhnlich groß und nimmt mit dem Alter ab. Auch bei Tieren gibt es Beispiele für Lernen durch Üben.

Die Intelligenz selbst, die Fähigkeit zu verstehen und Lerninhalte miteinander in Beziehung zu setzen, kann durch Übung nicht gesteigert werden.

Arten des Übens[Bearbeiten]

In der Didaktik wird zwischen mechanischem Üben und Durcharbeiten unterschieden.

Mechanisches Üben ist die Wiederholung von ähnlichen Aufgaben, bis diese verstanden sind. Es besteht im häufigen wiederholten Vollzug einer Handlung oder Leistung. Das Ziel dieser Tätigkeit liegt darin, bestimmte Verhaltensweisen zu sichern, damit sie, ohne groß nachzudenken und mit einer gewissen Geläufigkeit vollzogen werden können. Nachteile sind die Unflexibilität, bei der das erworbene Wissen nicht auf neue Gebiete angewendet werden kann und die sinkende Motivation durch eintöniges Üben.

Durcharbeiten hat zum Ziel, das Wissen zu generalisieren, damit es in neuen Situationen angewendet werden kann. Damit Lernende eine Flexibilität im Denken und Handeln erreichen, ist ein vertieftes Verständnis nötig. Dies wird aufgrund vielseitigen Durchdenkens in Variationen erreicht und dient der Erweiterung des Verständnisses. Je weniger die Lernenden den Lerninhalt strukturieren, umso geringer ist die Behaltensquote. Ein Nachteil ist eine mögliche Überforderung von schwächeren Schülern.

Mechanisches Üben und Durcharbeiten kann durch geschickte Aufgabenstellung auch kombiniert werden.

Mentales Üben[1] bedeutet Üben im Kopf und kann z.B. von Sportlern oder Musikern angewandt werden. Dabei führt der Übende den zu erlernenden Bewegungsablauf in allen Einzelheiten ausschließlich im Kopf aus. Auch durch das innerliche Verbalisieren einzelner Bewegungsabschnitte oder durch Beobachtung bei anderen Personen (z.B. "Abgucken" von Bewegungen bei Profi-Tennisspielern) können Bewegungen erlernt oder verbessert werden.

Mentales Üben kann auch zur Bewältigung von Lampenfieber eingesetzt werden, indem die Vorspielsituation visualisiert und somit psychisch vorbereitet wird. Außerdem wurde auch eine allgemeine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit beobachtet.

Angewandt wird diese Art des Übens schon lange, selbst berühmte Musiker (z.B. Walter Gieseking und Arthur Rubinstein) berichten darüber. Mittlerweile liegen auch wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirksamkeit des mentales Übens vor, wie z.B. eine Studie aus dem Jahr 2009 von Jörn Munzert (Universität Gießen).[2]

Beispiele[Bearbeiten]

  • Erstklässler lernen Lesen und Schreiben durch wiederholtes Üben der Buchstaben.
  • Artisten, wie Trapezkünstler oder Zauberkünstler, müssen den Ablauf ihrer präzisen Bewegungen solange üben, bis sie ihrer Sache sicher sind.
  • Schauspieler üben ihren Text durch wiederholtes lautes Sprechen.
  • Regelmäßige durchgeführte Rettungseinsatzübungen, Katastrophenübungen oder Militärübungen geben den Ausführenden die Sicherheit im Ernstfall richtig zu handeln. Übungen, bei denen alle denkbaren Einsatzkräfte beteiligt sind, und bei denen große Schadensausmaße angenommen werden, werden als Vollübung bezeichnet.

Redewendungen[Bearbeiten]

  • „Klavier üben“, da Klavier ohne Übung nicht zu lernen ist.
  • „Übung macht den Meister“, da Übung dafür Voraussetzung ist.
  • „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, da man üben muss, um etwas gut zu beherrschen.
  • „Früh übt sich, was ein Meister werden will“, da man als junger Mensch leichter lernt.
  • „Sich in Geduld üben“, da Geduld offenbar schwer zu erlernen ist.
  • „Ständige Übung“ ist in der Fachsprache der Rechtswissenschaften eine übliche Vorgehensweise.

Weitere Übungsformen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Ulrich Grunder et al. (2007): Unterricht: verstehen - planen - gestalten - auswerten. Baltmannsweiler-Hohengehren: Schneider Verlag.
  • P. Schwarzenbach/B. Bryner-Kronjäger: Üben ist doof Gedanken und Anregungen für den Instrumentalunterricht Waldgut 2005 ISBN 3-03740-001-3
  • Martin Gellrich: Üben mit Lis(z)t Wiederentdeckte Geheimnisse aus der Werkstatt der Klaviervirtuosen Waldgut 1999 ISBN 3-72940-067-3
  • Linda Langeheine: Üben mit Köpfchen Mentales Training für Musiker Zimmermann 1999 ISBN 3-92172-952-1
  • Renate Klöppel: Mentales Training für Musiker Leichter lernen - sicherer auftreten Bosse 2010 ISBN 3-76492-444-6

Weblinks[Bearbeiten]

So macht Üben Spaß Artikel für Musiker von Michael Schymik

 Wikiquote: Übung – Zitate
 Wiktionary: Übung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Renate Klöppel: Mentales Training für Musiker, Bosse 2010 ISBN 3-7649-2444-6
  2. Vom Sofa aus trainieren. Artikel von Hanna Drimalla, Dezember 2011.