Þorlákur Þórhallsson
Þorlákur Þórhallsson (deutsch Thorlak Thorhallson) (* 1133 in Fljótshlíð; † 23. Dezember 1193), war ein Bischof auf dem isländischen Bischofssitz in Skálholt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Er war der Sohn von Þórhall Þorláksson in Hliðarendi, Fljótshlíð, und dessen Frau Halla Steinadóttir.
Seine Ausbildung erhielt er bei einem Priester in Oddi in Rangárvellir. 1152 wurde er zum Priester geweiht. Vermutlich ging er eine Ehe ein.[1] Er studierte vermutlich[2] 1153-59 an der Schule St. Victor in Paris sowie am augustinischen Domkapitel in Lincoln.
Nach seiner Rückkehr soll er sich für das monastische Leben entschieden und seine Ehe gelöst haben.[3] Er lebte für sechs Jahre Lehrer in Kirkjubær (Südisland).
Um 1168 gründete er mit Bischof Klængur Þorsteinsson (Klongr Thorsteinsson) von Skálholt das erste augustinische Kloster in Island in Þykkvabæjarklaustur. Dieses leitete er zunächst als Prior, von um 1171 an als Abt.
1176 wurde er, von Klængur dazu vorgesehen, Bischof von Skálholt. Am 1. Juli 1178 wurde er von Erzbischof Øystein Erlendsson in Nidaros (Trondheim) geweiht und nahm sein Amt bis zu seinem Tode wahr.
[Bearbeiten] Klostergründung und Besitzstreit
In seiner Amtszeit wurde 1186 das Benediktinerinnenkloster in Kirkjubær (Kirkjubæjarklaustur) gegründet.
Er erließ Vorschriften über die Fastenzeiten und reformierte die Kirche. Vor allem wandte er sich gegen die Sittenlosigkeit und die Gewohnheit einflussreicher Herren, sich Zweitfrauen (Kebsen) zu halten.
Im Sommer 1179 reiste er durch sein Bistum in den Ostfjorden und übte Druck auf die Bauern aus, die daraufhin damit einverstanden waren, Kirchengut der Kirche zu überlassen und die entsprechenden Bauernhöfe von ihr als Lehen anzunehmen.
Nach seiner Rückkehr geriet er in heftigen Streit mit dem Goden Jón Loftsson in Oddi, einem der mächtigsten Männer des Landes, über die Oberhoheit über das Kirchengut, das nach dem traditionellen Eigenkirchenwesen dem Eigenkirchenherrn gehörte.
Es handelte sich hier um eine Spiegelung des gleichzeitig zwischen Kaiser und Papst schwelenden Investiturstreits.[4]
[Bearbeiten] Heiligsprechung und Verehrung
Sein Nachfolger Páll Jónsson ließ seine Gebeine am 20. Juli 1198 auf den Altar erheben (Translatio). Eine päpstliche Bestätigung wurde zunächst nicht eingeholt.[5]
Sein Todestag, der 23. Dezember, wurde im Jahr danach auf dem Althing zu seinem Feiertag erklärt. Bischof Páll ließ einen Schrein für die Leiche erstellen, der auf den Hochaltar von Skálholt gesetzt wurde. Der Schrein bestand aus Gold, Silber und Edelsteinen.
Sein „Grab wurde zu Islands wichtigstem Wallfahrtsort, seine Person stand programmatisch für die Freiheit der Kirche von laikalem Einfluß; die Thorlak-Verehrung erhielt zusätzl[ich] eine nationale Note, als Island 1262 sich dem norwegischen Königtum unterwerfen mußte.“[6].
1237 wurde auch der 20. Juli als der Tag der Translatio zum Feiertag erklärt. Ihm wurden 56 Kirchen in Island geweiht.
Am 14. Januar 1984 bestätigte ihn Papst Johannes Paul II. als Schutzheiligen Islands.
Am 23. Dezember feiert man zur Erinnerung an ihn in Island die Þorláksmessa (Thorlaksmesse), sowie in Norwegen, auf den Färöern wo er ebenso verehrt wurde und seit dem 18 Jahrhundert auch in Schweden, u.a. auch Torlaksmesse, Tollesmesse, Sjursmesse oder Lilla julafton genannt.
[Bearbeiten] Literatur
- Quellen
- Socii Bollandiani (Hg.): Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis, 2 Bände, Bruxelles 1898-1901, Nr. 8273-8274. (altnorwegischer Wunderbericht)
- F. Caraffa u.a. (Hgg.): Bibliotheca Sanctorum, Rom 1961-1970, 12, 458f.
- Ásdís Egilsdóttir (Hg.): Þorláks saga helga. Elsta gerð Þorláks sögu helga ásamt Jarteinabókog efni úr yngri gerðum sögunnar, Þorlákssjóður, Reykjavík 1989.
- Ásdís Egilsdóttir: Þorláks sögur helga, in: Jónas Kristjánsson (Hg.): Biskupa sögur, Bd. 2, Íslenzk fornrit 16, Hið Islenzka Fornritafélag, Reykjavík 2002, 45-294.
- Guðrún Ása Grímsdóttir u.a. (Hgg.): Saga Biskupsstólanna. Akureyri, Hólar 2006, S. 32-33.
- Finnur Jónsson: Historia Ecclesiastica Islandiæ, Bd. 1 (1772), 287-300 (einsehbar bei Google Books), Bd. 4 (1778), 55-57.
- Róbert Abraham Ottósson: Sancti Thorlaci Episcopi officia rhythmica et proprium missae in AM 241a folio, Bibliotheca Arnamagnaeana, Supplement Band 3, Munksgaard, Kopenhagen 1959.
- Sekundärliteratur
- Hans Bekker-Nielsen: A Note on Two Icelandic Saints, in: The Germanic Review 36 (1961), 108–109.
- Paul A. Bibire: Art. "Þorláks saga helga“ (the saga of St. Þorlákr), in: Phillip Pulsiano, Kirsten Wolf (Hg.): Medieval Scandinavia. An encyclopedia, Garland encyclopedias of the Middle Ages 1, New York 1993, 671.
- Régis Boyer: Thorlákr Thórhallsson (1133-1193), in: André Vauchez u.a. (Hgg.): Encyclopedia of the Middle Ages, Chicago 2000, Band 2, 1439.
- Margaret Cormack: The Saints in Iceland. Their Veneration from the Conversion to 1400, Subsidia Hagiogaphica 78, Société des Bollandistes, Brussels 1994.
- Ásdís Egilsdóttir: Jarteinir Þorláks helga Þórhallssonar, in: Árnesingur. Sögufélag Árnesinga. Rit 5 (1998), 201-206.
- Ásdís Egilsdóttir: St Þorlákr of Iceland. The emergence of a cult, in: The Haskins Society journal 12 (2003), 121-131. (teils einsehbar bei Google Books)
- Susanne Miriam Fahn, Gottskálk Jensson: The Forgotten Poem. A Latin Panegyric for Saint Þorlákr in AM 382 4to, in: Gripla 21 (2010), 19-60.
- Tore Nyberg: Art. Thorlak (Þórlákr) Thórhallsson, in: Lexikon für Theologie und Kirche 3. Aufl., Bd. 10 (2001), 8f.
- Ekkart Sauser: Thorlak Thorhallsson. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 1373.
- Sigurður Sigurðarson: Thorlákur helgi og samtíd hans, Reykjavík 1993.
- Inge Skovgaard-Petersen: Islandsk egenkirkevæsen, in: Scandia 26 (1960), 230-296. (Digitalisat)
- Ole Widding, Hans Bekker-Nielsen, Laurence Shook: The Lives of the Saints in Old Norse Prose. A Handlist, in: Mediaeval Studies 25 (1963), 294-337.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Tore Nyberg: Art. Thorlak (Þórlákr) Thórhallsson, in: Lexikon für Theologie und Kirche 3. Aufl., Bd. 10 (2001), 8f.
- ↑ Vgl. Sverre Bagge: Nordic Students at Foreign Universities until 1660, in: Scandinavian Journal of History 9 (1986), 1-29.
- ↑ T. Nyberg: Thorlak (þórlákr) Thórhallsson, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, 732.
- ↑ vgl. z.B. Íslandssagan í máli og myndum. Hg. Árni D. Júliússon, Jón Ó. Ísberg. Reykjavík 2005, S. 48
- ↑ H. Bekker-Nielsen: THORLÁK THÓRHALLSSON, ST., in: New Catholic Encyclopedia, Bd. 14, 59f.
- ↑ T. Nyberg: Thorlak (þórlákr) Thórhallsson, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, 732.
[Bearbeiten] Weblinks
- Brian McNeil: Torlaco, Canonici Regolari Lateranensi, Rom. (italienisch)
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Klængur Þorsteinsson | Bischof von Skálholt 1174–1193 |
Páll Jónsson |
| Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachnamen, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Þorlákur Þórhallsson |
| ALTERNATIVNAMEN | Thorhallsson, Thorlakur; Þorlákur helgi; Hl. Thorlakur |
| KURZBESCHREIBUNG | Bischof auf dem isländischen Bischofssitz in Skálholt |
| GEBURTSDATUM | 1133 |
| GEBURTSORT | Fljótshlíð |
| STERBEDATUM | 23. Dezember 1193 |