ČSD-Baureihe 387.0

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Dieser Artikel befasst sich mit den ab 1926 gebauten Lokomotiven Baureihe 387.0 der Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD). Für die 1927 in Dienst gestellte Lokomotive 386.001 siehe ČSD 386.001.
ČSD-Baureihe 387.0
Beschreibung
Anzahl: 43
Hersteller: Škoda, Plzeň
Achsformel: 2' C 1'
Nummerierung: ČSD 387.001 - 043
01, 02, 04-11 03, 12-21 22-33 34-43
Indienststellung: 1926 - 1937
Ausmusterung: 1974
Dienstmasse: 89,6 t 92 t 92,64 t
Reibungsmasse: 50,2 t 51 t 51,54 t
Achsfahrmasse: 17 t
Länge über Puffer: 23.050 mm
Treibraddurchmesser: 1.900 mm
Laufraddurchmesser (vorn): 994 mm
Laufraddurchmesser (hinten): 994 mm
Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h
Kesseldruck: 13 bar
Kolbenhub: 680 mm
Zylinderdurchmesser: 525 mm 500 mm
Zylinderanzahl: 3
Rostfläche: 4,8 m²
Gesamte Heizfläche 260 m² 233,7 m² 206 m²
Überhitzerfläche: 93 m² 64,4 m²
Rostfläche: 4,8 m²
Zahl der Heizrohre: 53 126
Leistung: 1.500 kW
Steuerung: Heusinger
Anfahrzugkraft 97,0 kN
Bremsbauart: Handbremse
Druckluftbremse Westinghouse/Bozic

Als ČSD-Baureihe 387.0 wurden Schnellzug-Schlepptenderlokomotiven der einstigen Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) bezeichnet. Die Lokomotiven erhielten vom Betriebsdienst den Spitznamen Mikádo (nicht zu verwechseln mit der international verwendeten Bezeichnung Mikado für Dampflokomotiven der Achsfolge 1'D1', die 387.0 mit ihrer Achsfolge 2'C1' ist demnach eine Pacific).[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Entworfen wurde sie, weil zur damaligen Zeit mit der ČSD-Baureihe 365.0 nur eine 90 km/h schnelle Lokomotive für den Personenzugdienst vorhanden war. Nach den Erfahrungen mit der kkStB 310 (ČSD 375.0) wurde entschieden, daß für die neu zu bauende Schnellzuglokomotive nur eine 3-Zylinderlokomotive mit überhitztem Dampf und Tender in Frage käme.

Škoda in Plzeň entwickelte unter der Leitung des Schweizer Konstrukteurs Oscar Dolch eine Lokomotive, bei der die überkommenen altösterreichischen Konstruktionsprinzipien weitgehend verlassen wurden. In ihren konstruktiven Merkmalen ähnelte die Lokomotive den zur selben Zeit in Deutschland in Dienst gestellten Lokomotiven der DR-Baureihe 01, obwohl sie mit Rücksicht auf die tschechoslowakischen Streckenverhältnisse deutlich leichter ausgeführt werden mussten. Die ersten sechs Lokomotiven wurden im Frühjahr 1926 mit den Nummern 386.001 bis 386.006 ausgeliefert. Die ČSD zeichnete Lokomotiven im Mai 1926 in 387.001 bis 387.006 um, weil die vereinbarte Masse und der Achsdruck überschritten waren. Die Höchstgeschwindigkeit war zunächst auf 100 km/h festgelegt.

Škoda überarbeitete den Entwurf letztlich noch einmal und fertigte 1927 mit der Fabriknummer 386 eine Lokomotive mit ähnlichen Parametern, welche die geforderte Achsfahrmasse von 16 t einhielt. Sie erhielt die Nummer 386.001 in Zweitbesetzung. Weitere Lokomotiven dieser Bauart wurden jedoch nicht gefertigt, da sich die Lokomotiven des ursprünglichen Entwurfes bewährten und deshalb weiterbeschafft wurden.

In den Jahren 1930, 1932, 1933 und 1937 wurden in vier Baulosen noch insgesamt 37 Lokomotiven der Reihe 387.0 an die ČSD ausgeliefert. Dabei gab es Änderungen bei der Dampfmaschine, der Steuerung und der Geschwindigkeit, die auf 120 km/h heraufgesetzt wurde. Später wurde sie einheitlich für alle Lokomotiven auf 110 km/h festgelegt.

Die ČSD-Baureihe 387.0 war die Lokomotive bei den ČSD in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Kenner sprechen bei ihr von einer der elegantesten Lokomotive der Welt. Aber auch leistungsmäßig konnte sie sehr überzeugen. So konnte ein Schnellzug aus 18 vierachsigen Schnellzugwagen und einer Gesamtmasse von 642 t zwischen Přerov und Praha von der 387.004 mit der Durchschnittsgeschwindigkeit von 61,7 km/h befördert werden. Auf der Trasse zwischen Praha und Břeclav brachte der Betrieb mit der 387.0 20 % weniger Brennstoffverbrauch und 25 % weniger Schmierstoffverbrauch gegenüber dem Betrieb mit der ČSD-Baureihe 375.0. Beheimatet wurden sie in den Depots von Praha, Přerov, Bratislava, Břeclav, Brno, Děčín

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden für den schweren Schnellzugsdienst vierfachgekuppelte Lokomotiven bevorzugt, was ein Abwandern der 387.0 in untergeordnetere Dienste zur Folge hatte. Die Einsatzstellen waren dann Brno, Děčín und Přerov. Während ihrer langen Einsatzzeit erhielten die Lokomotiven konstruktive Verbesserungen, so z. B. Trofimoff-Schieber, Kylchap-Doppelblasrohr Schüttelrost oder eine pneumatische Entschlackungseinrichtung. Die Entwicklung und Bau der ČSD-Baureihe 475.1, ČSD-Baureihe 498.0 und ČSD-Baureihe 498.1 läuteten das Ende der Lokomotive ein. 1968 wurden die ersten Maschinen ausgemustert. 1974 wurde mit der 387.016 in Děčín die letzte Maschine ausgemustert.

Von den Lokomotiven sind 3 erhalten geblieben; die 387.017 und 387.019 im Lokdepot Bratislava - Vychod im schlechten Zustand, es gibt jedoch Gedanken, aus ihnen eine betriebsfähige Maschine zusammenzusetzen. Die 387.043, die seit 1969 Eigentum des Technischen Nationalmuseums in Prag ist, steht gegenwärtig im Eisenbahnmuseum Lužna u Rakovníka. Im Frühjahr 2000 wurde die Lok mit Fristablauf abgestellt, erhielt jedoch eine Kesseluntersuchung, womit der Kessel mit einem Druck von 11 bar betrieben werden konnte. In diesem Zustand eingeschränkter Betriebsfähigkeit wurde die Lok im Eisenbahnmuseum Lužna für Führerstandsmitfahrten genutzt und konnte sich mit eigener Kraft auf dem Gelände des Museums bewegen. Seit 2004 ist sie nicht mehr betriebsfähig und wird von den Tschechischen Bahnen, dem Betreiber des Museums, wohl auch nicht aufgearbeitet werden, da sie nicht ihr Eigentum ist und das Technische Nationalmuseum kaum Mittel dafür wird aufbringen wollen. Grobe Schätzungen für die Aufarbeitung (außer Kessel muss diverses Weiteres erneuert werden) belaufen sich auf 400.000 Euro.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Katalog der historischen Eisenbahnfahrzeuge auf slowakischem Gebiet, Bratislava, 2001

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe auch die Anmerkung in www.kalous.net