Člunek

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Člunek
Wappen von ????
Člunek (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Jindřichův Hradec
Fläche: 766 ha
Geographische Lage: 49° 7′ N, 15° 8′ O49.11027777777815.131388888889544Koordinaten: 49° 6′ 37″ N, 15° 7′ 53″ O
Höhe: 544 m n.m.
Einwohner: 485 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 378 33 - 378 61
Verkehr
Straße: Jindřichův HradecDačice
Bahnanschluss: Jindřichův Hradec–Nová Bystřice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Plachý (Stand: 2007)
Adresse: Člunek 21
378 33 Nová Bystřice
Gemeindenummer: 561703
Website: www.clunek.cz

Člunek (deutsch Hosterschlag) ist eine Gemeinde mit knapp 500 Einwohnern in Tschechien. Sie liegt neun Kilometer südöstlich von Jindřichův Hradec und gehört zum Okres Jindřichův Hradec (Bezirk Neuhaus).

Geographie[Bearbeiten]

Das Straßendorf Člunek befindet sich im Nordwesten der Javořická vrchovina in einer hügeligen Teichlandschaft des Naturparkes Česká Kanada. Der größte Teich ist mit 196 ha der westlich des Ortes gelegene drei Kilometer lange und vom Koštěnický potok gespeiste Kačležský rybník (Gatterschlägerteich), die darin befindliche Insel ist ein Vogelschutzgebiet. Nördlich liegt mit dem Krvavý rybník (Rothwehrteich) ein weiterer großer Teich. Im Ortsteil Lomy befindet sich der Bahnhof Kunžak-Lomy (Königseck-Tieberschlag) der Schmalspurbahnstrecke Jindřichův HradecNová Bystřice (Neuhaus-Neubistritz). Der Ort ist als ein Linsenangerdorf angelegt.

Nachbarorte sind Malý Ratmírov im Norden, Lomy (Tieberschlag) im Osten, Kunějovský Dvůr (Kunaser Hof) und Kunějov (Kunas) im Süden, Kunějovské Samoty (Kunaser Einachten) im Südwesten, Kačlehy (Gatterschlag) im Westen sowie Hospříz (Köpferschlag) und Blažejov (Blauenschlag) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ort wurde im Jahre 1255 vom Deutschen Ritterorden gegründet. Im Czernin-Urbar aus dem Jahre 1654 ist verzeichnet, dass der Ort aus 29 Häusern bestand. Die Anlage von Tieberschlag und die bis 1945 gesprochene Ui-Mundart (nordbairisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme aus dem oberpfälzischen Raum hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2]

Ab 1693 gehörte Hosterschlag zur Herrschaft Königseck. Bis zum Jahre 1848 verblieb der Ort in dieser Herrschaft. Die Matriken werden seit dem Jahre 1787 im Ort geführt. Ab dem Jahre 1856 ist der Ort eine eigene Pfarre. Davor war Hosterschlag in Teltsch bzw. später in Blauenschlag eingepfarrt. Während des Deutsch-Österreichischen Krieges, 1866, wurde der Ort von preußischen Truppen besetzt, welche die Cholera einschleppten.[3] Im Jahre 1893 wird eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Beim Bau der Lokalbahn von Neubistritz nach Neuhaus erhielt der Ort im Jahre 1899 einen Bahnhof. Zum 60. Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joseph im Jahre 1908 wurden von den Schülern Eichen gepflanzt. Die Einwohner des Ortes lebten von der Vieh-, Forst- und Landwirtschaft, wobei der Weinbau aufgrund des ungünstigen Klimas keine Rolle im Ort spielte. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es eine Raiffeisenkasse, zwei Mühlen und zwei Webereifaktoreien.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[4] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Hosterschlag, dessen Bewohner 1910 zu 98 % zur deutschen Sprachgruppe zählten, an den neuen Staat. Maßnahmen folgten wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung. Dadurch kam es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[5] Diese Maßnahmen verschärften die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Im Folge des Münchner Abkommens wurde Hosterschlag zum 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.[6]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 - der 39 Opfer forderte - kam die Gemeinde, infolge der Aufhebung des Münchener Abkommens durch die Siegermächte, wieder zur Tschechoslowakischen Republik zurück. Am 30. Mai 1945 wurden Hosterschlag sowie die umliegenden Orte system- und zeitgleich von ortsfremden militanten Tschechen übernommen. Sie nahmen zuerst einige Geiseln und vertrieben anschließend den Großteil der deutschen Ortsbevölkerung über die Grenze nach Österreich. Zwei Geiseln und drei weitere Personen kamen zu Tode.[7] Das Beneš-Dekret 115/46 (Straflosstellungsgesetz) schützte vor einer juristischen Aufarbeitung der Geschehen. 25 Personen verblieben im Ort. Laut dem Beneš-Dekrete 108 wurde das Vermögen der deutschen Bevölkerung entschädigungslos konfisziert. Die nach Österreich vertriebenen Ortsbewohner wurden bis auf 5 Familien, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen des Potsdamer Kommuniqués, nach Deutschland weiter transferiert.[8]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

1960 wurden die Nachbarorte Kunějov (Kunas) und Lomy (Tieberschlag) eingemeindet. Die Gemeinde Člunek besteht nun aus den Ortsteilen Člunek (Hosterschlag), Kunějov (Kunas) und Lomy (Tieberschlag) sowie den Ansiedlungen Kunějovský Dvůr (Kunaser Hof), Kunějovské Samoty (Kunaser Einachten).

Siegel und Wappen[Bearbeiten]

Vor dem Jahre 1848 konnte kein Gemeindesiegel nachgewiesen werden. Es wird vermutet, dass alle rechtlichen Angelegenheiten von der Herrschaft Königseck abgewickelt wurden. Ab 1848 hat Hosterschlag einen bildlosen Gemeindestempel geführt.[9]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 675 659 16 0
1890 605 587 18 0
1900 586 574 12 0
1910 539 529 10 0
1921 495 475 18 2
1930 446 406 40 0

[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Naturreservat Krvavý und Kačležský rybník
  • Kirche des Hl. Johannes von Nepomuk, erbaut 1787, Altarbild von Rudolf Müller, Seitenaltar von Mathias Neubauer, Kanzel von Josef Kocab
  • Kapelle des Hl. Florian in Lomy
  • Kapelle des Hl. Philippus in Kunějov
  • Gehöfte im Stil des böhmischen Bauernbarock, das älteste stammt aus dem Jahre 1823[11]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Adalbert Ruschka (1838) Schriftsteller, Dichter, Direktor der Lehrerbildungsanstalt Budweis

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf deutschen Ortsbewohner:

  • Starb ein junges Mädchen, ging vor dem Sarg ein Mädchen mit einem Brautkleid und einem Myrthenkranz. Der Sarg selbst wurde ebenfalls von Mädchen getragen und dahinter ging ein Mädchen in einem schwarzen Kleid mit einer abgebrochenen Kerze.[12]
  • Eine Sage aus Hosterlitz spricht von Waldweibern. Wird ein Kind geboren, versuchen sie es zu stehlen und legen dafür ihr Eigenes in die Krippe. Diese missgestalteten Kinder haben einen unförmigen Kopf und lernen nie sprechen. Deshalb verlässt die Mutter so gut wie nie das Zimmer, bevor sie nicht den Dorfsegen in der Kirche erhalten hat.[13]
  • In der Umgebung wurde der Ort „Hausterschloh“ genannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, S. 13.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden in den Heimatkreisen Neubistritz, Zlabings, Nikolsburg und Znaim. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1992, ISBN 3-927498-16-5, S. 97.
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3: Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 358.
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2008, S. 68.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Člunek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. Beiträge zur Volkskunde Südmährens. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1989, ISBN 3-927498-09-2, S. 10.
  3. Franz Sros: Die Brechruhr-Epidemie des Jahres 1866 im Budweiser Kreis. In: Vierteljahrschrift fuer die praktische Heilkunde. Bd. 24, Heft 4 = Bd. 96 der ganzen Folge, 1867, ZDB-ID 547299-4, S. 109–124, hier S. 110.
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede. St. Germain und die Folgen. 1919–1989. Amalthea, Wien u. a. 1989, ISBN 3-85002-279-X.
  5. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche. 1918–1938. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1967.
  6. Blaschka, Frodl: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. 2008, S. 68.
  7. Schickel, Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. 2001, S. 358.
  8. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46. Unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer Wien und Niederösterreich. Wien 1995 (Wien, Universität, phil. Diplom-Arbeit, 1995).
  9. Vincenz Robert Widimsky: Städtewappen des Österreichischen Kaiserstaates. Band 1: Königreich Böhmen. k. k. Hof-und Staatsdruckerei, Wien 1864, S. 227.
  10. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. sv.9. 1984.
  11. Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. 1990, S. 13.
  12. Blaschka, Frodl: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. 2008, S. 69.
  13. Josef Virgil Grohmann (Hrsg.): Sagenbuch von Böhmen und Mähren. Theil 1: Sagen aus Böhmen. Calve, Prag 1863, S. 126.