Şanlıurfa

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt; die Provinz siehe Şanlıurfa (Provinz), die Statistikregion Şanlıurfa (NUTS-Region).

Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Şanlıurfa
Wappen von Şanlıurfa
Şanlıurfa (Türkei)
Red pog.svg
Basisdaten
Provinz (il): Şanlıurfa
Koordinaten: 37° 9′ N, 38° 48′ O37.15833333333338.791666666667477Koordinaten: 37° 9′ 30″ N, 38° 47′ 30″ O
Höhe: 477 m
Einwohner: 526.247[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90) 414
Postleitzahl: 63 000
Kfz-Kennzeichen: 63
Struktur und Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Eşref Ahmet Fakıbaba (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Şanlıurfa
Einwohner: 788.956[1] (2012)
Fläche: 3.669 km²
Bevölkerungsdichte: 215 Einwohner je km²

Şanlıurfa ([ʃanˈlɯuɾfa], arabisch ‏الرها‎, DMG ar-Ruhā, armenisch Ուռհա Urha, kurdisch Riha, syrisch-aramäisch ܐܘܪܗܝ Urhoy), auch schlicht Urfa genannt, auch unter ihrem antiken Namen Edessa bekannt, ist die Provinzhauptstadt der türkischen Provinz Şanlıurfa und zählt 498.111 Einwohner (Stand Ende Dezember 2010).

Name[Bearbeiten]

Im Syrischen wurde die Stadt ܐܘܪܗܝ / Urhoy genannt. Der seleukidische Herrscher Antiochos IV. Epiphanes nannte sie Antiochia Kallirhoe, Seleukos Nikator schließlich Édessa, nach der makedonischen Stadt gleichen Namens. Als römische Kolonie hieß sie offiziell colonia Aurelia Antonia und colonia Opellia Macriana, später auch Alexandria, doch blieb der Name Edessa in den griechischen und römischen Quellen gebräuchlicher. Noch im Mittelalter war Urfa bei den Franken als Edéssa bekannt, während sie syrische Autoren weiter Urhay/Orhay nennen. Diesen Namen übernahmen auch die Osmanen.

1983 wurde der Stadt wie auch der Provinz, die beide bis dahin lediglich Urfa hießen, der Titel şanlı (zu deutsch „ruhmreich“) verliehen. Der Namenszusatz soll nach offizieller Lesart an den Widerstand der Region gegen die französische Besatzung im türkischen Befreiungskrieg erinnern. Als dessen Resultat verschwanden die letzten Reste der christlichen Bevölkerung (Armenier und Aramäer) der Provinz. Gebräuchlicher ist aber bis heute abseits offizieller Dokumente der Name Urfa.

Geographie[Bearbeiten]

Stadtansicht

Şanlıurfa liegt im Südosten der Türkei und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Geographisch und historisch gehört die Stadt zu Nordmesopotamien. Sie hatte in den Jahren seit Anfang des 21. Jahrhunderts ein erhebliches Bevölkerungswachstum zu verzeichnen.

Urfa befindet sich rund 80 km vom Euphrat und rund 40 km von der türkisch-syrischen Grenze entfernt im Nordwesten einer fruchtbaren Ebene, die im Westen, Norden und Osten von Bergen umschlossen ist. Im Südosten liegt die Ebene von Harran. Drei Bäche durchfließen die Stadt, Karakoyun, Dschalzak und Siren, wobei der Verlauf des Karakoyun schon in römischer Zeit eine Umlegung erfahren haben muss, wie aus den Stadtkarten von Carsten Niebuhr von 1766 und Helmuth von Moltke von 1838 ersichtlich ist. Der sehenswerte Basar von Urfa gilt nach dem von Aleppo als der größte des Vorderen Orients.

Urfa liegt am Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen. Eine Ost-Westverbindung, verlief von Persien und Nisibis zu einer Euphratfurt bei Samsat und der Mittelmeerküste, eine Nord-Südverbindung ging vom anatolischen Hochland und Diyarbakir nach Harran und Syrien. Die Stadt verfügt über einen eigenen Flughafen, der unter anderem von Turkish Airlines bedient wird und Urfa mit Istanbul verbindet. Der nächstgelegene überregionale Flughafen ist dann der rund 180 Kilometer nordöstlich gelegene Flughafen Diyarbakır.

Klimatabelle[Bearbeiten]

Şanlıurfa
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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14
 
 
46
 
19
8
 
 
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12
4
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Turkish State Meteorological Service; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Şanlıurfa
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 9,7 11,7 16,1 22,0 28,5 34,4 38,5 38,2 33,8 26,9 18,6 11,9 Ø 24,3
Min. Temperatur (°C) 1,8 2,6 5,4 10,0 14,9 20,2 23,9 23,6 19,7 14,2 8,3 3,7 Ø 12,4
Niederschlag (mm) 88,3 71,2 65,3 50,7 26,4 3,2 0,5 0,7 1,1 24,2 45,7 80,0 Σ 457,3
Sonnenstunden (h/d) 4,1 5,0 6,3 7,9 10,3 12,5 12,6 11,7 10,5 8,1 6,1 4,3 Ø 8,3
Regentage (d) 14,2 12,5 11,9 10,2 6,6 1,5 0,3 0,2 0,8 5,4 8,7 12,2 Σ 84,5
Luftfeuchtigkeit (%) 71 66 60 53 43 31 27 29 33 41 58 67 Ø 48,2
T
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p
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9,7
1,8
11,7
2,6
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10,0
28,5
14,9
34,4
20,2
38,5
23,9
38,2
23,6
33,8
19,7
26,9
14,2
18,6
8,3
11,9
3,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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24,2
45,7
80,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

In der Nähe der Stadt liegt der Göbekli Tepe mit mutmaßlich sakralen neolithischen Felsanlagen aus der Zeit ab ca. 9000 v. Chr. (PPNA und PPNB). Ihre Entdeckung in den 1990er Jahren stellte eine archäologische Sensation dar; derzeit gräbt hier das Deutsche Archäologische Institut. Aus der Stadt selbst stammen Stelenfunde ähnlichen Alters.

Im Basar von Urfa

Antike[Bearbeiten]

Es wird vermutet, dass Urfa identisch ist mit dem hurritischen Urschu, das um 2000 v. Chr. in sumerischen, akkadischen und später in hethitischen Keilschrifttexten erwähnt wird. 1370 wurde Urschu von den Hethitern unter Šuppiluliuma I. erobert. Nach dem Ende des Hethiterreiches gehörte Urschu zu Karkemisch.

Die Stadt wurde von Alexander erobert. Aus machtpolitischen Gründen nahm Seleukos I. eine Neugründung unter dem makedonischen Namen Edessa vor. Als Gründungsdatum wird gewöhnlich 303 v. Chr. angegeben. Die Stadt hatte ein rechtwinkliges Straßennetz mit viereckigen Mauern und Toren, die nach den Himmelsrichtungen orientiert waren. Der Burgberg lag nur teilweise innerhalb der Stadtmauern.

Nach dem Zerfall des Seleukidenreichs entstand um Edessa das unabhängige Kleinkönigreich Osrhoene, das später aufgrund der angeblichen Taufe des Königs Abgar durch den Apostel Taddäus als erstes christliches Reich der Welt galt. Die (teils unhistorische) Liste der Könige findet sich in der Chronik des syrischen Erzbischofs Dionysius von Tell Mahre. Die große Mehrheit der heutigen Forscher hält die Berichte über die sehr frühe Christianisierung Edessas aber für eine Legende, die in der Spätantike entstand. Edessa wurde damals bekannt durch den angeblich ersten christlichen König Abgar V., der laut der Legende durch seinen Sekretär Hannan mit Jesus Christus korrespondierte und mit der ersten christlichen Ikone, einem Bild mit dem strahlenden Gesicht Jesus, in Zusammenhang gebracht wird. Diese (unhistorische) Legende entstand im 4. Jahrhundert und erlangte eine sehr weite Verbreitung. Erstmals im 6. Jahrhundert ist dann die Variante belegt, Jesus habe Abgar nicht nur ein heiliges Abbild von sich selbst geschickt, sondern auch einen Brief, in dem er dem König garantiert habe, Edessa werde niemals von Feinden erobert werden. Am Hof Abgars lebte Bardesanes von Edessa, der erste Philosoph, der in syrischer Sprache schrieb und auch Buddha erwähnt. Seine Münzen zeigen ihn mit der Tiara; auf der Rückseiute das Bild des römischen Kaisers. Es ist zu vermuten, dass das Christentum unter ihm eine Rolle zu spielen begann; 201 wurde bei einem Hochwasser die erste christliche Kirche zerstört; schon bald darauf begann die Blütezeit der Schule von Edessa, und gegen Ende des 4. Jahrhunderts beschrieb die Pilgerin Egeria die Kirchen der Stadt, in der das "Mandylion", das "Porträt Christi" aufbewahrt wurde.

Unter römischer Dominanz behielt die Stadt zunächst ihre Unabhängigkeit. Pompeius bestätigte Abgar (II.) von Edessa nach 67 v. Chr. in seinem Amt. Dieser scheint dann, nach Plutarch, eine wichtige Rolle bei der Niederlage des Crassus 53 v. Chr. gespielt zu haben.[2] Danach wurde Edessa mitsamt der Osrhoene ein abhängiges parthisches Klientelkönigreich unter eigenen Fürsten. 49 n. Chr. wird Abgar (V.) bei Tacitus (Annalen XI,12) als "König der Araber" erwähnt.

Als Kaiser Trajan 114 in Antiochia weilte, brachte ihm der König von Edessa, ebenfalls mit Namen Abgar, Geschenke, darunter über 200 Pferde. Aber schon 116 fiel Abgar von den Römern ab, und die Stadt wurde zerstört. Trajans Nachfolger Hadrian musste das Gebiet wieder räumen und setzte 117 einen parthischen Prinzen als Herrscher über Edessa ein. Wenig später gehörte die Osrhoene wieder fest zum parthischen Machtbereich. Im Jahr 123 kam dann eine einheimische Dynastie unter Manu (VII.) an die Herrschaft. Bis 160 gab es keine Münzen, durch die sich ein "Königreich Edessa" nachweisen ließe. Die ältesten Münzen sind von König Wael bar Sahru (163-165) erhalten, der von den Parthern eingesetzt wurde. Von König Manu VIII. (139-163, 165-176/9) ist eine Münze erhalten, die ihn mit der Tiara zeigt. Im Jahr 165, während eines erneuten römisch-parthischen Krieges, rebellierte die Stadt gegen die Parther und öffnete römischen Truppen die Tore, der Herrscher wurde römischer Klientelkönig.

Edessa hatte lange mit dem Kult des Mondgottes Sin im nahen Harran konkurriert. Bedeutend war die Verehrung der Göttin Taratha. Noch in einem Gesetzbuch aus der Schule von Bar Daisan aus dem 3. Jahrhundert wird berichtet, dass sich in Edessa Männer zu Ehren von Taratha kastrierten. Unter dem toleranten König Abgar VIII. (176/9-212), von dem eine große Zahl von Münzen erhalten sind, wurden andererseits angeblich die ersten christlichen Kirchen gebaut. Die angeblichen Gebeine des heiligen Thomas (Mar Tuma) wurden laut späterer Tradition um 233 n. Chr. in die Stadt gebracht und in der Hauptkirche bestattet.

194 rebellierte Edessa gegen die Römer und wurde anschließend von Kaiser Septimius Severus unterworfen. Abgar IX. (212-214) folgte noch kurzfristig seinem Vorgänger auf den Thron. Der neue Kaiser Caracalla ließ ihn jedoch absetzen und töten, beendete die Herrschaft der edessenischen Könige und machte die Stadt 214 zur römischen colonia und zur Hauptstadt der Provinz Osrhoene. Es scheint jedoch auch weiter Lokalfürsten gegeben zu haben; so siedelte ein edessenischer Phylarch namens Abgar 243 mit seiner Familie nach Rom über. Abgar (X.) prägte unter Kaiser Gordian die letzten Münzen mit der Umschrift "Abgaros Basileus".

Im Jahre 260 wurden die Römer unter Valerian durch die persischen Sassaniden unter Schapur I. in der Nähe von Edessa besiegt, der Kaiser geriet in Gefangenschaft.

Spätantike[Bearbeiten]

Das spätantike Edessa war weiterhin römischer Statthaltersitz, besaß eine Münzprägestätte, hatte eine weltoffene Oberschicht und war ein Zentrum für den Karawanenfernhandel mit Luxusgütern. So gab es seit alter Zeit Handelsbeziehungen zwischen Edessa und Indien. Hier kam es daher in besonderem Maße zu Kulturkontakten zwischen Orient und Okzident, und die stark befestigte Stadt blühte auch wirtschaftlich.

Während der Spätantike war Edessa ein wichtiges religiöses und intellektuelles Zentrum für den syrisch-römischen Osten, auch wenn die „Perserschule von Edessa“ 489 auf Druck des römischen Kaisers Zenon geschlossen wurde (die Dozenten wanderten ins im persischen Sassanidenreich liegende Nisibis aus). Vor allem im 6. Jahrhundert war die Stadt dann zwischen Oströmern und Persern schwer umkämpft; in dieser Zeit wurde auch die Abgar-Legende, die bereits 200 Jahre zuvor Eusebius von Caesarea erwähnt hatte, ausgestaltet und das die Stadt schützende angeblich Bild Christi erstmals erwähnt (s. o.). 544 scheiterte eine großangelegte Belagerung durch den persischen Sassanidenkönig Chosrau I.. Schon 525 waren weite Teile der Stadt zerstört worden, als der Fluss Daisan über die Ufer trat. Kaiser Justinian ließ daraufhin umfangreiche Baumaßnahmen durchführen, weshalb die stark befestigte Stadt den Persern oft widerstehen konnte, bevor sie unter Chosrau II. um 608 schließlich doch erobert wurde.

Mittelalter[Bearbeiten]

Zitadelle

630 gaben die Perser Edessa an die Oströmer/Byzantiner zurück. Doch schon im Jahr 638 fiel die Stadt - ungeachtet der Versprechen der Abgar-Legende - in die Hände der arabischen Muslime; damit endete die antike Geschichte des Ortes. Erst 1052 fiel Edessa wieder an Byzanz. Doch nach 1071 ergriff der armenische Abenteurer Michael Apokapes die Herrschaft. Ihm folgte – nach einem kurzen Zwischenspiel des Leon Diabatenos – 1078 sein Sohn Basileios, der die Stadt im Auftrag des ehemaligen byzantinischen Kuropalates Philaretos Brachamios einnahm. Thoros, ein Offizier des Philaretos Brachamios, trat um 1090 seine Nachfolge an. Dieser konnte Angriffen der Seldschuken standhalten, rief aber 1097 Kreuzfahrer des Ersten Kreuzzugs zu Hilfe und adoptierte schließlich deren Grafen Balduin von Boulogne. Als Thoros 1098 ermordet wurde, übernahmen die Kreuzfahrer die Herrschaft und machten die Stadt zur Hauptstadt der Grafschaft Edessa. Hierüber berichtet ausführlich der zu dieser Zeit in Edessa lebende armenische Mönch Matthias von Edessa.

Ab dem Jahre 1144 wurde Edessa wiederholt von den Seldschuken aus Aleppo erobert, geplündert und schließlich 1147 vollständig zerstört. Dies markierte das Ende der großen Zeit Edessas. Die Zerschlagung des Kreuzfahrerstaates Edessa sollte der Anlass für den letztlich erfolglosen Zweiten Kreuzzug sein. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt von den Mongolen und schließlich von den Mamelucken erobert.

Neuzeit[Bearbeiten]

1637 wurde Edessa vom Osmanischen Reich erobert und endgültig in Urfa umbenannt. Zu dieser Zeit war die Stadt ein Handelszentrum für Baumwolle, Leder und Juwelen. 1830 geriet die Stadt kurzzeitig unter die Kontrolle des ägyptischen Gouverneurs Muhammad Ali Pascha.

1895, nach den Pogromen gegen Armenier und die syrischen Christen durch spezielle Einheiten des Sultans Abdülhamid II., die sogenannten Hamidiye, im Süden und Osten Anatoliens, baute Johannes Lepsius in der Stadt mehrere karitative Einrichtungen für die Überlebenden der Pogrome auf. Sie wurden ab 1903 von der dänischen Missionarin Karen Jeppe geleitet, die sich während des Ersten Weltkrieges einen Namen als Retterin zahlreicher armenischer Flüchtlingskinder vor dem Genozid machte, als 1915/16 mehrere hunderttausend Armenier via Urfa auf Todesmärschen in die mesopotamische Wüste getrieben wurden. 1917 verließ Jeppe krankheitsbedingt die Türkei und setzte ihre Arbeit 1921 als offizielle Beauftragte des Völkerbundes im benachbarten Syrien fort. Bereits 1915 wurde das armenische Viertel der Stadt durch osmanische Artillerie zerstört, wobei Offiziere aus dem mit der Türkei verbündeten Deutschen Reich die Kanoniere anleiteten.[3] Es kam zum Widerstand von Urfa.

Die Besetzung Urfas durch die Briten im März 1919 brachte ein halbes Jahr friedlichen, raschen Wiederaufbau. Deren Ablösung durch französische Truppen war dagegen bereits von Unwillensäußerungen der Muslime begleitet. Die Franzosen wurden in der Folgezeit von den türkisch-nationalistischen Streitkräften aus dem Gebiet vertrieben.

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat Urfa stark vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren können, den insbesondere das Südostanatolien-Projekt (GAP) in der Südosttürkei hervorgerufen hat.

Gründungsmythen[Bearbeiten]

Als Gründer der Stadt nennt Ephraim der Syrer, der Orhay mit dem biblischen Erech gleichsetzt, den assyrischen König Nimrod. Dies wird unter anderem durch Isidor von Sevilla aufgegriffen. Jakob von Edessa setzte Nimrod dann mit Ninos, dem Sohn des Belos gleich, der bei Diodor als der Gründer Ninivehs erwähnt wird. Zwei 17 Meter hohe Säulen mit korinthischen Kapitellen auf dem Zitadellenberg Urfas werden im Volksmund Thron des Nimrod genannt. Bar Hebraeus nennt Henoch, „den die Griechen Hermes Trismegistos nennen“, als Gründer der Stadt. Nach anderer syrischer Tradition wurde Urfa durch Orhay, den Sohn der Schlange (Hewya) gegründet.

Religion[Bearbeiten]

Teich des Abraham mit heiligen Karpfen an der Halil-Rahman-Moschee

Şanlıurfa ist die fünftheiligste Stätte des Islam und ein bedeutender Wallfahrtsort, denn hier sollen Abraham (Ibrahim) und Ijob (Eyyub) gelebt haben. Entsprechend islamischer Tradition wurde Abraham hier geboren, seine angebliche Geburtshöhle wird verehrt und ist eine wichtige Pilgerstätte. So wird Şanlıurfa auch mit der alttestamentlichen Stadt Ur in Verbindung gebracht.

Eine zentrale Stätte des islamischen Wallfahrtsortes Şanlıurfa ist die Halil-Rahman-Moschee und der zum Komplex gehörende Teich des Abraham mit heiligen und unantastbaren Karpfen. Die Legende besagt, dass Gott Abraham, der auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, errettete, indem er das Feuer in Wasser verwandelte und Glutbrocken zu Karpfen wurden.

Die christliche Gemeinde von Edessa hat stets beansprucht, besonders alt und ehrwürdig zu sein. Nach der (historisch sehr fragwürdigen) Taufe des Königs Abgar V. Ukama und vieler Bewohner seines Reiches wurden, so heißt es, die ersten christlichen Kirchen in Edessa gebaut. Abgar V. soll auch angeordnet haben, dass jedem, der sich zu Ehren von Taratha kastrierte, die Hand abgeschnitten werde, worauf diese Sitte erlosch. Aus dieser Zeit soll auch das Mandylion stammen, ein Tuch, das ein Abbild Christi zeigt und dem König laut der Legende von Jesus selbst zugesandt wurde. Dieses Bild, das im 6. Jahrhundert erstmals historisch fassbar wird und damals nach Konstantinopel gebracht wurde, gilt manchen als die erste christliche Ikone. Nach einer anderen christlichen Tradition war der Apostel Thomas, einer der Jünger Jesu, Gründer der syrischen Kirche in Edessa. Laut dieser Tradition wurden seine Gebeine aus Parthien oder Indien nach Edessa überführt und dort bestattet. Ibas von Edessa ließ für seine Reliquien eine Kirche erbauen.

Schule von Edessa[Bearbeiten]

Der erste bedeutende christliche Autor in syrisch-aramäischer Sprache war Bardesanes von Edessa um die zweite Jahrhundertwende, auf den das Buch der Gesetze der Länder zurückgeht. Edessa entwickelte sich früh zu einem Zentrum insbesondere theologischer Gelehrsamkeit. Insbesondere die syrische bzw. aramäische Christenheit hatte in dieser Stadt mit ihrer berühmten theologischen Schule ein bedeutendes Zentrum. Einer von vielen berühmten Lehrern war Ephraem der Syrer, und der ostaramäische Dialekt Edessas wurde bald zur Sprache der syrischen Literatur. Die Stadt war ein Zentrum für melkitische (chalkedonensische), jakobitische (monophysitische) und nestorianische (ostsyrische) Christen, in der zeitweise mehrere Bischöfe nebeneinander amtierten. Einer der berühmtesten war der Geschichtsschreiber Jakob von Edessa († 708); geboren wurde hier auch der Melkit Theodor Abū Qurra († um 830), einer der frühesten christlichen Denker in arabischer Sprache.

Das spätantike Edessa war dann ein Zentrum christlicher wie nichtchristlicher Gelehrsamkeit. Im 4. und 5. Jahrhundert war Edessa ein bedeutendes Zentrum des nestorianischen Christentums und ging dann durch Mar Ephrem den Syrer zum Glauben und den Lehren der syrischen Kirche über. Die christliche Schule von Edessa blühte seit dem späteren 4. Jahrhundert, so dass viele bekannte Lehrer der syrischen Kirchen dort lernten und lehrten, so etwa die bekannten Dichter Jacob von Serugh, Mar Narsai und der Bischof und Dichter Mar Rabbula. Im fünften Jahrhundert war Edessa unter Bischof Ibas von Edessa († 457) Sitz der der berühmten christlichen Schule, die dann aber unter Kaiser Zeno 489 geschlossen wurde. Daraufhin wanderten viele der Lehrer ins benachbarte Sassanidenreich aus und gründeten dort die Schule von Nisibis.

Kultur[Bearbeiten]

Das Archäologische Museum Şanlıurfa in der Çamlık Caddesi zeigt eine reichhaltige Sammlung von archäologischen Fundstücken der Umgebung, darunter aus Harran, Göbekli Tepe und Nevalı Çori. Es ist an den Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Göbekli Tepe beteiligt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakob Künzler: Im Lande des Blutes und der Tränen. Erlebnisse in Mesopotamien während des Weltkrieges (1914–1918). 2. Auflage. Chronos, Zürich 2004, ISBN 3-905313-06-5 (Augenzeugenbericht über den Völkermord an den Armeniern des Schweizer Laienmissionars und Leiters eines Spitals in Urfa, der 1899–1922 in Urfa arbeitete).
  • J. B. Segal: Edessa. The Blessed City. Clarendon Press, Oxford 1970, 2005, ISBN 1-59333-193-2.
  • König Abgar bar Manu (ca. 177-212) und die Frage nach dem „christlichen“ Staat Edessa, in: Der Christliche Orient und seine Umwelt. Ges. Studien zu Ehren J. Tubachs, (= Studies in Oriental Religions 56), Wiesbaden 2007, 99-116

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Şanlıurfa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 1. Mai 2013
  2. Diese Darstellung wird allerdings von Segal bezweifelt.
  3. David Gaunt: Massacres, Resistance, Protectors: Muslim-Christian Relations in Eastern Anatolia During World War I. Gorgias Press, Piscataway (New Jersey) 2006. ISBN 1-59333-301-3, S. 267