Šammuramat

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Stele der Šammuramat, gefunden in Assur

Šammuramat (Schamuramat), Tochter von Marduk-zākir-šumi I., war eine assyrische Königin, Ehefrau von Šamšī-Adad V. (824-810 v. Chr.) und Mutter von Adad-nirari III. (810-782 v. Chr.). Sie war nach dem Tode von Šamšī-Adad V. vielleicht Regentin für ihren minderjährigen Sohn. Ihre genauen Lebensdaten sind unbekannt. Vielleicht ist die "Trauer" im Jahr 788 v. Chr. der Eponymenchronik ein Hinweis auf ihren Tod. Nach einer Stele in Assur war sie zumindest 797 v. Chr. noch am Leben.

Für die Frage nach einer Regentschaft Šammuramats sind vor allem zwei Königsstelen von Bedeutung. Die Stelen aus Saba'a wurde "westlich von Sindschar" gefunden und befindet sich heute im Museum Istanbul. Sie ist Adad geweiht und wurde von Nergal-ereš, dem Gouverneur von Rasappa errichtet. Die zweite Stele wurde 1967 in einem spät-assyrischen Schrein in Tell al Rimah (Zamihi/Zamahu) gefunden, scheinbar noch in situ, eine absolute Ausnahme für assyrische Königsstelen. Sie zeigt Adad-nirari in schreitender Position, einen Stab in der linken Hand und mit Göttersymbolen neben dem Kopf. Auch sie ist Adad geweiht und von Nergal-ereš gestiftet. Die Inschrift berichtet von einem Feldzug des Königs nach Syrien in seinem ersten Regierungsjahr, in dessen Verlauf er den Tribut von Mari' von Aram erhielt und die Stadt Arwad erreichte, "die in der Mitte des Meeres liegt". Dieser Feldzug wird gewöhnlich 806 angesetzt. Nach der Eponymenchronik zog Adad-nirari in diesem Jahr allerdings gegen Mannai. Da die Statue von Saba'a denselben Feldzug in das fünfte Jahr des Königs setzt, nehmen manche Forscher an, dass sich die Zählung der Rimah-Stele auf das erste unabhängige Regierungsjahr Adad-niraris bezieht und er vorher gemeinsam mit seiner Mutter regierte. Page nimmt dagegen an, dass Adad-nirari mehrere Feldzüge pro Jahr unternahm, von denen jeweils nur einer auf der Stele erwähnt wird.

Diskutiert wird auch die Deutung des Wortes rabîš auf der Saba'a-Stele. Es kann nach Page entweder als "mächtig" oder "als unabhängiger Herrscher" gedeutet werden. Letztere Interpretation würde für eine vorhergehende Ko-Regentschaft sprechen, nach der der König in seinem fünften Jahr nun rabîš auf seinem Thron sitzt, was Page aber für unwahrscheinlich hält.

Šamuramat war, zusammen mit der neu-assyrischen Königin Zakutu/Naqî'a vermutlich ein Vorbild für die mythische Gestalt der Semiramis.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Andrae: ... In: Wissenschaftliche Verhandlungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, Bd. 24 (1913), Nr. 5
  • Walter Andrae: Die Stelenreihen in Assur („Teil 11 - Der alte Palast in Assur“). Zeller, Osnabrück 1972 (Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1913).
  • Wilhelm Eilers: Semiramis. Entstehung und Nachhall einer altorientalischen Sage. In: Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften/Philologisch-Historische Klasse, 274/2, 1971.
  • Carl Ferdinand Friedrich Lehmann-Haupt:: Die historische Semiramis und ihre Zeit. Vortrag gehalten in der DOG zu Berlin am 6. Feb. 1910. Mohr, Tübingen 1910.
  • Heinrich Lewy: Nitokris-Naqî'a. In: Journal of Near Eastern Studies, Bd. 11 (1952), S. 264-286.
  • Stephanie Page: Adad-nirari III. and Semiramis. The Stelae of Saba'a and Rimah. In: Orientalia, NS Bd. 38 (1969), S. 457-458.
  • Wolfgang Schramm: War Semiramis assyrische Regentin? In: Historia, Bd. 21 (1972), S. 513-521.
  • Eckhard Unger: Reliefstele Adadniraris III. aus Saba'a und Semiramis. Ihsan, Konstantinopel 1916.