Šamuḫa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lage von Kayalıpınar / Šamuḫa während der kārum-Zeit

Šamuḫa war eine hethitische Stadt und ein wichtiger Kultort der Šawuška im östlichen Anatolien. Zudem war die Stadt de facto die Hauptstadt des Hethitischen Reichs, als dieses, bedingt durch die Kaskäereinfälle, unter Tutḫalija II. am Rande des Untergangs war.

Lage[Bearbeiten]

Vermutlich ist Šamuḫa mit der archäologischen Stätte Kayalıpınar identisch, die 45 km unterhalb von Sivas am Fluss Kızılırmak liegt. Dafür sprechen die Lage an einem mit Booten befahrbaren Fluss und die Nennung einer Brücke bei Šamuḫa in altassyrischen Texten aus Kültepe.[1] Nach dem Archäologen Andreas Müller-Karpe sprechen verkehrsgeographische Lage sowie die Größe der Stadt von 20ha und die Nähe zum sicher lokalisierten Šarišša für diese Identifizierung. Ein in Kayalıpınar gefundenes Tontafelfragment nennt die Göttin dGAŠAN, eine sumerographische Schreibung für die Göttin Ištar, was im hurritischen Kontext als Šaušga gelesen werden kann. Dadurch kommt Müller-Karpe zum Schluss: „Die Mehrzahl der Indizien spricht somit insgesamt für die Lokalisierung von Samuḫa an diesem Platz."[2]

Dennoch besteht die Möglichkeit, Šamuḫa an einem anderen Ort am oberen Kızılırmak oder allenfalls auch am oberen Euphrat zu lokalisieren, John Garstang schlägt einen Ort westlich des Euphrat zwischen Pingan und Malatya, oder in Malatya (Melidu) selbst vor.

In der Nachbarschaft von Šamuḫa lagen die noch nicht lokalisierten Orte Battijariga und Arzija.

Geschichte[Bearbeiten]

Während der frühen Karumzeit, war Šamuḫa eine Station (wabartum) der altassyrischen Händler, die sich schließlich zur Handelskolonie (kārum) entwickelte. Der Ort lag an einem Fluss und kontrollierte eine Brücke. Auch ein Palast wird genannt. Im Hethitischen Reich war Šamuḫa ein Verwaltungszentrum und während der hethitischen Großreichszeit auch eine wichtige Kultstadt.

Nachdem die Kaskäer unter Tutḫalija II. Ḫattuša niederbrannten war Šamuḫa vorübergehend die Residenz der Hethiter. Auch Muwatalli II. residierte kurze Zeit in Šamuḫa, bevor er Tarḫuntašša zur neuen Hauptstadt des Hethitischen Reichs bestimmte.[3] Bevor Hattušili III. den hethitischen Thron usurpierte, agierte er teilweise von Šamuḫa aus. Sein Gegner Muršili III. floh, nachdem er abgesetzt wurde, nach Šamuḫa und wurde dort festgenommen.

Kultstadt[Bearbeiten]

Tutḫalija I. oder Tutḫalija II. führte aus Kizzuwatna den Kult der „Göttin der Nacht“ (DINGIR.GE6, früher auch als „Schwarze Göttin“ gelesen) ein. Muršili II. erneuerte und ordnete die Kulte in Šamuḫa neu, und errichtete einen Tempel, der zum wichtigsten Šauška-Heiligtum des Junghethitischen Reiches wurde. Beide Kultreformen hatten zur Folge, dass hurritische Kulte in der Stadt eingeführt wurden. Hattušili III. wählte Šauška von Šamuḫa als seine persönliche Göttin, wodurch ihr Kult an Bedeutung zunahm. In seiner Apologie, worin er die Thronergreifung rechtfertigte, spielt diese Göttin eine entscheidende Rolle, als seine Schützerin und Förderin, und schließlich zur Legitimierung der Usurpation. Von seinen Nachfolgern wurde der Kult weiterhin in hohen Ehren gehalten, sein Sohn Tutḫalija IV. war als Kronprinz auch Priester in Šamuḫa.

Im Tempel der „Göttin der Nacht“ wurde auch Pirinkir verehrt, eine ursprüngliche elamische Göttin, die durch babylonische und hurritische Vermittlung bei den Hethitern bekannt wurde. Das Verhältnis zwischen Šauška von Šamuḫa, Pirnikir und der „Göttin der Nacht“ sind nicht klar, da alle drei Formen der Ištar sind, wobei die letzteren beiden eindeutig den astralen Aspekt dieser Göttin vertreten, während die Šauška des Feldes von Šamuḫa den kriegerischen Aspekt vertritt.

In Šamuḫa wurde ein wichtiges Fest gefeiert, das unter anderem am Flussufer stattfand und in deren Rituale teilweise auf Babylonisch (pabilili) gesprochen wurde, was die Fremdherkunft verdeutlicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gojko Barjamovic: A Historical Geography of Anatolia in the Old Assyrian Colony Period; Kopenhagen 2011, ISBN 978-87-635-3645-5, S. 151–154.
  2. Müller-Karpe: Kayalıpınar in Ostkappadokien. 2000, S. 363.
  3. Piotr Taracha: Religions of Second Millenium Anatolia; Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05885-8, S. 98.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Garstang, O. Gurney: The geography of the Hittite empire. British Institute of Archaeology at Ankara, London 1959. (Occasional publications of the British Institute of Archaeology at Ankara 5)
  • John Garstang: Šamuḫa and Malatia. In: Journal of Near Eastern Studies. 1/4, 1942, S. 450–459.
  • John Garstang: Hittite military roads in Asia Minor: a study in Imperial strategy. In: American Journal of Archaeology. 47, 1943, S. 35–62.
  • Andreas Müller-Karpe: Kayalıpınar in Ostkappadokien. Ein neuer hethitischer Tontafelfundplatz. In: Mitteilungen der deutschen Orientgesellschaft. 132, 2000.