Žatec

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Žatec in Böhmen. Für die gleichnamige Gemeinde in Mähren siehe Žatec na Moravě.
Žatec
Wappen von Žatec
Žatec (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Louny
Fläche: 4268,7337[1] ha
Geographische Lage: 50° 20′ N, 13° 33′ O50.32722222222213.545833333333233Koordinaten: 50° 19′ 38″ N, 13° 32′ 45″ O
Höhe: 233 m n.m.
Einwohner: 19.224 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 438 01
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Praha–Chomutov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeňka Hamousová (Stand: 2013)
Adresse: náměstí Svobody 1
438 01 Žatec 1
Gemeindenummer: 566985
Website: www.mesto-zatec.cz
Lageplan
Lage von Žatec im Bezirk Louny
Karte

Žatec (deutsch Saaz) ist eine Stadt im Landkreis Louny des Ústecký kraj im nördlichen Tschechien. Sie liegt am rechten Ufer der Eger oberhalb der Einmündung der Hutná. Žatec ist Zentrum eines traditionellen Hopfenanbaugebietes und damit für die böhmischen Bierbrauereien von Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten]

In den historischen Quellen liegt für 1004 die erste Erwähnung von Žatec (lateinisch: Satzi) in der Chronik des Thietmar von Merseburg vor, als der deutsche Kaiser die slawische Burg von der polnischen Besetzung befreite.[3] Die Stadt wurde 1265 zur Königsstadt erhoben und war im Mittelalter eines der wichtigsten Verwaltungszentren des böhmischen Staates. Vom 15. Jahrhundert bis 1848 war Žatec Sitz eines der 16, später 12 böhmischen Kreise. Diesem Saatzer Kreis (Žatecký kraj) wurde von 1714 bis 1751 der westlich benachbarte Elbogener Kreis (Loketský kraj) zugeschlagen. 1868 wurde Saaz Sitz einer Bezirkshauptmannschaft (Bezirk Saaz).

Die Stadt Saaz hatte am 1. Dezember 1930 18.100 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 16.247 und am 22. Mai 1947 12.620 Bewohner. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde die deutschböhmische Bevölkerung 1945 vertrieben[4]. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 vom 25. Oktober 1945 wurde ihr Vermögen konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Eine Restitution des konfiszierten Vermögens ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. Am 3. Juni 1945 befahlen Soldaten der 1. tschechoslowakischen Division unter General Spaniel rund 5.000 deutschen Männern, sich auf dem Marktplatz zu versammeln, und ließen sie dann ins 15 km entfernte Postelberg marschieren. Dort wurden viele von ihnen summarisch erschossen, wie im Sommer 1947 von einer Untersuchungskommission des Parlaments festgestellt wurde. Insgesamt werden rund 2.000 Tote angenommen[5]. Das Beneš-Dekret 115/46 erklärte derlei Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit, ... oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich.

Nach 1945 zogen viele Neubürger aus Zentralböhmen und Mähren sowie tschechische Repatrianten, Slowaken und Roma nach Saaz.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile[Bearbeiten]

Die Stadt Žatec besteht aus den Ortsteilen Bezděkov (Bezdiek), Milčeves (Miltschowes), Radíčeves (Reitschowes), Trnovany (Trnowan), Velichov (Welchau), Záhoří (Dreihöf) und Žatec (Saaz).[6] Das Stadtgebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bezděkov u Žatce, Milíčeves, Radíčeves, Trnovany u Žatce, Velichov u Žatce und Žatec.[7] Grundsiedlungseinheiten sind Bezděkov, Hlavní nádraží, Husova, Kasárna, Kolava, Macerka, Milčeves, Mostecká, Na homoli, Nad Černávkou, Nad libočanskou silnicí, Nemocnice, Pereč, Pod hlavním nádražím, Pod Starým vrchem, Pod západním nádražím, Podměstí-jih, Podměstí-sever, Radíčeves, Trnovany, U nemocnice-jih, U nemocnice-sever, U Ohře, U stadiónu, V pekle, Velichov, Za hřbitovem, Záhoří, Západní nádraží, Žatec-jih und Žatec-střed.[8]

Historische Stadtviertel[Bearbeiten]

  • Burgstädtl – im Bereich der ehemaligen Burg, heute Brauerei
  • Altstadt (Staré Město) – im Bereich der ursprünglichen Befestigungsanlagen
  • Schinitz (Žitník) – ehemalige Siedlung im Bereich des Püschel-Platzes (náměstí Chelčického)
  • Mlynarsch (V Mlynářich) – östliche Vorstadt, im Bereich der Mühlen (Mühlgraben)
  • Tscherwenka (Čerwenka) – nördliche Vorstadt in Richtung Hauptbahnhof
  • Brandeis (Brandejs) – ehemalige Siedlung im Bereich des Rebitzer Platzes (Nerudovo náměstí)
  • Obere Vorstadt oder Prager Vorstadt (Horní Předměstí) – südliche Vorstadt
  • Untere Vorstadt (Dolní Předměstí) – westliche Vorstadt (Unterstadt)
  • Ostrow (Ostrov) – Bereich zwischen Eger und ehemaligem Mühlgraben in der Unterstadt
  • Dwornik (Dvorník) – Vorstadt am linken Egerufer im Bereich des Westbahnhofs[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick auf die Stadt Saaz
Ringplatz mit Dreifaltigkeitssäule

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Žatec

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathaus mit Turm am Ringplatz
  • Säule der Heiligen Dreifaltigkeit am Ringplatz
  • Priestertor und Libotschaner Tor
  • Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  • Florianssäule auf dem Floriansplatz
  • Synagoge (1872 von Johann Staniek erbaut)
  • Hussitenbollwerk (Stadtbefestigung)
  • Stadttheater
  • Evangelische Kirche
  • Hopfenmuseum
  • Altes Fachwerkhaus
  • St. Jakobus-Kirche (jetzt orthodoxe Kirche)
  • Ehemaliges Kapuzinerkloster mit Klostergarten
  • Wenzelskirche in der unteren Vorstadt
  • Eiserne Fachwerkbrücke (von 1827 bis 1891 stand dort die Kettenbrücke)

Im Jahre 2001 wurde auf dem Ringplatz ein Grab entdeckt, in dem sich ein Skelett, die Reste eines hölzernen Fasses und eine kleine Tontafel mit sieben Kerben („älteste Bierrechnung der Welt“) befanden. Diese Tafel (Gedenktafel an den „ältesten Biertrinker der Welt“) wurde zum Logo des Vereins „Tempel des Hopfens und des Bieres“.

Nicht mehr existierende Kirchen in Saaz[Bearbeiten]

  • Heiligkreuzkapelle am Ringplatz (am heutigen Hopfengarten)
  • Minoritenkloster und Lorettokapelle auf dem Lorettoplatz (náměstí J. Žižky), siehe spezielle Pflasterung auf dem Platz
  • Veitskirche in der Schönfeldgasse (Dvořákova) , siehe spezielle Pflasterung
  • St. Johannes-Kirche mit ehemaligem Friedhof im Mlynarsch
  • St. Prokop-Kirche mit ehemaligem Friedhof (bis 1902) in der Mozartstraße (J. Herbena) am linken Egerufer
  • Kirche in Schinitz (Žitník) auf dem Püschel-Platz (náměstí Chelčického), siehe spezielle Pflasterung auf dem Platz
  • St. Michael-Kirche in Brandejs am Rebitzer Platz (Nerudovo náměstí)[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

In der Stadt wirkten und lebten[Bearbeiten]

Gedenkstele für Johannes von Saaz im Klostergarten
  • Der Arzt und Heimatforscher Adolf Seifert war einer der Gründer des Saazer Hopfenvereins. In den 1870er Jahren engagierte er sich als einflussreiches Mitglied der Liberalen Partei in der Saazer Kommunalpolitik. Als Archivar leitete er von 1903 bis 1905 das Saazer Stadtarchiv.
  • Johann Clemens Calderar (Kalderer), Saazer Apotheker, Mäzen und Stifter der Dreifaltigkeitssäule
  • Ferdinand Wussin (1771-1848), Kreishauptmann von Saaz 1820-1837, Ehrenbürger der Stadt 1828

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • Magister Nikolaus Czernobyl (um 1541) [15]
  • Maxmilian Hošťálek z Javořice (1564-1621) von 1610-1621
  • Theodor von Schönfeld (1816-1879) von 1855-1861 und 1876-1879
  • Theodor Hassmann um 1870
  • Constantin von Schönfeld (1844-1921) von 1887-1898
  • Rudolf von Schönfeld (1876-1940) von 1924-1938 [16]
  • Erich Knoblauch 2007-2010
  • Zdeňka Hamousová seit 2010

Juden in Saaz[Bearbeiten]

Eingang zum ehemaligen Jüdischen Friedhof in Saaz

Spätestens im 14. Jahrhundert sind Juden in die königliche Stadt Saaz eingewandert, ihre Existenz lässt sich seit 1350 nachweisen. Ein jüdisches Ghetto mit Friedhof („Judengarten“) gab es am rechten Ufer der Eger. Im Jahre 1541 ereignete sich ein Pogrom gegen die Juden, sie wurden vertrieben, ihr Besitz wurde geraubt. In einem Gnadenbrief bestätigte König Ferdinand von Böhmen 1543, dass die Stadt fortan keine Juden mehr zu dulden brauche. Die vertriebenen Juden siedelten sich in verschiedenen umliegenden Dörfern an, z. B. in Horschenz (Hořence bei Nezabylice), Libotschan (Libočany), Liebeschitz (Liběšice u Žatce), Michelob (Měcholupy), Postelberg (Postoloprty) und Tscheraditz (Čeradice) [17][18][19].

Aber auch in der näheren Umgebung, z. B. in Bielenz (Bílence), Deutsch Rust (Podbořanský Rohozec), Drahenz bei Lubenz (Drahonice bei Lubenec), Eidlitz (Údlice), Ledau bei Podersam (Letov bei Podbořany), Maschau (Mašťov), Pflanzendorf bei Perutz (Hřivčice bei Peruc), Podersam (Podbořany) und Weitentrebitsch (Široké Třebčice bei Veliká Ves) gab es jüdische Gemeinden und jüdische Friedhöfe.

Die Rückwanderung von Juden aus diesen umliegenden Dörfern nach Saaz begann erst wieder um 1850 bedingt durch die jüdische Emanzipation nach der Revolution von 1848/49. Im Jahr 1868 erfolgte die Verlegung der Synagoge von Libotschan nach Saaz und es wurde eine jüdische Kultusgemeinde in Saaz gegründet. Der jüdische Friedhof an der Trnowaner Straße wurde 1869 eröffnet (seit 1902 mit Zeremonienhalle). Die Saazer Synagoge wurde 1871– 72 nach Plänen von Johann Staniek in der Langgasse erbaut und im Jahr 1911 renoviert, sie ist die zweitgrößte in Böhmen [20].

Um 1900 gab es die größte Anzahl jüdischer Bewohner in der Stadt, es lebten etwa 1300 Juden in Saaz. Eine starke Abwanderung setzte in den 1930er Jahren ein. Bei der Eingliederung des Sudetenlandes ins Deutsche Reich im Jahr 1938 hatten die meisten Juden die Stadt bereits verlassen, mit der Deportation der letzten Juden kam 1942 das Ende der jüdischen Gemeinde. Die Synagoge wurde 1938 teilzerstört, danach aber wieder als Lazarett und nach dem 2. Weltkrieg als Lagerraum genutzt. Nach der Sanierung im Jahr 2008 wird sie jetzt als Kulturzentrum genutzt, da es keine jüdische Gemeinde in Saaz mehr gibt.

Liste der Rabbiner in Saaz [21][Bearbeiten]

Bedeutende Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Saaz[Bearbeiten]

  • Eduard Glaser (* 1855 in Deutsch Rust, † 1908 in München) verbrachte seine Kindheit und Jugend in Saaz, studierte in Prag und Wien und wurde ein österreichischer Forschungsreisender, Orientalist und Archäologe, sein Forschungsschwerpunkt lag im Süden der arabischen Halbinsel. Er gilt als einer der Begründer der Sabäistik.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Teile des Oscar-nominierten Films "Yentl" von und mit Barbra Streisand wurden in Žatec gedreht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/566985/Zatec
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Thietmar Chron. 6, 10 (Digitalisat MGH-Digital S. 287)
  4. Alfred Schickel: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei: Geschichte, Hintergründe, Bewertungen Hrsg.: Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge, Dokumentation, ISBN 3-89182-014-3
  5. Hans-Ulrich Stoldt: Mord im Fasanengarten, in: Der Spiegel, Hamburg, Nr. 36, 31. August 2009, S. 66 f.
  6. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/566985/Obec-Zatec
  7. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/566985/Obec-Zatec
  8. http://www.uir.cz/zsj-obec/566985/Obec-Zatec
  9. Stadtrundwege – Infoblätter der Stadtverwaltung Žatec (2012)
  10. Stadtrundwege – Infoblätter der Stadtverwaltung Žatec (2012)
  11. https://cs.wikipedia.org/wiki/Franti%C5%A1ek_Kermer
  12. http://www.usti-aussig.net/autori/karta/jmeno/117-karl-lehrmann
  13. https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Glaser
  14. https://cs.wikipedia.org/wiki/Miroslav_Varga
  15. http://digi.landesbibliothek.at/viewer/fulltext/AC07942390/600/ Die Juden und Judengemeinden in Böhmen, S. 579 ff.
  16. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Schoenfeld_Rudolf_1876_1940.xml Biographien
  17. http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/s-t/1718-saaz-eger-boehmen Klaus-Dieter Alicke: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum
  18. http://digi.landesbibliothek.at/viewer/fulltext/AC07942390/599/ Geschichte der Juden in Saaz, aus "Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart I. Ein Sammelwerk herausgegeben von Hugo Gold, 1934, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn-Prag"
  19. http://www.hugogold.com/bohemia/saaz.pdf Ernst Mändl und Heinrich Schwenger: Die Geschichte der Juden in Saaz, S. 579-584 (aus Geschichte der Juden in Saaz, aus "Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart I. Ein Sammelwerk herausgegeben von Hugo Gold, 1934)
  20. https://cs.wikipedia.org/wiki/Synagoga_v_%C5%BDatci Synagoge in Saaz
  21. http://www.saaz-juden.de/html/body_8__die_rabiner_von_saaz-zatec_.html Förderverein der Stadt Saaz/ Žatec e. V

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Žatec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder von der Stadt Saaz[Bearbeiten]