Žid

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Das bis auf die frühen Schichten des Gemeinslawischen zurückreichende Religionym Žid (russ. Жид) stellt in den meisten slawischen Sprachen bis heute den regulären Ausdruck zur Bezeichnung der Juden dar. Nur im ostslawischen Raum hat das Wort mit der Regentschaft Katharinas der Großen seine reguläre und neutrale Stellung eingebüßt. Denn im Januar 1780 hörte dieser Ausdruck im Russischen auf, die Juden regulär zu bezeichnen. Fortan war nicht länger von den Židy, sondern nur noch von den Evrei (dt. den Hebräern) die Rede. Das neutestamentliche Religionym verlor seine frühere Funktion in der russischen Gesetzgebung deshalb, weil es der Herrscherin darum zu tun war, die seit Peter dem Großen in Russland unerwünschten Juden mit der Annektierung östlicher Teile der Ukraine und damit des Kernraumes des damaligen Ostjudentums steuerlich mit einem neuen Rechtstitel zu versehen. Neben Juden wurden auch neu zu unterscheidende Gruppen von Kaufleuten in denselben Wochen umbenannt. In den 1930er Jahren hatte dann unter Stalin dieser bereits seit Katharina ausrangierte einstige Rechtstitel (vor Januar 1780) jedweden Anspruch verloren, Juden neutral zu bezeichnen.

Bis heute ist der Ausdruck im Russischen deshalb ein anderer als im Weißrussischen oder Ukrainischen. Obwohl er lautlich identisch zu sein scheint, ist seine Rolle als Religionym im Ukrainischen und Weißrussischen eine reguläre, im modernen Russischen eine inzwischen allein pejorative.

Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Wolf: Žid - Kritik einer Wortverbannung. Imagologie Israels zwischen staatspolitischem Kalkül und künstlerischer Verfremdung. Kubon und Sagner, München 2005 (Peter Rehder (Hrsg.): Sagners Slavistische Sammlung 30) ISBN 3-87690-905-8. (Enthält eine neue Theorie zur Genese von Ethnonymen und grenzt diese ab zu anderen Sozionymen, die entweder aus Politonymen, Ethnonymen und Religionymen bestehen.)