Živnostenská banka

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Die Živnostenská banka (ŽB) war eine 1868 gegründete große tschechische Handelsbank, die 2007 mit der HVB zur UniCredit Bank Czech Republic verschmolzen ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Živnostenská banka pro Čechy a Moravu v Praze (Gewerbebank für Böhmen und Mähren in Prag) wurde 1868 als Aktiengesellschaft mit dem Ziel gegründet, tschechische Klein- und Mittelbetriebe in dem von den Deutschen dominierten Wirtschaftssystem der k.u.k Monarchie zu fördern.[1] Sie war die erste Bank in Österreich-Ungarn, die von tschechischen Aktionären getragen wurde. In den Vorstand wurden wichtige Politiker, wie František Ladislav Rieger, Ferdinand Urbánek oder Jan Stanislav Skrejšovský gewählt. Der Sitz war in Prag im Vorgängerbau des 1935-1939 erbauten heutigen Sitzes der Tschechischen Nationalbank.

1910 erwarb die ŽIBA auch einen Minderheitsanteil an der Srpska kreditna banka (Serbische Kreditbank) in Belgrad.[2] Bei Kriegsausbruch waren bei der Bank 1.068 Mitarbeiter beschäftigt und hatte 11 Filialen in Böhmen und Mähren, aber auch in Wien, Krakau, Lemberg und Triest.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 wurde die Bank zur wichtigsten im Staat und wuchs stark. 1922 eröffnete die ŽB eine Niederlassung in London. Es wurden auch Verbindungen zu französischen und englischen Banken aufgebaut. Maßgeblich unterstützte die ŽB die Bildung von Großunternehmen und hielt u.a. am 1927 gegründeten Schwermaschinenkonzern Českomoravská-Kolben-Daněk Beteiligungen. 1929 besaß die ŽB 66 tschechoslowakische Industriebetriebe und wirkte zu dieser Zeit als starker Finanzier in Mittel- und Osteuropa.

Nach dem Anschluss Österreichs wurde 1938 die Wiener Filiale der ŽB mit der Österreichischen Länderbank und der zur Dresdner Bank gehörigen Merkurbank zur Länderbank Wien AG als Tochtergesellschaft der Dresdner Bank fusioniert.[3] Diese übernahm nach dem Münchner Abkommen im September 1938 auch die Filialen der ŽB in den sudendeutschen Städten Reichenberg, Aussig, Karlsbad und Teplitz.

Während des Zweiten Weltkrieges konnte die Gewerbebank für Böhmen und Mähren einer Annexion an deutsche Banken entgehen und sie versuchte mehr oder weniger erfolgreich die Interessen der tschechischen Wirtschaft zu schützen. Jedoch gingen die Anteile der Bank an Wirtschaftsunternehmen ab 1943 an deutsche Besitzer über.

Nach Kriegsende wurde die ŽB wie die anderen tschechoslowakischen Banken durch das Beneš-Dekret Nr. 102/45 verstaatlicht. 1948 wurde die Pražská úvěrní banka (Prager Credit Bank), die frühere Anglo-Prager Bank, der ŽB angeschlossen und deren New Yorker Filiale 1949 geschlossen. Bis 1950 bestand die ŽB als eigenständige Bank mit starken gesetzlichen Restriktionen weiter. Zum 1. April 1950 übernahm die neugegründete Státní banka československá (Staatsbank der Tschechoslowakei) alle Rechte und Verbindlichkeiten der Živnostenská banka, deren Geschäftstätigkeit damit endete.[4]

1956 wurde die Živnostenská banka wiederbelebt und erhielt die neue Funktion der tschechoslowakischen Bank für den Handel mit den RGW-Staaten übertragen.[5] Eine besondere Rolle spielte die Filiale in London, die sämtliche Devisenkonten der im Ausland lebenden tschechoslowakischen Staatsbürger und der im Ausland tätigen Unternehmen der Tschechoslowakei verwaltete.[6] Im Jahr 1988 erhielt die Živnostenská banka das Firmengeschäft zurück. 1992 wurde sie als erste Bank der ehemaligen Ostblockstaaten in Mittel- und Osteuropa privatisiert. Die deutsche BHF-Bank übernahm 40 % des Kapitals, die IFC 12 %. Die verbleibenden 48 % gingen an private tschechische Investoren und Investmentfonds.

1997 verkaufte die BHF-Bank ihre Aktienmajorität von 46,9 % an die Bankgesellschaft Berlin.[7] Weitere wesentliche Anteilseigner waren die IFC und die Crédit Commercial de France. Im Jahre 2000 erhöhte die Bankgesellschaft Berlin ihren Anteil an der ŽB auf über 85 Prozent. Zum 11. Februar 2003 erwarb die UniCredit das Majorat an der Živnostenská banka. Am 30. Juni 2003 wurde das Representative office in Bratislava geschlossen.[8] 2005 kaufte die UniCredit auch die HypoVereinsbank auf. Am 5. November 2007 fusionierte die tschechischen Niederlassung der HypoVereinsbank mit der Živnostenská banka zur UniCredit Bank ČR.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der nationalsozialistische Pädagoge Rudolf Lochner beschrieb es in Der völkische Gegner – Die Tschechen: Ihre Banken, voran ihre berühmt-berüchtigte Živnostenská banka (Gewerbebank) halfen mächtig, ein von den Deutschen unabhängiges Wirtschaftsleben zu gründen.
  2. http://www.mzv.cz/public/b7/a0/58/16700_14945_RM_02_19_04.doc
  3. http://www.dresdner-bank.de/dresdner-bank/zahlen-und-fakten/historie/zeitleiste/1933-bis-1945.html
  4. http://www.cnb.cz/cs/verejnost/archiv_cnb/fondy/zb.html
  5. http://aktualne.centrum.cz/ekonomika/domaci-ekonomika/clanek.phtml?id=513119
  6. http://www.zlate-mince.cz/CRM_Zivnostenska_banka.htm
  7. http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_19971117_OTS0032
  8. http://www.unicreditbank.cz/download/vyrocni-zpravy/zb2006.pdf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: UniCredit bank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien