ʿAlī al-Qārī

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ʿAlī al-Qārī, eigentlich Nūr ad-Dīn ʿAlī ibn Sultān al-Qārī al-Harawī (arabisch ‏نور الدين علي بن سلطان القاري الهروي‎, DMG Nūr ad-Dīn ʿAlī ibn Sulṭān al-Qārī al-Harawī, * in Herat; † 1605 in Mekka) war ein islamischer Rechtsgelehrter (Faqīh) der Hanafitischen Rechtsschule im Hedschas in der Zeit des Osmanischen Reiches.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Mekka. Kari gilt als Gelehrter des Hadith. Seine etwa 180 Werke umfassen neben dem fiqh und Hadith auch Biographien, hierunter eine über Abu Hanifa. Seine Werke verfasste er in Arabisch und Persisch.

Al-Kari verteidigte die Ansichten der beiden Hanbaliten ibn Qayyim und Ibn Taimiya in Bezug auf die Haltung gegenüber dem Sufismus, insbesondere dessen Gelehrten ibn Arabi. Diesen erklärte er aufgrund seiner Lehre von der "Einheit des Seins" (waḥdat al-wudschūd) zu einem Ungläubigen (Kafir). ibn Arabi habe die Eigenschaften (sifat) Gottes auf die Schöpfung und die Eigenschaften der Schöpfung auf Gott übertragen, den Glauben an die Lehre stellte er gleich mit dem Übertritt zum Christen und Judentum. Des Weiteren meinte er, dass Ibn Arabi mit seiner Lehre des aʿyān thābita dieser "Lehre" eine eigene Existenz zuschriebe und damit das islamische Dogma des Tauhīd verletzte. Außerdem argumentierte er, dass durch die Annahme derartiger präexistenter Wesenheiten Gottes Allmacht auf unzulässige Weise beschränkt würde.[1]

In Glaubensfragen (Aqida) nahm er Positionen der Maturidiyyah sowie der Athari ein. Der ʿIlm al-kalām dürfe seiner Meinung nach nicht übertrieben angewandt werden, seine Anwendung müsse auf das absolut notwendigste beschränkt werden ohne eine endgültige Schlussfolgerung über die Erkenntnisse zu ziehen. [2] Al-Kari stellt eine Referenz für die späteren Hanefitischen Rechtsfragensammlungen Fatawa al-Hindiyya - Aurangzeb und Radd al-Muhtār ʿalā d-Dur al-Muchtār von Muhammad ibn Abidin.[3]

Bei dem Propheteneltern-Problem vertritt er die Hanafitisch-Maturidische Auffassung: „Die Eltern des Gottesgesandten sind als Ungläubige gestorben“ (wa-wālidā rasūli Llāhi (s) mātā ʿalā l-kufr). In seinem Werk Minaḥ ar-rawḍ al-azhar fī šarḥ al-Fiqh al-akbar, das ein Kommentar zu dem Fiqul Akbar ist, einem Werk, das Abu Hanifa zugeschrieben wird, betont er explizit, dass dies zweifelsfrei die Meinung Abu Hanifas war, Übersetzungsfehler sowie Interpretationen anderer Ansichten schließt er darin aus.[4] Al-Kari bekräftigte seine Auffassung von den Propheteneltern nicht nur in diesem Kommentar, sondern auch in einer monographischen Abhandlung, die als Widerlegung der Traktate des Ascharitischen As-Suyūṭī konzipiert war, sowie in mehreren anderen Texten seines umfangreichen Gesamtwerks.[5] Dies löste wiederum eine ganze Flut von Gegenschriften aus, von denen einige Hanafiten zum Verfasser haben, die im Gegensatz zur orthodoxen Lehre ihrer Rechts- und Glaubensschule standen.

Einer der Unterschiede zwischen der asch'ari-tischen und der hanafitisch-māturīditischen Lehre bestand darin, dass erstere die Weite der göttlichen Gnade betonte, während letztere in Anlehnung an Abu Hanifas Position die Nicht-Einhaltung der göttlichen Drohverheißung (chulf al-waʿīd) bei Ungläubigen ausschloss und damit auch den Propheteneltern eine posthume göttliche Begnadigung versagte.[6]

Entgegen der allgemeinen Haltung der Maturidiyyah und auch der Athari, gab al-Kari an, an dass fortleben des Chidr zu glauben. Als Argument gegen Chidrs Fortleben führen Gegner dieser These, so auch der Hanbalite Ibn al-Dschauzī unter anderem den Koranvers 21:34 an, in dem es heißt: „Und keinem Menschen vor dir haben Ewigkeit verliehen. Wenn du nun stirbst, sollten sie dann ewig leben?“ Al-Kari hat eine eigene Chidr-Abhandlung verfasst, in der er die Argumente Ibn al-Dschauzī´s einzeln abhandelte und aus seiner Sicht widerlegte.

Bekannt war er auch für mehrere Kontroversen und Ichtilāf mit den Schāfiʿiten seiner Zeit. Dabei untermauerte er Rechtsurteile seiner Hanafitischen Rechtsschule mit Hadith, dabei stützte er sich vor allem auf Muhammad asch-Schaibānī.

Zitat[Bearbeiten]

„Wer Zweifel daran hat, dass die Juden, die Christen und die Anhänger ibn Arabis keine Ungläubigen sind - derjenige ist selber ein Ungläubiger. Dies ist eine Tatsache, eine Wahrheit die nicht zu leugnen ist. Das Urteil ist endgültig und ohne Zweifel.“

Ali al-Kari,Vahdet-i Vucud Risalesi, seite 216

Werke[Bearbeiten]

Allgemein
  • El-Eşmârü'l-ceniyye fî esma'i'l-Hanefiyye
  • Şerhu'l-Mu-vatta -
  • Envârü'l-Kur'ân ve esrârü'l-furkân-
  • Şerhu 'Akâ'idi'n-Nesefî
  • Ferâ'idü'l-kalâ'id an ehâdîsi Şerhi'l-Akâid
  • Şerhu'ş-Şuübiyye
Hadith
  • Mirkâtü'l-mefâtîh'
  • El-Esrârül-merfû'a fi'l-ahbâri'l-mevzû'a
  • El-Maşnû fi macriteti'l-hadîsi'l-mevzû
  • El-Ehadîsül-kudsiyye ve'l-kelimâtü'l-ünsiyye
  • El-Mübînü'l-mu'în li-fehmi'l-Erba'în
  • Şerhu ş-Şifâ'
  • Senedü'l-enâm şerhu Müsnedi'l-İmâm
  • Cemu'l-vesâ'il fi şerhi'ş-Şemâ'il
  • Şerhu Şerhi Nuhbetü'l-fiker
  • El-Birre fi hubbi'l- hirre
Recht (Fiqh)
  • Fethu bâbi'l-'inâye
  • El-Meslekü'l-mütekassıt bi'l-mensekil-mütevassıt
  • Fethur-rahmân bi-fezâ'ili şa'bân
  • Şerh alâ nebze fi ziyâreti'l-Mustafâ (Bulak 1287, hacla ilgili üç risâlesiyle birlikte)
  • El - Hizbü l- azam vel - virdül - efham
  • El-Hırzü's-semîn
  • Er-Râ'id ti mesâ'ili'l-ferâ 'id (Beyrut 1290; Baabda 1318)
  • Risale ti tezyîni'l-ibare li-tahsîni'l-işdre (Kahire 1312)
  • Tezyînü'l-ibâde fi ref'i's-sebbâbe
Aqid und Kalam
  • Minehu'r-ravzi'l-ezher fi şerhi'l-Fıkhi'l-ekber
  • Dav'ü'l-me'âlî şerhu Bed'i'l-emâlî (Delhi 1884; Bombay 1295, İstanbul 1293, 1302, 1304, Hüsni Efendi'nin Türkçe tercümesiyle; 1319; Dımaşk 1379; Kahire 1349)
  • Şerhu Ayni'l-ilm ve zeyni'l-hilm (İstanbul 1292, 1294, 1301; Kazan 1856; Lahor 1309; Kahire 1351)
  • El-Meşrebü'l-verdî ti hakikati (mezhebi)'l-Mehdî (Kahire 1278)
Kıraat
  • El-Minehu'l-Fikriyye bi-şerhi'l-Mukaddimeti’l- Cezeriyye
Biographien
  • Menâkıbü'l-İmâmi'l-A'zâm (Haydarâbâd 1332)
  • Nüzhetü'l-hâtıri'l-fâtir ti tercemeti Seyyidî eş-Şerîf Ab dilkâdir (İstanbul 1307)
  • el-Madinü'l-adenî fî feza'ili Üveysi'l-Karanî (İstanbul 1307)

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick Franke: "The Ego of the Mullah: Strategies of Self-Representation in the Works of the Meccan Scholar ʿAli al-Qārī (d. 1606)" in Ralf Elger und Yavuz Köse (ed.): Many Ways of Speaking about the Self. Middle Eastern Ego-Documents in Arabic, Persian, Turkish (14th-20th century). Wiesbaden 2010. S. 185-200.
  • Patrick Franke: "Querverweis als Selbstzeugnis - Individualität und Intertextualität in den Schriften des mekkanischen Gelehrten Mullā ʿAlī al-Qārī (st. 1014/1606)" in St. Reichmuth u. Fl. Schwarz (Hg.): Zwischen Alltag und Schriftkultur: Horizonte des Individuellen in der arabischen Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts. Beiruter Texte und Studien 110. Beirut-Würzburg 2008. S. 131-163.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Alexander Knysh: Ibn ‘Arabī in the Later Islamic tradition. The Making of a Polemical Image in Medieval Islam. Albany 1999. S. 101f.
  2. eskieserler.com
  3. Halil İbrahim Kutluay, İmâm Aliyyu’l-Kârî ve eseruhû fî ‘ilmi’l-hadîs, Beyrut, 1408/198, s. 106-110.
  4. 8. Mustafa Aksay, Hz. Peygamber’in Anne Babasının (Ebeveyn-i Resûl) Dînî Konumuna Dair Ebû Hanîfe’ye Atfedilen Görüş Etrafındaki Tartışmalar, Sakarya Üniversitesi İlahiyat Fakültesi Dergisi 19 / 2009, s. 1-27.
  5. Minaḥ ar-rawḍ al-azhar fī šarḥ al-Fiqh al-akbar. Ed. W.S. Ġāwǧī. Beirut 1419/1998. S. 310f.
  6. Zu den Hauptunterschieden zwischen Asch'ariyya und Māturīdiyya vgl. Montgomery Watt u. Michael Marmura: Der Islam II. Politische Entwicklungen nd theologische Konzepte. Übers. aus d. Engl. von S. Höfer. Stuttgart u.a. 1985.S. 315-318, zur Frage des ḫulf al-waʿīd vgl. die monographische Abhandlung von ʿAlī al-Qārī: al-Qawl as-sadīd fī ḫulf al-waʿīd. Tanta 1412/1992.