ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā

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ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā (arabisch ‏علي بن موسى الرضا‎; persische Aussprache Reẓā; in schiitischen Quellen auch Abū l-Ḥasan ath-Thānī; * 768 in Medina; † August 818 in Tūs) war ein Nachfahre des Propheten Mohammed, der in dem Glauben der Zwölferschiiten als der achte Imam gilt. Obwohl schiitische Quellen behaupten, der Beiname ar-Riḍā sei ihm von seinem Vater gegeben worden, ist es wahrscheinlicher, dass er ihn als Ehrentitel vom Kalifen al-Maʾmūn erhielt.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

ʿAlī, ein Sohn von Mūsā ibn Dschaʿfar al-Kāzim, wurde nach Angabe des schiitischen Doxographen al-Qummī im Jahre 151 d.H. (= 768 n. Chr.) in Medina geboren. Seine Mutter war eine nubische Sklavin, deren Name unterschiedlich (Schahd, Sahā oder Tahīya) angegeben wird.[1] Als der Vater 799 im Gefängnis verstarb, wandten sich die meisten von dessen Anhängern ʿAlī zu und erkannten ihn als Imam an. Diese Gruppe wurde Qatʿīya genannt (von arab. qaṭʿ = "mit Gewissheit behaupten"), weil sie den Tod Mūsās mit Sicherheit annahmen. Einige andere Anhänger des Vaters lehnten ʿAlī dagegen ab und lehrten, dass Mūsā al-Kāzim aus dem Gefängnis geflohen sei, in der Verborgenheit weile und als Mahdi zurückkehren werde. Diese Gruppe, die nicht lange bestand, wurde als Wāqifīya bezeichnet.[2]

Die längste Zeit seines Lebens hielt sich Ali ibn Musa al-Rida in Medina auf, ohne dabei wahrnehmbar in Erscheinung zu treten. Lediglich die Überlieferung von Hadithen und die Ausgabe von Fatwas sind aus seiner medinensischen Zeit bekannt.

Ernennung zum Thronfolger durch al-Ma'mūn[Bearbeiten]

Politisch wirksam wurde der Imam, als der abbasidische Kalif al-Ma'mun ihn 815/816 zu einem Nachfolger bestimmte. Al-Ma'mūn wollte durch diesen Schritt den historischen Bruch zwischen Abbasiden und Aliden (bzw. zwischen Sunniten und Schiiten) heilen. Ob der Kalif selbst oder sein Wesir al-Faḍl ibn Sahl die treibende Kraft hinter diesem Schritt war, ist umstritten. Auf Einladung des Kalifen, der in Marv residierte, begab sich der Imam via Basra und Nischapur dorthin. Dem Plan, ihn zum Nachfolger des Kalifen zu designieren, stand der Imam skeptisch gegenüber, da er wohl die Opposition der Abbasiden im heutigen Irak richtig einschätzte. Bayhaqi berichtet in seinem Werk Tarih-e Bayhaqi, dass der Imam wusste, dass der Plan nicht aufgehen würde, er sich aber dem Befehl des Kalifen nicht zu widersetzen wagte.

Das Verhältnis des Imams Ali ibn Musa zum Kalifen al-Ma'mun scheint sehr gut gewesen zu sein. Zur wechselseitigen Bekräftigung der Bindung wurden 817 Ali ibn Musa mit al-Ma'muns Tochter Umm Habib und ʿAlīs Sohn Muhammad mit al-Ma'muns Tochter Umm al-Fadl verheiratet. Al-Ma'mun verlieh dem Imam den Ehrentitel ar-Ridā, den aufständische Schiiten bereits früher als Bezeichnung für denjenigen Abkömmling Mohammeds, den die gesamte muslimische Gemeinschaft als Kalif akzeptieren würde, gebrauchten. Er lebte in Marv in einem Haus direkt neben der Residenz des Kalifen.

Als die Nachfolgeregelung offiziell bekannt gemacht wurde, verhielten sich die meisten abbasidischen Gouverneure loyal und schwuren dem designierten Kalifen die Treue. Lediglich der abbasidische Regent in Basra verweigerte die Gefolgschaft und die abbasidischen Prinzen in Bagdad schlossen sich einem in der Region des Irak ausgebrochenen Aufstand an. Der Wesir al-Faḍl hatte dem Kalifen wohl vorenthalten, wie groß der Widerstand im Irak gewesen war. Die dortige Bevölkerung hatte bereits die Verlegung der Residenz von Bagdad nach Marv irritiert aufgenommen, auch hatte al-Faḍl selbst dort einen schlechten Ruf. Die Ernennung des Imams ar-Riḍā zum Nachfolger des Kalifen war das Ereignis, welches das Fass zum Überlaufen brachte.

Es scheint Imam ar-Riḍā selbst gewesen zu sein, der dem Kalifen die tatsächlichen Hintergründe des irakischen Aufstands vermittelte und ihn dazu bewog, mit seinem Hof nach Bagdad aufzubrechen, um die Revolte niederzuschlagen und durch seine bloße Präsenz wieder Ruhe herzustellen. Auf dem Weg dorthin starben der Wesir al-Faḍl und der Imam ar-Riḍā kurz nacheinander. Al-Faḍl wurde von einigen Offizieren ermordet, ar-Ridā starb nach Angabe von al-Qummī Ende des Monats Safar des Jahres 203 d.H. (= Ende August 818 n. Chr.) in Tūs und wurde im Hause von Hamīd ibn Qahtaba at-Tāʾī begraben.[3]

Spekulationen über seinen Tod[Bearbeiten]

Der kurze Abstand zwischen den beiden Todesfällen ließ Spekulationen aufkommen, dass auch ar-Riḍā eines nicht-natürlichen Todes gestorben sei. Einige schiitische Autoren behaupteten, der Kalif selbst habe den Imam vergiftet bzw. vergiften lassen. Andere schiitische Gelehrte wie ʿAlī ibn ʿĪsā al-Irbīlī (st. 1317) wiesen dagegen auf die persönliche Wertschätzung hin, die al-Maʾmūn für ar-Riḍā hegte, und hielten es deswegen für fernliegend, dass der der Kalif ihn aus politischem Kalkül ermordet haben könnte. Später hat sich aber in der Zwölfer-Schia allgemein die Auffassung durchgesetzt, dass ʿAlī ar-Riḍā "als Märtyrer starb, ermordet durch al-Maʾmūn".[4]

Das Grab ar-Riḍās befindet sich in Maschhad im Iran. Der Ort wurde nach dem Tod des Imams zu einer wichtigen Wallfahrtsstätte. Ein Schrein zu Ehren des Imams wurde errichtet, der heute eine der reichhaltigsten Sammlungen von Kunst- und Kulturgütern des Iran beherbergt. Verschiedene theologische Schulen des schiitischen Islam nahmen von hier ihren Ausgang.

Literatur[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. Saʿd ibn ʿAbdallāh al-Ašʿarī al-Qummī: Kitāb al-Maqālāt wa-l-firaq. Ed. Muḥammad Ǧawād Maškūr. Maṭbaʿat-i Ḥaidarī, Teheran, 1963. S. 94.
  2. Vgl. Moojan Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. The History and Doctrines of Twelver Shi'ism. Yale University Press, New Haven u. a. 1985. S. 56f.
  3. Vgl. al-Qummī 94.
  4. So al-Madschlisī, zit. bei Michael Cooperson: Al-Ma'mun. Oxford: Oneworld Publications 2005. S. 76f.

Siehe auch[Bearbeiten]