ʿAmr ibn al-ʿĀs

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ʿAmr ibn al-ʿĀs (arabisch ‏عمرو بن العاص‎, DMG ʿAmr ibn al-ʿĀṣ; * um 580; † 664 in Ägypten) war ein Gefährte des Propheten Mohammed sowie ein Feldherr und Politiker, der Ägypten für die Muslime eroberte. Er entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Mekka, die dem quraischitischen Clan der Sahm angehörte. Sein Vater, al-ʿĀs ibn Wāʾil, war ein bekannter Gegner des Propheten Mohammed. Mütterlicherseits stammte er von den Balī, einem Stamm der Qudāʿa, ab.[1]

Konversion zum Islam[Bearbeiten]

Wie sein Vater stand auch ʿAmr selbst dem Islam zunächst feindlich gegenüber. Erst im achten Jahr nach der Hidschra (629-630) schloss er sich Mohammed an. Kurz nach der Schlacht von Muʾta im September 629 sandte ihn dieser an der Spitze einer Delegation zu den Balī, um deren Loyalität zu sichern.[2] Beim Tode des Propheten im Juni 632 befand sich ʿAmr als dessen Abgesandter bei den Azd in Oman.[3] Das Einsetzen der Ridda-Kriege zwang ihn zur Flucht nach Medina, wo er sich im Nachfolgestreit auf die Seite Abū Bakrs stellte, auf den Vormachtanspruch der Muhādschirūn pochte und heftig gegen die Ansār wetterte, die zu dieser Zeit noch an Saʿd ibn ʿUbāda festhielten.[4]

Rolle bei der Eroberung Palästinas[Bearbeiten]

Danach begab sich ʿAmr wieder zu den Qudāʿa. Saif ibn ʿUmar berichtet, dass Abū Bakr ihn von dort nach Syrien sandte, um mit seinen Leuten die dortigen muslimischen Truppen zu verstärken, die von Chālid ibn Saʿīd im Stich gelassen worden waren.[5] Nach der Darstellung al-Wāqidīs stand ʿAmr an der Spitze einer Truppe von 3.000 Mann.[6] Muhammad ibn Saʿd, al-Wāqidīs Sekretär, ergänzt, dass Abū Bakr ihn zum Befehlshaber über Balī, ʿUdhra und Qudāʿa einsetzte. Diese Stämme sollte er zum Dschihad aufrufen und alle, die ihm folgen wollten, mit Reittieren versorgen.[7] ʿAmrs Truppen bildeten einen der vier Heeresteile, die Abū Bakr in Richtung Syrien entsandte. Die anderen Heeresteile wurden von Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh, Schurahbil ibn Hasana und Yazīd ibn Abī Sufyān befehligt.[8] Zusammen mit Chālid ibn al-Walīd, der seine Truppen im Frühjahr 634 vom Irak her nach Syrien geführt hatte, besiegten die vier Kommandeure am 30. Juli 634 bei Adschnādain in Palästina ein byzantinisches Heer.[9] Diese Schlacht von Adschnādain leitete die arabische Eroberung von Palästina ein.

Eroberung Ägyptens[Bearbeiten]

639 griff Amr mit 4.000 Mann das byzantinische Ägypten an. Nach der Eroberung der Festung Pelusium und dem Sieg bei Heliopolis im Juli 640 über 18.000 Byzantiner ergab sich das Land den Eroberern. Nur in Alexandria konnten sich die Byzantiner behaupten. Erst nachdem 642 den Christen unter dem koptischen Patriarchen von Alexandria die Glaubensfreiheit zugesichert worden war, kam die Stadt unter die Kontrolle der Muslime.

Als Statthalter von Ägypten residierte Amr in Fustat, einer neu gegründeten Lagerstadt, die die Vorgängerin von Kairo werden sollte. Er ordnete in den eroberten Gebieten sehr geschickt die Regierungsverhältnisse und trug in außerordentlicher Weise dazu bei, die unterworfenen Völkerschaften dem Islam gefügig zu machen. Er ließ die Amr-Moschee in Fustat errichten und den Kanal zwischen Nil und dem Roten Meer wieder instand setzen, um die Versorgung Arabiens mit ägyptischem Getreide sicherzustellen.

Der zweite Kalif Umar ibn al-Chattab brachte ʿAmr verstärkt unter seine Kontrolle und zog die Hälfte seines Vermögens ein.[10] Als die Byzantiner Alexandria erneut besetzten, vertrieb ʿAmr diese ein zweites Mal aus der Stadt. In dieser Zeit soll er auch die Zerstörung der antiken Bibliothek von Alexandria angeordnet haben. Dies ist allerdings eine Legende, da die Bibliothek schon zuvor ihre Bedeutung verloren hatte.

Nachdem Amr vom dritten Kalifen Othman unmittelbar nach dessen Machtübernahme 644 erneut als Statthalter abberufen und durch ʿAbd Allāh ibn Saʿd ibn Abī ʾs-Sarh ersetzt worden war, schürte er insgeheim die Opposition gegen den Kalifen. Einige Monate nach der Ermordung des Kalifen Othman fand die Kamelschlacht statt (9. Dezember 656). Nach deren Ausgang, als nur noch die beiden Gegner Ali und Muawiya übrigblieben, trat Amr aus seiner bisherigen Untätigkeit heraus und schloss sich Muawiya an. In der Schlacht von Siffin 657 befehligte er die syrische Kavallerie. Die Einsetzung des für Ali verhängnisvollen Schiedsgerichts erfolgte auf seine Anregung. Als Muawiya 661 zum Kalifen ausgerufen wurde, betraute dieser ihn mit der ägyptischen Statthalterschaft, die Amr bis zu seinem Tode 664 innehatte.

Literatur[Bearbeiten]

  • A.J. Wensinck: Art. "ʿAmr ibn al-ʿĀṣ" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. 1, S. 451.
  • Elias Shoufany: Al-Riddah and the Muslim Conquest of Arabia. Toronto: University of Toronto Press, 1973.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Shoufany 145.
  2. Michael Lecker: The Banū Sulaym. A Contribution to the Study of Early Islam. Jerusalem 1989. S. 183-195.
  3. Vgl. Shoufany 140.
  4. Vgl. Shoufany 59f.
  5. Vgl. Shoufany 142.
  6. Shoufany 141.
  7. Vgl. Shoufany 141.
  8. Vgl. Shoufany 142f.
  9. Vgl. Shoufany 14.
  10. Shoufany 56.