1,1,1,2-Tetrafluorethan

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Strukturformel
1,1,1,2-Tetrafluoroethan
Allgemeines
Freiname Norfluran
Andere Namen
Summenformel C2H2F4
CAS-Nummer 811-97-2
PubChem 13129
Kurzbeschreibung

farbloses Gas[2]

Eigenschaften
Molare Masse 102,04 g·mol−1
Aggregatzustand

gasförmig

Dichte

1,21 g·cm−3 (25 °C)[2]

Schmelzpunkt

−101 °C[2]

Siedepunkt

−26 °C[2]

Dampfdruck

8200 hPa (32 °C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
04 – Gasflasche

Achtung

H- und P-Sätze H: 280
P: 410+403 [3]
MAK

1000 ml·m−3[2]

Treibhauspotential

1430 (bezogen auf 100 Jahre)[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

1,1,1,2-Tetrafluorethan (häufig kurz, aber unpräzise Tetrafluorethan genannt, Handelsname R134a) ist ein Fluorkohlenwasserstoff (ein Hydrofluoralkan), der als Treib- und Kältemittel sowie als Alternative zu Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen Verwendung findet.

Neben 1,1,1,2-Tetrafluorethan gibt es noch dessen Isomer 1,1,2,2-Tetrafluorethan, das ebenfalls als Tetrafluorethan bezeichnet wird.

Technische Herstellung[Bearbeiten]

Siehe Fluorkohlenwasserstoffe.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Tetrafluorethan ist ein farbloses und fast geruchloses Gas, welches durch Druck leicht verflüssigt werden kann. Der kritische Punkt liegt bei 101,15 °C und 41 bar. Beim Abbau in der Umwelt entsteht durch Photooxidation die sehr persistente Trifluoressigsäure (TFA).[5]

Wird flüssiges Tetrafluorethan aus einem Druckbehälter entnommen und Normaldruck ausgesetzt, siedet es bei Raumtemperatur

Tetrafluorethan hat im Gegensatz zu den FCKW keine zerstörende Wirkung auf die Ozonschicht, ist jedoch ein starkes Treibhausgas. Seine Treibhauswirkung beträgt das 1430-fache der gleichen Menge Kohlendioxid bezogen auf einen Zeithorizont von 100 Jahren (siehe Treibhauspotenzial).

Anwendung[Bearbeiten]

Wegen seiner günstigen Eigenschaften findet Tetrafluorethan Anwendung in Kältemaschinen, wie beispielsweise Kühlschränken, und beim Betrieb von Dampfturbinen im Organic Rankine Cycle ohne Wasserdampf als Arbeitsmittel.

Alle heute gängigen Autoklimaanlagen basieren auf R134a als Kältemittel. Dieses darf aber seit 2011 in der EU nicht mehr für Klimaanlagen in Neuwagen genutzt werden.[6] Weitere Anwendung findet es als Test/Prüfmittel für optische Rauchmelder. Auch in Kompressorkühlungen und Kühlern sowie als Hauptbestandteil in Kältesprays aus der Elektronik wird es genutzt.

Tetrafluorethan wird auch zur Schutzabdeckung von Magnesiumschmelzen verwendet. Hierzu dient in der Regel ein Gasgemisch mit Stickstoff. Das Mischungsverhältnis liegt bei etwa 99,5–99,8 % Stickstoff und 0,5–0,2 % Tetrafluorethan, je nach Einsatzgebiet. In Verbindung mit Luftfeuchte bildet Tetrafluorethan in der Hitze Fluorwasserstoffsäure, die bei Stahl zu erhöhter Korrosion führt.

In der Medizin dient es als Treibgas für Dosieraerosole, zum Beispiel bei einer Reihe von Arzneimitteln mit Wirkstoffen wie Salbutamol oder Fluticason.

Zukunft[Bearbeiten]

Seit 2011 verbietet eine EU-Richtlinie den Einsatz von FKWs mit einem Treibhauspotential größer 150 (dazu zählt auch R134a) in Klimaanlagen von Autos mit neuer Typenzulassung. Von 2017 an sollen keine Neufahrzeuge mit solchen Kältemitteln mehr verkauft werden dürfen.[7] In Zukunft sollen stattdessen nicht oder wenig klimawirksame Kältemittel wie z. B. Kohlendioxid (R744), Ammoniak, Propan oder 2,3,3,3-Tetrafluorpropen zum Einsatz kommen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tetrafluoroethane – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in der EC-Datenbank „Cosmetic Ingredients“ (CosIng)
  2. a b c d e f g Eintrag zu 1,1,1,2-Tetrafluorethan in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 4. Januar 2008 (JavaScript erforderlich).
  3. a b Datenblatt 1,1,1,2-Tetrafluoroethane bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 29. Mai 2011 (PDF).
  4. P. Forster, P., V. Ramaswamy et al.: Changes in Atmospheric Constituents and in Radiative Forcing. In: Climate Change 2007: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge und New York 2007, S. 212, (PDF).
  5. E.H. Christoph: Bilanzierung und Biomonitoring von Trifluoracetat und anderen Halogenacetaten, Dissertation, 2002, Universität Bayreuth
  6. heise.de, Klimaanlagen spalten europäische Autohersteller, 24. Jan. 2008
  7. Richtlinie 2006/40/EG vom 17. Mai 2006