1. Badisches Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20

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Der Regimentschef: Großherzog Friedrich II. von Baden (in der Uniform Seiner Leibgrenadiere, des anderen badischen Leibregiments)

Das 1. Badische Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 war ein Kavallerieverband der Großherzoglich-Badischen Armee. Das 1803 aufgestellte Regiment wurde 1871 Teil des badischen Kontingents in der Preußischen Armee und mit dieser 1918 aufgelöst.

Verbandszugehörigkeit 1914[Bearbeiten]

Aufstellung[Bearbeiten]

Am 28. Februar 1803 erhielt die Markgrafschaft Baden Teile des Territoriums der bayerischen Kurpfalz zugeschlagen (Kurfürstentum Baden). Mit dieser Gebietserweiterung war auch die Übernahme einer vormals kurpfälzisch-bayerischen Chevaulegers-Eskadron verbunden. Sie wurde mit der Bezeichnung Leichte-Dragoner-Eskadron versehen und in Heidelberg in Garnison gelegt. Mit kurfürstlicher Order vom 28. Januar 1804 wurde diese Eskadron mit weiteren drei neuerrichteten Eskadronen zum Leichten-Dragoner-Regiment aufgestockt und am 26. Dezember 1807 nach Bruchsal verlegt. Am 22. November 1809 wurde der Regimentskommandeur Oberst von Freystedt Generaladjutant der Kavallerie und Inhaber des Regiments. Es erhielt nunmehr die Bezeichnung Dragoner-Regiment von Freystedt Nr. 1.

Nach Ende des Krieges gegen Frankreich erhielt das Regiment 1815 die Orte Bruchsal, Mannheim und Schwetzingen als Garnisonen zugewiesen. Durch Order vom 12. April 1830 erhielt das Regiment seine neue Bezeichnung Dragoner-Regiment von Freystedt Nr. 2.

Während der Revolution 1848/49 desertierten fast alle badischen Kavallerieeinheiten und schlossen sich den Aufständischen an. Nach der Niederschlagung der Unruhen wurden die meuternden Verbände aufgelöst. Lediglich die 4. Eskadron des Regiments von Freystedt Nr. 2, die 1848 in der bayerischen Festung Landau stationiert war, hatte nicht gemeutert [1]. Aus ihr wurde am 1. Februar 1850 das 1. Reiter-Regiment aufgestellt.

Am 10. Januar 1855 erhielt das Regiment die Bezeichnung 1. Dragoner-Regiment, am 20. September 1856 wurde das Regiment anlässlich der Hochzeit des Großherzogs Friedrich I. mit der Prinzessin Luise von Preußen in (1.) Leib-Dragoner-Regiment umbenannt. Nach der Militärkonvention mit Preußen erhielt der Verband am 1. Juli 1871 die Bezeichnung 1. Badisches Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20. Am 1. April 1887 verlegte das Regiment seine letzte Garnison nach Karlsruhe.

Feldzüge und Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Koalitionskriege[Bearbeiten]

  • 1806/07: auf französischer Seite Kämpfe in Pommern gegen preußische und schwedische Verbände
  • 1809: Kämpfe gegen österreichische Truppen. Vormarsch bis vor Wien
  • 1812: Winterfeldzug gegen Russland ohne größere Gefechtstätigkeit

Deutscher Krieg[Bearbeiten]

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

  • 1870/71: Aufklärungs- und Patrouillendienste in Frankreich, keine größeren Kampfhandlungen

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

  • 1914: Aufklärungsdienste in Frankreich, danach Vorstoß bis zum Rhein-Marne-Kanal. Nach dem Rückzugsbefehl im September nahm das Regiment am Wettlauf zum Meer teil und wurde bis Ende Oktober am rechten Flügel der 1. Armee und dann im Bereich der neuen 4. Armee eingesetzt.
  • Im November erfolgte die Verlegung an die Ostfront mit teilweise kavalleristischen als auch infanteristischen Einsätzen. Teilnahme an Kämpfen im Bereich Russisch-Polen, bei Lodz, bei Brzezyny in Nordpolen, in Kurland und Litauen.
  • 1916: Stellungskrieg an der Düna
  • 1917: bis September Grenzschutz an der dänischen Grenze
  • September 1917 bis März 1918: Grenzschutz an der belgisch-holländischen Grenze
  • März bis November 1918: Sicherungs- und Polizeidienste im rückwärtigen Frontgebiet

Weihnachten 1918 wurde das Regiment in Eppingen demobilisiert und aufgelöst.

Die 3. Eskadron des 18. Reiter-Regiments in Ludwigsburg führte die Tradition in der Reichswehr und später in der Wehrmacht fort.

Uniform[Bearbeiten]

Die Dragoner trugen unter dem Kaiserreich einen kornblumenblauen Waffenrock mit schwedischen Aufschlägen und ponceauroten Abzeichen. Äufschläge, Kragen, Epaulettenfelder bzw. Schulterklappen sowie Vorstöße waren abzeichenfarbig. Auf den Schulterklappen befand sich eine gestickte gelbe Krone, auf den Epauletten eine solche aus Tombak. Die Knöpfe und Beschläge waren aus Neusilber. Von der linken Schulter zur rechten Hüfte lief ein weißes Bandelier mit schwarzer Kartusche. Bandelier und Kartusche wurden zum Ausgehanzug und zum Gesellschaftsanzug nicht getragen. Die Pickelhaube war mit dem badischen Greif in Neusilber versehen. Schuppenketten und Helmspitze waren abweichend aus Tombak. Zur Parade wurde ein weißer (für die Musiker ein roter) Rosshaarbusch aufgesteckt. Die Landeskokarde war gelb-rot ebenso die Lanzenflagge der Mannschaften. Die Lanzenflagge der Unteroffiziere war gelb mit rotem, badischen Greif. Der Leibriemen war weiß und mit einer einfachen Dornschnalle versehen. Die Hosen waren anthrazitfarben.

Gemäß A.K.O. vom 14. Februar 1907 wurde im ganzen Heer ab den Jahren 1909/10 für den Felddienst die feldgraue Uniform M 1910 eingeführt. Bei dieser Uniform war das Riemenzeug und die Stiefel naturbraun, der Helm wurde von einem schilffarbenen Überzug verdeckt. Bandelier und Kartusche wurden nicht mehr getragen.

Persönlichkeiten: Kriegsfreiwillige[Bearbeiten]

  • Hugo Knittel (1888–1958), Bildhauer aus Freiburg, meldete sich 1915 als Kriegsfreiwilliger zum Dienst im Regiment[2]
  • Nicola Moufang (1886–1967), Jurist und Kunsthistoriker, meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger zum Dienst im Regiment[3]
  • Eugen Moufang (1889–1967), Jurist und niedergelassener Rechtsanwalt, meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger zum Dienst im Regiment[3]
  • Franz Moufang (1893–1984), Jurist, Kulturreferent, Friedensrichter und Kunstsammler, meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger zum Dienst im Regiment[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Joachim Harder: Militärgeschichtliches Handbuch Baden-Württemberg. Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt. Kohlhammer, Stuttgart 1987, ISBN 3-17-009856-X
  • Jürgen Kraus: Die deutsche Armee im Ersten Weltkrieg: Uniformierung und Ausrüstung – 1914 bis 1918. Verlag Militaria, Wien 2004 (= Kataloge des Bayerischen Armeemuseums, 2), ISBN 3-9501642-5-1.
  • Hugo F. W. Schulz: Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914. Podzun-Pallas Verlag, Friedberg 1985; Lizenzausgabe Weltbild Verlag, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-343-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Joachim Harder: Militärgeschichtliches Handbuch Baden-Württemberg. Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, S. 104
  2. Heinz Spath: Bildhauer Hugo Knittel, ca. 1956
  3. a b c Stadtarchiv Heidelberg