Infanterie-Regiment Landgraf Friedrich I. von Hessen-Cassel (1. Kurhessisches) Nr. 81

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Infanterie-Regiment Landgraf Friedrich I. von Hessen-Cassel (1. Kurhessisches) Nr. 81
Aktiv 20. Oktober 1866
Land Königreich Preußen
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung XVIII. Armee-Korps
Historische Stationierungsorte Frankfurt am Main

Das Infanterie-Regiment Landgraf Friedrich I. von Hessen-Cassel (1. Kurhessisches) Nr. 81 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee. Es wurde am 20. Oktober 1866 in Mainz aufgestellt. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg lag es bis 1914 in Frankfurt am Main in Garnison. Zusammen mit dem Füsilier-Regiment „von Gersdorff“ (Kurhessisches) Nr. 80 in Wiesbaden und Bad Homburg vor der Höhe bildete es die 42. Infanterie-Brigade (Frankfurt am Main), die der 21. Division unterstellt war.

Im Ersten Weltkrieg war es an der West- und Ostfront eingesetzt. Dabei starben mehr als 3.000 Regimentsangehörige. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 marschierte es in die Heimat zurück und wurde demobilisiert.

Im Zuge der Rheinlandbesetzung stellte die Wehrmacht am 1. April 1936 das die Tradition fortführende Infanterie-Regiment 81 auf. Es war ebenfalls in Frankfurt am Main stationiert und der 15. Infanterie-Division unterstellt.

Regimentsinhaber[Bearbeiten]

Angehörige des Regiments (linke und rechte Figur) um 1840

Regimentskommandeure[Bearbeiten]

  • 1866 Oberst von Sell
  • 1871 Oberst von Langen
  • 1876 Oberst von Conring
  • 1882 Oberst von Struensee
  • 1887 Oberst von der Groeben
  • 1888 Oberst Freiherr d’Orville von Löwenclau
  • 1891 Oberst von Sydow
  • 1893 Oberst von Kehler
  • 1897 Oberst von Werder
  • 1900 Oberst von Wrochem
  • 1903 Oberst Freiherr von Hanstein
  • 1904 Oberst von Wartenberg
  • 1914 Oberst von Davans

Garnison[Bearbeiten]

Die Kaserne des Regiments im Jahre 1950. Der im Hintergrund stehende Block ist heute Polizeirevier, alle anderen Gebäude wurden abgebrochen, auf dem Gelände befindet sich heute des Behördenzentrum.

Entstehungsgeschichte des Regiments[Bearbeiten]

Als Traditionsverband des Regiments gilt das 1. Kurhessische Infanterie-Regiment „Kurfürst“, das 1789 aus dem landgräflich hessen-kasselschen Leib-Regiment-Infanterie und dem Regiment Landgraf unter der Bezeichnung „Leibregiment-Infanterie“ zusammengelegt wurde. Das Leibregiment Infanterie bildete dabei das I. Bataillon, das Regiment Landgraf das II. Bataillon. Das Leibregiment führte 1803 den Namen „Kurfürst“ und wurde 1806 bei der französischen Besetzung Hessen-Kassels durch den Kurfürsten beurlaubt. Erst 1813 wurde das Regiment als „Regiment Kurfürst“ wieder aktiviert. Im Deutschen Bund führte das Regiment die Namen 1. Linien-Infanterieregiment (1821), 1. Linienregiment Kurprinz von Hessen (1824), Leib-Regiment (1831), 1. Infanterieregiment, Leib-Regiment (1835), 1. Infanterieregiment Kurfürst (1856).

Aus diesem Regiment traten nach der Annexion Kurhessens durch Preußen nach dem Deutschen Krieg 1866 21 Offiziere und 520 Unteroffiziere und Mannschaften als Stamm zu dem neuen Regiment über, das durch Abgaben von Kompanien verschiedener preußischer Regimenter aufgestockt wurde.[2]

Neuaufstellung nach dem Deutschen Krieg 1866[Bearbeiten]

Die Frankfurter Gutleutkaserne war 1880 bis 1918 Standort des Regiments - jetzt Polizeirevier

Im Deutschen Krieg 1866 sah sich der sehr preußenfreundliche und kriegsunwillige Kurfürst genötigt, nach der Ausrufung der Bundesexekution gegen Preußen mobil zu machen. Allerdings war nahezu die gesamte kurhessische Armee als Besatzung der Bundesfestung Mainz bestimmt worden. Es gab nahezu keine Feindseligkeiten zwischen den beiderseitigen Streitkräften.

Da jedoch Hessen-Kassel den Erweiterungsbestrebungen Preußens im Wege stand, wurde das Land zusammen mit dem im Juli 1866 von Preußen besetzten Herzogtum Nassau und der Freien Stadt Frankfurt als Provinz Hessen-Nassau von Preußen annektiert. Die kurhessischen Truppen wurden in die preußische Armee eingegliedert.

Am 30. Oktober 1866 wurde das Regiment als 1. Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 81 neu aufgestellt. Hierzu mussten abgeben:

  • das Königs-Grenadier-Regiment Nr. 7 die 8., 13., 14. Kompanie
  • die Infanterie-Regimenter 47, 58 u. 59 jeweils die 13.–15. Kompanie

Dazu kamen 21 Offiziere und 520 Mannschaften ehemaliger kurhessischer Soldaten.

Zur Verstärkung anderer Einheiten mussten abgegeben werden:

  • am 1. April 1881 die 11. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 97
  • am 1. April 1887 die 8. Kompanie an das Füsilier-Regiment Nr. 80
  • am 1. Oktober 1890 die 6. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 145

Das Regiment führte später die Bezeichnung Infanterie Regiment Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel (1. Kurhessisches) Nr. 81 und ab 1909 1. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 81.

Das Regiment gehörte zur 42. Infanterie-Brigade der 21. Infanterie-Division im XVIII. Armeekorps und wurde zunächst in Mainz stationiert. Nach dem Krieg von 1870/71 kam es nach Frankfurt am Main, wo es bis 1879 in den Räumen des ehemaligen Karmeliterklosters untergebracht war. Aufgrund der mittelalterlich beengten Räumlichkeiten waren Teile der Truppe noch bis 1879 in Privathäusern einquartiert. Das III. Bataillon war bis 1870 nach Kassel, 1870-1872 nach Kastel und von 1872 bis 1880 nach Fulda detachiert.

1880 bezog das Regiment die 1877 bis 1879 nach Plänen von Bruhns und Zacharias errichtete Gutleutkaserne in Frankfurt am Main.

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

Das Regiment war Teil der 14. Division und nahm in der Zeit vom 19. August bis zum 27. Oktober 1870 an der Belagerung von Metz teil. Das I. Bataillon führte am 26. August ein Gefecht bei La Grange aux bois.

Deutsches Reich[Bearbeiten]

Da es in der Bürgerschaft der 1866 annektierten ehemaligen Freien Stadt Frankfurt noch verbreitet antipreußische Ressentiments gab, war das Regiment mit Polizeivollmachten ausgestattet. Am 21. April 1873 schlugen sechs Kompanien des Regiments den Frankfurter Bierkrawall gewaltsam nieder. Dabei gab es 20 Todesopfer, darunter eine Frau und einen zehnjährigen Jungen. Auf Seiten des Regimentes war eine Kopfverletzung eines Leutnants infolge eines Steinwurfs die schlimmste Verletzung.

1901 kam das Regiment zu einem Einsatz im Katastrophenschutz, nachdem am 25. April ein schweres Explosionsunglück in der Pikrinsäureherstellung der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron 26 Tote und 94 Verletzte gefordert hatte.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 1. August 1914 abends um 18.15 Uhr erhielt das Regiment den Befehl zur Mobilmachung, die am 2. August begann. Innerhalb von fünf Tagen erreichte es durch Einberufung von Reservisten seine vorgesehene Kriegsstärke. Am 7. August verlegten der Regimentsstab und die Maschinengewehrkompanie, am 8. August die drei Bataillone mit der Bahn nach Kahren. Zusammen mit den anderen zur 4. Armee gehörigen Truppen unter Albrecht Herzog von Württemberg marschierte es gegen die luxemburgische Grenze auf.

1914[Bearbeiten]

(Französisch-Belgischer Kriegsschauplatz)

  • 22. August: Schlacht bei Bertrix
  • 23. August: Schlacht bei Orgeo
  • 24. August: Schlacht bei Matton
  • 28. August: Schlacht bei Rancourt (Somme)
  • 6.–11. September: Marneschlacht, Étrepy – Maurupt
  • 22. September – 8. Oktober: Gefechte bei Champien, Roye, Villers les Roye und Andechy
  • ab 10. Oktober: Stellungskämpfe vor Roye (so löste es am Abend des 14. Oktober das Regiment Lübeck in der Stellung bei St. Aurin-Laucourt ab)
  • ab 14. November: Stellungskämpfe vor Andechy

1915[Bearbeiten]

  • Bis Oktober Fortsetzung der Stellungskämpfe. Danach Herausziehung des Regiments zur Vorbereitung der Schlacht um Verdun

1916[Bearbeiten]

  • Januar bis 21. Februar: Vorbereitung der Schlacht um Verdun
  • 22. und 23. Februar: Schlacht um Verdun, Erstürmung des Caureswaldes
  • 24. Februar: Angriff auf Höhe 344 (Samogneux)
  • 25. bis 28. Februar: Kämpfe um und auf dem Pfefferrücken
  • 2. bis 11. März: Kämpfe im Chauffour- und Albainwald
  • 5. bis 20. April: Kämpfe im Cailette-Wald
  • 9. Oktober bis 5. November: Ruhe und Ausbildung in Favril und La Groise
  • ab 24. November: Stellungskämpfe ab der Somme

1917[Bearbeiten]

  • bis 10. Februar: Stellungskämpfe an der Somme
  • bis 3. März: Ruhezeit
  • ab 4. April: Doppelschlacht Aisne – Champagne
  • 26. April bis 5. Mai: Stellungskämpfe in der Champagne

Verlegung an den östlichen Kriegsschauplatz

  • 12. Mai bis 11. Juni: Ruhe und Ausbildung in Wilejka
  • 12. Juni bis 15 Oktober: Stellungskämpfe bei Krewo-Smorgon-Naroczsee

Verlegung an den westlichen Kriegsschauplatz

  • ab 24. Oktober: Kämpfe vor Reims

1918[Bearbeiten]

  • 1. Februar bis 20. April: Stellungskämpfe vor Reims
  • 1. Mai bis Ende Juli: Stellungskämpfe an der Avre (Somme)
  • August: Abwehrkämpfe zwischen Somme und Oise
  • 1. September bis 18. Oktober: Abwehrschlacht zwischen Cambrai und St. Quentin
  • 2. bis 11. November: Stellungskämpfe östlich der Schelde

Nach dem 11. November: Rückmarsch in die Heimat und Demobilisierung des Regiments.

Die Gesamtverluste des Regiments im Ersten Weltkrieg betrugen 113 Offiziere und 3.048 Unteroffiziere und Mannschaften.

Verbleib[Bearbeiten]

Nach Kriegsende stand das I. Bataillon in Wetzlar, das II. Bataillon in Siegen und das III. Bataillon in Frankfurt am Main. Das Regiment wurde schließlich bis 5. Mai 1919 über die Abwicklungsstelle Wetzlar demobilisiert und schließlich aufgelöst. Bereits im Januar 1919 hatte man mit der Bildung eines Freiwilligen-Bataillons begonnen, dass dann das II. Bataillon des Freikorps Hessen-Nassau wurde. Dieses wurde mit der Bildung der Vorläufigen Reichswehr das II. Bataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments 22.[3]

→ siehe auch: Kurfürstlich Hessische Armee

Literatur[Bearbeiten]

  • Hein: Das kleine Buch vom Deutschen Heere Leipzig 1901
  • Loeffelholz von Colberg, Freiherr und Hauptmann von Cochenhausen: Geschichte des 1. kurhessischen Infanterie-Regiments No. 81 vom Jahre 1866 bis zum Jahre 1888 (vervollständigt bis zur neuesten Zeit): Frankfurt/M., Selbstverlag des Regiments (Druck Reinh. Mahlau & Waldschmidt), 1903, 137 Seiten
  • v. Cochenhausen: Kleine Geschichte des 1. Kurhessischen Infanterie-Regiments Nr. 81 und seiner Stammtruppen; Berlin, Verlag M&S., 1913, 52 Seiten
  • Otto Schwalm: Das Königlich Preußischen Infanterie-Regiments Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel (1. Kurhessisches) Nr. 81 im Weltkriege 1914–1918 1932
  • H. A. Eckert / Dietrich Monten: Das Deutsche Bundesheer Dortmund 1990

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Alfred Börckel: Mainz als Festung und Garnison von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Verlag von J. Diemer, Mainz 1913 (S. 293).
  2. Regimenter der preußischen Armee auf preussenweb.de, abgerufen am 1. April 2011.
  3. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918 Teil VI: Infanterie Band 1: Infanterie-Regimenter, Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 148

50.10258.6608333333333Koordinaten: 50° 6′ 9″ N, 8° 39′ 39″ O