100. Jäger-Division (Wehrmacht)

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100. Jäger-Division
Truppenkennzeichen der 100. JD
Truppenkennzeichen der 100. JD
Aktiv 10. Oktober 1940 bis 1945 Kapitulation in Schlesien
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Truppengattung Infanterie
Typ Jägerdivision
Grobgliederung Gliederung
Stärke 15.000 Soll
Unterstellung 6. Armee
Aufstellungsort Döllersheim (Allentsteig) / Österreich
Spitzname “Tanne und Eichenlaub“
Zweiter Weltkrieg Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945
Schlacht von Stalingrad,
Kommandeure
Liste der Kommandeure
Insignien
Truppenkennzeichen 2 Truppenkennzeichen 2
Feldpostkarte mit der Feldpostnummer #31795; entsprechend dem Pionierbataillion 196, der 100. Jäger-Division (Wehrmacht)

Die 100. Jäger-Division (100. JD) war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht. Sie wurde im Deutsch-Sowjetischen Krieg unter anderem in der Schlacht von Stalingrad eingesetzt. Die Division bestand überwiegend aus Österreichern. Ihr unterstand auch ein kroatisches Regiment.

Divisionsgeschichte[Bearbeiten]

Einsatzgebiete

  • Ostfront-Südabschnitt: Juli bis Oktober 1942
  • Stalingrad: Oktober 1942 bis Januar 1943
  • Jugoslawien: April bis Juli 1943
  • Albanien: Juli 1943 bis März 1944
  • Ostfront-Südabschnitt: März bis September 1944
  • Ungarn und Schlesien: September 1944 bis Mai 1945

Am 10. Oktober 1940 wurde die Division auf dem Truppenübungsplatz Döllersheim als 100. leichte Infanterie-Division aufgestellt. Sie war Teil der 12. Aufstellungswelle. Am 6. Juli 1942 erfolgte die Umgliederung in die 100. Jäger-Division.

Ab 1941 nahm die 100. Jäger-Division beim Überfall auf die Sowjetunion am Vormarsch entlang der Wisznia, über den Dnjestr und die Strypa teil. Nachdem sie am Dnjepr, in Charkow und am oberen Donezk gekämpft hatte, kam die 100. Jäger-Division an die Miusfront.

1942 stieß die 100. Jäger-Division zum mittleren Don vor und bestritt Kämpfe bei Kalatsch und im großen Don-Bogen.

Im September und Oktober war die Division in der Schlacht von Stalingrad bei den Kämpfen um das Stahlwerk Roter Oktober, Höhe 102 (Mamajew-Hügel) und den Tatarenwall im Einsatz. Am 21. September 1942 erhielt die 100. Jäger-Division den Befehl, den Angriff der im Stadtzentrum kämpfenden deutschen Divisionen zu unterstützen und traf zwischen dem 25. und 26. September auf dem Stalingrader Kriegsschauplatz ein[G 1]. Dabei erlitt die Division bei den Kämpfen vom ersten Tag an, in der durch Luft- und Artilleriefeuer bereits stark zerstörten Stadtlandschaft, enorme Verluste. Anfang 1943 wurde die Jäger-Division im Kessel von Stalingrad vollständig vernichtet. Die 100. Jäger-Division war neben der 297. Infanterie-Division und der 44. Infanterie-Division eine der drei Stalingrad-Divisionen, die sich hauptsächlich aus Österreichern zusammensetzten.

Im März 1943 wurde die 100. Jäger-Division aus Truppen des Wehrkreises XVII (Wien) neu zusammengesetzt und nach Kroatien verlegt. 1944 war sie gegen Partisanen und zur Küstensicherung in Albanien im Einsatz. Danach wurde sie wieder zurück an die Ostfront verschoben, um die Front in Galizien zu stabilisieren.

Im Frühjahr 1945 gelangten die Reste nach Rückzugsgefechten in Schlesien und bei Trautenau in sowjetische Gefangenschaft.

Gliederung[Bearbeiten]

  • Jäger-Regiment 54
  • Jäger-Regiment 227
  • verstärktes (kroatisches) Infanterie-Regiment 369
  • Artillerie-Regiment 83
  • Feldersatz-Bataillon 100
  • Panzerjäger-Abteilung 100
  • Aufklärungs-Abteilung 100
  • Pionier-Bataillon 100
  • Divisions-Nachrichten-Abteilung 100
  • Divisions-Nachschubführer 100

Personen[Bearbeiten]

Kommandeure der 100. JD
Dienstzeit Dienstgrad Name
6. Juli 1942 bis 31. Januar 1943, danach Kriegsgefangenschaft Generalleutnant Werner Sanne
25. April 1943 bis 1. Januar 1945 Generalleutnant Willibald Utz
1.–31. Januar 1945 Oberst Hans Kreppel
1. Februar bis Mai 1945 Generalmajor Otto Schury
Stabsoffiziere (Ia) der 100. JD
Dienstzeit Dienstgrad Name
6. Juli 1942 bis 31. Januar 1943, danach Kriegsgefangenschaft Major Wolfgang Henkel
25. März 1943 bis 30. September 1944 Oberstleutnant Jürgen Bennecke
30. September 1944 bis 24. Januar 1945, im Einsatz gefallen Oberstleutnant Karl Krückeberg
10. Februar bis Mai 1945 Major Johann Schmidt
Während des Zweiten Weltkriegs diente Bennecke an West- und Ostfront, unter anderem war Bennecke im Dienstgrad eines Oberstleutnant Generalstabsoffizier der 100. Jäger-Division.[1] War von 1968 bis 1973 als General NATO-Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte Europa-Mitte (CINCENT) Commander in Chief, Allied Forces Central Europe – AFCENT.
Bereits im Ersten Weltkrieg wurde Czimatis mehrfach mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. 1932 machte er den Doktor der Ingenieurswissenschaften und wurde am 1. Dezember 1935 zum Major befördert. Czimatis war von 23. Juli 1941 bis zum Januar 1943 Kommandeur des Artillerie-Regiments 83 der 100. Jäger-Division und war in Kiew und in Uman im Einsatz. Vom 4. Januar 1943 bis zum 2. Februar 1943 befehligte er nach dem Ausfall von Oberst Bernhard Steinmetz die 305. Infanterie-Division. Nach der Kapitulation des Nordkessels in Stalingrad geriet Czimatis in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Angeblich soll er während der Gefangenschaft dem Nationalkomitees Freies Deutschland beigetreten sein.[3]
Franz Weller wurde in der Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde ausgebildet und erreichte im Jahr 1934 den Rang eines Hauptmanns. In der 12. Kompanie des Infanterie-Regiments 54 nahm er am Überfall auf Polen teil. Als Major befehligte er ein Bataillon im Westfeldzug. Im Juni 1941 war er mit dem Jäger-Regiment 54 bei der Operation Barbarossa im Einsatz und wurde einen Monat später zum Regimentskommandeur ernannt. Das Ritterkreuz erhielt er am 4. September 1941 für den erfolgreichen Durchbruch der Stalin-Linie bei Proskurow[4]. Die Beförderung zum Oberstleutnant erfolgte am 1. Februar 1942. Die Schlacht von Stalingrad verließ er Ende 1942 mit einer schweren Verwundung. Im Mai 1943 war er mit der Neuaufstellung des Jäger-Regiments 54 beauftragt, und am 1. Dezember 1943 ernannte man ihn zum Oberst. Im August 1944 zog er sich in den Karpaten eine weitere Verwundung zu. Noch im April 1945 leitete er die Infanterie-Division „Friedrich Ludwig Jahn“ in den letzten Kämpfen der Wehrmacht westlich von Berlin. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft wurde Weller bereits im Jahr 1946 entlassen und trat 1956 in die Bundeswehr ein, wo er zwei Jahre lang die Infanterieschule Hammelburg leitete. Dienstaustritt war am 31. März 1962.[5]
  • Oberjäger Friedrich Pein (* 20. Oktober 1915 Spitz/Bezirk Radkersburg/Österreich; † 14. Februar 1975 Mureck/Steiermark)[6]
Friedrich Pein trat im Oktober 1938 in die Wehrmacht ein und fungierte in der 12. Kompanie des Gebirgsjäger-Regiments 143 als Scharfschütze an der Ostfront. Zu Beginn des Jahres 1944 wurde er zur 2. Kompanie des JR 227 der 100. Jäger-Division abgestellt und diente in der Gruppe von Adolf Grubinger. Im selben Jahr wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Am 28. Februar 1945 erhielt er für 200 bestätigte Feindabschüsse das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.[5] Im Verlauf der Krieges wurde er dreimal verwundet, bevor er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Insgesamt wurden 46 Angehörige der 100. Jäger-Division mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet und 12 mit dem Ritterkreuz. Folgende Personen erhielten ein Lobeszertifikat vom Armee-Oberkommando[8]:

  • Leutnant Heinzel, 16. Kp./IR 54 am 20. August 1941
  • Feldwebel Holzmann, Zugführer 15. Kp./IR 54 am 20. August 1941
  • Oberfeldwebel Gottfried Rock, Zugführer/JR 227 am 17. Oktober 1944

Ritterkreuzträger

  • Oberstleutnant Franz Weller, Regimentskommandeur JR 54, verliehen am 4. September 1941
  • Generalleutnant Werner Sanne, Divisionskommandeur 100. JD, verliehen am 22. Februar 1942
  • Oberst Franz Neibecker, Regimentskommandeur JR 227, verliehen am 16. Februar 1942
  • Hauptmann Franz Klausgraber, Bataillonskommandeur III. Btl./IR 227, verliehen am 13. März 1942
  • Rittmeister Hans-Günther Braun von Stumm, Führer Aufklärungs-Abtlg. 100, verliehen am 20. Juli 1942
  • Hauptmann Otto Heger, Bataillonskommandeur II. Btl./JR 227, verliehen am 21. September 1944
  • Leutnant Otto Schneider, Führer Pi.Kp/JR 54, verliehen am 28. Oktober 1944
  • Oberleutnant Rudolf Kühnfels, Kompaniechef JR 54, verliehen am 9. Dezember 1944
  • Oberleutnant Josef Wagner, Kompaniechef 1. Kp./JR 227, verliehen am 18. Februar 1945
  • Oberjäger Adolf Grubinger, MG-Führer 9. Kp./JR 227, verliehen am 28. Februar 1945
  • Oberjäger Friedrich Pein, Scharfschütze 2. Kp./JR 227, verliehen am 28. Februar 1945
  • Oberjäger Josef Preiss, Gruppenführer 15. Kp./JR 227, verliehen am 20. April 1945

Funktion und Aufgaben[Bearbeiten]

Die ursprünglich nur aus zwei Infanterie-Regimentern bestehende 100. Jäger-Division galt als Einheit der leichten Infanterie und war für den Kampf mit kleineren und beweglichen Kampfgruppen im schwierigen Gelände (Mittelgebirge, Sümpfe, etc.) konzipiert. Aufgrund ihrer Eignung für unwegsame Geländeabschnitte fungierte die 100. Jäger-Division als mittlere Einheit zwischen Gebirgsjägern und herkömmlicher Infanterie. Typisch für einen Verband der leichten Infanterie besaß die 100. Jäger-Division nur leichte Artillerie und transportierte einen Großteil ihres Gerätes mit Pferden. Die Soldaten der 100. Jäger-Division mussten sich einer harten Gefechtsausbildung unterziehen. Neben Österreichern als größte Volksgruppe dienten Schlesier in diesem Verband.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanns Neidhardt: Mit Tanne und Eichenlaub. Kriegschronik der 100. Jäger-Division, vormals 100. leichte Infanterie-Division, Stocker-Verlag, Graz, Österreich, 1981, 468 Seiten mit 83 Skizzen, ISBN 978-3-7020-0373-9.
  • David M. Glantz: Armageddon in Stalingrad: September-November 1942 (The Stalingrad Trilogy, Volume 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009, ISBN 978-0-7006-1664-0.
  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 6. Die Landstreitkräfte 71 – 130. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1979, ISBN 3-7648-1172-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Auf den Seiten des Buchs:

  • David M. Glantz: Armageddon in Stalingrad: September-November 1942 (The Stalingrad Trilogy, Volume 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009
  1. S. 136

Weitere Nachweise

  1. Jürgen Bennecke im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Albrecht Czimatis. stalingradbattle.nl. Abgerufen am 15. März 2014.
  3. Oberst Dr. Abrecht Czimatis. 50-infanterie-division.de. Abgerufen am 15. März 2014.
  4. Chmelnyzkyj, Ukraine
  5. a b Walther-Peer Fellgiebel: Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939–1945, Friedburg, Germany: Podzun-Pallas, 2000. ISBN 3-7909-0284-5.
  6. Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939–1945: Pein, Friedrich. das-ritterkreuz.de. Abgerufen am 15. März 2014.
  7. Florian Berger: Ritterkreuzträger aus Österreich und den K.u.K. Kronländern, ISBN 3-9501307-4-8.
  8. wie soll man Commendation Certificate of the Commander-in-Chief of the Army treffend übersetzen?