110-kV-Leitung Lauchhammer–Riesa

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Die 1912 in Betrieb genommene 110-kV-Leitung Lauchhammer–Riesa war die erste Hochspannungsleitung mit einer Betriebsspannung von über 100 kV in Europa.[1] Sie wurde als zweikreisige Drehstromleitung ausgeführt und entsprach damit der elektrotechnischen Spezifikation heutiger Hochspannungsleitungen. Sie gehörte zum Elektrizitätsverband Gröba auf dem Rittergut Gröba bei Riesa in Sachsen.

Die Initiative zum Bau der Freileitung ging vom damaligen Generaldirektor der Eisen- und Stahlwerke A.G. Lauchhammer Joseph Hallbauer aus. Er erwog er mit dem Bau einer Hochspannungsfreileitung die Kosten für den Transport der Kohle von Lauchhammer zu den Stahlwerken nach Riesa und Gröditz zu reduzieren. Da alle bestehenden Leitungen nur für 50 kV ausgelegt waren, erschien ihm 65 kV als machbar. Gefordert wurde in den Stahlwerken aber die Leistung von 20 MW, die so mit 65 kV nicht zu bewerkstelligen war. Zusammen mit dem Dresdner Entwickler und Ingenieur Emil Gottfried Fischinger und Wilhelm Kübler einigte man sich danach für eine Leitung mit 110 Kilo-Volt.[2]

Die 110-kV-Leitung wurde als zweikreisige Dreiphasenwechselstrom-Freileitung ausgeführt. Das Elektrizitätswerk am Oberhammer in Lauchhammer wurde dazu neben der bereits bestehenden Brikettfabrik errichtet. Alle Komponenten mit den erforderlichen Spezifikationen wie Transformatoren, Isolatoren, Kabel mit Leitungsquerschnitten mussten entsprechend berechnet, konstruiert und produziert werden. Überführungen und Kreuzungen mit Bahnlinien und Fernsprechleitungen wurden eingerüstet. Die Elbe wurde mit einem Spannfeld von 272 Meter Länge überquert. Die beiden Maste an den Enden dieses Spannfelds waren 43 bzw. 37 Meter hoch.

Eine insgesamt 53 Kilometer lange 110-kV-Leitung von Lauchhammer nach Riesa existiert noch.[3] Im Jahr 1975 wurde der letzte Mast erneuert. Im Jahr 1929 speiste auf Höhe Plessa das neue Spitzenlastkraftwerk Plessa in das nunmehr bestehende 110-kV-Netz des Gröbaer Elektrizitätsverbandes ein. Heute befindet sich entlang der Trasse neben der erneuerten 110-kV-Leitung außerdem eine 380-kV-Höchstspannungsleitung.

Die gesamte Anlage war bis 1945 in Betrieb, der Abschnitt Gröditz-Riesa noch bis 1964.[2]

Ein Modell der für diese Leitung verwendeten Masten kann im Deutschen Museum in München besichtigt werden, einer der Originalmasten steht heute vor der Brandenburgischen TU Cottbus.

[Bearbeiten] Einzelnachweise und Literatur

  1. Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. leicht geänderte Auflage 2006, ISBN 3-938460-05-9.
  2. a b Die erste 110-kV-Leitung zwischen Lauchhammer und Riesa bei technik-in-hessen.de, abgerufen am 7. Juni 2011
  3. Jana Widuwilt: Das Elektrik-Zeitalter begann in Lauchhammer. In: Lausitzer Rundschau, 25. Januar 2012
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