15. Klavierkonzert (Mozart)

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Das 15. Klavierkonzert in B-Dur, KV 450, ist ein Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach abweichender Zählung handelt es sich um 9. Klavierkonzert des Komponisten.

Entstehung[Bearbeiten]

Das 15. Klavierkonzert entstand 1784 in Wien und gehört somit zur zweiten Gruppe der Wiener Konzerte Mozarts. Es handelt sich um das erste große Klavierkonzert Mozarts nach neuer und maßgebender Form. So sind die Bläserstimmen im Gegensatz zu vielen früheren Konzerten nun obligat und die formale Anlage vielfältig erweitert. Mozart komponierte das Werk, so wie die folgenden Konzerte auch, für eigene Konzertaufführungen in Wien. Er spielte das virtuose Konzert erstmals am 24. April 1784 in Wien.

Zur Musik[Bearbeiten]

1. Satz: Allegro[Bearbeiten]

Der Kopfsatz beginnt, wie zur Zementierung des neuen Verständnisses der obligaten Bläser, mit einem reinen Holzbläsermotiv. Dieses wird von den Streichern beantwortet und gemeinsam zum ersten Thema ausformuliert. Ein lyrischeres zweites Thema wird anschließend von den Bläsern intoniert und reizvoll von den Streichern umspielt. Das Soloklavier führt sich mit einer kleinen Solokadenz ein, bevor es das erste Thema aufnimmt. Anschließend entwickelt sich im Klavier ein drittes Thema, welches in der Orchesterexposition noch nicht erklang. Dies ist ein komplexes Gebilde aus figurativen, orchestralen und melodischen Elementen. Die kurze Durchführung wird hier vom Klavier solo begonnen und trägt eher den Charakter einer Phantasiedurchführung, da sie nicht sehr motivisch arbeitet. Ein Orgelpunkt führt zur Wiederkehr des ersten Themas und zum Einsatz der Reprise. Diese ist jedoch im Vergleich zur Exposition stark verändert, was ebenfalls im Typus des großen klassischen Klavierkonzertes nicht ungewöhnlich ist. So taucht beispielsweise das dritte Thema nun auch im Soloklavier auf. Die folgende Solokadenz geht sehr thematisch vor und erfordert ein hohes Maß an Virtuosität. Einige Schlusstakte des Orchesters beenden den bemerkenswerten und bedeutenden Satz mit Elementen des Hauptthemas.

2. Satz: Adagio[Bearbeiten]

Der zweite Satz trägt die bei Mozart selten vorkommende Tempobezeichnung Adagio. Meist bevorzugt der Komponist das fließendere AndanteTempo. Es handelt sich um einen Variationssatz, der ein ergreifendes Thema auf vielfältige Art und Weise bearbeitet. Vorgestellt wird das Material von den Streichern und vom Soloklavier wiederholt. Die drei Instrumentengruppen sind in diesem Satz höchst abwechslungsreich und abwechselnd verwendet. So beginnen Streicher und Klavier die erste Variation gemeinsam, nachdem sie das Thema noch nacheinander vorgestellt hatten. Der Solist umspielt mit Figurenwerk die lyrische Melodie der Streicher. Anschließend ist das Klavier zu Beginn der zweiten Variation gar wieder solo zu hören, bevor, überraschend spät, aber mit großer Wirkung, die Bläser ins Geschehen eingreifen. Der Bläsereinsatz wirkt wie ein unerwarteter Einfall strahlenden Lichtes, die Streicher verwenden in diesem Moment erstmals Pizzicato. Der kurze Satz wird mit einer Coda beendet, welche durch reizvolle dynamische Differenzierung eingeleitet wird. Mit einem Triller (Musik) im Diskant des Klaviers verklingt der ergreifende Satz.

3. Satz: Allegro assai[Bearbeiten]

Das große Schlussrondo beginnt mit dem Refrain im Soloklavier, der zunächst verhalten anklingt. Das Orchestertutti übernimmt mit ansprechender Rhythmik den Gedanken im Tutti. Ein zweiter Gedanke im Soloklavier ist kein eigenständiges zweites Thema, sondern verhält sich komplementär zum Refrainthema. Das erste Couplet bringt einen zweiten Gedanken und endet mit einem langen Orgelpunkt. Das lange zweite Couplet entwickelt ebenfalls ein neues Thema in Es-Dur. Es verlangt sehr kunstvolle Figurationen des Klaviers und stellt höhere Ansprüche an den Solisten als alle Rondos zuvor. Erneut komponiert Mozart einen Durchführungsteil in die Rondoform hinein. Es entwickelt sich ein Wechselspiel zwischen Oboe und Soloklavier, begleitet von Flöte, Oboe, Fagott und Horn in ungewöhnlich enger Lage. Es folgt eine überraschende Modulation von g-Moll nach A-Dur. Nach der kurzen Solokadenz bildet eine figurierte Fanfare den jubelnden Abschluss des Konzertes. Ein Forte subito führt innerhalb weniger Takte von Pianissimo zu Forte.

Stellenwert[Bearbeiten]

Das 15. Klavierkonzert stellt einen Meilenstein unter den Klavierkonzerten Mozarts dar, auch wenn die Entwicklung hierhin stufenweise voranging. In diesem Werk kommt es zur endgültigen Loslösung Mozarts von den traditionellen Formen des Konzertsatzes. Die Rolle der Bläser, als fester und obligater Bestandteil des Konzertes, wird nunmehr auch für die folgenden Klavierkonzerte gefestigt und geltend gemacht. Es ist dies die Verbindung der verschiedenen Klangwelten von Streichern, Holzbläsern und Soloklavier, die in dieser Art und Weise neu in der Musikgeschichte war. Mozart bestritt mit dem 15. Klavierkonzert neue Wege, welche endgültig auf Ludwig van Beethoven und die vollendete klassische Form weisen. Dies wird in den folgenden Klavierkonzerten bis zum letzten, dem 27. Klavierkonzert KV 595 durchgehend praktiziert und perfektioniert. Die Eingangsritornelle haben sich endgültig zu großen Orchesterexpositionen erweitert. Solist und Orchester führen ein eigenständiges Leben und werden reizvoll miteinander verknüpft. Wie sich bereits in vielen früheren Konzerten ankündigte, verfährt Mozart immer freier mit den festen Formprinzipien und legt sie jeweils für seine Zwecke neu aus. Des Weiteren sind die Konzerte ab nun von größerer Virtuosität und Anforderung an den Pianisten gekennzeichnet, als dies vorher der Fall war. Gerade das 15. Klavierkonzert gehört zu den technisch anspruchsvollsten Konzerten Mozarts, welches zu spielen nach eigener Aussage „schwitzen machte“. Auch das musikalische Material verdichtet und vervielfältigt sich in den großen Konzerten. So hat der Kopfsatz des 15. Klavierkonzerts drei Themen, von denen eines dem Solisten vorenthalten bleibt.

Mit diesem und den folgenden großen Klavierkonzerten hat Mozart der Musikgeschichte eine neue Welt erschlossen. Es gelang dem Komponisten unter Beibehaltung gewisser traditioneller Grundprinzipien, ein Höchstmaß an Erfindung und Kreativität zu verwirklichen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hansjürgen Schaefer: Konzertbuch Orchestermusik G-O. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-370-00036-9.
  • Harenberg Konzertführer. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1998, ISBN 3-611-00535-5.
  • Marius Flothuis: Mozarts Klavierkonzerte. C.H.Beck Wissen, München 1998, ISBN 3-406-41874-0.

Weblinks[Bearbeiten]