17. Klavierkonzert (Mozart)

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Das 17. Klavierkonzert in G-Dur, KV 453, ist ein Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. In der Zählung der rein von Mozart verfassten Klavierkonzerte ist es sein 11. Klavierkonzert.

Entstehung[Bearbeiten]

Das 17. Klavierkonzert entstand wie seine beiden Vorgänger im Jahr 1784 in Wien. Mozart schrieb es jedoch nicht für sich selbst, sondern – ebenso wie das 14. Klavierkonzert – für seine Schülerin Barbara Ployer. Diese spielte das Konzert auch erstmals am 10. Juni 1784 in ihrem Elternhaus in Döbling. Das Konzert ist technisch ebenso anspruchsvoll wie seine Vorgänger, was zeigt, dass Ployer durchaus eine begabte Pianistin gewesen ist.

Zur Musik[Bearbeiten]

1. Satz: Allegro[Bearbeiten]

Der Hauptsatz beginnt mit einem marschartigen Hauptthema in den Violinen, welches vom Orchestertutti aufgenommen wird. Der Marschcharakter, welcher in den folgenden Konzerten KV 456 und KV 459 sehr deutlich dominieren wird, erscheint hier recht gemäßigt. Eine lange Überleitung in Moll führt zur Dominante und zum zweiten Thema. Eine verhalten wirkende Schlussgruppe beendet die lange Orchesterexposition. Das Soloklavier übernimmt anschließend beide Themen und fügt gar noch ein eigenes drittes Thema hinzu. Die Überleitung zur Durchführung erfolgt mit Arpeggio-Mollakkorden, was zu einem zunehmend dramatischen Charakter der Musik führt. Es ist eine Stelle, die in ihrer Harmoniefolge auf Franz Schubert weist und somit als Grundlage romantischer Musik gelten kann. Nahezu jeder Takt bringt eine neue Harmonie, innerhalb von zwanzig Takten werden 13 Tonarten berührt. Es folgen thematische Elemente, welche diese Durchführung zwischen Phantasie- und thematischer Durchführung ansetzen. Die anschließende Reprise verläuft nahezu regelkonform. Sie endet mit einem harmonischen und dynamischen Trugschluss, wie er noch zweimal im Satz verwendet wird. So folgt auf die Dominante die erniedrigte sechste Stufe, verbunden mit einem Subitoforte des Klaviers. Nach einer sehr motivisch vorgehenden Solokadenz folgt ein ungewöhnlich langes abschließendes Orchesterritornell.

2. Satz: Andante[Bearbeiten]

Das Andante beginnt mit einer getragenen Orchesterkantilene, in welcher die Flöten eine tragende melodische Rolle spielen. Der Satz ist in der Sonatensatzform geschrieben, was für Mittelsätze in Mozarts Konzerten ein seltener Fall ist. Die Grundtonart des Satzes ist C-Dur.

Die Soloexposition des Klaviers löst dynamische Gegensätze, synkopisch einsetzende Läufe und eine Verschiebung der Harmonik nach Gis-Dur. Das Klavier führt zunächst einen völlig neuen Gedanken in g-Moll ein, bevor es zum kanonischen zweiten Thema übergeht, welches durch das Hinzutreten des Klaviers vierstimmig wird. Die Durchführung ist voll von harmonischen Raffinessen. Das Geschehen wird zunächst in 13 Takten nach gis-Moll geführt, bevor die Rückführung nach C-Dur in nur vier Takten pianissimo vollzogen wird. Dies ist eine der atemberaubendsten und bemerkenswertesten Stellen Mozartscher Musik. Es folgen eine veränderte Reprise, welche nur noch gemäß der Exposition abläuft, und, letztmals in einem Mittelsatz eines Klavierkonzertes von Mozart, eine Solokadenz. Der bemerkenswerte Satz schließt nach einer Variante des Hauptthemas pianissimo.

3. Satz: Allegretto, Presto[Bearbeiten]

Das Finale (in G-Dur) stellt einen Variationssatz dar. Das beschwingte, volksliedhafte Thema wird im Orchester vorgestellt und vom virtuosen Soloklavier in einer ersten Variation umspielt. Die Wiederholung der Variation bringt für sich neue Aspekte. So erhält jede Variation bei ihrer Wiederholung neue, ausgeschriebene, eigene Variationen. Die folgende dritte Variation bringt einen veränderten Rhythmus mit sich. Erneut greift das Soloklavier die Melodie auf und umspielt sie. Es folgt ein g-Moll-Abschnitt, welcher die vierte Variation darstellt. Die fünfte bringt schnelle abfallende Einwürfe des Orchestertuttis und einen vollgriffigen Klaviersatz. In einem zweiten Teil des Satzes hält Mozart ein Novum bereit. Die Coda ist zu einem instrumentalen Opernfinale erweitert. Eine Tempoverschärfung und beschleunigende Hornakkorde leiten die Coda ein. Zweimal taucht auch hier das Variationsthema kurz auf, ansonsten ist dieser Teil thematisch unabhängig.

Stellenwert[Bearbeiten]

Das 17. Klavierkonzert ist das dritte Konzert, in dem Mozart die große und neue klassische Form, welche er im Klavierkonzert KV 450 erreicht hatte, etabliert. So übernehmen beispielsweise die obligaten Bläser immer häufiger auch solistische Aufgaben und die Freiheit von den alten Formprinzipien ist deutlich zu spüren. Das 17. Klavierkonzert etabliert aber nicht nur die große klassische Form, sondern gehört zu den Konzerten, welche bereits in die kommende romantische Epoche deuten. So hat E.T.A. Hoffmann eine auf Schubert weisende Harmoniefolge im dritten Satz als „Beispiel der romantischen Musik“ bezeichnet. Der große Aufbau des Konzertes mit langen eigenständigen Orchesterpassagen mahnt bereits an sinfonische Klavierkonzerte, welche in der Romantik immer häufiger entstehen. Auch weist es auf die kommenden eigenen, größeren, sinfonischeren Klavierkonzerte, welche spätestens mit dem Klavierkonzert KV 466 beginnen.

Innerhalb der Klavierkonzerte Mozarts ist das vorliegende Werk außerdem das letzte, in welchem der Mittelsatz noch eine Solokadenz verlangt. Die emotionale und künstlerische Bedeutung der Mittelsätze, in der Regel Andante-Sätze, steigt in den kommenden Konzerten stetig an und legt den Fokus zunehmend auf Ausdruck und künstlerische Aussage, weniger auf Virtuosität. Bereits im nachfolgenden 18. Klavierkonzert KV 456 fehlt diese Kadenz im Andante. Die Gestaltung des dritten Satzes stellt gar ein Unicum im Mozartschen Schaffen dar. Es handelt sich nicht um ein Rondo, sondern um einen Variationssatz, welcher bis zur Coda in fünf Variationen regelgerecht abläuft. Der Abschluss des Satzes ist jedoch die Verwirklichung eines originellen Einfalls Mozarts: die Instrumentalfassung der Coda eines Opernfinales. Es stellt ein in der Hauptsache eigenes Thema dar, in welches das Variationsthema nur zweimal kurz eingebaut wird. Dies ist ein einmaliger Vorgang in den Klavierkonzerten Mozarts.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hansjürgen Schaefer: Konzertbuch Orchestermusik G-O. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-370-00036-9.
  • Harenberg Konzertführer. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1998, ISBN 3-611-00535-5.
  • Marius Flothuis: Mozarts Klavierkonzerte. C.H.Beck Wissen, München 1998, ISBN 3-406-41874-0.

Weblinks[Bearbeiten]