198. Infanterie-Division (Wehrmacht)
| 198. Infanterie-Division | |
|---|---|
| Aktiv | Dezember 1939–April 1945 |
| Land | |
| Streitkräfte | Wehrmacht |
| Teilstreitkraft | Heer |
| Truppengattung | Infanterie |
| Typ | Infanteriedivision |
| Grobgliederung | Gliederung |
| Stärke | 15.000 Soll |
| Aufstellungsort | Prag und Pilsen |
| Kommandeure | |
| Liste der | Kommandeure |
Die 198. Infanterie-Division (198. ID) war ein militärischer Großverband des deutschen Heers im Zweiten Weltkrieg.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Divisionsgeschichte
Die 198. ID wurde im Dezember 1939 mit Reservetruppen aus dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren aufgestellt.
Im Rahmen der Operation Weserübung im April 1940 wurde die Division zur Besetzung von Kopenhagen, Seeland und der dänischen Insel Bornholm eingesetzt. Nach dem Westfeldzug wurde die 198. ID im Rahmen des Unternehmens Barbarossa bei der 11. Armee während des Überfalls auf die Sowjetunion im Juni 1941 eingesetzt. Dabei kam es im stark befestigten Gebiet der sowjetischen Südfront zu ersten Gefechten. Generalmajor Röttig leitete den Übergang über den Fluss Pruth, der durch Sprengungen von Wachtürmen an der Grenze durch Spähtrupps der 198. ID eingeleitet wurde. Am 22. Juni 1941 dehnte die 198. ID ihre gewaltsame Erkundung aus und besetzte den Grenzort Sculeni. Die Hauptaufgabe fiel dem IR 305 zu, welches den Brückenkopf gegen starken Feindwiderstand verteidigte. Erst am 1. Juli 1941, als die übrigen Divisionen des XXX. Armeekorps nachrückten, setzte die 198. ID ihren Angriff aus dem Brückenkopf heraus fort.
1942 kämpfte die 198. ID mit dem V. Armeekorps in der Kalmückensteppe und am Kaukasus. Am 10. August 1942 wurde Krasnodar, die Hauptstadt des Kuban-Distriktes, erreicht, welche nach erbitterten Häuserkämpfen erobert wurde. Anfang des Jahres 1943 kämpfte die 198. ID an der Gotenstellung östlich von Krasnodar. Im Februar 1943 entwickelten sich nach der Landung sowjetischer Truppen in der Bucht von Noworossijsk und dem sogenannten „Kleinen Land“ südlich des Kuban schwere Kämpfe. Vor allem im Gebiet der Ortschaft Uliza Anapskaja entwickelten sich intensive Häuser- und Straßenkämpfe. Die 198. ID gehörte zu den ersten verfügbaren Eingriffstruppen, welche den sowjetischen Brückenkopf säubern sollten. GR 305 kämpfte bei Stanitschka unter schweren Bedingungen im Häuserkampf und erlitt dabei schwere Verluste. Insgesamt dauerte die Schlacht um das „Kleine Land“ sieben Monate, wobei vier deutsche Divisionen und einige rumänische Regimenter gegen 78.500 Rotarmisten[A 1] mit 600 Geschützen kämpften.
Im Juli 1943 war die Division mit dem XI. Armeekorps im Rahmen des Unternehmens Zitadelle an der Panzerschlacht von Prochorowka, ca. 60 Kilometer südlich von Kursk in Mittelrussland beteiligt und wenig später an der Kursker Südfront zwischen Belgorod und Korotscha. Im August 1943 kämpfte die 198. ID unter dem Korpsbefehl von General der Panzertruppe Erhard Raus in der vierten Schlacht um Charkow in Abwehrstellungen im nördlichen Sektor.
Die Kampfmoral der Heeresgruppe Süd während der Belgorod-Charkower Operation wurde wie folgt beschrieben:
„ Die Panikstimmung in der Truppe muss überwunden werden. Die 198. und 168 ID stehen auf Breiten, in denen Feindangriffe abgewiesen werden können. Es darf nicht zurückgegangen werden. Es ist unverständlich, dass sich die kampfkräftige 198. ID aus Belgorod herausdrücken ließ. “
– Dokument Nr. 2: Erwägungen bei der Heeresgruppe Süd im August 1943 betreffend Erhalt der Kampfmoral, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe gegenüber der Armeeabteilung Kempf vom 5. August 1943
„Beide Divisionen hätten die Front im wesentlichen auch gehalten, sind aber umfasst. Wenn heute nacht nicht zurückgegangen worden wäre, hätte es eine viel größere Panne gegeben. “
– Generalfeldmarschall Erich von Manstein am 5. August 1943
Im Oktober 1943 versuchte die 198. ID vergeblich, Schitomir gegen sowjetische Vorstöße zu halten. Im Januar 1944 kam es zu einem größeren Einbruch im Sektor der Heeresgruppe Süd, welche im Frühjahr 1944 die Hauptlast der Kämpfe an der Ostfront trug. Unter anderem brach die 1. Ukrainische Front der Roten Armee bei Kanew über den Dnjepr durch. Am 26. Januar 1944 konnte die 198. ID eine Verteidigungsstellung gegen die 1. Ukrainische Front nicht halten, wodurch diese in östliche Richtung vorstoßen konnte und am 28. Januar bei Swenyhorodka mit der von Osten heranrückenden 2. Ukrainischen Front einen Ring zum Kessel bei Tscherkassy schließen konnte. Die 198. ID befand sich außerhalb des Kessels in der Nähe von Swenigorodka und schützte die Flanken des sich anschließenden Entlastungsangriffes des III. Panzerkorps.[1] Nach dessen Scheitern am 16. Februar 1944 „bestand die 198. ID nur noch auf dem Papier.“
Im Juni 1944 musste die Division als Teil der 26. Welle von der Schatten-Division „Böhmen“ neu aufgestellt werden. Anschließend wurde sie zur 19. Armee nach Südfrankreich verlegt. Im Januar 1945 nahm die 198. ID zusammen mit der Panzerbrigade 106 Feldherrnhalle am Unternehmen “Sonnenwende” teil, welches ergänzend zum Unternehmen Nordwind einen erfolglosen Angriff auf Straßburg und eine Entlastung des Brückenkopfes Elsass darstellte. Nach der Flucht aus dem Kolmarer Kessel kapitulierten die Überlebenden vor US-Truppen im April 1945 in Weilheim.
[Bearbeiten] Personen
| Dienstzeit | Dienstgrad | Name |
|---|---|---|
| 10. Januar 1940 – 10. April 1942 | General der Infanterie | Otto Röttig |
| 10. April – 6. September 1942[A 2] | Generalmajor | Albert Buck |
| 6. September 1942 – 5. Februar 1943 | General der Infanterie | Ludwig Müller |
| 5. Februar 1943 – 1. Juni 1944 | Generalleutnant | Hans-Joachim von Horn |
| 1. Juni – 1. August 1944 | Generalmajor | Otto Richter |
| 1. – 5. August 1944 | Generalleutnant | Kurt Oppenländer |
| 5. August – 1. September 1944 | Generalmajor | Alfred Kuhnert |
| 1. September 1944 – 18. Januar 1945 | Generalmajor | Otto Schiel |
| 18. Januar – 26. April 1945 | Generalmajor | Konrad Barde |
| 26. April – 8. Mai 1945 | Generalleutnant | Helmuth Städke |
| Dienstzeit | Dienstgrad | Name |
|---|---|---|
| 5. Januar – 25. Oktober 1940 | Oberstleutnant | Karl Klotz |
| 25. Oktober 1940 – April 1942 | Oberst | Bernhard-Georg von Watzdorf |
| unbekannt – 6. September 1942[A 3] | Major | Buhl |
| 15. November 1942 – 1. Juli 1943 | Major | Friedrich-Wilhelm von Graevenitz |
| 10. Dezember 1943 – 30. Mai 1944 | Oberstleutnant | Heinrich Schäfer |
| 30. Mai – 30. September 1944 | Oberstleutnant | Freiherr von Finck |
| 30. September 1944 – 1945 | Major | Robert Grauer |
[Bearbeiten] Gliederung
| 1940 | 1942 | 1943–1945 |
|---|---|---|
| Infanterie-Regiment 305 | Grenadier-Regiment 305 | |
| Infanterie-Regiment 308 | Grenadier-Regiment 308 | |
| Infanterie-Regiment 326 | Grenadier-Regiment 326 | |
| – | Füsilier-Bataillon 198 | |
| – | Feldersatz-Bataillon 235 | |
| Artillerie-Regiment 235 | ||
| Panzerabwehr-Abteilung 235 | Panzerjäger-Abteilung 235 | |
| Pionier-Bataillon 235 | ||
| Nachrichten-Abteilung 235 | ||
| Versorgungseinheiten 235 | ||
[Bearbeiten] Literatur
- Georg Tessin: Verbände und Truppen der Deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 7. Die Landstreitkräfte 131 – 200. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1979, ISBN 3-7648-1173-0.
- French Maclean: Quiet Flows the Rhine: German General Officer Casualties in World War II. J J Fedorowicz Publishing, 1996, ISBN 978-0-921991-32-8.
- Gerhard Graser: Zwischen Kattegat und Kaukasus: Weg und Kämpfe der 198. Infanterie-Division 1939–1945. Kameradenhilfswerk und Traditionsverband der ehemaligen 198. Infanterie-Division, 1961
- Georg Grossjohann: Five Years, Four Fronts – The War Years of Georg Grossjohann. The Aberjona Press, 1999, ISBN 978-0-9666389-3-6.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ unter ihnen der spätere Parteichef der Sowjetunion Leonid Breschnjew
- ↑ während eines Hinterhalts des 723. sowjetischen Schützen-Regiments bei Klutschewaja getötet
- ↑ im Einsatz gefallen
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Nikolaus von Vormann: Tscherkassy, 1954, S. 60, 70, 79, 138–143